gewärtig,
adj. die bildung ist spät belegt, in einem zusammenhang, dem man wol die auch am verb. gewarten (
s. o.)
beobachtete grundbedeutung '
aufmerksam'
unterlegen darf: ich het eʒ verholn noch lange vrist. wan daʒ din eltere bruder ist etlicher maʒe gewertik. der erblicket des riemen strick da dirre slussel an hie zehant er mich nicht enlie ich must im sagen die warheit.
der schlägel ges. ab. 2, 437,
vgl. mhd. wb. 3, 531
b.
wie hier, so ist auch sonst die verbindung mit dem verbum substantivum der eigentliche hebel für die gebrauchs- und bedeutungsentwicklung. gewärtig sein
geht als vollere (
umschreibende)
form dem einfacheren gewarten
zur seite, von dem es die einzelnen abstufungen der bedeutung empfängt und dem es allmählich den boden abgewinnt. dieser entwicklung kam es zu statten, dasz die verbindung von gewarten
mit einem dativ der person der bedeutung nach sich eng mit einer festen formel berührt, in der ein lautverwandtes adjectiv platz hatte. die oben unter gewahr (
sp. 4763)
belegten verbindungen getriu und gewer; getruwe unde gewer unde gehorsam; getrewe, holt und gewær
übten auf die jüngere adjectivbildung gewärtig
anziehungskraft aus, so dasz sie in diesem zusammenhang das ältere gewære
gänzlich verdrängt. von dieser formel, die im 18.
jahrh. aus dem engeren rechtsgebiet in die allgemeinere litteratursprache überdrang, ist bedeutung und gebrauch unseres adjectivs auf der einen seite beherrscht. andererseits aber zeigt sich, dasz auch von sonstigen verwendungen, die an gewarten
zu beobachten waren, parallelen mit gewärtig
resp. gewärtig sein
in die neuere sprache überdringen. hierher gehört der absolute gebrauch, der bei gewärtig
von anfang an stärker ausgeprägt ist als bei gewarten,
und in besonderer ausdehnung und verbreitung gehören hierher die abstufungen des relativen gebrauches in der bedeutung von '
aufmerksam'. 11)
der absolute gebrauch: gewärtig sein oder fleisz haben, oder willen haben oder angedencken,
intendere. voc. theut. 1482 (
Nürnberg); gewärtig,
promptus, paratus. Stieler 2442 (
vgl. auch gewärtigkeit);
ähnlich Spieser 151
a. Steinbach 2, 936. Kirsch 180
a. 1@aa)
das adjectiv auszerhalb der engen verbindung mit dem verbum substantivum: so ist es mir dazuo kommen, daʒ ich nit lustigs geschmacks, sonder heilsamer artznei, nit frölichs beiwesens, sonder gewärtiger hilff bedörfft. Hutten (
vorred z. gesprächbüchlein) 1, 448; aber ein knecht ich haben musz, der ehrlich sei und fein auffrichtig, gewertig, nüchtern und fürsichtig, wo ich gen hof zum adel kum. H. Sachs (
d. verspilt reuter) 21, 79; denn ihre kinder saszen schon gewärtig, mit froher ungeduld am tische pochend. Lenau
neue ged. 12. 1@bb)
die verbindung mit negationspartikeln: nit gewärtig sein, eines radt nit volgen,
authoritatem alicujus defugere. Maaler 200
b.
das adjectiv ungewertig
läszt sich in zwei bedeutungen belegen: '
nicht gegenwärtig, nicht verläszlich': Hanns Bernher hat sich Oszwalds, seines diczeit ungewertigen sones, solcher richtung halbn gemechtigt (1487).
mitth. d. vereins f. gesch. d. Deutschen in Böhmen 39, 200; richter, advocaten und zeugen waren im mindesten nicht verpflichtet, solchen unholden, ungetreuen und ungewärtigen leuten ihre dienste zu weihen. Möser
patr. phant. (
gedanken v. d. ursprung u. nutzen d. sogenannten hyen) 3, 342. 1@cc)
die verbindung mit dem verbum substantivum. auch hier macht sich die bedeutung '
gegenwärtig'
geltend, die auf einer verblassung der grundbedeutung ('
aufmerksam, erwartungsvoll')
beruht. einzelne verwendungen gehören dem secundär eutwickelten absoluten gebrauch an: ich gelob dir vier lange tuoch von Gint, dasz alle, die hie gewärtig sind, gemainklich müeszen jehen, dasz si pesser tuoch nie haben gesehen.
d. Neithartspiel, fastnachtsp. 466, 31; mit zehen tausent gewapneter mannen gewertig zu sein.
Aimon bog. c; der erhabenste hat seine schwachen, lässigen minuten — aber das ich — die selbstigkeit, erhält die kräfte in immer gleicher spannung; sie ist immer wach, immer da — immer gegenwärtig und gewärtig. Klinger (
weltmann u. dichter) 9, 119; rechnen sie auf mich, ich stehe zu ihnen, wenn es gilt, und bin gewärtig, in jedem augenblicke, wo man mich ruft. W. Alexis
Isegrimm 381. 22)
der relative gebrauch. 2@aa)
die allgemeinere bedeutung: gewärtig sein, '
seine aufmerksamkeit auf etwas richten'. 2@a@aα)
die beziehung auf ein persönliches object prägt meist die bedeutung '
erwarten'
aus: damahl fing ich an zimlich dürr und brechhafftig zuwerden, derowegen zerschnitte mich meine frau zu windeln, weil sie ehistens eines jungen erben gewärtig wär. Grimmelshausen
Simpl. 519
neudr.; derhalben trachtete ich, wieder in Teutschland zukommen ... weil der commandant zur L. mir geschrieben, dasz ... er meiner noch vor dem frühling gewärtig sein wolte. (4, 6) 307; das prieflein hab ich heind auf den abend aug empfangen, darin vernumen des Friderigs zukunft, weln wir sein gewertig sein.
