glauch,
adj. herkunft. das auf das deutsche beschränkte wort wird wie das gleichbedeutende glau (
s. o.)
zur wurzelform *ghlu-
der grundwurzel *hel- '
glänzen, schimmern'
gezogen, s. Persson
beitr. 795; Falk-Torp 1, 332.
der schlieszende guttural müszte, da eine gutturalerweiterung sonst nicht bezeugt ist, suffixal sein; da die -k-
suffixe im german. und deutschen nicht produktiv sind (Kluge
nominale stammbildungslehre § 212; Wilmanns 2, 476),
wäre demnach die bildung erheblich älter als ihre bezeugung. es bleiben also nicht geringe schwierigkeiten. zur selben wurzelform gehörten dann auszerhalb des germanischen u. a. gr. χλό(Ϝ)ος, χλοῦς '
grüngelbe oder hellgrüne farbe'
und möglicherweise lat. luridus '
blaszgelb, fahl, leichenblasz' (
s. Walde-Pokorny 1, 627;
anders Walde-Hofmann 1, 837).
der anklang an gr. γλαυκός ist rein zufällig. innerhalb des german. stehen die wortstämme glaa-
und glua-
am nächsten, vgl. glau,
glüh und die dort angeführten wörter. form und verbreitung. mhd. glûch
und —
mit sproszvokal oder als compositum gefaszt —gelûch (
vgl.glau sp. 7772, glatt
sp. 7705)
sind aus Kärnten, Mittelbayern und dem preuszischen ordensland bezeugt; der mundartliche ausdruck wird seit dem 16.
jh. von der schriftsprache aufgenommen, begegnet hier jedoch fast nur in fachsprachlichen zusammenhängen, vgl. unten 1 b-3.
die heutige mundartliche verbreitung im südostdeutschen (
Tirol)
und ostmitteldeutschen (
obersächs., schles., thüring. sowie im osten der provinz Brandenburg)
entspricht in groszen zügen der älteren lage; dem westen ist das wort so gut wie unbekannt geblieben, vereinzelte literarische belege aus Basel (gluch,
subst.)
und Nordschleswig (
glauch,
adj.)
sind in ihrer zugehörigkeit unsicher. isoliert steht pfälzisch glauch
neben glau,
s. u. 8.
als gelehrte nachbildung unter einflusz der mundart ist Lessings
übersetzung glauches auge
für γλαυκον ὀφθαλμα (!)
zu verstehen (
s. schr. 8, 346
M.).
mundartlich finden sich neben glauch
wörter derselben wurzel in gleichen oder ähnlichen bedeutungen, vgl. glau und glüh (gluh).
wo es vereinzelt im nd. auftritt, wird es durch diphthong und verschiebung als hd. entlehnung erwiesen, s. Teuchert
an den unten angeführten stellen. bedeutung. 11)
glänzend, hell, bläulich schimmernd, weiszblau. 1@aa)
allgemein. vereinzelt im mhd.: von gehilwe unde heitere wirt der regenboge, vone der sunnen wirmen iouh dere wolchene fiuhte, also des fiures glanst durch daz wazzer liuhte. daz dritte dar unter is des himiles varwe gluche: ih waene in diu erde an ietwederem orte zuo sich iuche
vom himmelreich in: kl. geistl. ged. d. 12. jh. 22
Leitzmann. hierher gehört vielleicht auch ein einmaliges glauch
bei Neocorus,
das auszerhalb des ostdeutschen verbreitungsgebietes und auch der form nach ganz vereinzelt steht: ock wasz (
bei einer viehseuche) de melk gantz seltzam, dat se so lang (
wässerig) und glauch (
bläulich schimmernd) was, dat man se nicht woll geneten efft nutten konde, und de darvan eten, mosten se wedder upgeven
chron. d. landes Dithmarschen 2, 426
Dahlmann. frühnhd. vom glänzenden schimmer des erzes belegt, vgl. dazu auch unter b: aber ire füsse waren gleich wie ochsenfüsse und glintzeten wie ein hell glat ertz (
var. wie ein glauch ertz)
Hesekiel 1, 7; der prophet redet vom glauchen erz, das da schimmert schier wie unser glockenspeise, wenn sie poliert oder ausgearbeit ist Mathesius
Sarepta (1587) 68
a; was nu disz eigentlich für ein gluw, glauch oder hell kupffer gewesen sey, können wir nicht eigentlich sagen, es sind vil metall die da gleissen und schimmern
ebda; glantz, welches die Lateiner galenam (
bleiglanz) nennen, ist ein glauch oder glw metall
ebda (1571) 101
b.
