glitzern,
vb. ,
flimmernd glänzen. iterativbildung zu glitzen (
s. d.)
seit dem 15.
jahrh. bezeugt in einer ausgabe des 15.
jahrh. von Konrad v. Megenberg
buch d. natur 442, 15
Pf. mundartlich allgemein hd. 11)
von lichtquellen, besonders von den sternen: (
der schleier, der) wie ain stern glitzerete Schaidenreiszer
Odyssea (1537) 63
b; nacht ist schon hereingesunken, schlieszt sich heilig stern an stern, grosze lichter, kleine funken glitzern nah und glänzen fern Göthe I 15, 4
W.; die nacht war dunkel, nur einzelne sterne glitzerten am himmel
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1897) 4, 70;
dann auch von sonne und mond: ein reiter kommt, die sonne glitzert nur zu sehr, ich kann nichts deutlich erkennen Eichendorf
s. w. (1864) 3, 373; unter der flimmernden glitzernden sonne G. Plüschow
segelfahrt ins wunderland (1926) 166; der mond glitzerte zwischen denen blättern der laube
Tiefurter journal in schriften d. Göthegesellschaft 7, 179.
von lampen, kerzen u. dgl.: schon glitzern rings die lichter am gestad, der tag versinkt, der mond geht auf, die tiefe wehklagt umher Freiligrath
ges. dicht. (1870) 5, 185; durch die halbgeöffnete und rasch wieder geschlossene thür (
der weihnachtsstube) glitzert es mir entgegen aus der noch drinnen herrschenden ahnungsvollen dämmerung Th. Storm
ges. schr. (1884) 3, 136.
vom lichtschein auf gegenständen: als wenn in winterzeit die sonnenlichter mattwärmend glitzern auf bereiftem grund Fouqué
altsächs. bildersaal (1818) 1, 272; wir sahen schon von ferne die sonne auf der wasserfläche glitzern Ther. Devrient
jugenderinnerungen (1905) 34; er sah den mondschein unheimlich glitzern in dem schwarzen wasser der tiefen torfgraben Spielhagen
werke 1, 551; (
er sah in mondnächten) das zauberhafte flimmern und glitzern und dämmern auf see und felswänden Stifter
s. w. (1901) 3, 358; die sonne aber glitzerte so eigen im diadem, das seine stirne schmückt Eichendorff
s. w. (1864) 3, 590; sieh, wie dort der mond am haus glitzert ob dem apfelbaum Lingg
ged. 3, 215; an einen sonnenstrahl erinnere ich mich, der ... über einen haufen gelber blumen glitzerte Schnitzler
Anatol (1901) 105. 22)
vom widerschein. die lichtquelle wird dabei zuweilen genannt: man sahe den harnasch gar schön von der scheinenden sonnen gleissen oder glitzern
Aymont (1535) c 1
a;
in jüngerer zeit gewöhnlich mit der präposition in: (
Amor als landschaftsmaler) zeichnete den flusz so ganz natürlich, dasz er schien im sonnenstrahl zu glitzern Göthe
w. I 2, 183
W.; an dem im mondenglanz glitzernden fenster Gaudy
sämtl. w. (1844) 10, 137; es glitzert in der sonne der pflug so blank und klar Chamisso
werke (1836) 3, 302.
