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hegel

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Herder
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Eintrag · Herder (Konv.-Lex., 1854–57)

Hegel

Bd. 3, Sp. 251
Hegel, Georg Friedrich Wilh., Philosoph u. Begründer des H.ianismus, geb. 1770 zu Stuttgart, studierte mit Schelling zu Tübingen, wurde Hauslehrer in der Schweiz, später zu Frankfurt a. M., begann 1801 philos. Vorlesungen in Jena, ärntete bei seinem elenden Vortrage wenig Beifall, mehr dagegen durch die Schrift: „Differenz des Fichte'schen und Schelling'schen Systems der Philosophie”, worin er als Vertheidiger des Schellingianismus auftrat. Nachdem er mit Schelling das kritische Journal der Philosophie herausgegeben hatte u. 1806 kaum Prof. geworden war, trieb ihn der Krieg nach Bamberg, wo er ein polit. Blatt redigirte, bis er 1808 Rector in Nürnberg wurde, wo er 1812—16 sein Hauptwerk, die Logik, schrieb. Einem Rufe nach Heidelberg folgend stellte er hier zum erstenmal in der Encyklopädie der philos. Wissenschaften (1817) sein System als Ganzes dar, ging schon 1818 nach Berlin, um den seit Fichte's Tod verwaisten Hauptlehrstuhl der Philosophie einzunehmen, gewann durch die Gunst der Mächtigen sowie durch eine Menge talentvoller Schüler großen Einfluß im Staate, in der Wissenschaft u. Kunst, st. jedoch schon 1831 an der Cholera. Gesammtausgabe seiner Schriften Berlin 1832—41, 18 B., Lebensbeschreibung von K. Rosenkranz, Berlin 1844. Ein Urtheil über H.s logischen Pantheismus, dessen Kern: Selbstvergötterung und Atheismus, am frühesten von F. Schlegel u. vom Geschichtschreiber Leo enthüllt wurde, ist bereits im Art. Deutsche Philosophie, Band II. S. 352 gegeben. Was Schelling unbewiesen gelassen, nämlich 1) daß die Gesetze der Natur und Wirklichkeit denen unseres Geistes entsprechen, somit Sein u. Denken identisch seien, ferner 2) wie wir zur intellectuellen Anschauung der Welt als eines organischen Ganzen gelangen, dies versuchte H. zu beweisen. Die Voraussetzung, daß das denkende Ich das Höchste sei, war dabei ebenso nothwendig als abgeschmackt; nothwendig, denn um jenen Beweis zu liefern, muß man vorher das Universum bis ins Einzelnste erkannt u. somit die absolute Wissenschaft inne haben; abgeschmackt, weil auf den Thron Gottes ein Professor sich setzte und dafür recht augenfällig mittelbar beweisen mußte, daß er eben doch nicht Gott, sondern nur ein Doctor philosophiae des 19. Jahrh. sei. Fruchtbar u. verdienstlich ist übrigens die Methode des H.ianismus, als deren Entdecker Fichte senior betrachtet werden muß und welche in bescheidenen Stunden H. selbst als das Bleibende an seinem schematisirten und rubricirten Begriffsall betrachtete. Dieselbe bewegt sich von der Thesis, Setzung (z.B. Eins) fort zur Antithesis, Entgegensetzung (z.B. Nichteins) und gewinnt durch verneinende Zusammenfassung beider, durch die Synthesis, einen neuen Begriff (z.B. Vieles), der wieder zur Thesis, Antithesis u.s.w. wird. In seiner Phänomenologie lieferte H. die Entwicklung der Bildungsepochen des Bewußtseins auf seinem Wege zum philos. Wissen (Meinen, sinnliche Gewißheit, Verstand, Selbstbewußtsein, Geist, Religion, absolutes Wissen, Wissenschaft), die „Entdeckungsreisen des Geistes”. Uebersichtlich zerfällt sein System: I. in Logik, welche Metaphysik sein und vom reinen Sein ausgehend das Universum in lauter pure „anschauungslose” Vernunftbegriffe verwandeln, dieselben dialectisch auseinander ableiten und zum Systeme gestalten soll. Das mit bewunderungswürdigem Scharfsinne geschriebene Werk enthält a) die Lehre vom Sein (Qualität, Quantität, Maß); b) vom Wesen (Wesen als solches, Wesen u. Erscheinung, Wirklichkeit) u. c) die Lehre vom Begriff, von der vernünftigen Nothwendigkeit (subjectiver Begriff, Objectivität, Idee). Die II. Naturphilosophie enthält die Mechanik (System der Schwere), Physik (Lehre von der unorganischen Natur) u. Organik (Mineral-, Pflanzen- u. Thierreich). Hier werden die Mängel des Systems