M. Baumgartner
an ihren gatten, briefwechsel 37
Steinhausen; vermelde dem herren mareschall, dasz ich seiner nebest einer angenehmen gesellschafft zu der abend collation in meinem lustgarten gewärtig. Gryphius
Horribilicribrifax 55
neudr.; eʒ sien der artzet so vil ze Basel und (
man sei) noch viler gewertig. Boos
Th. u. F. Platter 220; die Jomsvikinger kamen noch früher als man ihrer gewärtig war, mit nur 60 schiffen. Dahlmann
gesch. v. Dänemark 2, 100; o, der gräuel, die sie sah! blut in strömen! todte leiber! Blaubarts alle zwanzig weiber hingen, wie gewehre, da ... weinend stürzt sie vor ihm nieder und bekennet ihr vergehn. gut! so weiszt du dein geschick! jene dort sind dein gewärtig. mache dich zur reise fertig. Gotter (
Blaubart)
ged. 1, 53; geh zur mutter!sie ist dein gewärtig. Houwald
heimkehr, 10.
auftritt; ach kaiserin, bist du noch nicht fertig, ich bin des kaisers schon lange gewärtig. Arnim
schaub. 2, 33. 2@a@bβ)
die verbindung mit einem object der sache. 2@a@b@11))
anknüpfung im genetiv. 2@a@b@1@aa))
die bedeutung '
etwas hüten, pflegen' (
vgl. auch sp. 5351): weliche dann der rod gewärtig sein und ain gemaine rod von oben herab und unden hin wider auf und iederman vor sten wer darein sten well und darzu gericht ist mit schiff und geschier.
rodbuch von Imst (1485),
österr. weisth. 3, 164; aldo irer vormundschafft vleissig pflegen und gewertig sein. Luther 12, 20
Weimar; du must deines nutzes auch gewärtig sein.
Witzenbürger 3, 151; du muost deins nutzs auch gwärtig sein, das hat Esopus auch getriben. Scheidt
Dedekinds Grobianus 119
neudr.; indem ich mich meiner frühen jugend erinnere, und immer des spruches gewärtig bin. Tieck
S. Notanker 4, 219.
vgl. auch 2)). 2@a@b@1@bb))
die bedeutung '
etwas erwarten, auf etwas gefaszt sein': ... durch ergebung an dem teufel, mit dem teufel, und musz, aus dieser letzten verlöbnisz, einer heimholung gewärtig sein. Erasmus Francisci
der höllische Proteus (1689) 555; ich hatt üch geben, das ir götter werend, auch das ir leben solten in eeren; wie Adam mach ich, das ir sigen sterblich, desz valsz gewertig. Sixt Birck
Susanna, s. Bächtold
schweiz. schausp. 2, 42; er war einer stattlichen verehrung gewertig.
Witzenbürger 3, 22; wie es ein sach ware, weisz ich nit, denn es traumte dem bruder, wie er ein kalb geboren und grosser straffe gewertig were. Kirchhof
wendunm. 1, 492
Österley; und wiewol er alle mittel, sein gsundtheit wider zu überkommen, nicht underlassen, ist es doch alles umb sonst, darumb er teglich dess todts gewertig. J. Wetzel
reise der söhne Giaffers (
litter. ver. 208),
s. 40; wir aber ettlich wochen lang eines andern schiffs sancta Cristina genanntt, von unsern herrn aus Marsillia abgeförttigt teglich gewertig gewesen. Krafft
reisen 77; sein theil und wart an gütern ... daran er nach seiner mutter tode seines erbtheils gewärtig ist.
