griesz,
m. n. ,
sabulum. form. 11)
ahd. grioz, crioz
sand, kies, gestade; asächs. griot
sand, ufer; mnd. grêt
sand; mnl. (
selten) griet
grober sand; nnl. ebenso; afries. grêt
sand, ufer; aengl. greót
sand, staub, erde; anord. grjôt
steine; schwed. gryt
korn. germ. greu-ta,
wie das synonyme grien,
zur wurzel gru
zerreiben Fick
43, 145;
vgl. ahd. firgriozan,
stv., zerreiben; das wort erscheint zufrühest in dem stammnamen Greutungi,
d. i. strandbewohner, s. Zeuss 407.
auszerhalb des germ. sind verwandt lat. rudus;
aslav. gruda
erdscholle; russ. grúdá
steinhaufen; lit. grúdas
korn, grúdżiu
stampfen; lett. grauds
korn; ohne dental cymr. gro
sabulum; corn. grou
arena; aus dem germ. entlehnt ital. greto
steiniger ufersand; prov. greza
grobkörniger sandstein; frz: grès
sandstein u. a., vgl. Diez 2, 330;
junge entlehnung aus dem deutschen ist norw. gris
feine grütze. 22)
das wort ist im anord., aengl., mnl., wohl auch im asächs. neutrum; ahd. als masc. bezeugt durch den plural grioza, merigrioza Graff 4, 345; mericreozza
ahd. gl. 1, 245, 35;
mhd. meist masc.: ûfen griez
Parz. 41, 25,
vgl. 519, 15; guldeinen griez K. v. Megenberg 485, 12; der grysz des meeris Rothe
thür. chron. 237;
nur im alem., zumal im schweiz., neutrum: an daz griez
gestade Konr. v. Würzburg
troj. 25333; ûf daz griez R. v. Ems
Wilh. 14923; daz griez an dem stade des meres
pred. 1, 113
Grieshaber; der sîn korn sæt an daz griez v.
d. Hagen
gesamtab. 2, 219, 17; dasz gries des mers Birlinger
wb. z. volkst. 36 (
aus Bebenhausener legendar von 1439); das griese
furfures Staub-Tobler 2, 801 (15.
jh.); uf das undergriess
ib. (
a. 1606); begruben alda iren könig Adelreich .. in das gries oder kiese Hertzog
chron. Alsatiae (1592) 109; am ufer wütet sehr das griesz daran die windtsbraut heftig bliesz Spreng
Äneis 4
b; das sand .. und auch das grisz Bech
Agricola (1621) 225;
auszerhalb des alem. selten: das gries oder sant
tirol. weisth. 1, 26, 20; auf ein steyniges griesz Fronsperger
kriegsb. 2, f f 2
v;
nur in der bedeutung '
blasenstein'
herrscht im 16. 17.
jh. das neutr. allgemein, um dann wieder vom masc. verdrängt zu werden (
genaueres s. bed. 4);
von modernen dialecten gebraucht das schweiz. noch weithin das neutr. Staub-Tobler 2, 801;
im schwäb. stellenweise neutr. im sinne '
blasenstein'
und '
geschrotenes getreide'
Fischer 3, 831;
auch im lothr. und hess. erscheint das neutr. noch Follmann 215
b; Vilmar 137.
für gries
in flur- und ortsnamen scheint das neutr. noch heute die regel (
vgl. den plural griesser) Fischer
schwäb. 3, 830; Birlinger
schwäb. 203; Schöpf 213.
auf ein fem. deutet ein freilich unsicherer beleg: wir stehn auf einer griesse und freust uns an die füesse; wir stehn auf einem gilgenblatt gott geb euch allen ein gute nacht
neujahrswunsch a. d. 15. jh. (
handschr.). 33)
schwäb. gelegentlich mit ü (
unter dem einflusz des synonymen grûz?): das grüse, das in der blauter wirt Birlinger
schwäb. 204; gicht, zipperlein und grüsz (: füsz) Weckherlin 1, 494;
vereinzelt auch im bair.: für das grimen des harms oder grüesz Unger-Khull (
quelle d. 16.
jh.)
