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grundherr

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

grundherr m.

Bd. 9, Sp. 825
grundherr, m. , der herr über grund und boden, landbesitzer; gr., dominus fundi, dominus proprietatis Henisch 1769; gr., dominus directus vel etiam dominus territorii Schottel 473; seit dem 14. jh. zu belegen. 11) gr. ist anders als grundbesitzer, grundeigenthümer u. s. w. seit alters juristischer begriff von bestimmter geltung; zunächst in weiterem sinne der (durch belehnung oder kauf) über grund und boden verfügungsberechtigte herr, der das land gegen abgaben und zins an bäuerliche hintersassen oder pächter zur bewirtschaftung gibt; über die rechtliche entwicklung der grundherrschaft vgl. R. Schröder rechtsgesch. 461 ff.: zu dem ersten ist eyn apt und eyn convent des egenannten cloisters eyn rechter gr. zu walt, waszer und weyde zu rechter eygenschafft (v. j. 1421) weisth. 1, 521; ist das der gruntherr desselbigen guets oder weingarten nit kaufen will in monatsfrist (16. jh.) österr. weisth. 5, 15; desselben hauss der erwirdig geistlich herr abbt Thoman ... rechtter gruntherr ist (v. j. 1417) urk. d. Benedict.-abtei zu d. Schotten 555 Hausrath; die gesworen des hoifs (haben) bekannt den ... abt ... vur einen gruinthern des hoifs zo Cl. ... ind allen sinen hoefsguedern aldae gelegen (Köln, v. j. 1504) publ. d. gesellsch. f. rhein. gesch. 20, 355; für einen hoffs- und grundthern weisth. 2, 477; welcher gr. siglmäszig ist, der mag umb sein aigen grundt und poden ... woll fertigen bair. lanndtordn. 26b; unterschieden vom 'burgherrn': ob dem gruntherrn sein recht wurd versessen, daz denn der purkherr sein recht hiet verloren, das wer paidenthalben ungevelligleichen Wiener weichbildrecht in: sitzungsber. d. Wien. akad., phil.-hist. 36, 102; auch der rechtsvertreter der grundherrn führt die bezeichnung gr.: ich (der amtmann), der ich an meines herren stat des aptes ... stifter und storer und auch gruntherre pin (v. j. 1350) urk. d. Bened.-abtei zu d. Schotten 265 Hausrath; ähnlich: wenn das gut ... dem pharrer als ainen gruntherren vervallen ist öster. weisth. 6, 317. 1@aa) als empfänger der zinsen: so mag ein jeder zinsher oder grunther umb sein jarzins pfenten zu sperren österr. weisth. 2, 6; wir (haben) auch von derselben gult ... gedint den geistlichen herren dacz den Schotten ..., die auch derselben gult recht gruntherren sint (v. j. 1344) urk. d. Bened.-abtei zu d. Schotten 247 Hausrath; der gr. ... trieb ihn (den schenkwirt), als er die zinsen nicht zahlen konnte, aus dem schenkhause Grässe jägerbrevier 180. 1@bb) als herr der auf seinem grunde angesiedelten hintersassen: als den grundtherrn von irn paursleuten, die auf den gütern leibrecht haben, vil ... beschwärung begegnen landpot in Ober- u. Niederbaiern (1516) 43a; solhen anschlag solt eyn yeder gr. ... von seinen leudten und undersassen abnemen J. Unrest chron. austriac. 681; die gesatz, welche den grundtherrn und bauleiten, disen ihren gewalt und jenen ihr schuldigkeit auszzaigen v. Brandis ehrenkräntzel (1678) 157; das verhältnisz, wo alle bewohner einer ganzen gegend einem grundherrn unterthänig ... sind Fr. Schlegel s. w. 11, 43; den rohen, soeben erst der erbuntertänigkeit entwachsenen bauern, die ihren grundherren noch voll grolles gegenüber standen Treitschke dtsche gesch. 1, 284; ein patriarchalisches verhältnis zwischen grundherrn und ackerbauern (kann) sich dabei nicht entwickeln hwb. d. staatswiss.3 1, 12; in formelhafter verbindung: grund- und lehenherr: der ... herr apt ... is daselbs ... ein gronther, lehnherr undt vogt weisth. 2, 295; zusammengezogen in grundlehenherr: der soll sein zwo theil desz grundtlehenherrn und die dritte theil des vogts 2, 75; öfter erb- und grundherr: dasz ein jeder seinem erb- und grundherrn vor fremden zu dienen angehalten werde acta publ. 5, 178; die zünfte ... behaupteten (im jahre 1686) ..., dasz sie die erb- und grundherren der stadt (Köln) wären allg. dtsche bibl., anh. zu 37-52, 619; wir ..., grund- und erbherr der rosenthalischen güter Hippel kreuz- u. querzüge 1, 413. 1@cc) vielfach ist der gr. inhaber der territorialen (meist niederen) gerichtsbarkeit (patrimonialgericht): alss hohen gerichts- und grundtherrn (v. j. 1418) weisth. 1, 794; für einen grundherrn und obersten gerichtsherren (v. j. 1576) 3, 769; als grund- und gerichtsherr befehle ich Holtei erz. schr. 35, 196; die jurisdiction und burgfreyheit hat ein jeder gr. eines landmannguts in Österreich Hohberg georg. cur. 1, 32; die freye unumschränkte gewalt eines grundherrens v. Fleming vollk. t. jäger 50; anders dagegen: (der vogt hat) umb all sachen über die holden zue gepieten und der gruntherr nit; der gruntherr soll allain seins diensts gewarten und nit mer (v. j. 1527) österr. weisth. 7, 86; vgl. weisth. 1, 521 v. j. 1421. 1@dd) anders als bei grundbesitzer, -eigenthümer verbindet sich daher mit gr. die vorstellung des vornehmen (adligen) reichbegüterten landbesitzers: da ir (die geistlichen herren) euch yetzund grundtherren und rechte besitzer rhüment Sleidanus reden 103 Böhmer; aus erbberechtigten adlichen grundherren Treitschke dtsche gesch. 