glaublich,
gläublich,
adj. ,
adv. seit ahd. zeit (
zweite hälfte d. 8.
jhs.)
bezeugt, ahd. giloublîh,
mhd. gelouplich, gelöuplich,
mnd. gelȫflîk
mnd. hwb. 1, 2, 55,
mnl. gelovelijc Verwijs-Verdam 2, 1283,
nhd. glaublich, gläublich,
nl. geloofelijk
woordenb. 4, 1249;
vgl. ags. gelēaflīc (gelēaflīce,
adv.) Bosworth-Toller 408
a,
suppl. 355
a.
ableitung von glaube,
m., oder glauben,
vb.; ob zunächst nominale ableitung vorlag, ist schon dem ahd. gebrauch nicht mehr anzusehen, doch lassen sich einige bedeutungen besser aus denominativer abkunft begreifen, vgl. unten 2
u. 3;
heute ausschlieszlich als deverbativum empfunden, s. auch Wilmanns
gr. 2, 485.
form. unumgelautete und umgelautete formen stehen bis ins 18.
jh. nebeneinander, doch ist eine bestimmte geographische verteilung nicht erkennbar; bis zum 17.
jh. tritt die umlautsform gläublich
sowohl md. wie obd. stark hervor, verschwindet im 18.
jh. bis auf wenige reste und kommt etwa seit der mitte des jahrhunderts ganz auszer gebrauch. wo die mundarten das wort aufgenommen haben, ist meist die umgelautete form noch bewahrt, zum teil neben umlautloser, vgl. z. b. gläublich
fidedignus Schmeller-Fr. 1, 1407; glaubli
ch, gläubli
ch Staub-Tobler 2, 589; 'glaublich (-äu-)
auch mod. bekannt, bes. negativ, aber nicht pop.' Fischer
schwäb. 3, 682; gläwlich
glaublich lux. ma. 147
b; gläublich
rhein. wb. 2, 1263.
schwankende gestalt bei ein und demselben autor (
bzw. den handschriften oder drucken)
erweist, wie unfest die anwendung des umlauts bis zum durchdringen von glaublich
war, vgl. z. b. gelouplich Tauler
pred. 300
V., aber glOeiplich 160; gleublich Luther 18, 239
W., 27, 272
und so in der regel, aber glaublichen 15, 266; glawblich Berthold v. Chiemsee
t. theol. 10
Reithm., aber glaewblich 11; gloublicher Tschudi
chron. helv. (1734) 1, 97,
aber glöublich 1, 54; glaublich Schupp
schr. (1663) 12,
aber gläublich 611; glaublich Gottsched
ged. (1751) 1, 212,
aber gläublich
crit. dichtkunst (1751) 51,
anm. 133.
umgelautete formen: glOeiplich Tauler
s. oben, glöblich
schausp. d. mittelalt. 2, 187
Mone; geläublich Arigo
decam. 474
K., geleuplicher 28; gleupliche (
v. j. 1447)
privatbr. d. mittelalt. 1, 48
St.; gelewblich (
v. j. 1473)
monum. boica 25, 348; gleiblichen (16.
jh.)
österr. weist. 1, 187; gläublich Aventin 4, 1138
L.; gleüplich Wickram
w. 1, 145
B.; gläublich Fischart 3, 181
Hauffen; geleublich
städtechron. 10, 170 (
Augsb.); gleublich Murner
an d. adel 19
ndr., Sleidanus
reden 17
B.; gläublicher Lohenstein
Arminius 1, 717; gläubliche Fleming
dtsche ged. 1, 61
Lapp.; gläublich Zesen
rosenmând (1651) 8; Rist
friedejauchz. Teutschl. (1653) 150; Bellin
rechtschr. (1657) 48; Logau
sinnged. 150
E.; Ettner v. Eiteritz
med. maulaffe (1719) 150; S. Fr. Hahn
vollst. einleitung (1721) 5 86; gläublicher v. Besser
schr. (1732) 2, 353; gläublich Drollinger
ged. (1743) 19;
in ungläublich Lavater
pred. über d. buch Jonas (1773) 1, 66.
umlautlose formen: geloplich Elsb. Stagel
schwestern zu Tösz 67, 14
V.; gloublich (
v. j. 1427)
stadtrecht von Neuenburg a. Rh. 55; glauplich (
v. j. 1452)
monum. boica 9, 276; glablich (
v. j. 1490)
städtechron. 25, 354; glouplichen Wigand Gerstenberg
chron. 6
Diemar; glaubliche (16.
jh.)