; hie und da mit epithetischem e: an das lant in den griesse Arigo
decam. 107, 10
Keller; ebenso 92, 8. 123, 5; das griese
furfures Staub-Tobler 2, 801 (
quelle des 15.
jh.). 44)
zur orthographie des auslauts sei bemerkt, dasz die s-
form noch im 17.
jh. selten ist, aber schon in die wörterbücher einzudringen beginnt: gries, griesz
furfures Henisch;
differenciert: gries
arena, rudus, furfures; griesz
nephritis Stieler; im 18.
jh. gewinnt sie die vorherrschaft, auch die lexicographen entscheiden sich für sie: Kramer, Frisch, Gottsched (
dtsch. sprachk. [1748] 82), Adelung, Campe, Heinsius
bis hinab zu Sanders
schreiben gries,
nur Steinbach
hat noch griesz.
manche scheiden die formen nach der bedeutung, aber ganz willkürlich: gries
arena, griesz
nephritis, furfures Chomel
öcon. lex. 4, 1347; gries
arena, griesz
furfures H. Braun
wb. (1793) 126
b; Täubel
buchdruckerk., anh. 11;
bis gegen ende des 19.
jh. herrscht gries,
gestützt durch die nachbarschaft von grus
und kies, mais
und reis,
fast unbeschränkt, und zwar auch im inlaut: mit feinem griese Barth
kalkalpen (1874) 581; griese sind .. bruchstücke des mehlkörpers Muspratt
chemie 2, 89;
dagegen: am podagra und griesze Droste-Hülshoff
werke (1879) 1, 230.
heute hat die schulform griesz
wieder die vorhand. bedeutung. 11)
sand, kies, sandfläche. 1@aa)
sand schlechthin: griess
arena Diefenbach
nov. gloss. 33
a;
arenosus voll sand und griesz Frisius
dict. (1556) 116
a; griesz, sandt
gravier Hulsius-Ravellus (1616) 145
b; des griezes (
wüstensandes) hitze Ulr. v. Eschenbach
Alex. 9806; lag gantz todt uff desz sandes griesz Wickram 7, 264
lit. ver.; in älterer literatur beliebt namentlich in gewissen vergleichen, die der bibel entstammen; nach 1. Mos. 22, 17 (
vgl. 1. Kön. 4, 20
u. a.): das unzehlliches groszes volk also der grysz des meeris Rothe
thür. chron. 237; sahen den keysser mit eyner unczelichen schare, als gryss unde grass dess ertriches, kummen Gerstenberg
chron. 112
Diemar; to hant quemen dar der ouelen geyste so vele alse grases unde gretes Schiller-Lübben 2, 144
a;
vgl.sand th. 8, 1758;
nach Hiob 6, 3: ob der mensch auch so vil mörde ... diebstal het getan wievil griesz ist in dem möre Eyb
spiegel d. sitten (1511) l ii
a;
nach 1. Mos. 13, 16. 15, 5: ob du des mers griez soldes zeln und alle sternen sunder nennen, ich bin unverlorn
wartburgkr. 23, 11
Simrock; zähl jemand, wo er kann, den griess am Oderstrande Günther
ged., nachlese (1742) 14;
sprichwörtlich: der sîn korn sæt an daz griez, der nem auch allen sîn geniez v.