offenbar; H. vermochte den pomphaft verkündigten Satz: nur das Wirkliche sei das Wahre und nur die Wahrheit die Wirklichkeit, nirgends zu beweisen geschweige durchzuführen, die Natur hatte auch für ihn noch wie für uns zahllose Räthsel und deßhalb fertigte er die Natur kurz ab als „den sich entfremdeten, außer sich selbst gekommenen Geist, als einen bacchantischen Gott, der sich nicht zügelt noch faßt”. Desto reicher gedieh III. Die Philosophie des Geistes, zumal es galt, alles Fühlen und Glauben, die edelsten Empfindungen des Herzens, alle Gottesfurcht gewaltsam „zum Bewußtsein zu bringen.” Sie zerfällt a) in die Lehre vom subjectiven Geist und behandelt die Anthropologie (Naturgeist), Phänomenologie (bewußter Geist, das Ich) und Pneumatologie (Geist als solcher). Die b) Lehre vom objectiven Geist (Gesammt- oder Weltgeist) enthält die Rechtsphilosophie (Recht ist = der Wille der Allgemeinheit; das erste Gebot = sei eine Person und respectiere andere als Personen, in der That aber die Vernichtung jedes einzelnen Willens, welcher sich dem Gesammtwillen nicht fügen mag, daher H. die Todesstrafe eifrig vertheidigte); die Moral als Lehre vom pflichtmäßigen Handeln aus Gründen des Gewissens (das Gute ist — Versöhnung des Einzelwillens mit dem Gesammtwillen); die Sittlichkeitslehre, worin das Sittliche als Einheit des subjectiven und objectiven (sein sollenden) Guten aufgefaßt, von der Familie, bürgerl. Gesellschaft und Polizei verhandelt wird; endlich die Lehre vom Staate, worin H. den Staat als die bestehende Vernunft bespricht und der altheidnischen Staatsallmacht feurig das Wort redet; einerseits derjenigen Verfassung huldigt, welche den Monarchen nur als „Tüpfelchen auf dem i” gelten läßt, anderseits den Ständen nur das Recht zugesteht, sich zu überzeugen, „daß gut regiert werde” u. solches dem Volke zu verkündigen. Der c) absolute Geist offenbart sich unmittelbar u. für die sinnliche Anschauung als Schönes in den Künsten, von denen die Poesie den Uebergang zur Religionsphilosophie macht. Unter allen Religionen ist die „offenbare” d.h. christliche die höchste, weil sie in der Person Christi den Gottmenschen d.h. denjenigen Philosophen des Alterthums schaut, der mindestens auf der untergeordneten Stufe der Vorstellung bereits als absoluter Geist sich wußte und weil die Trinitätslehre einen Hintergrund für H.s Methode abgibt. Streift man laut H. vom Christenthum nur die Form der religiösen Vorstellung ab, so erklimmt man die absolute Philosophie, d.h. die Philosophie des Gedankens, der sich selbst als alle Wahrheit weiß und das gesammte Universum, das natürliche sowohl als das geistige, aus sich selbst heraus reproducirt. — Bekanntlich gewann der H.ianismus in Preußen (vergl. Altenstein) und von da aus in andern Staaten mehr oder minder die Bedeutung einer Staatsreligion, seine Wirkung auf die Literatur, namentlich auch auf die theolog. der Protestanten war ungeheuer, aber er kam in Mißkredit, indem unter seinen Anhängern die Dichter ihre Theorien der Revolution darauf bauten, die Philosophen, H.ianer oder H.inge, von denen wir Erdmann, Gabler, Göschen, Gans, Michelet, Rosenkranz, Marheineke, Ruge, Feuerbach, Vischer, Zeller, Carriere, Bruno Bauer und namentlich Strauß nennen, sich in 3 Parteien spalteten, von denen die Linken als die folgerichtigsten nur noch „vom Stück Fleisch, das an der Gabel steckt”, philosophirten, die Linkesten, z.B. Max Stirner, den Atheismus und Communismus zur äußersten Spitze des Unsinnes trieben und selbst den L. Feuerbach (s. d.) einen „Pfaffen” schalten. Der Religion und Kirche haben die H.ianer sehr wider Willen wesentliche Dienste geleistet u. namentlich jene verzweifelnde Theilnahmlosigkeit für Philosophie hervorgerufen, welche gegenwärtig die Oberhand gewinnt. Vergl. Staudenmaier, Darstellung und Kritik des H.schen Systems, Mainz 1844.
7620 Zeichen · 98 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    hegelstn.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +3 Parallelbelege