als '
glänzend' (
ohne nähere erläuterung)
im 19.
jh. für das Unterinntal verzeichnet, vgl. die deutschen maa. 5, 435
Frommann; Schöpf
tirol. 193. 1@bb)
im übrigen lebt das wort in dieser bedeutung nur in der bergwerkssprache, wo es seit dem 16.
jh. bezeugt ist: was glauch oder sehr weisz ist, hat nicht gern metall in sich Mathesius
Sarepta (1571) 101
b;
vgl.glauch weiszblau, schimmelfarb, wird von metallen gesagt, glaucus Frisch
teutsch-lat. wb. (1741) 1, 352; die erze, die gemeiniglich auf dem Johannes am Rothenberge vorkommen, sind eisenstein von bläulichgrauer farbe (haematites caerulescens), hier glaucher eisenstein genannt Charpentier
mineral. geograph. d. chursächs. lande (1778) 249;
seither noch in fach- und fremdsprachlichen wörterbüchern, vgl. Schrader dtsch-franz. (1771) 1, 553; Krünitz 19 (1780) 39; Richter
berg- u. hüttenlex. (1805) 1, 430; Campe 2 (1808) 394. 22)
da glauches gestein meist unergiebig ist (
vgl. z. b. Mathesius
unter b),
lag der übergang in die bedeutung '
taub, leer'
nahe, und so wird diese in den wörterbüchern gewöhnlich neben der farbbezeichnung aufgeführt: glauches erz nennt man geringhaltiges erz Richter
berg- u. hüttenlex. (1805) 1, 430;
früher und verbreiteter in der verbindung glaucher gang: 'glaucher gang
ein tauber leerer glantz' Schönberg
berginformation (1693) 2, 45; ein glaucher gang
eine erzader, so nur scheint ächtes ertz zu haben, venae fodinae sine solido in igne metallo, ein tauber, leerer glanz Frisch
teutsch-lat. (1741) 1, 352;
vgl. auch Adelung 2 (1775) 702; Jacobsson
techn. wb. 2, 116
a. 33)
die bedeutung '
derb, fest'
findet sich gleichfalls nur in der bergwerkssprache, vgl. 'glauch
derb und feste'
bergmänn. wb. (1778) 231,
und steht in sachlicher abhängigkeit von der vorhergenannten, vgl. 'glauch
nennt man festes, derbes, auch wohl taubes und dergleichen gestein, es sieht gemeiniglich blau oder schimmelfarbig aus' Richter
berg- u. hüttenlex. 1 (1805) 430; 'glauch ...
vom gestein s. v. w. unergiebig, dabei fest' Mothes
baulex. 2 (1882) 468.
