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gewarnen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gewarnen verb.

Bd. 6, Sp. 5333
gewarnen, verb. , verstärktes warnen (s. d.). wie das einfache verbum, so wies auch die verstärkte form einen umfang der verwendungen auf, der weit über den heutigen gebrauch von warnen hinausgreift. da die belege in die neuhochdeutsche periode reichen, ist ein kurzer überblick angemessen. warnen hat mit warten (vgl. unten gewarten) die stammsilbe gemeinsam und führt auf das nomen zurück, das uns in dem althochd. fem. wara, cautio, consideratio, protectio (Graff 1, 907) und in dem althochd. adjectiv gawar, vigilans, intentus, industrius, instructus, gnarus (Graff 1, 908) vorliegt, vgl. dazu gewahr (subst. und adjectiv) sp. 4763 ff., gewahrsam (adjectiv und subst.) sp. 4874 ff.; vgl. gewahrnehmen sp. 4783 ff. und wahrnehmen (s. d.). wie sich in den letzterwähnten bildungen zwei richtungen der bedeutungsentwicklung abheben, eine subjective fassung des begriffes (achtsam, aufmerksam, bedacht, erfahren) und eine objective, das ergebnis betonende (geschützt, sicher), so auch bei unserer verbalableitung. auch bei ihr ist man vielfach versucht, die verwendungen der zweiten gruppe zugleich unter dem einflusz lautverwandter bildungen anderen stammes zu erklären (vgl. wahr = certus; vgl. wahren, gewähren in ihren berührungen mit wehren). zugleich aber macht sich bei den verbalableitungen ein zweites moment geltend, das die bedeutungsentwicklung noch stärker beherrscht, der gegensatz zwischen transitivem und intransitivem gebrauch, dem der vereinzelte reflexive gebrauch mit einer eigenen gruppe gegenübersteht. wir gewinnen von hier aus folgende bedeutungsabstufungen: a) aufmerksam (sicher) werden, — sein; b) sich vorsehen; c) aufmerksam (sicher) machen. von dieser dritten gruppeund zwar im engeren sinne von aufmerksam machen — zweigt die heutige verwendung von warnen ab, auf die sich auch die letzten belege für gewarnen stützen. wie die althochdeutschen belege zeigen (Graff 1, 947), ist das verbum mit dem o-suffix abgeleitet. ob der nasal aus der nominalbildung herübergenommen (vgl. furiwarna bei Notker, s. Graff 1, 948, vgl. Wilmanns deutsche grammatik II, § 62) oder dem verbum selbst eigen ist, läszt sich hier nicht entscheiden. beachtung verdient die sonderstellung, die das particip praet. schon in den frühesten zeugnissen für das verbum einnimmt, sowol was die häufigkeit der belege als was die eigenart der verwendung betrifft, vgl. dazu gewarnt. 11) aus der althochdeutschen periode liegen frühe belege vor, weniger aus der litteratur als aus den glossen. der Reichenauer codex und mit ihm die Juniusglossen zeugen für das 8. und 9. jh., Tegernseer handschriften (zu Gregor, noch mehr zu Vergil) für das 9. und 10. überwiegend ist die als objectiv bezeichnete fassung des begriffes belegt, die mit den verbis wahren und wehren in bedeutungszusammenhang steht, vgl. namentlich das negierte particip ungiwarnotiu, immunita, unfesti Steinmeyer - Sievers 1, 281 (zu 1 Mosis 42, 12, vgl.wo das land offen ist. Luther). 1@aa) die anknüpfung an die bedeutung 'fest' ist auch für den positiven gebrauch des verbums belegt: muniunt, festinont; muniantur, giwarnot werden Tegernseer glossen zu Gregor (homilien) bei Steinmeyer-Sievers 2, 297. 1@bb) in der gleichen richtung bewegt sich eine übertragene verwendung, die ihrerseits mehr dem begriff wahr, certus, firmus zustrebt: contestare, kiurchundon, kiwarnon (zu 2 Mosis 19, 21: steig hin ab und zeuge dem volck. Luther). Reichenauer (und Junius)glossen bei Steinmeyer-Sievers 1, 274. 1@cc) dagegen stimmt die beliebteste parallele giwarnon, instruere mit verwendungen überein, die sich in unserem sprachgebrauch auch aus dem bedeutungsgehalte von achtsamkeit, vorsicht, sich vorsehen, entwickelt haben: instructi, kiwarnote, kiruste (zu 5 Mosis 1, 41: da ir euch nu rüstet. Luther). Reichenauer (und Junius)glossen bei Steinmeyer-Sievers 1, 282; instruit, giwarnota (zu Aeneis 3, 471: socios simul instruit armis, und gerüstet die schaar mit geräthschaft). Tegernseer glossen zu Vergil bei Steinmeyer-Sievers 2, 652; die gleiche stelle s. 622 (Aeneis 8, 80). ähnlich s. 658 (instructus Aeneis 6, 831). 