grundherr,
m. ,
der herr über grund und boden, landbesitzer; gr.,
dominus fundi, dominus proprietatis Henisch 1769;
gr.,
dominus directus vel etiam dominus territorii Schottel 473;
seit dem 14.
jh. zu belegen. 11)
gr. ist anders als grundbesitzer, grundeigenthümer
u. s. w. seit alters juristischer begriff von bestimmter geltung; zunächst in weiterem sinne der (
durch belehnung oder kauf)
über grund und boden verfügungsberechtigte herr, der das land gegen abgaben und zins an bäuerliche hintersassen oder pächter zur bewirtschaftung gibt; über die rechtliche entwicklung der grundherrschaft
vgl. R. Schröder
rechtsgesch. 461
ff.: zu dem ersten ist eyn apt und eyn convent des egenannten cloisters eyn rechter
gr. zu walt, waszer und weyde zu rechter eygenschafft (
v. j. 1421)
weisth. 1, 521; ist das der gruntherr desselbigen guets oder weingarten nit kaufen will in monatsfrist (16.
jh.)
österr. weisth. 5, 15; desselben hauss der erwirdig geistlich herr abbt Thoman ... rechtter gruntherr ist (
v. j. 1417)
urk. d. Benedict.-abtei zu d. Schotten 555
Hausrath; die gesworen des hoifs (
haben) bekannt den ... abt ... vur einen gruinthern des hoifs zo Cl. ... ind allen sinen hoefsguedern aldae gelegen (
Köln, v. j. 1504)
publ. d. gesellsch. f. rhein. gesch. 20, 355; für einen hoffs- und grundthern
weisth. 2, 477; welcher
gr. siglmäszig ist, der mag umb sein aigen grundt und poden ... woll fertigen
bair. lanndtordn. 26
b;
unterschieden vom '
burgherrn': ob dem gruntherrn sein recht wurd versessen, daz denn der purkherr sein recht hiet verloren, das wer paidenthalben ungevelligleichen
Wiener weichbildrecht in: sitzungsber. d. Wien. akad., phil.-hist. 36, 102;
auch der rechtsvertreter der grundherrn
führt die bezeichnung gr.: ich (
der amtmann), der ich an meines herren stat des aptes ... stifter und storer und auch gruntherre pin (
v. j. 1350)
urk. d. Bened.-abtei zu d. Schotten 265
Hausrath; ähnlich: wenn das gut ... dem pharrer als ainen gruntherren vervallen ist
öster. weisth. 6, 317. 1@aa)
als empfänger der zinsen: so mag ein jeder zinsher oder grunther umb sein jarzins pfenten zu sperren
österr. weisth. 2, 6; wir (
haben) auch von derselben gult ... gedint den geistlichen herren dacz den Schotten ..., die auch derselben gult recht gruntherren sint (
v. j. 1344)
urk. d. Bened.-abtei zu d. Schotten 247
Hausrath; der
gr. ... trieb ihn (
den schenkwirt), als er die zinsen nicht zahlen konnte, aus dem schenkhause Grässe
jägerbrevier 180. 1@bb)
als herr der auf seinem grunde angesiedelten hintersassen: als den grundtherrn von irn paursleuten, die auf den gütern leibrecht haben, vil ... beschwärung begegnen
landpot in Ober- u. Niederbaiern (1516) 43
a; solhen anschlag solt eyn yeder
gr. ... von seinen leudten und undersassen abnemen J. Unrest
chron. austriac. 681; die gesatz, welche den grundtherrn und bauleiten, disen ihren gewalt und jenen ihr schuldigkeit auszzaigen v. Brandis
ehrenkräntzel (1678) 157; das verhältnisz, wo alle bewohner einer ganzen gegend einem grundherrn unterthänig ... sind Fr. Schlegel
s. w. 11, 43; den rohen, soeben erst der erbuntertänigkeit entwachsenen bauern, die ihren grundherren noch voll grolles gegenüber standen Treitschke
dtsche gesch. 1, 284; ein patriarchalisches verhältnis zwischen grundherrn und ackerbauern (
kann) sich dabei nicht entwickeln
hwb. d. staatswiss.3 1, 12;
in formelhafter verbindung: grund- und lehenherr: der ... herr apt ... is daselbs ... ein gronther, lehnherr undt vogt
weisth. 2, 295;
zusammengezogen in grundlehenherr: der soll sein zwo theil desz grundtlehenherrn und die dritte theil des vogts 2, 75;