d. Hagen
gesamtab. 2, 219, 17; auf das sand oder griesz sAeyen, sein arbeit verlieren Frisius
diction. (1556) 798
a; und din griez (
staub) niemer muozze kumen zuo andrem griezze
schwabensp., landr. cap. 263
Lassberg (
aus dem judeneid); und jeder müllner (
soll) die neugehauten stain zuvor mit seinen aignen grischen beschiten und das gries oder sant sauber darmit herabmallen und putzen
tirol. weisth. 1, 26, 20; der griesz oder sand von denen gepochten ertzen, daraus der gute schlich gezogen ist Herttwig
bergbuch (1734) 6
b;
besonders von dem sande, der von gewässern mitgeführt wird: wan vil wazzer in ir lant truoc für den griez edel gesteine
Parz. 519, 15; wann wie lauter ein wasser ist, fleuszt es durch sandigen griesz, das wasser wirt betrieb Hartlieb
Ovid (1482) 50
a; durch die wulkenbrüch gond die wasser an, brechend aus und verfüerend die felder mit gries, steinen, stauden und stöcken Staub-Tobler 2, 801 (
quelle v. 1582); der strom kann einem grundeigenthümer land oder sand (wasen oder griesz) anschütten und abtreiben Grimm
rechtsalterth. 42, 77; fliezendeu wazzer ... diu ziehent guldeinen griez und etleiche edel gestain K. v. Megenberg 485, 12; der flüsse schönes gold verwandelt sich in griess '
die Lohe an die Oder',
epicedion bei Lohenstein
Ibrahim sultan; bei Minerophilus
anscheinend prägnant für goldsand, bergwerkslex. (1730) 304. 311;
weiter vom grund eines gewässers: (
das schiff) mer dann halbes in den griesse und grunt sancke Arigo
decam. 123, 5
Keller; trinckt er ausz ainem schiffreichen wasser sibentzehen elen tief hynein, das man auf den griesz sehen kan Lindener
katzipori 187
lit. ver.; wan got den gerechten nie geliesz, ob er das schiflin sinken liesz etwan nach bis uf den griesz, berüert doch nie den grund
bibl. älterer schriftwerke d. Schweiz I 4, 11;
gelegentlich auch im plural: der steine vindet me dâ alsô vile sô der grieze
ged. d. 11. u. 12. jhs. 366, 14
Diemer; ein wazzer, heizet Hermus, da bi vindet man guldine griese
Lucidarius 15, 16
Heidlauf; entsprechend noch in neuerer ma. ein sing. gries,
sandkorn Loritza 54
b. 1@bb)
daneben seit alters und je später um so entschiedener '
grober sand, kies'
; meist glossiert mit sabulum: grysz, griesz, gries Diefenbach 506
a; sand, griesz Frisius (1556) 1171
b; kysz oder grysz Brack
vocab. rer. (1491) 37
b;
grossior arena griesz Pinicianus (1516) k viii
c; grob sand, griesz Golius
onom. 36,
ebenso Calepinus xi
ling. (1598) 1283
b;
dann auch mit glarea: griez Diefenbach 264
c; gries
nov. gloss. 194
b;
glarea est tenuissimus lapillus in torrente, griez Schmeller 1, 1012 (
mskr. d. 15.
jhs.)
; glarea griesz, das ist steinächtig sand am gstad der wasseren Frisius
dict. (1556) 605
b;
glarea griesz oder kisz Calepinus xi
ling. 618
b;
ager calculosus steinacker, voll griesz, steinächtig Frisius 61
b;
scrupeus quod est lapillosum voll steinlin und griesz Calepinus 1314
a;
ebenso in modernen maa.: grobkörniger sand, kies Staub-Tobler 2, 801;
kies und sand Fischer
schwäb. 3, 830;
kies Meisinger
rappenau. 78;
steingerölle, sandmasse Birlinger
schwäb. 203;
grober sand Schmeller 1, 1012; Unger-Khull 307;
grobkörniger sand Crecelius 436;
steingeröll aus kleinen steinen Leihener
cronenberg. 47
b;
grober sand, kies Sallmann
esthl. 21
b;
schon in alter sprache mit sand zusammengestellt, doch wohl als das gröbere: ne mag im sand endi greot geuuredien uuið themu uuinde
Heliand 1821; der nimt vür golt griez unde sant
Renner 2368
Ehrismann; auch den boden etwas mit frischem sand und griess übersäyen Sebiz
