gewährschaft,
f. ,
substantivbildung, deren älteste verwendung auf mehrere ableitungen weist und anlehnung nach den verschiedensten seiten sucht. in der abgrenzung gegen die einfache form werschaft, währschaft,
die dem heutigen schriftgebrauch entschwunden ist, treten ursprünglich fast nur berührungspunkte hervor. vielfach setzt sich gewährschaft
als jüngere form an die stelle der einfacheren älteren bildung. daneben sind jedoch auch einzelne verwendungen zu belegen, die der einen oder der anderen form allein zugänglich sind. ein gemeinsamer zug bei beiden bildungen ist, dasz sie nicht auf die bedeutung von gewähr
allein beschränkt bleiben, sie stehen vielfach in weit engerem bedeutungszusammenhang mit gewähre sein, gewähren.
die manigfaltigkeit der bedeutungen, die wir für das verbum wie für das substantiv belegt haben, spiegelt sich natürlich auch in diesen ableitungen wieder, auszerdem macht sich in der bedeutungsentwicklung der übergang vom nomen actionis zum allgemeinen abstracten begriff besonders geltend. nach diesem ziele bewegt sich vor allem der neuere gebrauch unseres wortes, der überdies auf weitgehender bedeutungsverengerung beruht, auf der einseitigen bevorzugung des begriffes gewähr =
bürgschaft. für diesen gebrauch ist die überführung des wortes in den plural ausgeschlossen. 11)
älteste belege, abgrenzung des bedeutungsumfanges gegen werschaft. 1@aa)
das einfache werschaft
ist am frühesten in der bedeutung von '
leistung, bezahlung, gewährung'
belegt, eine bedeutung, für die die zusammengesetzte form die wenigsten parallelen bietet. s. Lexer 3, 793.
mhd. wb. 3, 584
b.
nur einige bairische belege lassen sich in diesen zusammenhang einreihen. 1@a@aα) von im seit d' âventiure mier, sîn ors hieʒ Passilivrier .. eʒ gienc mit sprungen sunder twâl under im vor sîner schar. swelch wîp in hête dar mit ir werschaft gesendet, ir bote was ungeschendet. Wolfram
Willehalm 368, 29; ist aber daz der elich erbe daz ander iar lebet, so sol ich zende des selben iares daz ander drittail der haller weran (
in den parallelstellen steht gelten
und geben) den vorgenanten bischof ... und sol daz selbe tuon mit der werschaft des dritten tailes zende in dem dritten iare.
urkunde von 1303,
monum. Zoll. 1
nro: 247 (
vgl. auch gewert und bezalt.
ebenda nro: 400); spricht aber ainer: ich laugen nicht, ich solt im daz gelt gelten, ich han in sein gewert, und han imz vergolten, als ich ze recht solt; laugent der werschaft dann der anchlager, so sol man sein laugen darumb nemen mit seinem aid, ez müg dann disz erzeugen und war machen mit seinem aid ... daz er im daz gelt oder seinem gewissen poten geben und vergolten hab, als er ze recht solt; erzeugt er also die gewerschaft, so sol er der ansprach ledig sein.
Münchener stadtrecht artikel 13
Auer. vgl. auch das bair. reformierte landrecht, titel 33
artikel 2,
s. Schmeller
2 2, 975. 1@a@bβ) neunten die strohridl betreffend, welche man in die berghuffen legt, solle einer über 2. zwerch finger nicht dick sein, dann sonsten das fuder zu kurz, und der gewehrschaft zuwider.
instruction Maximilians von Baiern für den obanschaffer zum Hallein, 1614, Lori
bergrecht 390
b; vierzehenden, und in diesem puncten fürs beste sein die anschaffer, dasz sie täglich, und ehe man das salz auf die stoszstett zu werfen anfangt, die stoszstett zu besichtigen verbunden, damit solcbe, wie recht, sauber sein, und nichts ungerechtes, so der gewehrschaft zuwider, unter das salz vermengt, ja gar gestossen werde.