österr. weist. 4, 84; glauplicher (
v. j. 1525)
d. deutsche bauernkrieg, aktenbd. 203
Franz; glaublich Hutten
opera 2, 184
Böck.; gloublich
N. Manuel 183
B.; glaublich Rätel
Curäi chron. (1607) 5, v. Brandis
ehrenkräntzel (1678) 11, Bodmer
v. d. wunderbaren (1740) 142; Schubart
br. 1, 232
Strausz. bedeutung und gebrauch. ahd. übersetzt giloublîh
lat. credibilis und probabilis, vgl. Graff 2, 75,
steht also in unmittelbarer beziehung zu glauben,
vb., III A-D,
während gläubig (
s. sp. 7890)
zunächst nominaler herkunft ist. 11)
im bedeutungsbereich von glauben,
vb., III;
vgl. ahd. kilauplihho
credibiliter (
ende d. 8.
jhs.)
bei Graff 2, 75;
credibilis gleuplich (15.
jh., md.) Diefenbach
gl. 156
a. 1@aa)
von erscheinungen, die das gefühl einer nahezu sicheren wahrheitsgewiszheit erwecken, entsprechend glauben III A
und B,
etwa wie '
glaubhaft, glaubwürdig, überzeugend, zuverlässig, verläszlich, unzweifelhaft, wahrhaftig'
u. ähnl. gebraucht; in neuerer zeit geht diese bedeutung bei glaublich
zugunsten von glaubhaft
und glaubwürdig
immer mehr zurück. 1@a@aα)
allgemein vor allem von zeugnissen, aussagen, berichten u. dgl., an deren wahrheit kaum gezweifelt werden kann, vgl. auch persuadibile gleublich ding (
voc. variloquus, ende d. 15.
jhs.) Diefenbach
gl. 430
b,
suasio gleublich leitung
vel hantleitung
vel redung (
voc. variloquus, ende d. 15.
jhs.) Diefenbach
gl. 558
c: diniu (
gottes) urchunde wurden harto geloublich (
testimonia tua credibilia facta sunt nimis). selben dien regibus wurden siu geloublich samoso dien anderen Notker 2, 393
P.; siniu wort sint toh tien liuten gloublichoren danne eniu 1, 295; kelouplich narratio
bei Graff 2, 75; do begunder (
der rabe) umbe wasschen durh sin selbes genaske er ne sagete ime (
Noah) niht widere dehein geloublich pilde. do sante er (
Noah) uz di tuben der wolter gelouben
Vorauer Moses 13, 8
Diemer; her (
gott) louc nie nicht sam ein har, wen sine wort sint immer war und sin eit geloubelich wen her nie gevelschete sich H. v. Hesler
apokal. 15163
Helm; dâ von müeze ein ieglich man merken, unde machen sich alsô zühtic, daz gelouplich zuht an im müge werden, sô liebet er ûf erden sich gote und der werlte gar
Reinhart fuchs 1712
Grimm; so balde unser lieber gemahel und juncher wydder zu uns kommet, so wellent wir dovon unser gleupliche bottschafft zuo uwer liebe schicken (
v. j. 1447)
privatbr. d. mittelalters 1, 48
Steinhausen; ir red in gancz war und geläublich daucht Arigo
decam. 474
K.; er saget inen auch ein gesicht, das gleublich war ('
exposito digno fide somnio'
vulg.) 2.