Helfenst. urk. vom j. 1433
bei Schmid
schwäb. wb. 517; da waren wir erst eines anderen (
sturmes) gewertig, wie dann auch geschach. Rauwolf 12; gewertig sein die feind kains hails wann got der herr ist unsers thails. Schwartzenberg 104, 1; er ist kaum ihres flehens gewärtig so hält er zum voraus sich mit der ausflucht fertig. Hagedorn 2, 147; alle fragen bestürzen, deren wir nicht gewärtig sind. Lessing (
d. freigeist 1, 1) 2, 51; wir bleiben dessen gewärtig, dasz es noch dermahleins geschehen werde,
we hope, wait, expect or trust that it will once come to pass. teutsch-engl. wb. (1716) 770; o ihr sünder, unbuszfertig, wandelnd auf des irrsals wegen, seid des götterzorns gewärtig, der euch allwärts droht entgegen. A. Grün (
gimpel)
ged. 284; ihr dölpel, rief der mann, mit greszlichem gesicht, nichts könnt ihr alle, sagt' ichs nicht? flieht, oder seid des stocks gewärtig. Lichtwer
fabeln (
d. wächserne nase) 172; hier stand ein rathaus funkelneu — bis auf die ratsherrn — fertig, dort war der turm der domprobstei noch seines knopfs gewärtig. A. Blumauer
Virgils Äneis 1, 354; es ward der tag der feierlichen wahl gesetzet und der auftrag mir ertheilt, dich einzuladen, dasz du unverfehlt ... erscheinest und der wahl gewärtig seist. Uhland
Ludwig d. Bayer 1; wie dann der scharfrichter erst von haupt zu haupt, dann je bei dem zehnten mann innehielt und der gnade gewärtig war, ja selbst um dieselbe flehte. G. Keller (
d. landvogt v. Greifensee) 6, 238; in dieser hoffnung ergab er sich mit stillen seufzern in sein schicksal und war der nächtlichen rippenstösse und des streites um die decke gewärtig, die es nun absetzen würde. (
die drei gerechten kammmacher) 4, 224; er ist des todes gewärtig. Steinbach 2, 936; des krieges, eines besseren glücks gewärtig sein
u. a. ebenda; sie ist ihrer niederkunft alle stunde gewärtig,
she will soon be brought to bed. teutsch-engl. wb. (1716) 770; bedauere sehr, wars nicht gewärtig. Kotzebue
dramat. spiele 1, 22; die morgendämmerung liesz die aus dem dunkel hervorleuchtenden figuren wie belebt erscheinen, als ob sie der dinge gewärtig wären, die da kommen sollten. G. Keller
grüner Heinrich 3, 246. 2@a@b@1@cc)) draus zog er mann bei mann hervor, und raunt' ihm heimlich ding ins ohr: — 'wohlauf, wohlan! seid fertig; und meines horns gewärtig!' Bürger (
die entführung) 217
Sauer; und als er diesz mit fleisz gethan, tritt er als ministrant dem priester zum altar voran, das meszbuch in der hand, und knieet rechts und knieet links, und ist gewärtig jedes winks. Schiller (
gang nach d. eisenhammer) 11, 253.
andere verbindungen mit dem gleichen object s. unter 7)). 2@a@b@22))
die anknüpfung im dativ, auf die bedeutung '
pflegen'
beschränkt: zum achten sol die jaghut dem galdviech gewertig sein.
österr. weisth. 4, 376; bist du des keysers geboten nit gewertig, so wirdt er dich hencken.
Aimon bog. b; ain jeder geschworen, der gesetzt wurt, soll schwörn ain aid ... das er ... gleichs recht sprechen welle dem armen als dem reichen, dem reichen als dem armen, und darinn kainerlai ansehen darzue, weder schankung, miet noch gab nemen welle bei seiner seel seligkait, und dem rechten gewärtig sein. (
lantsprach d. gerichts Schlanders 1490),
österr. weisth. 4, 174. 2@a@b@33))
die überführung in den accusativ, auf die bedeutung '
erwarten'
beschränkt. 2@a@b@3@aa)) was er jederzeit gegen den feinden gedenckt, berahtschlagt oder fürnimpt, das soll er hergegen von seinen feinden auch besorgen und gewärtig sein. Schwendi
discours von bestellung des kriegswesens 56
b; also iebte sich in guoten sitten und in briederlicher liebe, das man doch seligkait allein durch den glauben gewertig were. Eberlin v. Günzburg (
freundl. u. tröstl. vermahnung) 2, 149; hiet dich, das du kain hilff annemst noch gewartig seiest, damit dir zehelffen, dann allain gottes trostlichs wort. 142; vilen ist wissend ... das die warhafftigen trewe diener der grossen fürsten, nit allein böse belonung entpfangen, sonder auch das noch erbärmmiglicher ist keinen danck für ire warhafftigen treüwen dienst, von solchen herren gewertig sein mö
gen. Hartmuth v. Cronberg
schriften 103
neudr.; von welchem wir zeitliche und ewige gütter gewärtig sein können. Butschky
hochd. kanzl. 304 (
neben: etwas dessen man nicht gewärtig gewesen. 490); seind also ew. keiserl. majest. allergnädigste endlich-und willfährige resolution hierüber gewärtig, deren wir uns zu keiserlichen gnaden gehorsambst befehlen (1613). Londorp 1, 133
b; der hofschauspieler herr Unzelmann hat ... sich auf die hiesige hauptwache in arrest zu begeben und weitere verfügung gewärtig zu sein. Göthe
briefe 19, 431. 2@a@b@3@bb))
der accusativ hat sich am consequentesten da durchgesetzt, wo eine person, von der man etwas erwartet, mit angegeben ist: am dinstag und mittwoch nach Letare lag die versamelt bawrschaft zu Newsesz, und was der ausschusz von inen uff iren furschlag antwurt gewertig. Th. Zweifel
Rotenburg im bauernkrieg, Baumann 95; also muste das bedrängte Kolzester alles trostes, und alles entsatzes, den die belägerten von seiner königlichen hoheit zu wasser, und zu lande gewärtig, entbähren. Zesen
gekrönte majestät 72; ein schön spiel ... erfreulich, weil wir von ihr gestr. eine gute verehrung gewertig sind. Gryphius
Peter Squenz 18
neudr.; antwortet ihm, vor mich, mit canoniren auf diesen brieff. meint er uns zu vexiren: vor dinten blut, und kugeln vor papir soll er alsbald gewärtig sein von mir. Matthäus Lüther
belagerung und entsatz der stadt Wien 8
neudr., vgl. auch 5)),
a)); du wöllest mögliche dienste von mir gewärtig sein,
a me omnia in te studia atque officia, quae quidem ego praestare potero, expectes. Henisch 1594; von gott, der warhafftig ist, alles, so uns beid an seel und leib von nöten, seiner getreuwen und gewissen verheissung nach, wie er weisz, dasz iedem nutz und guot ist, gewertig sein. Kirchhof
wendunm. 1, 211
Österley; dir hat sie (
d. gelegenheit) ihn übergeben meines lebens vollgewinn, dasz ich nun, verarmt, mein leben nur von dir gewärtig bin. Göthe (
buch Suleika) 5, 144. 2@a@b@44))
andere formen der anknüpfung: durch diesen ... wirstu gewiesen, der trew und liebe, so du von Rosamunde gewertig bist.