ebenda 393
b; drittens kommt auch für, dasz die stoszer ihr liecht und kerzen ... ersparen, und sich gleichsam von der salzhackern licht behelfen wollen, weilen aber hieraus erscheint, dasz durch die zuschlägerin dardurch bisweilen die kueffen zerschlagen werden, oder unfleiszig und ungewehrlicher zuschlag beschieht, dahero mit fleisz dem obanschaffer u. cons. eingebunden, auf solches achtung zu haben, und damit die rechte gewerschaft folgt, solle er obanschaffer solches nit allein nit gedulden ... 394
a,
vgl. auch ungewehrschaft.
ebenda 391
a.
vgl. gewährlich
sp. 4870. 1@bb)
andererseits weisen schon die ältesten belege für gewerschaft
eine bedeutung auf, die dem einfachen werschaft
nicht zugänglich war: besitz, besitzverhältnis. diese bedeutung erwächst unmittelbar aus der anlehnung unseres wortes an gewere, gewähr,
und zwar ergiebt sie sich aus praepositionalverbindungen wie in der gewere sein, haben; uz der gewere nemen
u. a. vgl. sp. 4798.
vgl. mhd. wb. 3, 586
a. Lexer 1, 989: herzog Albrecht der furst zuo den boten sprach: 'wie ist iu daʒ sô ungemach daʒ ich vordere wan daʒ. daʒ herzog Friderich besaʒ in des landes gewerschaft, die wîl er het des lebens kraft und der von Bêheim alsam, ê im kunic Ruodolf nam Stîre unde Österrîch, dô het er eʒ gewalticlich. Ottokar
reimchronik 26872
Seemüller; wen ir wellet weln der ze kunic nutze sî unt der daʒ rîche mache frî und erʒ mit sîner kraft bring ûʒ der gewerschaft von Naʒʒou grâf Adolfes. 71749; wie die zwên kunig ê von Ungern kunic Andrê und von Bêheim der furste rîch, wurden verriht friuntlich datze Wienen mit hîrât: von Bêheim der junge hât des tohter von Ungern genomen, sît wâren diu kint nû komen mit gemeiner geselleschaft ûʒ der herzogen gewerschaft. 73522; so gebe wir ien an disem brieve, daz allez daz guet daz siu und daz chloster ze Zwetel in gewerschaft habent an disem heutigen tage umb den Chamb oder in unserer gebiete ... daz bestetige wir ien allez mit disem brieve und geben ienz daz siu daz furbaz ewichlichen freiez und geruowet haben und besitzen schuln.
Zwettler urkunde von 1299
fontes 2, 3, 190.
vgl. Estor
teutsche rechtsgelahrtheit (1767) 3, 1317,
der für gewährschaft
als erste der bedeutungen anführt: tutam possessionem praedii proprietarii. vgl. auch das register zum Sachsenspiegel in der ausgabe von 1732,
wo für den 38.
artikel des 3.
buches (was der man nicht jahr und tag in rechten gewehren hat, darfür soll er zu hand antwortten)
als inhalt angegeben wird: gewehrschafft ... was man nicht jahr und tag in selbiger hat, davor musz man antwortten. 1@cc)
der begriff der '
besitzeinweisung'
wie er an gewähr,
vestitura rein hervortritt, ist in den verwendungen von werschaft
und gewerschaft
ganz durch den der rechtlichen verpflichtungen verdeckt, die daraus erwachsen. nur in einem jüngeren beispiel läszt er sich an werschaft
belegen: die ankündigung der loosung kann von dem loosungsberechtigten selbst oder einem gewalthaber, rechtsbeistand oder geschäftsbesorger desselben ... mündlich oder schriftlich bei dem gericht, das die währschaft über das gut zu geben hat ... geschehen.