Macc. 15, 11; usz gar worhaftigen unde gelouplichen historien Wigand Gerstenberg
chron. 6
Diemar; uns ist aber nechten spadt ... glauplicher bericht worden (
v. j. 1525)
d. dtsche bauernkrieg, aktenbd. 203
Franz; die mutter sagt wol zu mir, ich sey ihr sohn, das ist gläublich, aber der vatter kan sein geschlecht durch sich selbst nicht erkennen Lehman
floril. polit. (1662) 3, 316; (
die nymphen) zweifelten wohl gar dabey, ob Famens nachricht glaublich sey? Gottsched
ged. (1751) 1, 212; die Franzosen ... richteten ihre aussage so glaublich und so umständlich ein, dasz er an demselben tag insgeheim angehalten und erwürgt wurde Schiller 4, 147
G.; welche fabel erfunden werden kann, die recht glaublich klingt und den stempel der wahrheit trägt, findet sich Holtei
erz. schr. (1681) 1, 78; es bedürfte ... einer absonderung der eingemischten dichtungen von dem historisch glaublichen Niebuhr
röm. gesch. 1, 2; wohl wuszte sie über diesen entschlusz ... den mantel einer glaublichen entschuldigung zu werfen Gutzkow
ritter v. geiste (1850) 7, 248; wer kann irgend einen glaublichen nachweis dafür beibringen, dasz das, was er dafür ausgibt, wirklich der gesamtwille des preuszischen volkes sei? Bismarck
reden 1, 73
Kohl. —glaubliche ursache,
vgl. cloublich causa (
c. 1000)
bei Graff 2, 75: (
der verdächtigte) kündt dann mit guten glaublichen ursachen anzeygen, dasz er solchs zu unstrafflichen sachen gebraucht hett
Carolina 45
Zöpffl; ich wünschte eine glaubliche ursache davon zu sehen K. W. Ramler
einl. in d. schönen wissensch. (1758) 2, 206. 1@a@bβ) es ist glaublich '
es ist fast unzweifelhaft, gewisz'
mit abhängigem objektssatze ist nur in älterer sprache noch diesen sinnes, mit dem 17.
jh. drängt sich hier die bedeutung b
ganz in den vordergrund: alle die wile und also lange da der mensche mit den bilden die under uns sint, umbget und mangelt do nút, so ist daz nút gelouplich, daz der mensche in disen grunt (
der seele) iemer komen múge Tauler
pred. 300, 29
V., vgl. 160, 5; noch ist das geloubelich, das keyn herre noch mensche y gesee noch gehatte also grozin schacz bi den andir
md. Marco Polo 5, 17
v. Tscharner; won es ist geloplich und nit zwifelich: sy wer me ... in dem himel denn uff dem ertrich Elsb. Stagel
schwestern zu Tösz 67, 14
V., vgl. 27, 36; und ist gläublich, dasz es von alter her die Zitter geheiszen habe Stumpf
Schweizerchron. (1606) 426
a; gläublich und gantz unzweifelhaft ist, dasz die Niederländer ausz Flandern ... erstlich über meer in gedachte insul kommen (
sind) S. Münster
cosmogr. (1628) 68. 1@a@gγ)
in der verbindung (einem) etwas glaublich machen '
jem. von etwas überzeugen',
vgl. ahd. giloublîh tuon: er daz so ergange, er wirt temo oratori zegeougenne dia meisterskaft sines kechoses unde al daz fure zegezihenne, mit tiu des tinges spuon mag unde mit tiu geloublih ketan mag werden tien judicibus, sowaz er wile haben ze rehte Notker 1, 71
P.; approbatio, mit tiu man dia propositionem alde dia assumptionem gewarit und geloublih ketuot