öfter erb- und grundherr: dasz ein jeder seinem erb- und grundherrn vor fremden zu dienen angehalten werde
acta publ. 5, 178; die zünfte ... behaupteten (
im jahre 1686) ..., dasz sie die erb- und grundherren der stadt (
Köln) wären
allg. dtsche bibl., anh. zu 37-52, 619; wir ..., grund- und erbherr der rosenthalischen güter Hippel
kreuz- u. querzüge 1, 413. 1@cc)
vielfach ist der gr. inhaber der territorialen (
meist niederen)
gerichtsbarkeit (
patrimonialgericht): alss hohen gerichts- und grundtherrn (
v. j. 1418)
weisth. 1, 794; für einen grundherrn und obersten gerichtsherren (
v. j. 1576) 3, 769; als grund- und gerichtsherr befehle ich Holtei
erz. schr. 35, 196; die jurisdiction und burgfreyheit hat ein jeder
gr. eines landmannguts in Österreich Hohberg
georg. cur. 1, 32; die freye unumschränkte gewalt eines grundherrens v. Fleming
vollk. t. jäger 50;
anders dagegen: (
der vogt hat) umb all sachen über die holden zue gepieten und der gruntherr nit; der gruntherr soll allain seins diensts gewarten und nit mer (
v. j. 1527)
österr. weisth. 7, 86;
vgl. weisth. 1, 521
v. j. 1421. 1@dd)
anders als bei grundbesitzer, -eigenthümer
verbindet sich daher mit gr. die vorstellung des vornehmen (
adligen)
reichbegüterten landbesitzers: da ir (
die geistlichen herren) euch yetzund grundtherren und rechte besitzer rhüment Sleidanus
reden 103
Böhmer; aus erbberechtigten adlichen grundherren Treitschke
dtsche gesch. 2, 353; das tagesleben des grundherrn ist ein wechsel von müsziggang und wilder aufregung G. Freytag
ges. w. 17, 3; ... da der stolze grundherr satt ward des festlands Geibel
w. 5, 211;
stehende verbindung ist groszer
gr.: (
der schlaf) flieht den groszen grundherrn Mommsen
reden u. aufs. 171; die verdrängung des freien bauernstandes durch eine geringe zahl groszer grundherren Jhering
geist d. röm. rechts 2, 156; die groszen grundherren und viehzüchter drauszen im 'campo' ... ähneln dem europäischen feudaladel auf den burgen E. v. Hesse-Wartegg
zw. Anden u. Amazonas2 340;
terminologisch in Baden: auch der ehemalige reichsadel (in Baden 'grundherren') behielt (
i. j. 1806) ... das recht der autonomie Schröder
rechtsgesch. 984
anm. 6;
so ist auch der landesherr, der fürst gr.,
vgl. weisth. 3, 769
v. j. 1576 (
s. oben); ir wissent, das keyser Carle euer rechter herr ist und wer seinen grundtherren widerstreyt, der thut wider got und billigkeyt
hertzog Aymont (1535) a 6
a; dasz der fürst und
gr. kommen werde Stifter 4, 1, 278
S.; aber anders: die macht desjenigen fürsten würde ... am festesten gegründet seyn, der in seinem gebiet alleiniger
gr. wäre v. Haller
restaur. d. staatswiss. 3, 28. 1@ee)
neuere juristische terminologie spaltet den älteren und weiteren begriff gr. je nach seiner wirtschaftlichen oder seiner rechtlichen stellung in gutsherr
und gr.: der gutsherr ... ist im eminenten sinne landwirt; die abhängigen bauern ... arbeiten ... im dienste und unter der leitung des gutsherrn. der
gr. erhält von den bauern überwiegend rente (zins, pacht) Conrad
staatswiss. hwb.4,
ergänzungsbd. (1929) 449
a;
anders unterschieden: der ausdruck gr. betrifft '
das (
mehr dem privatrecht angehörende)
rechtsverhältnis des eigentümers des grund und bodens zu den auf ihm angesiedelten nutzungsberechtigten', gutsherr
dagegen bezieht sich auf '
das obrigkeitliche verhältnis des gerichtsherrn (
gutsherrn)
zu seinen hintersassen' Bitter
hwb. d. preusz. verwaltg. (1906) 1, 747
b; der anschlusz an eine benachbarte schule erfolgt ... durch einen zwischen der gemeinde und dem schulpatron einerseits und dem grundherrn als vertreter der auf seinem grund und boden befindlichen bewohner andererseits abgeschlossenen vertrag
schulordnung f. Preuszen v. 11.