badische verordnung von 1808 (
regierungsblatt s. 137). 1@dd)
denn der schwerpunkt der an eine besitzübertragung anknüpfenden verwendungen liegt bei werschaft, gewerschaft
auf der rechtlichen verpflichtung, die dem verkäufer gegenüber dem käufer obliegt und die in der parallele mit warandia ihren besonderen ausdruck erhalten hat. auch hier tritt gewerschaft
in einzelnen handschriften einfach als variante für gewere
ein. vgl. vorsakent aver eme de gewere beide des kopes unde der gewere.
richtsteig landrechtes 39 § 1
Homeyer (
Oschatzer handschrift: loukent im der gewere beide kaufes unde gewerschaft)
u. a. ebenso fällt hierher das hauptgebiet, innerhalb dessen werschaft
und gewerschaft
mit einander tauschen. in einzelnen mundarten, in der schriftsprache anderer germanischer dialecte, hat sich das einfache werschaft
hier durchgesetzt;
vgl.werescap, warschap
bei Schiller-Lübben
mittelniederd. wörterbuch 5, 681 (
ebendort 2, 103
ein beleg für gewereschap).
vgl.waarschup
im bremisch-niedersächs. wb. 5, 186 ff. waarschap,
versicherung, genugthuung. Kramer
holländ.-deutsches wb. 2, 588
c ; gewährschaft,
waarschap. Weidenbach
deutsch.-holländ. wb. (1803) 436
b u. a. in deutschen quellen dringt meist, sofern mehrere ausgaben auf einander folgen, die vollere form in den jüngeren redactionen durch: sve dem anderen gut in siner were let, ir he't ime up late, he sal ine in der gewere vorstan, dewile he 't ime nicht upgelaten ne hevet, svenne he siner werscap (warschap.
cod. Old.) bedarf.
Sachsenspiegel. 1, 9.
Homeyer (er sol ihn in der gewer versteen die weil er es imm nicht auffgelassen hat. wenn er seiner werschafft bedarff.
abdruck von M. Lotter,
Leipzig 1528,
ebenso bei Vögelin 1561
u. a.; wer auch dem andern guth in seine gewehre überläst, ehe er es ihm aufläst, der soll denselben, so lange er es ihm nicht aufgelassen hat, in der gewehr vertreten, wenn derselbe seiner gewerschafft bedarff.
ausgabe von 1732
von Gärtner);
ebenso ob ihm sein gewer abstehe und abgewichen ist zu rechter werschafft. 2.
buch artikel 42
bei Lotter (
ebenso bei Vögelin; hat aber einer von ihnen jahr und tag eine rechte gewehr an dem guthe ohne rechtliche wiedersprache gehabt, so verliehret er damit sein guth nicht, ob ihm gleich sein gewehrer zu rechter gewerschafft entstehet.
bei Gärtner);
es sind die gleichen verbindungen und verwendungen, die sich an wehrschaft
wie an gewerschaft
nachweisen lassen, nur mit der einschränkung, dasz in werschaft
der eben besprochene rechtsbegriff lebendiger bleibt als in der form gewerschaft,
in der er später ganz verblaszt. s. u. vgl. sp. 4889 (2,
a). 1@d@aα) auch haben wir gelobt und geloben an disem brief, si ze wern aller dirre vorgenanten gülte und gut, eigen nach eigens rehte, lehen nach lehens rehte, als Frankenlandes reht ist, vor einem rehten lantrihter und vor anders niemant, ob si mit dem rechten ansprech würden. umme die selben werschaft habn wir in ze bürgen gesetzet unverscheidenlich unsern lieben bruder herrn Friederich von Hohenloch.