ebda 615: (
er) in (
ihnen) die sach so gleüplich machet, das sich nyemants des kampffs underston dorfft Wickram
w. 1, 145
Bolte; sein favorit machte ihm glaublich, der ganze fehler käme daher, weil keyn oberschenk am hofe sey Fr. Nicolai
literaturbr. (1758) 5, 156;
vereinzelt mit persönlichem akkusativobjekt, wohl von einen etwas glauben(d) machen (
s. oben sp. 7845)
beeinfluszt: wenn es gelänge, jemanden die prophetische inspiration glaublich zu machen Schleiermacher
s. w. (1834) I 3, 98;
frühnhd. selten mit akkus. der person und gen. der sache: damit ich dich meiner frawenn ern und zucht müg warhaftig und gelaublich machen Arigo
decam. 144
K.; ohne personalobjekt '
etwas als so wahr, begründet, tatsächlich hinstellen, dasz kaum ein zweifel möglich ist',
vgl. ein ding noch glöublicher machen
firmare fidem alicui rei Frisius
dict. (1556) 566
a: dasz man kundschaft leg umb all sachen, die man gloublich und war wil machen
N. Manuel 183
Bächtold; ob die sache vollkömmlich bewiesen, ... ob und wie weit sie glaublich gemacht worden Leibniz
dtsche schr. 1, 385; das tagebuch ist ... später mit wendungen vervollständigt worden, durch die höfische streber den inhalt glaublich zu machen suchten Bismarck
ged. u. erinn. 2, 143
volksausg.; reflexiv gewendet: die tugend, welche in einer räucherichten strohhütte selten geachtet wird, wohnte bey ihr in einem pallaste, und machte sich dadurch um so viel gläublicher Besser
schr. (1732) 2, 353. 1@a@dδ)
in älterer juristischer sprache wie heute üblicheres glaubhaft, glaubwürdig
von rechtlichen beweismitteln u. dgl., deren wahrheit, gültigkeit, authentizität, echtheit nahezu auszer zweifel steht, oft geradezu wie '
zuverlässig, verbürgt, echt'
gebraucht, vgl. geleuflichen
autenticus (15.
jh., md.) Diefenbach
gl. 63
b: und habent si sölich brief und botschaft von unserm herren dem künig lassen verhören und gloublich vidimus sölichs gewaltz geben (
v. j. 1427)
stadtrecht von Neuenburg a. Rh. 55
Merk; davon man aber den parthien ... glOeuplich abgeschrifften geben sol (
v. j. 1447)
urk.-buch d. stadt Basel 7, 200; des wir euch hiemit auff euer begern gleublich abschrifft überschicken
herzog Friedrichs schrift von 1519
an Karl v. Miltitz bei Luther
bücher u. schr. (1567) 1, 141
a; so verr si dann umb ir schuld gloublich anzOeg thund, so sollen si ouch ir ieder nach vermOeg siner schuld ingesetzt und gehalten werden
Freiburger stadtrechte (1520) 6
a; wir wollen auch die schiffsfreunde und reder alles fleiszes ermahnet haben, das sie zu jeder zeit ... darüber offene instrument oder sonst glaubliche schrifft auffrichten lassen
seerecht d. Hansa v. 1614,
art. 2, 3
bei Pardessus
coll. de lois marit. 2, 532. —
in fester formel glaubliche urkunde: an glewblich urkunde ... clag gestaten
Elbog. chron. 38, 32
bei Jelinek 275; man hat auch für guet ... angesehen, dasz kainer kain ingesessen beherberige oder underhalte, welche irer elichen gemeinsam und das si eeleut seien, kain glaubliche urkunt haben (16.
jh.)