feldbau (1579) 96; als vil thut an desz meeres rand zerstrewet ligen griesz und sand Spreng
Ilias 2, 27
b; unbescheidenen strömen gleich, die aus ihren ufern treten und die fruchtbaren felder mit sand und gries bedecken Arndt
schr. für u. an s. l. Deutschen 1, 447;
deutlicher für grobsand: dorsum in mari ein kleiner bühel von griesz oder grossem sand gesamlet Frisius
dict. (1556) 449
a; auf gedachte pfähle (
des fundaments) soll man kalch mit groben sand und griesz führen und ausfüllen Hohberg
georg. cur. (1682) 1, 24; wie ein Atlas an gebärde hebt er boden, rasen, erde, kies und gries und sand und letten, unsres ufers stille betten
Faust II 7540; der grus, den man auch gries, und wenn die stücke etwas gröszer sind, grand und kies nennt, ist das resultat einer ziemlich weit vorgeschrittenen zerstörung .. der gesteine Oken
allg. naturgesch. 1, 533;
noch gröber: zermürbtes, gepochtes gestein, schutt, geröll: die steinbrückel und das grisz, aus dem pauchtrog dises zeugs genommen ..., soll der arbeiter oben in den durchschlag werfen Bech
Agricola 228; ist der berg mit ... rasen bedeckt, der ... an manchen stellen den granit und den steinigen gries des grundes hervorschauen lässt Stifter 4, 1, 258; die schuttlehnen im sprunge hinab, der rollende gries vor meinen füszen .. das ganze feld in bewegung Barth
kalkalpen 70; splitteriger gries 326; aus den klüften des berges ziehen straszen von schutt und gries ihr breites band schräg nieder zwischen den starren felsmassen Rosegger II 7, 190. 1@cc)
sandfläche; zumeist '
gestade, ufer',
auf grund von griez
ufersand: grioza
syrtium Graff 4, 345; than is im so them saltethe man bi sees stade uuido teuuirpit:than it te uuihti ni dog, ac it firiho barnfotun spurnat gumon an greote
Heliand 1373; án demo grîeze des stádes Notker 1, 87; er treip hin an des landes griez diu schif Konr. v. Würzburg
troj. 25288; noch wart vor liuten niht gesehen der anger noch des stades griez 25221;
häufig besonders in der Kudrun, vgl. Martins
anm. zu 91, 1,
auch oft im plural: si stuonden unde wuoschenaber daz gewant, daz si getragen hêtennider zuo den griezen 1205, 3; von leyde und amacht nider sancke auf den griesse (
su'l lito) Arigo
decam. 92, 8
Keller; in dem komen sie an den gries bey dem wasser, das In genent Luther 23, 467
Weim.; gehe hin auf ein steyniges griesz, an einem fliessenden wasser Fronsperger
kriegsb. 2, f f 2
v; zwischen wasser und gries hat der edle hirsch gewaschen seine füsz Erlach
volkslieder d. Deutschen 1, 513,
in diesem sinne häufig in bair.-österr. rechtsquellen: esz soll auf der auen, freiung, griesz, perg oder bei der Muer niemant ... nichts einzuzeinen sich unterstehen
österr. weisth. 6, 257, 28; in allen zu dem südweesen gelegten waldungen, auen, grieszen Lori
bair. bergrecht 420 (
quelle von 1671);
noch heute '
uferland, flaches sandiges ufer' Schöpf 213; Schranka 64; Lexer
kärnt. 124;
auch '
inselartige sandbank in einem flusse': sie (
die sandläufer) bruten hier zu lande auf groszen in denen flüssen liegenden und umflossenen insuln oder griesen auf blosen sande Hohberg
georg. cur. aucta (1715) 357
b; griesz
sandinsel im Main Sartorius
Würzburg 143; 'griesze
heiszen die zahlreichen grieszbänke des Lechs'; 's griesz
in Günzburg eine insel am Kappenzipfel Birlinger
schwäb. 203; mittergriessl
kleine sandinsel in einem flusse Lexer
kärnt. 124;
prägnanter: '
platz am ufer eines flusses, wo das auf demselben geflötzte holz gesammelt wird' Schmeller 1, 1012; Schöpf 213; item wer santholz klaubt in der au oder auf dem griesz