1@dd) in diesen letzten zusammenhang gehört das einzige beispiel aus Otfrid, der das verbum mit instrumentalem genetiv verbindet: ni suorget fora themo liute,thar ir stet in note, in forahtun ni wentet,waʒ ir in antwurtet, ih wisero wortogiwarnon iuch harto, rehtera redina.ir birut mine thegana. ih bin selbo zi thiujoh thar ouh sprihu uʒar iu, giwarnon herzen guatesjoh thrato festes muates. 4, 7, 23. 1@ee) ebenso knüpft hieran der reflexive gebrauch, der sich erstmals bei Notker nachweisen läszt: sô gangên nâh êrôn. unde nâh rîhtûome. daʒ lukkiu gûot sint. unde sô sie sih tero burdi gewarnoên. so gebe in got tar mite. taʒ sie diu wâren bechennên (et cum paraverint falsa bona, gravi mole, tum cognoscent vera). Boethius 122b Hattemer; sîn stimma ist des, der sih dero hirzo gewarnot, diê dia wêida niêzen suln (vox domini praeparantis cervos; die stim des herrn erreget die hinden und entblöset die welde. Luther). psalm 28, 9. 22) der bei Notker entwickelte reflexivgebrauch steht im mittelpunkt der mittelhochdeutschen beispiele, während die parallele mit munire zurücktritt. dagegen zeigen sich hier die ersten ansätze des transitiven gebrauches in der bedeutung von 'aufmerksam machen'. 2@aa) die bedeutung von munire: 'daʒ giltest du' sprach Mambolt 'got der werd dir niemer holt: die hôchvart muoste arnen. reiche mir die stange min.' daʒ ersach diu herzogîn: sî kunde in wol gewarnen. den jungen helt sî dô verbarc in ein vil starc gewelbe. Virginal 388, 6, heldenbuch 5; do sturnde man die glocken uber alle stat, des zogetent die burger alle us gegen deme bischof. die wile warnetent sich die uszern burgere und zogetent ... uf den berg zuo Haldenburg unde hieltent do mit ufgeworfenen baniern. Closener d. städtechron. 8, 81 (Straszburg); der schultheisze Johannes kam in eim fasze daʒ zu beden bodemen wol verschlagen waʒ, in die stat in eins duomherren hof der ... umbe die sache wüste ... do huob grofe Gotfrit ... mit sime gesinde gewarnet (munitus) zwo ackerlenge oder ein wenig fürbas von der stat gar heimeliche und wartete des zeichens, wanne man die porte uf dete. s. 79. 2@bb) die bedeutung 'sich vorsehen'. das reflexiv gebrauchte verbum hatte bei Notker die objectergänzung im genetiv angeschlossen, die gleiche construction läszt sich auch weiter belegen, später verdrängt durch jüngeren accusativ. andere ergänzungen führen zu präpositionalverbindungen. auszerdem gewinnt auch der absolute gebrauch an boden. 2@b@aα) objectergänzung. 2@b@a@11)) han ich ze dinen hulden wan, so hilf ouch, daʒ min wille erge, unde ich mich des gewarne, daʒ ich diu sele sende hin zer immer wernden wunne. Tannhäuser bei v. d. Hagen 3, 48a. 2@b@a@22)) güten wîn, bier und mete hatte er sich gewarnet gnûc. livländische reimchronik 939 Meyer. 2@b@bβ) präpositionalverbindungen. 2@b@b@11)) sie nam vil manich wîp in Rôme unt in Lâterân, si hieʒ si mit ir gân an daʒ velt warten mit golde joch mit borten wâren si gebunden dâ gie diu frowe under. sam diu mænîn vor den sternen si chunde sich ze den êren wol gewarnen. kaiserchronik 11755. 2@b@b@22)) er ist iunc, sin scharfer sin hat sich gewarnet uffe strit alse, daʒ under im gelit maniger, den er ubersaget. passional 417, 9 Köpke. 2@b@gγ) absoluter gebrauch: man sol eʒ alsô füegen daʒ wir durch strîtes widergelt niht kêren zuo zin ûf daʒ velt ê wir uns baʒ gewarnen. Konrad v. Würzburg Partonop. 18933; item wenn ouch ze meien die rechten wisen verschlagen werdent, so sol ein gemeind ze rat werden, wen sie hœwen wœllent, und sœlent daʒ acht tag vor hin verkünden, durch daʒ sich jederman gewarnen kunnen. weisthum v. Besserstorf (c. 1400), weisth. 4, 281. 2@cc) der transitive gebrauch in der bedeutung 'aufmerksam machen': nû was bî im ein wîser man, der gewarnet in dar an, wie diu gewonheit was getân. R. v. Ems Barlaam u. Josaphat 129, 5; valschir vrunde der ist vile, dar vore huote dich ze alleme spile; wande suchistu uoren rat umbe eine schediliche dat, si ne willint dinin zorn also nit erarnen, daʒ si dich dinis schaden gewarnin. W. v. Elmendorf, s. altd. blätter 2, 207. 