    hegel stn. dem. zu hac Ls. 1. 380,183.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    hegelm.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    hegel , m. 1 1) stier, zuchtstier, vergl. unter DWB hagen taurus sp. 151. schweiz. hegi zuchtstier Tobler 260 b . 2 2) n…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Hegel

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Hegel , Georg Friedrich Wilh., Philosoph u. Begründer des H. ianismus , geb. 1770 zu Stuttgart, studierte mit Schelling …

  4. modern
    Dialekt
    Hegel

    Schweizerisches Idiotikon · +2 Parallelbelege

    Hegel Band 2, Spalte 1080 Hegel 2,1080

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit hegel

52 Bildungen · 18 Erstglied · 33 Zweitglied · 1 Ableitungen

hegel‑ als Erstglied (18 von 18)

Hegelbueb

Idiotikon

Hegelbueb Band 4, Spalte 931 Hegelbueb 4,931

hegelen

KöblerMhd

hege·len

hegelen , sw. V. nhd. schichten, Holz übereinanderlegen Q.: Minneb (um 1340) (FB hegeln) E.: Herkunft ungeklärt? W.: nhd. DW- L.: Lexer 406b…

Hegeler

Meyers

hege·ler

Hegeler , Wilhelm , Schriftsteller, geb. 25. Febr. 1870 in Varel (Oldenburg), studierte in München, Genf und Berlin Philosophie und Literatu…

Hegeler, Wilh.

DWBQVZ

Hegeler, Wilh. *1870 Varel/Oldenburg †1943 Ischenhausen.

hegelich

MWB

hege·lich

hegelich Adj. vgl. → behegelich Adj. und hagelîche Adv. ‘wohlgefällig’ [jmd. handelt] widir di gebot gotis und wider ein got hegeliches lebe…

hegeling

DWB

hege·ling

hegeling , m. 1 1) hägeling, fichtenstämmchen, das zu einem zaunstift dienen kann. Schm. 2, 163 . 2 2) auch ein kleiner weiszfisch, albula m…

Hegelischelm

Idiotikon

Hegelischelm Band 8, Spalte 704 Hegelischelm 8,704

Hegelmesserli

Idiotikon

Hegelmesserli Band 4, Spalte 461 Hegelmesserli 4,461

hegelîn

MWB

hegelîn stN. ‘Gesträuch, Wäldchen’ ein halb acker nebent hern Wilhelme vffes hegelin UrkCorp (WMU) N101,28 MWB 2 1247,3; Bearbeiter: Tao

hegelīn

KöblerMhd

hege·līn

hegelīn , M. nhd. Spruchsprecher, Gelegenheitsdichter E.: hegel (2) L.: Lexer 83b (hegelīn), LexerHw 1, 1205 (hegel)

hegel als Zweitglied (30 von 33)