dez. 1845 § 57. 22)
nicht selten später auch in schlichtem sinn wie '
grundeigenthümer',
aber nur von ländlichem besitz: der tamhirz hat ein köstlich gehürn für gifft ... (
das läszt er) auf der stätt zur dankbarkeyt ligen, das es der herr des grunds und bodens finden und nutzen mag; wird er aber vom grundherren verfolgt ..., verbirgt er sein gehirn Fischart 3, 243, 13
Hauffen; das haus hält immer noch so hin, nur schade, dasz ich nicht der grundherr davon bin Stoppe
Parnass (1735) 134; da sich die dorfgemeinde einhellig verstanden ..., so ist selber (
d. h. selbiger punct) auch in hinsicht des schloszinnhabers zu B. und der betreffenden gruntherrn ganz unpraejudicierlich gemeint
österr. weisth. 3, 229 (
v. j. 1801); so ist es auf dem lande das vorrecht des grundherrn, dasz er sage: hier soll meine wohnung stehen und nirgends anders Göthe 20, 96
W.; (
die vollen zweige der obstbäume,) die mit müh der grundherr stützt
M. Greif
ged.5 111; die ... pflanzennährstoffe sind ein schatz, den die natur ... in den schoosz der erde zum besten des grundherrn niedergelegt hat v. Schwerz
ackerbau 194;
vgl.grondhär '
grundeigentümer'
lux. ma. 156
a. 33)
als bergmännischer terminus: gr. '
ist derjenige, welcher leiden musz, dasz der bergmann auf seinem felde muthen, schürffen und den gang entblösen darff. es ist aber ein unterscheid unter dem grundherren
zu machen, nehmlich unter dem, der das bergregale selber hat und unter dem, auf dessen erbguthe oder feldern der gang entblöset wird' Minerophilus
bergwercks lex. (1730) 315;
gr. '
heist bey den bergwercken derjenige, bey dessen gute jederzeit der erbkux bleibet'
Noel Chomel 4, 1389;
so wohl bereits in älteren belegen zu fassen: grundtherr
proprietarius Ph. Bech
v. bergbau (1557) s 2
a; es sol hinfürder ein jeder
gr., vom adel, bürger oder bauer alsbald eine neue fundgrube oder massen bestetiget, seinen erbtheil im bestetigen zu fordern schuldig sein
chursächs. bergordnung v. 4. xi. 1573 (1673)
art. 72; zu verrichtung derer ertzhöllfuhren sind ... die grundherren ... gemeynet Schönberg
berginform. (1693) 1, 53;
vgl. Hoyer-Kreuter
techn. wb. 1, 316. 44)
auf gott übertragen: so wir bekennen, alles das wir haben, das haben wir von im (
gott), darumb söllen wir es im wider zuschreiben als dem rechten grundherrn Luther 7, 253
W.; als einen machtschutz und grundherren, welcher alle ding träget und erhaltet Dannhauer
catech. milch 5, 783; und als sie dem grundherrn vom erdengebäu ... ... ein frommes loblied gesungen ... Fr. Kind
ged. 3, 243; (
gott) o groszer grundherr aller welt A. v. Arnim
w. 13, 254. 55)
vereinzelt: stifter, grundt- oder bauherr
fondatore, edificatore Hulsius
dict. (1618) 2, 158
b. —