glückwunsch ,
seltener glückswunsch, m.: glückwunsch
gratulatio, congratulatio, acclamatio fausta Stieler (1691) 2498;
seit dem 16.
jh. gebucht (Frisius [1556] 488
a; Maaler [1561] 186
d),
aber literarisch erst seit dem 17.
jh. häufiger; es überwiegt von anfang an die s-
lose form, doch vgl. glückswunsch d. dreiszigjähr. krieg 200
O.-C.; glückswünsche Lohenstein
Arminius (1689) 2, 304
a; glückswunsch Braun
orthogr.-gramm. wb. (1793) 124
b; glückswunsch Hebbel
br. 7, 328
Werner; glückswünsche Erich-Beitl
wb. d. dtsch. volkskde (1936) 251; mit glükkeswünschen Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 1, 221.
wie bei glück wünschen (
s.glück II D 1
o. sp. 255
ff.)
tritt die bedeutung des reinen wunsches für die zukunft stark zurück hinter der verbindung mit der freudenbezeugung anläszlich eines festlichen tages bzw. frohen ereignisses, oder diese freudenbezeugung wird sogar zum ausschlieszlichen inhalt. 11) glückwunsch
als reiner wunsch für künftiges wohlergehen ohne den anlasz eines festes oder erfreulichen ereignisses begegnet kaum und nur in jüngerem gebrauch: der hausherr führte ihn nach aufgehobener tafel in sein schlafgemach und schied von ihm mit einem herzlichen glückwunsch für seine ruhe W. Hauff
w. (1890) 1, 35; (
ich) verbinde damit zugleich die überschrift
ΚΑΛΟΣ welche ...
καλῶς bedeutet, als glückwunsch zur fahrt Welcker
alte denkm. (1849) 3, 251;
am nächsten kommen glückwünsche
zum neuen jahre, da hier der äuszere anlasz allgemeiner, nicht persönlicher art ist; es findet das auch darin seinen ausdruck, dasz mit der präposition (zu, für)
überwiegend der begriff des kommenden jahres, nicht der des neujahrstages verknüpft wird: es ist eine wohlhergebrachte gewohnheit, dasz man keinen im neuen jahre anredet, dem man nicht zuvor einen glückwunsch abgestattet Gottsched
d. vernünft. tadlerinnen (1725) 2, 1; und bringen manch lustigen glückwunsch auf glückliches jahr Fouqué
altsächs. bildersaal (1818) 2, 83; empfangen sie meine glückwünsche für das neue jahr Hegel
w. (1832) 19, 1, 30.
formell abweichend: herzliche glückwünsche zum jahreswechsel, zu neujahr
u. ä.; möge das nächste jahr nicht blosz uns, sondern auch im weiteren kreise ein glückliches werden. meine herzlichsten glückwünsche für dich und alle die unsrigen zu morgen (
d. h. zum neujahrstage) Moltke
ges. schr. u. denkw. (1892) 6, 185. 22)
bei starkem vorwiegen der freudenbezeugung, des ausdrucks der anteilnahme ist doch der echte wunsch für zukünftiges einbeschlossen in glückwünschen
zum geburtstag, zur hochzeit, verlobung u. dgl.; formell überwiegt bei der präpositionalbestimmung sehr ausgesprochen die bezeichnung des festlichen tages oder der vollzogenen oder zu vollziehenden handlung (
verlobung, vermählung): nachdem ich ihr aber einen glückseeligen morgen gewünschet, erwiederte sie solchen mit einem wohlersonnenen glückwunsche wegen meines geburtstages Schnabel
insel Felsenburg 200
Ullrich; möchte ich bald zu der vollzogenen verbindung auch meine glückwünsche aussprechen können Göthe IV 28, 21
W.; soll das ein glückwunsch zu meines mannes geburtstage seyn? Iffland
theatral. w. (1827) 2, 192; vor allem anderen meinen aufrichtigsten glückwunsch zu ihrem namenstag
jahrb. d. Grillparzerges. (1890) 5, 265; und so wollen sie und die fürstin ihre gemahlin hier meinen innigsten und wärmsten glückwunsch zu diesem erhebenden feste entgegen nehmen Bismarck
ged. u. erinnerungen 2, 324
volksausg.; daneben ohne nennung des tages: der erste glückwunsch an die neuvermählten Fr. L. Jahn
w. 1, 218
Euler; später ... als sie zum traualtare ging, und ich ihr ... meinen glückwunsch brachte Holtei
vierzig jahre (1843) 1, 207;
nur selten mit direktem hinweis auf die zukunft: es wird mein glückwunsch stets für euer wohlergehn zu dem, der euch vermählt, in vollem opfer stehn J. Chr. Günther
ged. (1735) 423;
zu 3
hinüberweisend: erlauben sie mir, ihnen meinen glückwunsch zum geburtstage ihrer enkelin darzubringen
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 269. 33)
entsprechend den schon frühen umschreibungen wie gratulatio frolockung oder glückwunsch Frisius (1556) 488
a erscheint glückwunsch
auch zur ausschlieszlichen bezeugung der mitfreude, der anteilnahme an etwas bereits glücklich abgeschlossenem, erreichtem; ursprünglich hat dabei wohl entsprechend antikem brauch der wunsch mitgespielt, dasz das verhängnis das günstige resultat nicht nachträglich in seinem bestand oder seinen auswirkungen störe; doch kann späterhin von einem mitschwingen dieses gedankens kaum noch die rede sein: die letzte staffel, die benachbarten ihme (