buch d. liebe 237; drugen ein warmen hirsz inns schiff in einem grosen hafen tif, zuo zeigen an, das, wie sie könten den hirs warm lifern an ferrn enden, also weren sie allzeit gwärtig, zuo dienen iren freunden färtig. Fischart
d. glückhafft schiff 192 (
neudruck 8); es warn auch gestern mitwochs hieher komen der statt Schwebischen Hall erber ratsbotschaften ... und warn der von Nurmberg und Dinkelspuhel ratsbotschaften auch hieher zu komen gewärtig. Th. Zweifel
bei Baumann
s. 101; auch, sagt er, werdest du dir keine hoffnung machen, jemals gnade zu seinen füssen zu erwimmern, wenn du nicht gewärtig sein wollest, im untersten gewölbe seiner thürme mit wasser und brod ... traktirt zu werden. Schiller (
die räuber 1, 2) 2, 38; herr, wenn das ding in den zeitungen erschiene, ich wäre ja gewärtig, die Maria Stuart das nächste mal ganz ohne Elisabeth geben zu müssen. Houwald
epilog zu Maria Stuart; sich wenigstens des jahrs zweimal zur communion einzufinden, oder im gegenspiel gewärtig zu sein, dasz ...
corpus constit. Brandenb.-Culmb. 1, 253; ich bin es gewärtig, bin's völlig zufrieden, dasz morgen jemand kommt und mir sagt: deine braut hat ruhe, Agnes ist gestorben. Mörike (
maler Nolten 2) 4
4, 245; dann der ritt über stock und block; wie die tonnen auf den kleppern schaukelten! war jeden augenblick gewärtig, einer kippte und purzelte. Alexis
hosen d. herrn v. Bredow 2, 1, 96. 2@a@b@55))
von den verbindungen mit hilfsverben, die wir oben an gewarten
beobachten konnten, sind es nur die mit sollen
und müssen,
die bei gewärtig sein
günstigen boden gefunden haben. 2@a@b@5@aa)) ir söllen ... gewertig sein gemainer und sonderer leiden, wie si gott auff euch wirt lassen fallen. Eberlin v. Günzburg (
freundl. und tröstliche vermahnung) 2, 146; höhers unnd kümerlichers hertzenleid mag einem auff erden nicht zustahn, als so er von dannen, daher er allen guten willen solt gewertig sein, hingegen allerlei widerwillen ... musz erfaren. Fischart
Garg. 339
neudr.; wo sie nun also, wie sie angefangen, fortfahren würden, solten sie auch hinfürt allezeit sig und triumpf wider ire feind ... gewertig sein.
Josephus deutsch (1569) 142
a; meinem getreusten cameraden Spring-insfeld schenckte ich zwölff reichsthaler, der rieht mir dargegen, ich solte mein reichthum von mir thun, oder gewärtig sein, dasz ich dadurch in unglück käme. Grimmelshausen
Simpl. (3, 13) 245
neudr.; solte sich heben und fortpacken, oder gewärtig sein, dasz man ihm, als einem bösewicht, was anders wiese. Erasmus Francisci
indisch-chinesischer lust-garten (1668) 1, 95; sol auch gewertig sein ihn auf freien, öffentlichen strassen zu attaquiren, und in allen compagnien zu schimpffen. Schoch
komödie vom studentenleben 56
neudr., vgl. auch oben 3)),
b)). 2@a@b@5@bb)) müssen. 2@a@b@5@b@aα)) wo die meuse mit den katzen essen wollen, do mussen sie einer scharffen tischzucht gewertig sein. B. Krüger
Hans Clawerts werckliche historien 32
neudr.; sonder müssen solcher gnedigen gaben allein ausz lautter götlicher barmhertzigkeit hoffen und gewertig sein. Schwartzenberg
beschwerung d. alten teuflischen schlangen 59
a; darum ich mich in stich geben, und der sycophanten gifftigen natterbisz auch werde gewertig sein müssen. Hollonius
somnium vitae humanae 71
neudruck. 2@a@b@5@b@bβ)) die gröst plag ist ein mensch dem andern auff erden dann einer dem andern beistand thuon solt, so ermördet erst einer den andern auff dem lande, ja was schaden muosz der mensch auff erden gewertig sein, von mancherlei schädlichen, vergifften und bösen thieren, das ob dem meer nit ist.