österr. weist. 4, 84; (
der notarius) hab dann zuovor glaublich urkund von seinem fürsten, hern, commun oder obrigkeyt
kaiserl. majestät kammergerichtsordn. (1555) 51
b.
glaublicher schein juristisch überzeugendes zeichen, beweismittel, vgl. schein 8 c (
teil 8,
sp. 2426
f.): wo einer in abwesen der ahngebotten diengh verwiessenn wurde, käme, daz derselbe über kuerzs oder langh brecht glaublichen brieflichenn schein undt siegell, (
dann) soll ...
weisth. 1, 481; alsz er seines empfangenen bevelchs glaublichen schein dargethan Seb. Franck
chronica, zeytbuch (1531) 3, 228; (
der angeklagte) kündt dann mit glaublichem schein anzeygen, dasz er solch gifft zu andern unstrafflichen sachen gebraucht hett
Carolina 43
b Zöpffl. 1@bb)
von objekten, deren wirklichkeit, wahrheit, echtheit nur ein geringerer grad von gewiszheit zukommt, deren behauptete eigenschaften für den urteilenden doch nur im bereiche des wahrscheinlichen, denkbaren, möglichen, mutmaszlichen liegen, also glauben,
vb., III D
entsprechend und '
wahrscheinlich, vermutlich, denkmöglich, vorstellbar'
u. ähnl. begriffen nahestehend. so auch ahd. bereits verwendet und im nhd. besonders breit entfaltet, heute die eigentliche hauptbedeutung des wortes; vgl. probabilis i. kelouplich Notker 1, 651
Piper; probabilis gleublich, ein schin der warhait, bileuffig (
voc. variloquus, ende d. 15.
jhs.) Diefenbach
gl. 460
c;
probabilis glöublich, wol anzenemmen, der warheit gleych Frisius
dict (1556) 1061;
verisimiliter bewer-
vel gloublich (
voc. variloquus, ende d. 15.
jhs.) Diefenbach
gl. 613
a;
verisimilis glaublich
nomencl. lat.-germ. (1634) 267. 1@b@aα)
allgemein: wanda sumelichiu argumenta sint probabilia daz chit kloublichiu, diu mugen wilon wariu sin wilon lukkiu, anderiu sint necessaria, taz chit penote wariu Notker 1, 167
P.; taz erera ist io war, taz ander ist keloublih fone diu, daz iz ticchost so feret 1, 236; ettelike lude segeden oc, dat se hadden gesehn in der sunnen unde deme manen unde den sternen maneger vare vorbat, denne it loflic si
sächs. weltchron. 198
Weiland; christianus mus unmuglich thun und das nicht gleublich sint, ut fiat ex peccatore justus Luther 27, 277
W.; künig Ätzel ist vast gnedig und güetig gewesen, mer dan gläublich ist, gegen denen, so frid begerten und ainmal an in sich begaben Aventin 4, 1138
L.; ein graff erzehlte einen seltzamen schusz, den er auff einer jagt gethan, welcher nicht wol gläublich sein kont Zinkgref
apophthegmata (1628) 363; denn wenn sie (
die fabel) was glaubliches und mögliches in sich begreift, so ... Triller
poet. betracht. (1750) 2, 598; mein leser, was ich dir erzähle, ist, wo nicht völlig wahr, doch glaublich gnug erdacht Gottsched
d. neueste 5 (1751), 363; ... wenn man mährchen nicht von ihm (
meinem vater) mir vorgelogen. —mährchen? —doch ganz glaubliche; die glaublicher mir nie als itzt geschienen Lessing 3, 99
L.-M.; als ich abging, lief ein gerücht umher, dasz verschiedene würdige leute aus dem wege geräumt wären. das war mir um so glaublicher, da ich die völker des tyrannen ausrücken sah Bürger
s. w. 309
Bohtz; seine stücke belaufen sich auf eine kaum glaubliche zahl Schubart
ästhetik d. tonkunst 204; sie müssen doch einen hauptgedanken festgesetzt haben —gleichviel ob er erfüllt wird —ob es auch nur glaublich ist Caroline 1, 67
Waitz; auch war der mann vor mir so unbefangen, dasz seine schuld mir nicht recht glaublich ist Immermann 16, 490
Boxb.; wir werden glaublicher weise nächsten winter in Jena verbringen Dahlmann
