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glum(m)

nhd. bis Dial. · 4 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

glum(m) adj.

Bd. 8, Sp. 467
glum(m), adj., trübe, unrein, vornehmlich vom getrübten unreinen wasser, ein heute vereinzelt in niederdeutschen und wenigen angrenzenden mitteldeutschen mundarten lebendes wort, das nach der literarischen bezeugung (vgl. auch 1glumen, vb., und glum, subst.) ursprünglich auch dem hochdeutschen bekannt war: gluome trübe Schultze Nordthüringer ma. 35 (vom südrand des Unterharzes, das benachbarte Stiege hat die erweiterte form jlûmelig, s. Liesenberg 146); glaum (gläumich) Block Eilsdorf 65; de oen (augen) seit sau glaum ut; glaum, glaumich 'von brunnen- und quellwasser, trübe, lehmig' Damköhler Nordharzer wb. 62; glaum ds. Schambach Göttingen 64; glum 'trübe, es wird vom wasser, wein, bier u. s. w. gesagt' brem.-niedersächs. wb. 2, 519; die nordfriesischen mundarten kennen die erweiterte adjektivform mit -ig, s. u. 1glumig. sonst nur noch im älteren niederfränkischen: gloem, onklair turbidus, gloym, onreyn maken impurare, glome maken, glomen turbidare, turbulentare, obscenare v. d. Schueren Teuthonista 129 V. von den niederdeutschen formen deuten auf eine germanische grundform *glōm- das nordthüring. gluome, das nordharz. und götting. glaum, ferner das nordfries. glumm, n., glummig, gløymi u. s. w. (s. d sowie Löfstedt nordfries. ma. d. dorfes Ockholm [1928] 81) und das niederfrk. gloem. dagegen kann glum des brem. wb. auf ablautendes *glūm (ōu : u) zurückgehen, vgl. Holthausen in P.-B. beitr. z. gesch. d. dt. spr. 46, 129. die von Murray 4, 2, 226 (auch schon im brem. wb.) vertretene verwandtschaft mit nd. glûmen 'finster blicken' (s. 2glumen) = mittelengl. glowmben, neuengl. gloom ds. erscheint aus bedeutungsgründen wenig glaubhaft; ebensowenig dürfte glumig 'dämmerig', ags. glōm 'dämmerung' hierher gehören. neben glûm — so stets bei Luther — erscheint, wohl als mundartliche kürzung vor m, auch glumm, (vgl. nd. plumme 'pflaume' u. ä. Sarauw nd. forsch. 1, 240 sowie glummen neben glûmen und glumm, subst., neben glûm). ein vereinzeltes zeugnis im 14. jh.: die fleet (flusz) wor zor ziet glum (1345) Wallraf hist.-diplom. wb. (1827) 29; mehrfach bei Luther: wo wir hierin einander nicht gentzlich verstünden, so sei das itzt das beste, das wir gegeneinander freundlich sein und imer das beste zu einander versehen, bis das glum und trübe wasser sich setze Luther br. 8, 152 Weim.; illam sectam (volutans) die sie (= sich) selbs (drin) wulet und machts glum, mutwillig wulet im wasser dtsche bibel 3, 558 W.; im sprachbewusztsein wachgehalten durch Hesekiel 32, 2: du bist gleich wie ein lewe unter den heiden und wie ein meerdrach und springest in deinen strömen und trübest das wasser mit deinen füssen und machest seine ströme glum; von der Züricher bibel, von Eck und Dietenberger nicht übernommen, auch nicht von der Lübecker bibel (1533), die aber voraufgehend das niederdeutsche vlömen (wlömen) 'trüben' setzt: und flömest dat water mit dinen vöten und makest sine ströme unrein. die frühesten lexikalischen bezeugungen bei Besold thes. pract. (1697) 2, 631 und Wachter (1737) 598 gründen sich auf diese prophetenstelle, doch musz glum auch sonst in mundart oder umgangssprache bekannt gewesen sein, vgl. aus späterer zeit: 'glumm im ober- und niederdeutschen im gemeinen [] leben noch jetzt üblich' Adelung 2 (1775) 731. so ist das aufleben im 17. jh. verständlich: wann der flusz ist trüb und glumm, kommt der fischer mit der ruten, angelt in dem wasser umb Harsdörffer poet. trichter 3 (1653) 203; bei ihm häufig wiederkehrend: dasz er (der vogel) das wasser, welches er getrunken, glumm und trüb macht, dasz es andre thiere nicht genieszen können ebda 473; wie in einem glumen wasser das angesicht nicht reinlich kan beschauet werden Heraclitus u. Democritus (1661) b 3a; das wasser je weiter es sich von der quellen entfernet, je es trüber und glum zu werden pflegt schauplatz lust- u. lehrreicher gesch. (1651) 1, 126; auch: man pflegt mich (die schreibfeder) bei der nacht in glummen schlamm zu halten teutscher secretarius (1656) 2, vorr. )( )( 3b. übertragen: dein verstand ist trüb und glumm, wann der stab dich dunket krumm frauenz.-gesprächsp. (1641) 6, )( )( )( )( )( )( 8b; nun giebt es leute, welche gar nicht traumen, weil ihre aufsteigende dämpfe viel zu düster und ihr gehirn zu glumm, dasz sie wie in einem trüben wasser kein bild ersehen oder bemercken können ders. geschichtspiegel (1654) 474; auszer dem wasser kann er (der blut- oder sonnenstein) für einen glummen sonnenspiegel dienen, in welchem sich die finsternissen desz mondes sehen lassen Mercurius historicus (1665) 330; aus dem holspiegel, der in seiner gantzen tieffe glumm ist, bricht feuer heraus ..., ein ebener spiegel, der seiner gantzen tieffe nach durchscheinbar ist, läst keinen funken von sich Er. Francisci lusthaus (1676) 686; denn wer will sagen, dasz die finstern oder glummen theile (der mondscheibe) ihrer dicke und tunckelheit halben kein liecht solten bekommen können ebda 409; späterhin ist glum nur noch selten vertreten: log treu und glauben, machte der billigkeit des rechtes quell glum, angelt im trüben sich almosen ... W. L. Wekhrlin das graue ungeheuer 1 (1784) 156; Fr. L. Jahn versuchte eine neubelebung: seine fertigkeit besteht darin, die quellen erst glum zu machen, sie mit asche und kalk zu versetzen w. 2, 796 E.; den zeitstrom glum und trübe zu machen 2, 74.
5375 Zeichen · 101 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Glumm