33) die neuere schriftsprache kennt die verstärkte form nicht mehr, die letzten belege gehören dem 16. jahrh. an und lassen einseitig nur die letzterwähnte verwendung belegen. mundartlich scheinen auch reste anderer verwendungen fortzuleben, vgl. g'wrnen, wahrnehmen, gewahr werden. Schöpf Tirol. idiot. 801. 3@aa) die wörterbücher geben nach dieser richtung keine sicheren anhaltspunkte: gewarnet werden, commonefieri. Maaler 178b, ebenso Frisius, Henisch u. a. 3@bb) litterarische belege aus dem 16. jahrh. 3@b@aα) sein all in dem schweren ban und ungnad ... wie dan solches kaiser Sigmund auch treulich anzaigt und die christenhait vor inen gewarnet. Aventin (ursachen d. Türkenkrieges) 1, 189; soverr ain oder mer personen auf dem freithof unnutz geschwatz treiben wurden, so soll inen das durch ainen ieden nachpaurn vor sollichem zulassen anzaigt werden, und si darvor gewarnen. ordnung v. Tulfes (1547), österr. weisth. 2, 226; zwischen disen meren kam ein frum mensch von Buchdorf, dem solich unbillich laid waʒ, und gewarnet die von Kaiszham, seine herren, wie die weiber so gar heftig und vergift waren uber sie. J. Knebel chronik v. Kaisheim 362 Hüttner. 3@b@bβ) ist noch ein sprichwort: ich gewarn dich als der treu Heccard. Aventin (chronik) 4, 186; got als ein güetiger vater, gewarnet alweg vor in mancherlai weis, die er straffen wil. 318; drumb mus ich gehn und Danieln gewarnen doch zu diser frist. Chrysäus hoffteufel. l 8b; auch ain fromer, alter man von Buchdorf schicket bei nechtlicher weil gen Kayszham, liesz seine herren gewarnen und solich bieberei anzaigen. Baumann quellen z. gesch. d. bauernkriegs in Oberschwaben 261; hat Hegelin ain andern absagbrief lassen auszgan und all ander arm leut, so hinder andern herren sizen, lassen gewarnen und sein eher bewardt. J. Knebel chronik v. Kaisheim 375 Hüttner. 3@b@gγ) so seind auch etlich zaichen im himel, in lüften feurin her gesehen worden ... haben auch etlich frumb gelert, auch kanzler an die gaistlichen prelaten drüber geschriben und treulich gewarnet. Aventin (ursachen d. Türkenkrieges) 1, 197; do er aber solch treulich gewarnen verachtet, flohen sie aus Teutschland über Rein in das römisch reich. (chronik) 4, 604.
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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    gewarnenswv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +2 Parallelbelege

    ge-warnen swv. BMZ warnen. sî kunde in wol gewarnen Virg. 388,6 ; mit acc. u. gen. aufmerksam machen auf, warnen vor, da…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    gewarnenverb.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    gewarnen , verb. , verstärktes warnen ( s. d. ). wie das einfache verbum, so wies auch die verstärkte form einen umfang …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gewarnen

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Ableitung von gewarnen

ge- + warnen

gewarnen leitet sich vom Lemma warnen ab mit Präfix ge-.

Zerlegung von gewarnen 2 Komponenten

gewar+nen

gewarnen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

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Cotta, M. (2026). „gewarnen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/gewarnen/dwb?formid=G13604
MLA
Cotta, Marcel. „gewarnen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/gewarnen/dwb?formid=G13604. Abgerufen 9. May 2026.
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Cotta, Marcel. „gewarnen". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/gewarnen/dwb?formid=G13604.
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@misc{lautwandel_gewarnen_2026,
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  title        = {„gewarnen"},
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  howpublished = {lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern},
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