gewerde,
f. (
und n.),
eine form, in der verschiedenartige bildungen vom schriftgebrauch der neueren sprache übernommen wurden. 11)
die nebenform zu gewähr (
vestitura)
ist schon oben besprochen worden. vgl. gewährde sp. 4808;
vgl. auch sp. 4784 (giwerida).
dazu vgl.: (13. landsgwerd.) item wenn ein landkind ein guot im land Sanen, es si erbs, kaufs oder gabswis innimbt und dasselb fünf jar darnach in rüwiger gewerd nützt und besitzt, so sol es von dem zil hin des guts halb kein rechtliche antwürt zu geben verbunden sein.
landrecht v. Sanen (1598),
zsch. f. schweiz. recht 9, 2, 110. 22)
zur sippe von wahrnehmen, gewahrsam (
s. d.)
gehört ein anderes, früher veraltetes, fem.: gewerde = behutsamkeit (
vgl. gawarida Graff 1, 912;
mhd. wb. 3, 510
a);
vgl.: schicke diʒ frouchin in stillen gewerdin balde von mir unde von minem bette unde gib ir eine marc silbirs unde laʒ si
gen. leben des heil. Ludwig 21, 16
Rückert. 33)
ein drittes substantiv ist zu werth (
pretium, dignitas)
zu stellen; vgl. auch das verstärkte adjectiv gewert, gewerth.
für die form des nominativ sing. und für das genus dieses subst. liegen wenig anhaltspunkte vor. immerhin ist neben dem fem. (
das gleiche genus im mittelniederl. s. gewerde bei Verwijs
u. Verdam 2, 1888)
auch im masc. oder neutr. nachzuweisen: vgl.: de dre brunswickschen pennigk weren beter in orer gewerde wan de krosse.
Braunschweiger schichtbuch, d. städtechron. 16, 418,
gegen schullen affgedan unde von neinem gewerde sin.
ebenda 385 (
die gleiche formel im urkundenbuch v. Westphalen 3, 190; machtloess, unbundich ind van geinem gewerde mer sin); wi arbeidet over nichte, unde waget unse lif unde zele vorgewes, unde wervet nichtes gewert.
Lübecker chron. bei Grautoff 2, 505.
da von diesen belegen abgesehen (
zu dem problematischen gewert
bei Wickram, Geiler,
vgl. unter c),
alle zeugnisse aus niederd. und oberd. gebiet entweder den nominativ plur. oder den dativ. sing. zeigen und somit die anhaltspunkte für das genus versagen, so sind die belege hier vereinigt, da sie auch im bedeutungsgehalt keine unterschiede aufweisen. 3@aa) do man zalte 1362, do gab klein Fritsche von Heiligenstein ein bürgerlin zu Strosburg ein pfunt figen gewichtes umbe ein pfunt erweiszen gewichtes, und schetzetent die kornkeufer, daz die erweiszen eins helbelings beszer worent wan die figen, noch dem also do zuo mole gultent die beden gewerde. Closener
Straszb. chron. (
d. städtechron. 8, 135),
vgl. auch die belege unter 4); und so su kumment uf die jormerckete, do manigerleige volg und koufmanschatz hine kumment, so kerent sich die wisen zuo den aller koüfigesten gewerden und lon die doren ir narrenspil triben.
Schürebrand 32, 3
Strauch; kleide oder kleinoeter, es werent ... büchelin oder heilgelin oder des gelich von aller leige klütterote und gewerde, daʒ junge lüte gerne hant. 39, 28;
ebenso 31, 13 (
variante gewerbe
s. oben sp. 5504). 3@bb) hei sprach: ich enkomen vur den koning neit, dar hei mich hœrt off seit, da is hei mir zo male gram, umb dat ich eme he vore nam, van sime schatze sulche gewerde, id endroge neit dri perde.
Karlmeinet 389, 23.
Keller s. 598; des hope wi, dat he uns de drittich punt schole weder gheven unde bereden unde de vorsetenen ghulde in alsodannen guden ghelde, alse he van unser weghene upgheboret heft eder in des ghewerde.
rechtsspruch des domcapitels von Minden (1392)
bei Meinardus 2, 49; ok wart der stadt beste gesein, dat me koffte de teigelstein na des rades erkenninghe al vor Brunswichsche penninghe na des penninges ghewerde.
das schichtspiel 4682;
deutsche städtechron. 16, 247:
vgl. auch s. 418; unde oft wi deme sulven ghemenen copmanne jenige ware af koften ofte kopen wolden der uns to unser herschup bederf, unde behoef were, des scholen unde willen wi van stund nae ghewerde der ware dem copmanne, als se ghelden mach, mit reden ghelde vornogen.
urk. v. 1457
bei Cassel, Bremensia 2 (1767) 279.
vgl. auch vers. eines bremisch-niedersächs. wbs. 5, 233; siclus dat is ein ghewichte sulvers unde ist so gut van gheverde alse twei Kollensche schillinghe unde de maket twintich hellinge.
Loccumer bibl. erz. (
hdschr. mitte 15.
jahrh.) 49
b u. a., s. Schiller-Lübben 2, 101. 3@cc)
fraglich ist, ob die folgenden formen hierher zu stellen sind; sie würden dann für übertragenen gebrauch des subst. zeugen: die weil ir vormals auch in einem solchen gewert mit mir gewesen sind, als der schalckhafft vogel mir ,.. auch zuolegen wolt. Wickram (
Gabriotto u. Reinh. cap. 31) 1, 274
Bolte (
der gefert
vorschlägt); ein guoter lümbd, ein gut gewört, ist besser dann silber und gold. Geiler v. Kaisersberg
buch d. sünden d. mundes (1518) 28
bc; sein guoter lümbden unn guot gewörte.
ebenda (
ist an ein collectiv zu wort
hier zu denken?). 44)
ein fem., das der bedeutung nach auf werden
zurückgeführt werden könnte: korn und gewerde ... die secke mit der gewerde.
Straszburger rathsschlusz von 1452,
s. Ch. Schmidt 144; (
die müller sollen) schaffen das jederman sin gewerde trucken heim kumme.
ebenda; und ouch alle gewerde natürlicher und frischer blibe (
var. spis).
Schürebrand 37, 4
Strauch; waʒ ist di werlt?daʒ sage mir. di werlt daʒ ist ein schicklich gewerde von deme himmele und von der erde und von deme daʒ da ist darinne (
mundus est constitutio coeli et terrae et omnium quae in eis sunt). Secundus 351
Strauch (
z. f. d. a. 22, 395).