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    † Glumm , adj. et adv. welches im Hochdeutschen veraltet ist, für trübe. Du trübest das Wasser mit deinen Füßen, und mac…

  2. modern
    Dialekt
    Glummm.

    Mecklenburgisches Wb.

    Wossidia Glumm m. Glut unter Asche: Mantz. Ruh. 8, 36; Dor liggt dat Hus in Glumm un Asch Gild. Frank 164; Schimmer, Leu…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit glumm

15 Bildungen · 13 Erstglied · 0 Zweitglied · 2 Ableitungen

glumm‑ als Erstglied (13 von 13)

glummchen

SHW

glumm-chen Band 2, Spalte 1403-1404

glummsen

SHW

glumm-sen Band 2, Spalte 1403-1404

glummasche

DWB

glumm·asche

glummasche , f. : den braten auf glummäschen stellen, dasz er bisz zu gebührlicher zeit warm bleibe Garzonis piazza universale ... verteutsc…

glummen

DWB

glummen (glümmen), vb. 1 1) ablautende bildung zu glimmen ' schwach leuchten ', ' glühen ', vgl. DWB glamme ' glut ', schles. glemmen ' anzü…

glummer

DWB

glummer , m. , funke, nur spärlich bezeugt, vgl.: glomər glimmende asche Hofmann niederhess. wb. 108 , dazu s. o. sp. 191 den beleg aus Räte…

glummeren

WWB

glumm·eren

glummeren V. [ Kr. Herford Hfd Kr. Warendorf Wdf Kr. Halle Hal SWestf] glimmen, schwach leuchten, glühen. Et glummert noch ( Kr. Iserlohn Is…

glummern

DWB

glumm·ern

glummern , vb. , glimmen, intensivum zu glummen; Woeste westf. ma. 81 a ; Teuchert neumärkischer wortschatz 155 : ( die ) ubrige funcken ...…

Glummes

RhWB

Glummes, Glumster = Loch im Eise s. Galonster;

glum(m)se

DWB

glum(m)se , f. , funke, zu glumsen ( s. d. ), in der Schweiz vereinzelt neben dem dort allgemein üblichen glunse ( s. d. ) bezeugt ( kanton …

glum(m)sen

DWB

glumm·sen

glum(m)sen , vb. , glimmen, intensivum zu glummen wie glimmsen ( s. o. ) zu glimmen, allgemein verbreitet in südlichen teilen des bayr.-öste…

Ableitungen von glumm (2 von 2)

glumme

DWB

glumme , f. , funke, zu glummen wie glimme ' glut ' zu glimmen: anno 1607 ... ist aus ... eines bürgers haus ein unversehens feuer auskommen…

verglummen

MeckWB

Wossidia verglummen 1. verglimmen Mi Nachtr. ; As Abendgläm, dei just verglummt H. Schröd. Gord. 231. 2. refl. sich versehen, falsch sehen: …