an Wilh. Grimm in: briefw. zw. J. u. W. Grimm, Dahlmann u. Gervinus 1, 223. 1@b@bβ)
in verbindungen wie etwas glaublich erachten, finden
u. ähnl.: underweilen hab ich (
das) auch bei mir nit glaublich erachten mögen
hertzog Aymont (1535) a 2
a; nach dem er auff die meynung vielerley, das wol glaublich bedunckt ward, hat gerett, mit solchen worten hat er ettlich überredt Carbach
Livius (1551) 245
a; heute wünsche ich schon die verbindung mit der geisterwelt wäre möglich, ja ... ich wäre geneigt, sie glaublich zu finden Bettine
d. Günderode (1840) 1, 8. glaublich vorkommen, scheinen, erscheinen: und kömpt mir das ding daher also nicht glaublich vor, dasz ... Prätorius
anthropod. pluton. (1666) 1, 222; welches ich dahin gestellet seyn lasse, wiewohl mir es nicht recht gläublich fürkömmt J. G. Schmidt
rockenphilos. (1706) 1, 106; und doch kam es ihm so wenig glaublich vor, dasz er glücklich genug seyn sollte, nach einer so langen abwesenheit ... si in dem gynäceo seiner freunde zu Tarent wieder zu finden Wieland
Agathon (1766) 2, 314; auch fällt der argwohn weg, der vielen glaublich scheint, als wär ich in der that dem frauenzimmer feind Henrici
ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 2, 434; jedoch scheinet dieses letztere glaublichst, weil ... Diederich v. Stade
erläut. u. erklär. (1724) 33; in weniger zeit, als es mir glaublich schien, war ein haufen jäger ausgerüstet Stifter
s. w. 3, 249
Sauer; was mir desto glaublicher erschien, als ich die völker des tyrannen ausrücken sah Schiller 13, 124
G. 1@b@gγ) es ist (nicht, kaum) glaublich,
mit abhängigem satz: do macht er (
Christus) ausz wasser wein den hochzeitlüten, und ist geläublichen, das er desselben mauls (
mals) zem ersten wein tranck meister Ingold
d. gold. spiel 51, 22
lit. ver.; doch ich sein ser czweifel, müglicher und geleuplicher ist, er in abgrunde der helle in des teufels hende verdamnet sey dann in dem himel sey Arigo
decam. 28
K.; es ist nit gleublich noch zu vermuthen, das solch dieng solt gottes wort sein Luther 33, 614
W.; nun sey dem wie im wölle, so ist doch glöublicher, der bär hab sein zeit ausz und einzeschlieffen Herold-Forer
Gesners thierbuch (1563) 16; wir musten gleichwol ungeachtet desz doctors meynung also fort reiten, vielleicht darumb, dasz wir geld spahren, oder welches glaublicher ist, die gelegenheit nicht versaumen möchten Moscherosch
gesichte (1650) 2, 622; wir hatten, wo mir recht, wol sieben gänge, doch hör, was schrecklicher, und was kaum glaublich ist: wir hatten keinen lachs
poesie d. Niedersachsen (1721) 1, 121
Weichmann; denn es ist wohl glaublich, dasz ein mann, welcher, dem zwange des sylbenmaaszes und des reimes zum trotze, überall lehrreich, rührend, feurig und erhaben ist, alles dieses zu seyn aufhören sollte, wenn er jener fesseln entbunden ist? Lessing 7, 32
M.; ob gleichfalls die übrigen abenteuer schon früher lateinisch gedichtet waren? es wird fast glaublich Jac. Grimm
Reinhart fuchs lxxi; es ist kaum glaublich, mit welcher zuversicht man voraussetzte, dasz man in kurzem in London sein werde Ranke
s. w. (1867) 16, 153;
parenthetisch: der wird nicht weich (ist gläublich) eh, bisz ihn bezwingt der höllen w! Logau
sinnged. 150
E. elliptisch: dieweill aber Christus zwölff jünger gehabt hatt und einer unter ihnen was ein verrähter: wieviel mehr ist es dann unter den menschen? gläublich, dasz von zwölff kaum ein guter sey Paracelsus
opera (1616) 1, 259
H.; so besonders in negativer wendung oder in frageform als interjektion, die einen zweifel ausdrückt kaum glaublich!, ists glaublich?