ohne bezeichnung der lichtquelle. häufig vom wasser: die bächlein ... sprangen glitzernd und wispernd über die baumwurzeln Eichendorf
s. w. (1864) 3, 304; wie glitzerte das wasser am mühlrade Anzengruber
ges. w. (1890) 5, 136; die glitzernden wellen des raschen flüszchens flimmerten wider an der weiszen zimmerdecke G. Keller
ges. w. 1, 180;
von tau-, regen- und andern wassertropfen: und rund um meiner mutter thür da glitzern ihre büsche, hinab durchs thal, wo quellenstrahl sie netzt in seiner frische Freiligrath
ges. dichtg. (1870) 5, 135; noch glitzerten die thautropfen auf dem grase W. H. Riehl
Eisele und Beisele (1848) 65; (
der weg) vor ihnen glitzerte und funkelte voll zerrinnender reifthauperlen J. Messner
ausg. w. 98;
von reif, schnee und eis: als die sonne aufgegangen, stand der ganze wald in weiszem reife da, in lauter weiszen funken brennend und glitzernd Stifter
s. w. (1901) 1, 307; der schnee glitzterte H. Laube
ges. schr. (1875) 15, 368; über glitzernde felder hin flog jetzt ein schlitten Fontane
ges. w. 1, 46; an den fensterscheiben (
des zimmers) glitzerten die eisblumen W. Raabe
hungerpastor (1864) 3, 130; an dem gemäuer, überall, steigt glitzernd auf der eiskrystall A. v. Droste-Hülshoff
werke 2, 56
Cotta. von glänzenden gegenständen, wie edelsteinen, kristallinischen gebilden, metallen u. dgl.: chrysolitus ist ainer der zwelf stain und ist mervar, also daz er tunkelgrüen ist und guldin funken dar ein gemischt hat, die glitzernt sam ain fewer Konrad v. Megenberg
buch d. natur 442, 15
Pfeiffer; mit sechs falschen brillanten ... wie das nur glitzert! Schnitzler
Anatol (1901) 51; das heiszt katzensilber, das im sand ligt und glitzert als sey es silber und gold Paracelsus
opera (1616) 1, 238
Huser; der rote grundsand glitzert wie lauter röthlich heraufflimmernde goldkörner Stifter
s. w. (1901) 1, 213; ein pfarrherr (
hat) in seinem garten einen baum gefället, darunter er kolen gefunden, die glitzerten etlicher massen Widmann
Fausts leben 929
Keller; Gutzkow
ges. w. (1872) 7, 58; zu wahren gebirgen türmt sich der weisze glitzernde salpeter vor den verschiedenen werken G. Plüschow
segelfahrt ins wunderland (1926) 167; glitzert er (
der ring) nicht wie das urim und thummim in dem brustschildlein des priesters Aron? Hebel
werke 2, 190
Behaghel; die wenigen münzen, ... die er recht fein schliff, dasz sie gar schön glänzten und glitzerten L. Auerbacher
volksbüchlein (1835) 85; er risz das haupt empor, er sah die schwerter glitzern Th. Storm
werke (1899) 6, 322; hierauf stecken sie ihre kleine glitzernde axt in den gurt P. Rosegger
schriften I 4, 361; auf seinem tische glitzert ein revolver Liliencron
s. w. (1896) 9, 75; der spiegel glitzeret, und leuchtet nicht H. Frölich
offenb. d. natur (1591) 89;
von flitter u. ä.: die glitzernden schmelzschuhe Lichtenberg
verm. schr. (1800) 4, 178; die flackernden lichter spielten auf ihrem gesicht und dem glitzernden mieder Eichendorff
s. w. (1864) 2, 379; dasz ... die meisten gar kein höheres ziel kennen, als dereinst die goldenen und silbernen tressen eines garderegiments auf ihrem kragen glitzern zu sehen Holtei
erzähl. schr. 7, 60.
ausdrücklich auch vom farbigen glanz: die blum ist gelb glitzerend Tabernaemontanus
kräuterbuch (1687) 968; schau nur, wie grüngoldig er (
der baum) jetzt glitzert Auerbach
schriften (1892) 15, 7; (
meine) haare ... von schwärtze glitzerten Grimmelshausen
Simplicissimus 297
ndr. von den augen: die augen glitzerten für grimmen, der gantz leib zittert H. Fabricius
auszug bew. hist. (1599) 66; die scheinente oder glitzerente augen ... bedeuten buhlerische und unkeusche leute J. B. Porta
physiognomy (1601) 486; diese tiefen, glitzernden augen (
Luthers) machten ihm (
Cajetan) grauen Ranke
s. w. (1867) 1, 269; wenn der doctor die schnellen athemzüge und den glitzernden schein der augen betrachtete G. Freytag
ges. w. (1886) 13, 108. 33)
in bildlicher verwendung: das waren stunden, die glitzern wunderschön aus der frühsten kindheit herüber B. v. Arnim
Cl. Brentanos frühlingskranz (1844) 125; er geht seinem glauben und seiner überzeugung treu schritt vor schritt mit schlichter einfacher rede vor uns hin und liebäugelt, schillert und glitzert nirgends mit scheinlichtern E.
M. Arndt
schriften f. u. an s. l. Deutschen (1845) 4, 164; an solchen sätzen war alles undeutsch, die gedanken, der satzbau, die wörter, aber sie glitzerten und blendeten Treitschke
deutsche gesch. im 19.
jahrh. (1897) 3, 710; eine leise ironie glitzert hier und da (
in der erzählung) wie ein silberner flusz in der ferne W. Scherer
kl. schr. 2, 27; es ist ein weicher, gutartiger, silbern glitzernder idealismus, welcher vor allem edel verstellte gebärden ... haben will Nietzsche
werke 4, 180.