hochdeutsch,
adj. Germaniae superioris. 11)
zunächst hat das wort und das dazu gehörige substantiv Hochdeutschland
eine rein geographische bedeutung und ist in dieser seit dem 15.
jahrh. nachweislich gäng und gäbe: Hochteutschlant,
Norica, Teutonia, hochteutscher
teutonus, noricus. voc. inc. theut. k 2
b;
im gegensatz zu Niederdeutschland: nun ganz Germania wirdt in zwei theil getheilt, das zum gebürg hinzu gegen mittag wird das ober hoch Teutschland, das ander .. das nider Teutschland geheiszen. .. Hoch Teutschland hat alles in sich, was jhenseithalb der Thonaw und Rhein ligt, von dem flusz Magano. Frank
weltb. (1567) 41
b; graven, freien, herrn, ritter und edelknecht, von hochen und nidern teutschen landen, aus Gallia, Italia.
Zimmer. chron. 1, 78, 21. Hochdeutschland
umfaszt das alte gebiet der Franken, Baiern und Alemannen: das aber
die Franken so alt in Hochteutschland sind, kan man klerlich beweisen ausz Strabone .. diser Strabo setzet die Franken klar neben die Vindelicos, das ist, neben Beyern, daran sie noch zum theil rüren. Frank
German. chron. (1538)
bl. 85
a; mitler zeit sind die Alemani die hochteutschen, da itz sind Schwaben, Schweitz und Beyern, also ward Teutschland erstlich nach der zerstörung der römischen monarchi in zwei teil geteilt, in Alemanos und Frankos, aber die Franken sind zur zeit Pipini ... herrn worden über die Alemanos, darumb haben darnach die Franken ir reich also getheilt, Hochteutschland haben sie genent Osterreich, und das Niderland und Gallien Westerreich. 85
b.
dem entsprechend ist der schwerpunkt des reiches in den hochdeutschen landen,
die wol für das deutsche reich genannt werden: Otto der grosz und erst imperator und augustus in hochteutschen landen gesessen, ein herzog ausz Sachsen.
deutsche städtechr. 3, 67, 16.
im 16.
jahrh. sind Hochdeutschland
für heutiges Süddeutschland, hochdeutsch
für süddeutsch häufige wörter: wie ich auch weisz das in Hochteutschland vil loblicher stedt sind, die yhren christlichen predigern und schuldienern ausz eigen gutern ihre besoldung geben. Melanchthon
anricht. der lat. schul (
Bonn 1543) b 4
a; hat er inen ain gelegne herberg daselbst bei aim gebornen Hochdeutschen von Frankfurt am Main .. bestelt.
Zimm. chr. 1, 474, 23; was die ketzermeister inn Hochteutschland mit gewaltsamkeit nicht vermö
gen. Fischart
bienk. (1581) 192
a.
im 17.
jahrh. wird sowol Böhmen als Niedersachsen in gegensatz gebracht: solche vermächtnusz hinderlägten wir ... eine zu Prag hinter den senat, und die ander in meines manns heimath in Hochteutschland, so damals noch in seinem besten flor stunde und von dem kriegswesen das geringste nicht erlitten (
vorher ist von der schlacht bei Lutter die rede).
Simpl. 3, 57
Kurz. sonst ist ein gegensatz gegen die allgemeine bezeichnung Niederland
hervortretend: nachdem die iezernempten historici und andere mer nit Hochteutschen, sonder Franzosen oder Niderlender gewesen (
die geschichtschreiber des ersten kreuzzuges).
Zimmer. chron. 1, 79, 2,
es wird hier das letztere wort im heutigen sinne genommen; doch hat niederländisch
noch einen mehr flüssigen begriff und steht auch für das was wir heute niederdeutsch
nennen: (
das narrenschiff) upp dat nye uth dem hochdutzschen in sassche efte nederlendesche sprake .. gesettet.
narrenschiff s. 205
b Zarncke. 22) hochdeutsche sprache
wird allgemein von den oberdeutschen dialekten gesagt, ohne den fest abgegrenzten begriff einer allgemeinen schriftsprache, obschon diese sich später bildet. so unterscheidet Adam Petri im Basler nachdrucke des neuen testaments 1523
Luthers und unser hochteutsch: so ich gemerkt hab, das nicht yederman verston mag etliche wörter im yetzt gründlichen verteutschte neuwen testament, .. hab ich lassen die selbigen auf unser hoch teutsch auszlegen.
s. die stelle bei Fromm. 6, 41.
auch später noch: derselbig (
Fläming), nachdem er guet hochdeutsch, auch allerlai sprachen kundt.
Zimmer. chron. 3, 318, 33; herr (
sagt ein Danziger), ich höre an der sprach, dasz ihr ein hochteutscher seit. aus was für einer stadt seid ihr? Schuppius 251; weisz oft die helfte nicht was die leute reden, ob es rothwelsch, hoch- oder niderteutsch.