tirol. weisth. 2, 158, 1; so sollen die laiter und ire knecht ... die ordnung halten, dasz sy kein holtz vom gries füren, es sey dann davor aufzaint Lori
bair. bergrecht 140 (
quelle von 1509);
vgl. grieszamt, -beil, -meister;
grundstück am fluszufer: der ander purkfridt gewert von markt hinausz in dasz Mischl zu den groszen stain gegen desz Girczmayr griesz über
österr. weisth. 6, 257, 2;
das trockene bett der wildbäche Schöpf 213; Lexer
kärnt. 124;
indessen nicht nur vom ufersand: sumitur etiam pro quolibet loco arenoso et lapidoso vel sabuloso Stieler 702;
sandboden, gegend der leichten, sandigen bodenarten Follmann 215
b; gries, grieser
heiszen sandige äcker Schöpf 213;
das ist alter sprachgebrauch: ac hie ist astandan iuendi sind thesa stedi larea, thit graf an theson griote
Heliand 5824;
specieller: gries (
fälschlich gedeutet als greis
kreis)
circus, locus in orbem septus ad certamina et ludos, vel ad supplicii sumendi securitatem, vel denique ad pecora cogenda Haltaus 753; '
kampfplatz': griesz
vel kreisz
stadium Diefenbach 550
a;
vgl. dâ mite stach er den môr hinderz ors ûfen griez
Parz. 41, 25; sie rennent ûf dem grieze Seifr. Helbling 15, 249;
vgl. kreis II 2,
th. 5, 2146
und grieszwart; '
richtstätte': thuo sia thar an grietegalgon rihtun an them felde uppanfolc Judeono
Heliand 5532; auf dem gries bey dem galgen wart der rost bereit Luther 23, 467
Weim. (
hier freilich zugleich fluszufer).
als flurname im elsäss. anscheinend nur in älterer zeit: zuo grius (1277), uf griez (1299) Schmidt
elsäss. 155
a;
auch im schweiz. seltener als grien: uf das undergriess (
a. 1606); 's gries
bucht einer bachmündung; gries
hinterste sennhütte am fusz des gletschers (
also: gletscherschutt) Staub-Tobler 2, 801;
umso häufiger im schwäb. Fischer 3, 831;
vgl. Buck flurnamenb. 90;
vielgebraucht als name für straszen, plätze, stadttheile, ortschaften im schwäb. u. bair.-österr., z. b. in Landshut, Burghausen eine am wasser entlang führende gasse; am Griesz
platz in Augsburg; Ochsengries, Salzgries
in Wien; vgl. ochsengriesz, umgezäumter ort, wo ochsen verkaufft werden Joh. Heumann
opusc. (1747) 696; Gries
stadtbezirk in Graz; den grunt und poden des heüsls, so da ligt auf den Gries zu Rovereid Brandis
landeshauptleute v. Tirol 39 (
quelle von 1319); Gries
bei Bozen, auf dem Brenner, pasz in Oberwallis. bestimmungsort in zahlreichen bergnamen, von denen der Griesmuttekopf (
als Grieszmutt
s. 153)
und der Grieskopf
in der Ferwallgruppe (
als Grieskogl
s. 169)
schon in Maximilians
gjaidbuch genannt werden. 22)
allgemein für ein mahlproduct der getreidemüllerei; zur sache vgl. allgem. haush.-lex. (1749) 1, 620
a; Muspratt
chemie 2, 89;
in der regel ein feinkörniges product (
gegenüber den gröberen grütze, schrot, kleie),
doch schwanken die dialecte: 'gries
heiszt in Oberdeutschland überhaupt soviel als grütze,
in Niederdeutschland verstehet man aber darunter eine vorzüglich feine grütze' Jacobsson
technol. wb. 2, 151
b; 'griesz
heiszt man im Glarnerland nicht, wie anderswo, eine art feiner grütze, sondern die schlechteste sorte mehl (rauchmehl),
die nur noch dem grüsch (
den kleien)
vorgeht und ordentlicher weise nicht als menschenspeise, sondern zum futter der schweine und des federviehs dient' Staub-Tobler 2, 801 (
quelle von 1813);
vgl. dazu: item für das krüsche und das griese, so von myner herren brot etwenn vor zyten gefallen ist, soll myner herren kammer den husgenossen geben 11 pf.
ib. (15.
jh.)