2, 353; das tagesleben des grundherrn ist ein wechsel von müsziggang und wilder aufregung G. Freytag ges. w. 17, 3; ... da der stolze grundherr satt ward des festlands Geibel w. 5, 211; stehende verbindung ist groszer gr.: (der schlaf) flieht den groszen grundherrn Mommsen reden u. aufs. 171; die verdrängung des freien bauernstandes durch eine geringe zahl groszer grundherren Jhering geist d.m. rechts 2, 156; die groszen grundherren und viehzüchter drauszen im 'campo' ... ähneln dem europäischen feudaladel auf den burgen E. v. Hesse-Wartegg zw. Anden u. Amazonas2 340; terminologisch in Baden: auch der ehemalige reichsadel (in Baden 'grundherren') behielt (i. j. 1806) ... das recht der autonomie Schröder rechtsgesch. 984 anm. 6; so ist auch der landesherr, der fürst gr., vgl. weisth. 3, 769 v. j. 1576 (s. oben); ir wissent, das keyser Carle euer rechter herr ist und wer seinen grundtherren widerstreyt, der thut wider got und billigkeyt hertzog Aymont (1535) a 6a; dasz der fürst und gr. kommen werde Stifter 4, 1, 278 S.; aber anders: die macht desjenigen fürsten würde ... am festesten gegründet seyn, der in seinem gebiet alleiniger gr. wäre v. Haller restaur. d. staatswiss. 3, 28. 1@ee) neuere juristische terminologie spaltet den älteren und weiteren begriff gr. je nach seiner wirtschaftlichen oder seiner rechtlichen stellung in gutsherr und gr.: der gutsherr ... ist im eminenten sinne landwirt; die abhängigen bauern ... arbeiten ... im dienste und unter der leitung des gutsherrn. der gr. erhält von den bauern überwiegend rente (zins, pacht) Conrad staatswiss. hwb.4, ergänzungsbd. (1929) 449a; anders unterschieden: der ausdruck gr. betrifft 'das (mehr dem privatrecht angehörende) rechtsverhältnis des eigentümers des grund und bodens zu den auf ihm angesiedelten nutzungsberechtigten', gutsherr dagegen bezieht sich auf 'das obrigkeitliche verhältnis des gerichtsherrn (gutsherrn) zu seinen hintersassen' Bitter hwb. d. preusz. verwaltg. (1906) 1, 747b; der anschlusz an eine benachbarte schule erfolgt ... durch einen zwischen der gemeinde und dem schulpatron einerseits und dem grundherrn als vertreter der auf seinem grund und boden befindlichen bewohner andererseits abgeschlossenen vertrag schulordnung f. Preuszen v. 11. dez. 1845 § 57. 22) nicht selten später auch in schlichtem sinn wie 'grundeigenthümer', aber nur von ländlichem besitz: der tamhirz hat ein köstlich gehürn für gifft ... (das läszt er) auf der stätt zur dankbarkeyt ligen, das es der herr des grunds und bodens finden und nutzen mag; wird er aber vom grundherren verfolgt ..., verbirgt er sein gehirn Fischart 3, 243, 13 Hauffen; das haus hält immer noch so hin, nur schade, dasz ich nicht der grundherr davon bin Stoppe Parnass (1735) 134; da sich die dorfgemeinde einhellig verstanden ..., so ist selber (d. h. selbiger punct) auch in hinsicht des schloszinnhabers zu B. und der betreffenden gruntherrn ganz unpraejudicierlich gemeint österr. weisth. 3, 229 (v. j. 1801); so ist es auf dem lande das vorrecht des grundherrn, dasz er sage: hier soll meine wohnung stehen und nirgends anders Göthe 20, 96 W.; (die vollen zweige der obstbäume,) die mit müh der grundherr stützt M. Greif ged.5 111; die ... pflanzennährstoffe sind ein schatz, den die natur ... in den schoosz der erde zum besten des grundherrn niedergelegt hat v. Schwerz ackerbau 194; vgl.grondhär 'grundeigentümer' lux. ma. 156a. 33) als bergmännischer terminus: gr. 'ist derjenige, welcher leiden musz, dasz der bergmann auf seinem felde muthen, schürffen und den gang entblösen darff. es ist aber ein unterscheid unter dem grundherren zu machen, nehmlich unter dem, der das bergregale selber hat und unter dem, auf dessen erbguthe oder feldern der gang entblöset wird' Minerophilus bergwercks lex. (1730) 315; gr. 'heist bey den bergwercken derjenige, bey dessen gute jederzeit der erbkux bleibet' Noel Chomel 4, 1389; so wohl bereits in älteren belegen zu fassen: grundtherr proprietarius Ph. Bech v. bergbau (1557) s 2a; es sol hinfürder ein jeder gr., vom adel, bürger oder bauer alsbald eine neue fundgrube oder massen bestetiget, seinen erbtheil im bestetigen zu fordern schuldig sein chursächs. bergordnung v. 4. xi. 1573 (1673) art. 72; zu verrichtung derer ertzhöllfuhren sind ... die grundherren ... gemeynet Schönberg berginform. (1693) 1, 53; vgl. Hoyer-Kreuter techn. wb. 1, 316. 44) auf gott übertragen: so wir bekennen, alles das wir haben, das haben wir von im (gott), darumb söllen wir es im wider zuschreiben als dem rechten grundherrn Luther 7, 253 W.; als einen machtschutz und grundherren, welcher alle ding träget und erhaltet Dannhauer catech. milch 5, 783; und als sie dem grundherrn vom erdengebäu ... ... ein frommes loblied gesungen ... Fr. Kind ged. 3, 243; (gott) o groszer grundherr aller welt A. v. Arnim w. 13, 254. 55) vereinzelt: stifter, grundt- oder bauherr fondatore, edificatore Hulsius dict. (1618) 2, 158b. —
10061 Zeichen · 313 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Grundhêrr