Simpl. 4, 463
Kurz. 33)
neben diesem allgemeinern sinne (
no. 2)
aber scheint hochdeutsch
auch auf die gemeine kanzleisprache gewendet worden zu sein, wie sie namentlich seit den letzten decennien des 15.
jahrh. durch Nürnberger und Augsburger drucke zu allgemeinerer verwendung und ansehen gekommen war. so braucht das wort gegen 1470
ein Westfale, der ein niederländisches gedicht in diese von ihm nicht gut gehandhabte sprache übersetzte: der hubschte furst in al Teutschlant mich seer of ein zit hot ermaent, gebetten auch durch grosz begyrt, das ich dis buch ym transferyrt usz flemscher sprach dy ist halb jutsch (
jütisch), in disse sprach als ist hochtutsch. Mone
anzeiger 4, 165.
auch franz. le hault alemant: que Tunstal, angloys, qui en avoit amplement escript, confessa que vrayement, en comparaison de luy, il n'y entendoit que le hault alemant. Rabelais
Garg. buch 1,
cap. 23,
was Fischart
anders wendet: dann Tunstal der Engelländer, welcher weitläufig davon geschriben, selber ihm den preisz gab und bekandt, das er inn vergleichung seiner, weniger darinn als inn knifwendischer, frisischer, und alter brittannischer wallischer sprach verstand.
Garg. 175
a.
die verdienste Luthers
um die ausbildung dieser gemeinen kanzleisprache als allgemein deutsche schriftsprache lieszen schon im 16.
jahrh. die, damals noch nicht unbestrittene, meinung entstehen, als ob die kursächsischen landstriche heimat und herd dieser sprache seien: sunt qui tractui circa Lipsiam elegantioris sermonis (quo Lutherus etiam libros suos condiderit) primas deferant: alii potius Augustanis, alii Basiliensium linguam magna ex parte probant. Gesner
vorrede zu Maaler 4
b;
eine meinung die bekanntlich im 17.
und 18.
jahrh. allgemein wurde: dasz sie (
churfürstliche durchlaucht zu Sachsen) ein herrscher über solche städte und festungen sein, worinnen die hochteutsche sprache glücklich geboren, glücklicher erzogen, und aufs glücklichste ausgezieret und geschmücket worden, auch noch täglich einen erneuerten und mehr lieblichen glanz empfähet; ich meine das prächtige Dreszden, das heilige Wittenberg, und das süszeste aller städte, Leipzig. Stieler
in der widmung seines wörterbuchs; sie redeten so feines hochteutsch, als ob sie geborne Sachsen waren.
insel Felsenburg 1, 98;
und der im jahre 1782 Wieland
in einer längern abhandlung: über die frage was ist hochdeutsch? (
werke, 6.
supplementband s. 298-366)
entgegen trat. hochdeutsch
in diesem sinne ward nun bezeichnung der vornehmern einheitlichen schriftsprache gegenüber den buntschillernden, manigfachen dialekten, indem man hoch
in der bedeutung vornehm (
sp. 1602)
empfand: das jetzt in schriften gebräuchliche teutsche, welches man in ansehen der pöbelsprach, hochteutsch nennet. Frisch
vorrede 2
a;
wie denn im jahre 1578
zu Basel ein buch erschien in dem hoch
in gleichem sinne auf das Italiänische bezogen ward: D. Federmann, sechs triumph Fr. Petrarchs, aus höchster italiänisch-tuscanischer sprach .. in teutsche vers gebracht.
so hochdeutsch
wie schriftdeutsch bei Fleming: Rohm ist nun Rohm gewesen. das edle Latien wird hoochdeutsch itzt gelesen. das volk, das mit der faust sonst alle völker trutzt, sieht nun erst, wie viel mehr die macht der zungen nutzt.
s. 94; die schönen Pierinnen, die nun durch Opitzen auch hochteutsch reden können. 150.
im gegensatz dazu steht niederdeutsch
wie niedriges, dialektisches deutsch, im munde des Dürings Neumark: so misz mir nicht bei .. als wenn ichs versehen, und ein niederteutsches wort unter das hochteutsch gemenget.
lustwäldchen, vorrede. und so endlich hochdeutsch
ironisch, von vornehmerer ausdrucksweise, in bezug auf ein fremdwort: mancher wirft den spielleuten, oder hochteutsch zu reden den herrn instrumentisten einen thaler auf. Chr. Weise
erzn. 320 (
cap. 33). 44)
um die zweideutigkeit von hochdeutsch (
no. 2
und 3)
zu vermeiden, hat wie es scheint, zuerst Bödiker
für die dialekte des höher gelegenen theiles von Deutschland die gesamtbezeichnung oberdeutsch
gefunden: ich theile die teutsche sprache, dasz ich itzt von der altteutschen und auch niederländischen nichts sage, inner Teutschland ab: 1. in die niederteutsche, 2. oberteutsche, und 3. hochteutsche.
grundsätze der teutschen sprache (
zuerst 1690,
hier nach der ausg. von 1746
s. 350); die hochteutsche sprache ist keine mundart eines einigen volks oder einer nation der teutschen, sondern aus allen durch fleis der gelehrten zu solcher zierde erwachsen, und in ganz Teutschland im schreiben der gelehrten wie auch im reden vieler vornehmer leute üblich. 391. Frisch
nimmt die neue bezeichnung auf, deren bedeutung er in seinem wörterbuche angibt: die bücher so im oberteutschen dialect ehmal geschrieben sind .. darunter sind die meisten die schweizerischen alten chroniken .. und die wenigern die oberrheinischen, schwäbischen, bayerischen, oesterreichischen,
etc. vorrede 3
b. Adelung
hat dieses wort zur allgemeinen geltung gebracht.