; heute im schweiz.: grobgeschrotenes mehl, in der mitte zwischen backmehl u. kleie; grütze, grobgemahlener weizen, hafer, mais Martin-Lienhart 1, 282;
feinere grütze Schmeller 1, 1012;
grütze, grieszmehl Schöpf 213;
grobes mehl Bacher
Lusern 263;
grütze Lexer
kärnt. 124;
ebenso Loritza 54
b; Sartorius
Würzburg 49;
griesmehl, grütze Follmann 215
b; gre
is
lux. ma. (1906) 154
a;
grob gemahlenes getreide, grütze Crecelius 436; Vilmar 137; gr
eīs
feine grütze Bauer-Collitz 41
a;
frischgemahlener weizen, aus dem mehl gemahlen wird Müller-Fraureuth 1, 441; jrîsz
grieszmehl Liesenberg 148;
feine buchweizengrütze Schütze
holst. 2, 67; weetengries
das grobe vom weizenmehl, was im siebe bleibt Richey
hamburg. 80; jrîss Fischer
samländ. 53;
auch hinsichtlich der getreidearten herrscht schwanken; oft speciell für den weizengries: der sogenannte griesz wird aus den besten weitzen gemacht, und ist dessen zweyerley gattung, ein grober und ein feiner griesz Marperger
küchen- u. keller-dict. (1716) 436
b; griesz ist der kern oder das beste von dem weitzen Chomel
öcon. lex. 4, 1347; Wiener gries
der feinste, aus bestem weizen hergestellte gr. Adelung;
im ostdeutschen auch für hirsegries Hübner
zeitungslex. 312, 86
b;
lexicalisch seit dem 15.
jh.: far gryesz
vel gryeszmel Diefenbach 225
b;
farrago griesze
vel klien 226
a;
furfur griesz 253
a;
oryza grisz 401
a;
oziza (
l. oriza) gris 404
c;
farrago griesz, grieszmel
nov. gloss. 167
a;
puls griesz 309
a;
simela griesz 339
a;
adeps das marck des korns, der griesz desz korns, das da recht schmiltzt dar in Melber a 5
a;
crimnum, crassior tritici et zeae farina, ex qua puls fit, griesz
vocab. rei numm. (1552) j 1
a; gries, semelen, kleien
furfures, farinae recrementum crassius; brot mit dem griesz, kleienbrot
panis furfuraceus Henisch 1745; (
ein edler) desz vatter hat gemacht bumblebum (
ein küfer war), oder focht mit der stählenen stangen umb, der masz dem bauren griesz, oder randt mit dem judenspiesz (
der ein grieszhändler, krämer war) Fischart
groszm. (1607) c 7
a;
im plural: grosze ... bruchstücke bezeichnet man als schrot, kleinere als griese Karmarsch-Heeren
techn. wb. 6, 1. 33)
seltener für die zerkleinerungsproducte anderer stoffe: gries
kleine steinkohlenstücke von der grösze einer haselnusz Scheuchenstuel
österr. berg- u. hüttenspr. 108; da der schiefer in der kohle grob eingesprengt vorkommt, so muss die zerkleinerung der grosskohle auf die erzeugung von .. gries ausgehen Karmarsch-Heeren 5, 71; griess
kohlenklein Hoyer-Kreuter
technolog. wb. 1, 312;
kleine steinkohlenstücke Unger-Khull 307;
kohlenstaub Leihener
cronenberg. 47
b. gries, walgries
rudus, fragmenta lapidum Henisch 1745; gries
sive steingemüse
rudus, .. ruinarum materies, schutt Stieler 925; gries,
gravois, ist das gemülle von eingerissenen mauern, aus kleinen stückchen kalk, stein, leimen
etc. bestehend Eggers 1, 1107; wenn man die steige mit dem griesz alter zerbrochener mauren bedecket
allg. haush.-lex. 2, 235
b; gries .. der kalktuft, welcher sich an die gradierreiser der salzwerke anlegt Voigt
mineralog. abhandl. (1789) 2, 276;
im obd. jeder grobe bodensatz, besonders der des weines Campe, Heinsius. 44)
harnsand, blasen-, nierenstein, vom frühen 15.