u. ähnl.: ... 'der gebührende platz wird (
in Mäcenas hause) jedem zu theil'. —'da behauptest du viel, kaum glaublich!' —'und dennoch wahr' Geibel
ges. w. (1883) 5, 165;
positiv seltener, vgl. mundartlich gläupli! '(
ich finde es)
glaublich, glaube es' Staub-Tobler 2, 589: (
Horatio:) ihr hättet euch gewisz entsetzt ! (
Hamlet:) sehr glaublich, sehr glaublich. blieb es (
das gespenst) lang?
Shakespeare (1797) 3, 162.
in adverbialen gebrauch übergehend: auff die schosz Marie oder villeicht und glaublicher auff das erdtrich gelegt
geystlich strasz (1521) k 2
a; es sol auch gleublich um die insel Giana ... bey acht tausent inseln ligen Seb. Franck
weltbuch (1534) 208
b; dasz er das nochsteende guldene dachl (
in Innsbruck) 200 000 oder glaublicher wol noch (
noch einmal =
doppelt) so vil ducaten schwär auffrichten lassen Frz. Ad. v. Brandis
ehrenkräntzel (1678) 166; ein Jakob gieng an einem stocke, und glaublich auch ein Isaak B. Mayr
päckchen satiren (1769) 80; weit glaublicher ist der andere Bruno gemeint Jac. Grimm
Reinhart fuchs cclv; früh aber dringt nun ein anderes deckkleid bei den Germanen ein, leichter und kürzer, auch eleganter im schnitt: glaublich von Rom her, aber es ist dem ursprunge nach gallisch
M. Heyne
hausaltertümer (1899) 3, 272. 1@cc)
als adverb in beiden bedeutungen von 1,
vgl. kilauplihho
credibiliter ahd. gl. 1, 157, 25
St.-S., gelaublich
fideliter voc. theut. (1482) k 6
b,
versimiliter bewer-
vel gloublich (
voc. var., 15.
jh.) Diefenbach
gl. 613
a. '
in glaubwürdiger weise': min friunt, chad si, Aristotiles sageta daz in physicis sinemo buoche churzlicho unde gloublicho (
brevi ratione et propinqua veri) Notker 1, 307, 27
P.; und (
wer) ir (
der geschichte) nicht wol gleuben muge, der endarff mir des weisen nicht, umb disse tat und die geschicht, wirt er die warheit selber spehen, und die gleublichen sehen, den weis ich hin tzu Babenberg
herzog Ernst D 3630
bei v.
d. Hagen u. Büsching
denkm. d. mittelalt.; als ir dick by úwern tagen glOeblich hand hOeren sagen
schausp. d. mittelalt. 2, 187
Mone; glauplich versprechen ... und mit handtgebenden trewen globen (
v. j. 1452)
mon. boica 9, 276; ouch so nympst du herverloffene buoben an wider mine amptlut ..., wiewol du mir so gar glouplich zugesagt hast, solichs nit zu tun (
v. j. 1477)
privatbr. d. mittelalters 1, 183
St.; als wyr glaublichen bericht sind Luther 15, 266
W.; uns langt glaublich an, das vil verruochter und unchristenlicher christen das heilig wort gottes fälschlich versteen
d. fürstenthumbs Württemberg neue landsordnung (1536) c 3
b; darausz auch noch heütiges tag die Genffer gläublich schlieszen, dasz ire statt Genff sey eben dise Civitas Equestrium Stumpf
Schweizerchron. (1606) 596
b; denn die aufgabe des dichters war nicht, uns die thatsachen ... vorzuführen, sondern dieselben ... glaublich und vernunftgemäsz zu entwickeln G. Freytag
ges. w. (1886) 14, 30. 22)
nur im mhd. und frühnhd. bezeugt als ableitung aus glauben,
vb., II
oder glaube,
m., II B;
von personen '