verdeutschung von Petrarcas
trostbüchlein (1559) 78
a; was man am andern sihet, das musz man selber auch gewärtig sein. Henisch 1594; dahero betrachte ich, wan wir keinen lohn haben, so wir die feinde nicht lieben, was vor grosse straffen wir dan gewärtig sein müssen, wan wir auch unsere freunde hassen. Grimmelshausen
Simpl. 70
neudruck; alle von dieses königs küchen, das ist, von seiner milten hand, alles was sie bedürffen, gewertig sein und entpfahen müssen. Kirchhof
wendunm. 1, 207
Österley; also musz das heilig evangelion von der rechten und lincken seiten gewertig sein allerlei lesterung. Eberlin v. Günzburg (
mich wundert, dasz kein gott im land ist) 3, 164
neudruck. 2@a@b@5@b@gγ)) wer uber sich wirfft einen stein, der musz wol selbst gewertig sein, das, so derselbe felt herab, ihn erstlich treff auff seinen kopff. B. Krüger
Hans Clawert 45
neudr.; wer nun mit solchen leuten gemeinschafft, und gefallen an inen hat, oder vertheidiget sie, der ... musz gewertig sein, dasz ihn gott der mal eins mit den bösen buben hinreisse. Mathesius
diluvium 302
b; und müste wohl darzu gewärtig seyn, dasz er mit einem gnädigen staupbesen zum überflusz bedacht würde. Weise
die drei ärgsten erznarren 96
neudr.; darnach müste er gewärtig sein, dasz ihm allerhand narrenschellen angehenckt, und er mit einem unrechten bericht abgewiesen würde. 31; in sölicher kewschait mag sich niemand verloben, sonder man musz von got gewertig sein, ob er ain mann ain mann wollt lassen bleiben und ain weib lassen ain weib bleiben. Th. Zweifel
bei Baumann
s. 29; (
auf Formosa) mann und weib wohnen jeglicher in absonderlichen häusern und gehet der mann nur des nachts als heimlich zu der frauen, und musz noch gewertig sein, ob sie ihn wil einlassen oder nicht. Olearius
anhang =
beschreibung etlicher orientalischen inseln zu Mandelslos
morgenländ. reise (1696) 161; auszer dieser hätten sie auch noch eine besondere sprache, nemlich die rothwelsche, e. g. uterflæ unsklä ... das wäre: wenn er nichts gesagt hätte, so hätte er nicht zu gewarten, dasz er gehencket würde; weil er aber bekennet, so müste er gewärtig sein, dasz er gehenckt oder gerichtet würde.
Hildburghauser wörterbuch (1753
ff.)
s. 24
bei Kluge
rotwelsch 1, 222; übermorgen ist der siebente tag; dann muszt du gewärtig sein, dasz Landolt herkommt, deine entscheidung zu holen. G. Keller (
landvogt v. Greifensee) 6, 203; (
Hadlaub musz) im übrigen gewärtig sein, dasz er leib und leben verlieren kann. (
Züricher novellen) 6, 103. 2@a@b@66))
verbindung mit dem reflexivpronomen: die bürger sind sich schon aufruhr und tod gewärtig. Zachariä 1, 179 (
schnupft.); gnädiger herr, sie werden verzeihen. — ich war mir eines so frühen befehls nicht gewärtig. Lessing (
Emilia Galotti 1, 6) 2, 385 (
vgl. auch unter gewärtigen); der herzog von Burgund war sich seiner nicht gewärtig, und erschrak heftig, als er den Eckart vor sich sah. Tieck (
Eckart u. d. Tannenhäuser) Phantasus 1, 207 (1812);
vgl. auch: nicht ... titel, welche akademieen verleihen, sind das errungene gut des durchschmerzten herzens! das gestählte herz selber ist es: die sich alles gewärtige seele. Rahel
buch d. andenkens für ihre freunde 1, 310. 2@a@b@77))
das adjectiv ohne verbindung mit dem verbum substantivum. 2@a@b@7@aa))
absolut gebraucht: denn ihre kinder saszen schon gewärtig mit froher ungeduld am tische zahnend. Lenau
neue ged. 12. 2@a@b@7@bb))
mit abhängigem genetiv: wir standen, keines überfalls gewärtig, bei Neustadt schwach verschanzt in unserm lager. Schiller (
Wallensteins tod 4, 10) 12, 352; entrollt steht auf dem plan das heer, des kampfs gewärtig. A. Grün (
d. vogel an d. federn)
ged. 273; da mahnt sie und mustert die reihen in hast. und tummelt, schon längst des aufbruchs gewärtig, den thrakischen hengst. Leuthold (
Penthesilea 1)
ged. 220; längst schon dieses tags gewärtig, nah ich so mich weise vor. Grillparzer (
d. traum ein leben) 7, 192; während seines redens war der wildmeister, der etwas zu melden haben mochte, in das gemach getreten und, seiner zeit gewärtig, an der thür gestanden. Th. Storm (
zur chronik von Grieshuus)
werke 6, 156; es (
d. pferd) weidet gesellig, unter einem wachsamen führer, dem winde entgegen vorschreitend, mit den nüstern und ohren immer der gefahr gewärtig. Hehn
kulturpflanzen u. hausthiere (6.