vgl. auch das substantivum glauch,
m., ferner: die goldgänge (
seien) aber sehr glauch oder fest befunden worden, daher man ietzo solche zu umfahen und ins feld zu brechen und zu sehen sich bearbeitet, ob der glauch oder feste gang sich veredlen möchte, wozu dann die bergleute gute hoffnung machen (
Freudenthal 1651)
codex diplom. Silesiae 21, 201. 44) '
hellglänzend, glatt, hübsch, sauber' (
vgl. die ähnliche bedeutung bei glau 3);
als mundartlicher ausdruck nur selten literarisch belegt: ihr nymphen in dem meer, ihr glauches wasservolk W. Scherffer
ged. (1652) 439; du bist noch jung und glauch, du wirst doch so nicht bleiben? A. L. Karschin
ged. (1792) 386;
als mundartlich und landschaftlich von Campe
verzeichnet, 2, 394,
vgl. auch Bernd
dtsche sprache in Posen 2 (1820) 76; Mrongovius
deutsch-poln. wb. (1854) 351
a;
im heutigen sprachgebrauch noch lebendig im osten der provinz Brandenburg, vgl. zs. d. allg. dt. sprachvereins 20 (1905) 18; Teuchert
aus dem neumärk. wortschatz, zs. f. dt. maa. 1907, 255; 1908, 48
f.; 1909, 81. 55) '
geschwollen, aufgedunsen, entzündet',
vgl. '
die innere entzündung irgendeines körperteils, bei der die betreffende stelle angeschwollen und infolgedessen die haut gespannt, glatt und glänzend ist: der finger, der arm, die zehe, der fusz, das auge, die nase ist glauch oder sieht glauch aus' (
Köthen)
zs. d. allg. dt. sprachvereins 20 (1905) 17; '
glänzend, geschwollen' Bruns
volkswörter d. prov. Sachsen (1916) 25,
seit dem 13.
jh. belegt: brâ und wintbrâ wâren rûch, sîn nase grôz und gelûch Heinrich v.
d. Türlin
krone 19659,
s. ebda 19715
und 6037 (
l. gelûch : rûch); al der lîb von swulsten glûch Nicolaus v. Jeroschin
hl. Adalbert 274; do irkante sy sin nicht durch der gluchen sweren gicht mit dem er leitlich waz geslayn
Hiob 1052
Karsten, s. ebda 1130
und 8170; aber an den Egyptiern sind nicht gemeine masern oder kleine bletterlein gewesen, sondern es sind grosze, schwartzbraune, glauche, hitzige, brennende blattern, pestilentzische peulen und schwere gewesen S. Suevus
spiegel d. menschl. lebens 1 (1588) 245
b; wan dieses tier (
das moschustier) in der brunst ist, dan schwöllet sein nabel auf, wie eine grosze glauche beule, die vol dicken und braungelben bluhtes ist
Dapper Africa (1670) 21
a.
bei Mathesius
als beiname der pestilenz: damit er (
Christus) ... uns durch seinen tod unser gifft herauszüge ... wie ein verdorrete kröte die gifft von einer glauchen pestilentz herausziehen solle
Sarepta (1571) 72
b. 66) '
von flüssigkeit durchtränkt und angeschwollen'
in der Tiroler mundart: sie ischt gànz glauch va lauta röern '
sie ist durch vieles weinen gleichsam durchtränkt und angeschwollen'; die kràpfin hent zu glauch '
sie haben zu viel schmalz gesogen'; die wolkin hent glauch (
von gewitterwolken) Hintner
tirol. 81;
vgl. dazu '
glänzend'
etwa '
fettglänzend'
? im Unterinntal, s. oben 1 a
ende. hierher gehört vielleicht auch eine bedeutungsangabe aus Kitzbühel: 'glauch
bleich und aufgedunsen' Schmeller-Fr. 1, 969,
doch vgl. zu der farbangabe auch oben 1 b. 77) '
feucht, näszlich, stockig, dumpfig',
von dingen, die feuchtigkeit angezogen haben. die verbreitung beschränkt sich auf das obersächsische, thüringische und schlesische sprachgebiet: glauch,
vom holz, s. v. w. feucht Mothes
baulex. 2 (1882) 468;
besonders von dumpfigem getreide, mehl, salz, aber auch verklammter bettwäsche, feuchten hauswänden u. ä., vgl. zs. d. allg. dt. sprachvereins 18 (1903) 177; 19 (1904) 123; 20 (1905) 17; Müller-Fraureuth 1, 424; Bruns
volkswörter d. prov. Sachsen (1916) 25.
als '
unzeitig, unreif, besonders von körnern in den ähren, auch von zu früh geborenen kindern'
bei Müller-Fraureuth
a. a. o. nach einem handschriftlichen obersächs. provinzialwörterbuch von der wende des 18.
zum 19.
jh. 88)
ganz vereinzelt steht glauch
neben glau
in der verbindung glau(ch) tun '
wohl tun' Autenrieth
pfälz. 54,
vgl.glau 6.