jh. bis in die neueste zeit: partusis der griesz,
morbus vesicae Diefenbach
nov. gloss. 289
b;
calculus ..., lapillus in vesica der stain oder griesz Pinicianus (1516) g vi
c;
arenosa urina sandächtiger harn oder voll griesz oder steinlinen Frisius
dict. (1556) 1413
a; griesz der nieren
nephritis Henisch 1745; griesz
sive schleim des harns
sedimentum urinae Stieler 770; fürs gries und für den kram ward mir die haut erperet von vieren Osw. v. Wolkenstein 86, 1, 15
Weber; im 16. 17.
jh. vorwiegend neutrum: den stein, das griesz und blasenwee Seb. Franck
Germ. chron. (1538) 258
a; bibergeiln ist guot für den schwindel ., das griess Heyden
Plinius (1565) 167; (
ein zeichen) für das griess oder lendenstein Paracelsus
opera 2, 544; der seinen landleithen die drei schmertzlichen kranckheiten, ritten .., das gries und den stain so maisterlich vertriben Brandis
ehrenkräntzel 166;
vgl. Fischer
schwäb. 3, 830; Schmeller 1, 1012;
dialectisch hält sich das neutr. noch heute: dar äpfel ischt süess, doch macht ar dar 's gries S. Sailer
geistl. reden 27;
daneben aber seit dem 15.
jh. (
s. o.)
das masc.: (
das bad) nimpt hinweg ... den griess und risenden stein Seb. Münster
cosm. 470; der greisz und auch der blasenstein H. Sachs 4, 407
Keller; also ein anders ist der griesz im menschen, ein anders der griesz in bächen Paracelsus
opera 1, 283 c;
calculus renum der griesz oder lendenstein Zehner
nomencl. (1645) 283; ein persischer kalif, der zwar den griess, das zipperlein und eine fistel hatte Pfeffel
poet. versuche 3, 19;
seit dem 18.
jh. in der schriftsprache allein herrschend; auch von einer krankheit des falken, die sich durch das abgehen kleiner weiszer steinchen äuszert: von der hauptschwachheit unsrer vögel, nämlich der croyen, so etliche das griesz nennen d'Arcusia
falconaria (1617) 82;
ausführlich beschrieben allg. haush.-lex. (1749) 1, 620
a. 55)
anderes vereinzelt: staubartiger anflug: um die unterlippe (
der schlange) zieht ein gries von hornbrauner farbe, das auch die schnauze .. färbt Linck
schlangen Deutschlands (1855) 84; der gries
kleine weisze knötchen auf der gesichtshaut Hügel 71; entengries
oder bloszes gries
für lemna, wasserlinsen Pritzel-Jessen 206 (
Frankfurt a. O.)
; seltsam ist: ulva (gryesz)
crescit in profundo maris Brack
vocab. rer. (1491) 52
a;
irrthümlich scheint die gleichsetzung von mhd. griez
mit polygonum fagopyrum Pritzel-Jessen 298. —
wohin gehört: antwort der geist: .. dein verzweifelt hertz hat dirs verschertzt. darauf sagt
d. Faustus, hab dir S. Veltins griesz und crisam, heb dich von dannen
volksb. vom dr. Faust 17, 14
neudr.?