glaubwürdig, vertrauenswürdig',
vgl. mnd. hwb. 1, 2, 55 gelOeflik 2
und getrw, gelovplich
fidus (
voc. rerum 1466,
obd.) Diefenbach
nov. gl. 173
b: der meister sprach: dîn stein ist guot an dir zeiget mir mîn muot daz ich wil muoz unde sol gelouben dînen worten wol: du bist geloublich getân doch triuget mich ein teil mîn wân swie du sîst geloubhaft Rudolf v. Ems
Barlaam 38, 35
Pf.; es sich pegabe als ich von erwirdigen geleublichen person vernome Arigo
decam. 8
K.; sag ihn, weil sie abgfallen sein von der römischen kirchen lehr, dasz sie haben kein reuh noch ehr, so seind sie nicht glaublich zu nennen Jac. Ayrer
dramen 754
K. adverbial '
vertrauensvoll, vertraulich' (
vgl. gläubig 2 b): ach lug da, wie mich die arme geisz so gleublich ansicht, ich mag sie nicht töden
lalebuch 115
ndr.; deutlich auf glaube II B
und C
ruhend, '
aufrichtig, ehrlich, verläszlich',
vgl. fide geloeflick off trowelick
id est fideliter gemma gemm. (1512) h 6
b: diu bihte sol also getriuwe und gelouplich sin, das der mensche gelouben habe und zuoversicht, das er emphahe aplaz aller siner sunde
bihtebuch 16
Oberlin; das man aber den feinden sol glauben halten, daz ist war, so fer sie sich auch geleitlich und gleublich halten Murner
an d. adel 54
ndr.; an glauben,
vb., II A 2
angeschlossen von sachlichen objekten: fideicommissum gelaublich bevelhnysz Brack
voc. rer. (1495) 44
a;
non certae fidei res es ist nit ein glöubliche sach, ein handel dem nit wol zetrauwen ist Frisius
dict. (1556) 213
b. 33)
unhäufig und vorwiegend auf ältere sprache beschränkt zu glaube,
m., I A
in religiöser anwendung; '
mit glauben erfüllt': die swester was dar an gereit in geloublicheme sinne daz si der kuninginne sagete des apostelen wort
d. alte passional 256, 8
Hahn; Claudius der selbe (
kaiser) hiez, der ouch underwegen liez den geloublichen stîc (
weg des glaubens)
passional 394, 75
K.; '
dem glauben zugänglich': welh gnad und hayl ditsmal glawblich und hoffentlich seinn, aber noch nit empfindlich erscheinen Berth. v. Chiemsee
t. theol. 10
R.; '
den glauben bezeugend; aus dem glauben erwachsend': hettent ir rechten glauben, ir thettent glaubliche werck, so ir aber die werck nit thudt, so tzeygt ir, das ir unglaubig seyet Eberlin v. Günzburg
s. schr. 2, 52
ndr.; '
dem religiösen glauben angemessen': je unbegreiflicher, je weniger mit geschichte und vernunft zu reimen, ... desto glaublicher, wie der heilige Augustinus lehrt, weil des glaubens bedürftiger J. H. Voss
antisymbol. (1824) 2, 412; '
den religiösen glauben betreffend': eine insinuation ... sich gott als priester zu denken, der ... zu dem ersten menschenpaar hinzugetreten wäre und ihm unterricht gegeben hätte in glaublichen und unglaublichen dingen Gutzkow
ges. w. (1872) 4, 340. 44)
mhd. vereinzelt zu glauben V A 1
im sinne '
nachgiebig': dô sprach der Lamparte'wie ist im sô liep sîn kint, daz mir sô grôze jâmerdâ von nu künftic sint? er sol nâch sînem rehtegeloublîchen tuon, gebe si einem manne:sô hât er tohter unde suon'
Ortnit 20, 3
Amelung.