Anti-Hegel

GWB

anti·hegel

Anti-Hegel für ESchubarths ‘Über Philosophie überhaupt und Hegel’s Encyclopädie der philosophischen Wissenschaften’ (1829) Mittags Dr. Ecker…

Būre(n)hegel

Idiotikon

Būre(n)hegel Band 2, Spalte 1082 Būre(n)hegel 2,1082

Chatze(n)chegel

Idiotikon

Chatze(n)chegel Band 3, Spalte 181 Chatze(n)chegel 3,181

Chrotte(n)hegel

Idiotikon

Chrotte(n)hegel Band 2, Spalte 1082 Chrotte(n)hegel 2,1082

Chämi(n)chegel

Idiotikon

Chämi(n)chegel Band 3, Spalte 181 Chämi(n)chegel 3,181

Däge(n)hegel

Idiotikon

Däge(n)hegel Band 2, Spalte 1082 Däge(n)hegel 2,1082

Eggchegel

Idiotikon

Eggchegel Band 3, Spalte 179 Eggchegel 3,179 u.

Fischegel

Campe

fisch·egel

Der Fischegel , des — s , d. Mz . w. d. Ez. eine Art Blutegel, rund, von ölbeergrüner Farbe mit weißen Flecken, die sich an Fische anhängt (…

Galle(n)hegel

Idiotikon

Galle(n)hegel Band 2, Spalte 1082 Galle(n)hegel 2,1082

Gasse(n)chegel

Idiotikon

Gasse(n)chegel Band 3, Spalte 179 Gasse(n)chegel 3,179 u.

Günnchegel

Idiotikon

Günnchegel Band 3, Spalte 181 Günnchegel 3,181

Hāgge(n)hegel

Idiotikon

Hāgge(n)hegel Band 2, Spalte 1082 Hāgge(n)hegel 2,1082

Lëtte(n)chegel

Idiotikon

Lëtte(n)chegel Band 3, Spalte 181 Lëtte(n)chegel 3,181 o.

Līre(n)hegel

Idiotikon

Līre(n)hegel Band 2, Spalte 1082 Līre(n)hegel 2,1082

Mǖschegel

Idiotikon

Mǖschegel Band 3, Spalte 181 Mǖschegel 3,181

Mǖse(n)chegel

Idiotikon

Mǖse(n)chegel Band 3, Spalte 181 Mǖse(n)chegel 3,181

Nëstchegel

Idiotikon

Nëstchegel Band 3, Spalte 181 Nëstchegel 3,181

Rolle(n)hegel

Idiotikon

Rolle(n)hegel Band 2, Spalte 1082 Rolle(n)hegel 2,1082

Rosschegel

Idiotikon

Rosschegel Band 3, Spalte 180 Rosschegel 3,180 o.

Rǟbe(n)hegel

Idiotikon

Rǟbe(n)hegel Band 2, Spalte 1082 Rǟbe(n)hegel 2,1082

Schwābe(n)hegel

Idiotikon

Schwābe(n)hegel Band 2, Spalte 1080 Schwābe(n)hegel 2,1080 u.

Schīsschegel

Idiotikon

Schīsschegel Band 3, Spalte 180 Schīsschegel 3,180 o.

Sǖ(w)chegel

Idiotikon

Sǖ(w)chegel Band 3, Spalte 181 Sǖ(w)chegel 3,181

treuschegel

DWB

treusch·egel

treuschegel , f. : die trüschegle bleibt auch nicht auf einer farben, denn im frühling wird sie bunt, zu anderer zeit aber ist sie weisz Hey…

Trüllihegel

Idiotikon

Trüllihegel Band 2, Spalte 1082 Trüllihegel 2,1082

Ableitungen von hegel (1 von 1)

verhegelen

KöblerMhd

verhegelen , sw. V. nhd. versperren Q.: Minneb (um 1340) (FB verhegeln) E.: s. ver…, hegelen W.: nhd. DW- L.: Lexer 479a (verhegelen), FB 41…