aufl.) 19; wenn du, keiner list gewärtig, bei verschlosznen thüren einst unbeschützt in seinen händen bist. Wieland (
schach Lolo) 10, 337; dasz die starken gehorchend stehn jedes winkes gewärtig. Göthe (
Faust 3) 12, 223; des dichters wink gewärtig, melodisch klingt die durchgespielte leier. (
kurz u. gut) 2, 5; wedelnd, doch des winks gewärtig sah der hund zum schulzen auf. Joh. Friedr. Kind
gedichte; mein hoher herr, hier lieg ich dir zu füszen, gewärtig dessen, was du mir verhängst! H. v. Kleist (
Käthchen 4, 3) 3, 105; er fand die römischen provinzen unverändert ruhig und seiner gebote gewärtig. Ihne
römische geschichte 8, 302; ew'gen frieden uns zu stiften, taucht er in die lebensflut — steht mit vollen händen in der mitte, liebevoll gewärtig jeder bitte. Novalis (
geistl. lieder 2)
werke 1, 330
f. Heilborn; die cavaliere waren abgestiegen und standen des danks gewärtig. Immermann 6, 73; gleich schönen, nackten, schlafenden mädchen liegen die dinge um uns her, der empfängnisz gewärtig. (
epigonen) 3,
s. 181. 2@a@b@7@cc))
mit abhängigem satz: über einem höllenreiche steht die bange stadt, gewärtig jede stunde, dasz es mit donners krachen sich entzünde. Schiller (
jungfr. v. Orteans, prolog 3) 13, 182; so wandte sie sich nun anscheinend ganz ruhig zum gehen, gewärtig, wer sie begleiten würde, aber sich deswegen nicht unentschlossen aufhaltend. G. Keller (
d. grüne Heinrich) 1, 236; er that diese frage mit anständiger wiszbegier, ohne spott, gewärtig, schon wieder etwas neues, vielleicht günstiges und rühmliches zu erfahren. (
Martin Salander) 8, 9. 2@bb)
die besondere bedeutung der dienstbarkeit und dienstwilligkeit, vgl. dienstgewärtig
theil 2,
sp. 1126;
sie ist an die verbindung mit einem dativ der person geknüpft. 2@b@aα)
der gebrauch auszerhalb der formelhaften verbindung mit synonymen. 2@b@a@11)) die briefe, die ihn in einer gemeinschafft zugehörten, das er die in ein gemein handt legte, do man ihn beiden damit gewertig were.
urkunde von 1417
bei Haltaus 712; der meiger sol auch gebunden sin, daʒ er ein recken ziehen sol, domit er dem dorf sol gewartig sin. (
weisthum v. Sundhausen)
weisthümer 5, 534; zum sibenden ist angedelt, das ain ieder inhaber der zwai mallmiten zu Heisern beim schlosz Petersperg den gemainsleiten zu Haimbingen mit aller zuegeherung, was man zu beiden millen bedarf, gewertig sein solle. (
ordnung zu Haimingen),
österr. weisth. 3, 64; allhie ist ain ieder gerichtsman ainem hieigen pfleger auf ain pferd, mit welchem er dem gericht in fürfallenden nötten von obrigkait wegen gewertig sein soll, nach seinem gueten willen ain fueter ... zu geben schuldig. (
landrecht d. pfleggerichtes Wartenfels),
ebenda 1, 158; als ouch Götzman Múnch 6 marck silbergelts uff der stúr ze Múlhusen hat, die im lang nit waren worden, die gab er mir. die bestätet mir unser herr der kúng, und schreib den von Múlhusen, das sie mir dmit gewärtig weren. Henmann Offenburg
chronik (1417),
s. Basler chron. 5, 239; ock schullen de radt ore borger de up der ffrieheit to sunthe Egidien wonen, bi older ffrieheit latenn. sunder des schotes unde anderer overicheit sullen se sick na dem rade richten unde darmidde wu van older hergebracht, gewerdich sin.
d. städtechron. (1510) 16, 545 (
Braunschweig, d. schichtbuch); item man bestellet in der zeit ainen hauptman hie, was genant graff Ulrich von Helfenstain, mit 15 pfärden, darauf gab man im 1200 fl. ain jar, und solt hie in der stat mit haus sitzen und der stat gewertig sein als ain hauptman. Burkard Zink
d. städtechron. 5, 169 (
Augsburg); das wir ... ihn zu unserm rath und diener uffgenommen und bestelt haben ... also ... das er uns ... von haus aus raths und diensts in unserer statt Maintz gewertig sein soll.
urkunde von 1521
bei Haltaus 712; mer sol ain jeder burger ainem jeden richter, wann er sein pegert, pei tag und nacht gewerdig sein. (
marktartikel von 1590),
österr. weisth. 6, 161; auch sol kain ausslender, der ... meinem genadigen herren von Admund und dem gotzhauss in dhainerlai gehorsam nicht gewärtig ist, dhain tuech versneiden. (
banntaiding zu St. Gallen, anfang des 16.
jahrh.),
ebenda 6, 43. 2@b@a@22)) kain fred nit anstossen, pis er die offentlichen feind des römischen reichs ... im gleich und dem römischen reich gewärtig macht. Aventin (
chronik) 4, 528; welche gegent ietzo ein tail dem ungarischen künig ein tail dem erzherzogen von Oesterreich gewertig ist. 68,
ebenso 36. 543 (
bair. chronik, kurz. auszug) 1, 170; alsz nu derselbig dasz schlosz einnam, beschicket er desz gottshausz arme leut und hindersessen, die muesten im schweren, im und der herschaft gewertig sein. J. Knebel
chronik von Kaisheim 270
Hüttner; also dasz die bauren sich bewilligten, si woltem dem gotszhausz und seinem prelaten gewertig sein und pleiben und nit zu den pauren ... laufen. 434
b; item, dasz ein abt den vier orten gewertig, und alle plätz desz closters ir offne heuser sein söllen. Stumpf
Schweizer chronik (1606) 374
b. 2@b@bβ)
die formelhafte verbindung mit synonymen. 2@b@b@11)) das er uns mit rat und dienerschafft halben bis auf sein abschreiben, verwant bleiben, auch uns zu unsern geschefften gewertig und beraten sein will.