dem hauswirt) zu verbinden, ist ..., wann man ihnen in freuden mit glückwünschen, in traurichkeit mit trost, ... an die hand stehet Hohberg
georgica cur. (1682) 1, 143; von allen orten wurden dem obsieger glückwünsche und lobsprüche zugeschryen Abr. a
s. Clara
etwas f. alle 2 (1711) 660; der überwundene verdient kein mitleiden; der überwinder keinen glückwunsch Ramler
einl. in d. sch. wiss. (1758) 2, 278; sie überreichten mir ... ihre glückwünsche zu der neuen erfindung B. Mayr
päckchen satiren (1769) 35; mein glückwunsch zu deiner genesung! A. G. Meiszner
Alcibiades (1781) 1, 234; das enkelchen, wozu wir unsern glückwunsch nachtragen, gedeiht ja vortrefflich Görres
ges. br. (1858) 3, 168; empfangen sie jetzt meinen herzlichsten glückwunsch, dasz noth und gefahr vorüber fürst Pückler
briefw. u. tageb. (1873) 3, 115; tausend glückwunsch, dasz sie wiederum aus dem westphälischen joch entbunden sind (1813) Jac. Grimm in:
br. der brüder Grimm an Benecke (1889) 77. 44)
in mehr oder minder festen verbindungen: den hertz- und hocherfreuten tag mit glükkeswünschen auszuziehren Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 1, 221; so kan ich doch itzund nicht vorbey, ... meinen christlichen wohlgemeynten glückwunsch gebührender maszen vorzustellen Chr. Weise
polit. redner (1677) 252; welche alle in mantel ihre glückswündsche ablegeten J. Riemer
d. polit. maulaffe (1679) 147; ich komme, meinen glückwunsch abzulegen Schiller 12, 227
G.; so statte auch hiermit ... meinen herzlichen glückwunsch ab
d. Leipziger avanturieur (1756) 2, 69; (
ich) will ... hiermit ... meinen glückwunsch abstatten Göthe IV 20, 197
W.; die glückwünsche, die die karthagische gemeinde ... in Rom abstatten liesz Mommsen
röm. gesch. (1854) 1, 386; dasz er ... darüber einen poetischen glückwunsch gemachet Gottsched
d. vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 343; er machte dem neuen doge seinen glückwunsch Schiller 4, 156
G.; er ... that seinem adel einen feierlichen glückwunsch Herder 24, 506
S.; dasz meine poesie den glückwunsch bringen solle J. Chr. Günther
ged. (1735) 763; und den glückwunsch einer todten, unsrer mutter, bringen wir Hoffmann v. Fallersleben
ges. schr. (1890) 6, 16; jetzt traten die offiziere ein, brachten ihre glückwünsche dar Chph. v. Schmid
ges. schr. (1856) 12, 157; (
wir) bringen unsere besten glückwünsche dar K. Meisl
theatr. quodlibet (1820) 3, 118; wir ... brachten in gesetzter fassung unsern glückwunsch vor Immermann 18, 140
Boxb.; die thätige duchesse ... übernahm es, der marquise die glückwünsche der Pariser welt zu überbringen E. T. A. Hoffmann 13, 46
Grisebach; auch die preuszische regierung ... sprach ... ihren warmen glückwunsch aus Treitschke
dtsche gesch. im 19.
jh. (1879) 3, 67; während alle welt glückwünsche aussprechen zu müssen glaubte Fontane I 1, 394; sie waren so freundlich, mir einen glückswunsch telegraphiren zu lassen Hebbel
br. 7, 328
Werner; nehmt meinen glückwunsch an, heut ist die hochzeit Schiller 13, 475
G.; sie ... nahm die glückwünsche und huldigungen seiner genossen entgegen G. Freytag (1886) 22, 208; ich bin verlegen, ob ich den glückwunsch schon empfangen darf Schiller 12, 66
G.; mit thränen in den augen soll er die allgemeinen glückwünsche empfangen haben Ranke
s. w. (1867) 42, 298; diese vertrauliche mitteilung ... trug ihm sofort anspielungen und glückwünsche der umstehenden ein, die er bescheidentlich ablehnte G. Keller (1889) 5, 256; seitdem weisz ich erst, dasz L. s glückwunsch doch in erfüllung gegangen ist Herm. v. Schmid
alte u. neue gesch. aus Bayern (1861) 87.
isolierter: diese warfen ihm lachend frivole glückwünsche nach Holtei
erz. schr. (1861) 3, 7.
elliptisch: vor allem meinen glückwunsch Schiller 5, 155
G. 55)
glückwunschadresse: (
sie) baten mich, dasz ich ihnen für das jubiläum ihres lehrers einen glückwunsch zeichnete A. Winnig
frührot (1926) 217. 66)
wünschelrute: wohin (
nämlich zu unzulässiger zauberei beim schatzgraben) aber der gebrauch der glückwünsche oder goldruthen nicht zu zählen, weil solche nicht unter die magica instrumente gehörig, sondern in den bergwercken deren gebrauch hergebracht ist Hohberg
georgica cur. aucta 3, 1 (1715) 125
b.