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Der Grundhêrr , des -en, plur. die -en, der Eigenthumsherr des Grundes und Bodens; Dominus directus, Dominus territorii,…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Grundherr

    Goethe-Wörterbuch

    Grundherr Eigentümer von Grund u Boden wie in der Stadt nur der Fürst und die Gemeine bestimmen können, wohin gebaut wer…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Grundherr

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Grundherr , der Obereigenthümer eines Grundstücks; vergl. Colonat, Emphyteuse, Laudemium, Pacht.

  4. modern
    Dialekt
    Grundherrm.

    Pfälzisches Wb.

    Grund-herr m. : 'Inhaber der territorialen Gerichtsbarkeit' ( DWb. IV/1, 6, Sp. 825/26 ), gew. in der Verb. Grund- und G…

  5. Spezial
    Grundherr

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Grund|herr m. (-n,-en) signur (-s) m.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit grundherr

8 Bildungen · 6 Erstglied · 1 Zweitglied · 1 Ableitungen

Zerlegung von grundherr 2 Komponenten

grund+herr

grundherr setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

grundherr‑ als Erstglied (6 von 6)

grundherre

FWB

1. ›Landbesitzer, Grundbesitzer; Lehnsherr, Obereigentümer und dadurch mit vielfältigen Befugnissen und Funktionen (z. B. der Gerichtsherrsc…

grundherrlich

DWB

grund·herrlich

-herrlich , adj. , im 18. jh. von grundherr abgeleitet, ' dem grundherrn ( s. o. 1) gehörig oder ihn betreffend ': die absicht ... ist, ... …

grundherrlichkeit

DWB

grundherrlich·keit

-herrlichkeit , f. ( vgl. grundherrschaft 1): gr., ' im mittleren lat. fundalitas ' Adelung (1775) 2, 829 ; alle autorität entspringt ... au…

Grundherrnpfarre

Campe

grundherr·n·pfarre

○ Die Grundherrnpfarre , Mz. die — n , eine Pfarre, welche der Grundherr oder die Grundherrschaft zu vergeben hat (Patronat pfarre).

grundherrschaft

DWB

grundherr·schaft

grundherrschaft , f.; gr., dominium directum vel proprietatis Schottel 380 ; gr., patronanza, signoria territoriale Kramer teutsch-ital. 1, …

grundherrschaftlich

DWB

grundherrschaft·lich

-herrschaftlich , adj. , zum vorigen gebildet: in den grundherrschaftlichen marken ernannte sie ( die forstbeamten ) ... der grundherr allei…

grundherr als Zweitglied (1 von 1)

Obergrundherr

DRW

obergrund·herr

Obergrundherr, m. wie Grundherr (II) [falls ein zinßmann] seine zinse oder andere ... dienste nicht erlegen ... wolte: so kann der ober-grun…

Ableitungen von grundherr (1 von 1)

grundherre

KöblerMhd

grundherre , sw. M. Vw.: s. grunthērre*