urkunde von 1490
bei Haltaus 712; meinethalben lege mir nichts daran, wenn ich gleich noch erger von H. G. schriebe, denn er solt ja schier wissen, das ich nach seinem tollen kopff nichts frage, und im zu recht allzeit gesessen und gewertig bin. Luther (
trostschrift für d. christen v. d. Mitweid 1535) 6, 325
a Jena; wurde aber ain artzt, zu ainem gar armen ... beruefft, solchen armen dürfftigen kranckhen soll der artzt, on ainiche belonung, umb gottes willen ... gewärtig und willig ... sein.
kärnth. policeyordn. fol. 37
b bei Haltaus 712. 2@b@b@22)) also namen sie die wag ein an des kaisers stat und satzten den Caspar wider zu ainem wäger und muest in schweren, treulich (und) gewertig (zu) sein ainem kaiser. B. Zink
d. städtechron. 5, 276 (
Augsburg); er hett vormals auch gehört, wie etlich biderleut, die ... der stat alwegen treu und gewertig gewesen wären, die gar klainen oder üblen lon darvon pracht hetten. 202; ist ime (
Isaac) der son gottes erschienen ... sein segen dahin gesprochen, das sein narung ime gediehen, sein weib unnd kind gehorsam, sein leutlein im treu unnd gewertig gewesen. Mathesius
hochzeitpredigten 103
neudruck. 2@b@b@33)) aber welcher edelmann eine hofmarch hätte, und seiner gnaden in die landschaft nicht verpflichtet oder gewärtig wäre, demselben edelman soll man seine leute ohne mittel anlegen, es sei der grund sein oder ander. (1488),
s. Krenner
bair. landtagshandl. 10, 139; und voraus Pannonia hab obg'nant kaiser geben, dan nachdem es mit seiner macht iezo lang her bei dem römischen reich ... anhengig und gewärtig gewesen ist. Aventin (
chronik) 4, 977; die hämermaister solten auch all unserm bropst gehorsam und gewärtig sein. (
d. stiftes Admont rechte, hammerordnung 18.
jahrh.),
österr. weisth. 6, 278; es soln auch die obgemelten landleut den vorgemelden anwäldn, vitztumb, pflegern, richtern und ambtman gehorsam und gewartig sein. (
landtaiding des landgerichtes zu Windisch Matrei),
ebenda 1, 316; begeren darauf an euch ... dasz ir benanten unsern rat Georgen truchsässen alsz unsern obristen veldhaubtmann ... alsz lang diser zug und hilf weret, in billichen sachen gehorsamb und gewertig sein wellet. Georg v. Waldburg
an erzherzog Ferdinand bei Baumann
s. 534; ist unser ernstlich mainung, das alle inwoner und burger ... ietz geordneten ausschusz als der oberkait samptlich und sonderlichen in stetten, vorstetten, ampten, dörfern und weilern iren zimlichen gebotten und verbotten geharsam, gewertig und gevolgig sein ... sollen. Th. Zweifel
Rotenburg im bauernkrieg, Baumann
s. 444. 2@b@b@44)) ich
n. gelobe ... herrn Ferdinandem dem dritten römischen kaiser ... getreu, gehorsam, und gewärtig zu sein (1615). Londorp 1, 219
b; item ein jeder müller solt seiner herrschaft aid pflicht thuon und selben mitt seinen diensten ... gehorsam, getrew, und gewertig zuo sein. Tengler
laienspiegel (
Straszburg 1511) 28
a; soll darauf der vorgenant abbt Gerhart ... glübd und aide thun, unsz und dem h. reich davon getrew, gehorsam, und gewertig zu sein, zu dienen und zu tund, alsz sich von solcher lehen wegen gebürt.
Maximilian belehnt d. abt zu Alpirspach mit d. blutbann 1504
bei Reyscher
Würtenb. statutarrechte 49; so ihr unsere geschworne dorfrichter zu werden gedenket ... das ihr ... deroselben pflöger, wie auch lantrichter in ambt Märckhtl in allweeg getreu, willig und gewertig sein wollet. (
banntaiding d. herrschaft Stein in Märktl),
österr. weisth. 6, 391; welicher meins genadigen herrn von Admund hold und hindersäss ist mit hantgelobtn treun on ains geswornn aides statt, sein getreur und gewärtiger hold zu sein ... und das nicht hielt, der ist seine erib und paurecht verfallen. (
banntaiding zu St. Gallen, anfang d. 16.
jahrh.) 6, 41. 2@b@gγ)
die formel in der neueren sprache. 2@b@g@11))
als rechtsformel: alles, was lieb, getreu, hold und gewärtig war, muszte sich zu einer solchen urkunde verstehen. Möser
patr. phant. 3, 345; Aristion sollte ... sich der höchsten gewalt in Athen bemächtigen und dafür seiner majestät in allen billigen und unbilligen dingen gehorsam und gewärtig sein. Wieland (
Athenion genannt Aristion 7) 30, 322; muss dem vaterlande dienen, muss in rath und that dem herren hold und treu sein und gewärtig, muss ihm beistehn mit gewicht. Herder (
Cid 13) 28, 421; und doch schwur er hernach (es kann ein jahr sein) mir immer treu und gewärtig zu bleiben. Göthe (
Reineke fuchs) 40, 52,
ebenso 40, 82; wir sind ihm (
d. könig) unterthan und gewärtig, in dem was ihm zukommt. (
Egmont 2) 8, 220; der herzog habe gelobt dem könige, seinen kindern und seiner königinn treu und gewärtig in jeder not zu sein. Dahlmann
dän. gesch. 1, 473; herr kurfürst, da ich nun euer mann bin, so musz ich euch treu und gewärtig sein, das versteht sich. Alexis
hosen d. herrn v. Bredow 2, 126; gott wolle geben, dasz ... die mannigfachen beweise der huld, ... in den herzen meiner nachkommen gegen das angestammte kaiser- und königshaus stets dieselben gefühle ehrfurchtsvoller liebe und persönlicher anhänglichkeit lebendig erhalten, mit denen ich eurer majestät als allerhöchstdero geborner brandenburgischer lehnsmann stets treu, hold und gewärtig sein werde. Bismarck
an kaiser Wilhelm I., vgl. ged. u. er. 1, 244; sie verloren die kaum errungene landesherrliche gewalt ... suchten wie alle mächtigeren reichsfürsten verwaltung und rechtspflege ihres landes vor jedem eingriff der reichsgewalt zu behüten und blieben dabei dem kaiserhause hold und gewärtig. Treitschke
d. gesch. 1, 26. 2@b@g@22)) nun, sie sollen meine tochter haben, wenn sie sie in ehren halten und ihr treu und gewärtig sein wollen. Gellert 2, 159; Euphrosyna! Euphrosyna! deinem liebsten treu gewärtig! — seht, sie folgte ihm aus liebe als ein klausner in die einöd'.
Z. Werner
Martin Luther 5, 3; eigentlich aber hat sich unser dichter zu einer freiwilligen armuth bekannt, um desto stolzer aufzutreten, dasz es ein mädchen gebe, die ihm deswegen doch hold und gewärtig ist. Göthe (
noten z. divan, Suleika) 6, 148; wer übrigens viele wörter gebildet, gebraucht und in umlauf gebracht, ist am besten berechtiget und am meisten verpflichtet darzulegen, dasz er mit sprachbewuszt und im sprachgefühl der hochheiligen muttersprache allzeit hold, treu und gewärtig gehandelt.
F. L. Jahn
werke 2, 2, 610. 2@b@dδ)
die lockerung des formelhaften gefüges in der neueren sprache: erstgebohrene tochter des ewigen, himmlische liebe, dir jetzt flücht ich in arm, sei mir gewärtig und hold. Kosegarten
rhapsodien 3, 369; 'warum denn aber bei unsern sitzen bist du so selten gegenwärtig?' mag nicht für langer weile schwitzen, der mehrheit bin ich immer gewärtig. Göthe 47, 221; ich weisz mir einen braven mann mit ehr' und sitten angethan, löblich höflich und dienstfertig, der feinde schreck, den freunden gewärtig. so edler sinn! so kluger verstand! ein lichtes muster für stadt und land. Immermann
ged. 1,
werke 11, 30; du aber Medea, sei mir gewärtig. Grillparzer (
gastfreund) 5, 18; seid mir gewärtig, götter. (
Argonauten) 5, 50; in jeder not gewärtig seinem volke. Wildenbruch
kranzspende auf Th. Körners grab; wozu denn haben andere neben mir besseren leib und schärfere sinne? werden sie mir nicht immer gewärtig sein zum liebreichen dienste wie jetzt. Schleiermacher (5.
monolog). 33)
die wörterbücher verzeichnen überwiegend die bedeutungsgemeinschaft von gewärtig sein
mit gewarten: gewärtig, gewärtig sein,
idem quod gewarten. Henisch 1594.
im besondern ist es die bedeutung exspectare, die hier angemerkt wird, vgl. Bayer 290
b u. a. Adelung
bringt (2, 651)
auch die verbindung treu, hold und gewärtig
zur geltung, die von da ab namentlich in den historischen wörtersammlungen ihren platz beansprucht. vgl. dazu: gewärtig in der verbindung einem treu, hold und gewärtig sein, gehört zu den halb sinnlosen wörtern, bei denen man sich nichts recht bestimmtes denken kann. am natürlichsten heiszt es wohl so viel, als willig, jemands befehle zu erwarten, folglich auch zu erfüllen. allein wenn nun ein magister der weltweisheit schwört, der philosophischen fakultät, die er nach geschehener erhöhung nie wieder zu sehen entschlossen ist, treu, hold und gewärtig zu sein; wie läszt sich da an erfüllung der befehle denken? Heynatz
antibarbarus 2, 1, 53.
die mundartlichen wörterbücher zeigen, dasz das adjectiv in der bedeutung '
erwartend'
noch heute lebendig ist: g'wärtig, i' bi' 's g'wärtig, ich erwarte es. Hunziker
Aargauer wb. 119; gewärtig,
adj. kəwæɐtig Lenz,
vergleichendes wörterbuch d. nhd. sprache mit d. Handschuhsheimer dialekt 28.