Würzburger urkunden von 1328,
monum. Boica 39, 352; sag sie sollen von ersten ihr werschafft vorbringen, das sein ihrer herren brief.
glosse zum Sachsenspiegel buch 2
artikel 42 (1528 Lotter)
u. a.; ... so han wir burgen gesatz vor rechte werschaf jar und thac und vor allerleige ansprache und vor unser erben.
urkunde von Worms, 11.
märz 1347 (
zsch. f. d. gesch. d. Oberrh. 6, 320); wir han in auch zu rehter wertschaft des vorgenanten guotes noch des landes rehte und gewonheit zu Franken gesatzet die erberen bürgen.
verkaufsurkunde der grafen von Wertheim (1321),
zsch. f. d. gesch. d. Oberrheins 9, 57; und wer also gewert wird, wie obgeschrieben steht, der soll kommen für ein landgericht zu Crombach und soll sich mit solcher wehrschaft lassen einschreiben, uf dasz nach der wehrschaft kein irthum entstehen möge.
weisthum von Crombach von 1496 Grimm
weisth. 3, 409. 1@d@bβ) 1@d@b@11))
facere warandiam, werschafft
vulgariter nuncupatam. Würzburger urkunde von 1316,
monum. Boica 39, 53.
ebenso 41, 62 (1344); wer dem andern wehrschaft thun soll, der soll kommen mit gesamter hand, oder mit seinen kindern, ob die hand anders verprochen wäre, vor ein uffentlich gericht.
weisthum von Crombach von 1496 Grimm
weisth. 3, 409; wann liegende haab und güter ... verkaufft werden, so ist der verkauffer darum der währschafft zu thun verpflicht, jahr und tag. Meurer
tractatus de contractibus (1729
Nürnberg)
s. 141; waarbürge ... der die währschafft thun musz. Frisch 2, 416
b. 1@d@b@22)) währschaft geben,
cavere de futuro damno. Spieser
novum lexicon universale (
Basel 1700) 402; währschaft geben,
donner caution, répondre, cavere de futuro. nouveau dictionaire du voyageur (
Genf 1703) 436. 1@d@b@33)) der bestandgeber ist nicht schuldig, dem beständer gegen jene störungen im genusz währschaft zu leisten, welche durch thätlichkeiten dritter personen entstehen.
badisches landrecht von 1809 § 1725 (
ebenso in den späteren ausgaben). 1@ee)
die berührung mit gewähr =
dauer und gewähren =
durare liegt wohl dem schweizerischen währschaft
in substantivischem und adjectivischem gebrauch zu grunde. Stalder 2, 430
sucht zwar die erklärung aus den eben belegten bedeutungen zu gewinnen: währschaft, gewähr für die güte einer sache; währschaft, was als gut gebürgt werden kann, währschafte waare.
diese erklärung zeigt sich jedoch deutlich als notbehelf und wird durch die anknüpfung an durare leicht entkräftet. belege für die mit dem präfix verstärkte form liegen hier nicht vor. 22)
die bedeutungsentwicklung von gewährschaft
in der richtung der begriffe '
sicherstellung, bürgschaft, sicherheit'. 2@aa)
den ausgangspunkt bildet die rechtshandlung der besitzübertragung. dem verkäufer erwächst die verpflichtung, eigene ansprüche, oder solche die dritte an das verkaufsobject stellen könnten, auszuschlieszen oder in ihren wirkungen auf den käufer unschädlich zu machen. am wenigsten macht sich die vorstellung eines verzichts auf eigene ansprüche geltend. sie tritt nur vereinzelt und vor allem in späteren, geschichtlich entwickelten begriffsbestimmungen auf: gewährschaft,
warandium oder
caution, den andern in seinem besitze nicht zu stören. Estor 3, 1317.
dem gegenüber liegt der schwerpunkt der begriffsbestimmung in der sicherstellung vor den ansprüchen dritter. wo die anknüpfung an die rechtshandlung lebendig gegenwärtig ist, hält sich der begriff der sicherstellung, der je nachdem auch mit demjenigen der schadloshaltung wechselt. vielfach entwickelt sich auch aus der thatsache des eintretens für andere der besondere begriff der bürgschaft. aus diesem wie aus den anderen beiden verwendungen wird in festen wortverbindungen und durch übertragung der allgemeinere begriff der sicherheit entwickelt, bei dem die vorstellung einer thätigkeit oder eines verhältnisses zurücktritt. 2@a@aα)
in den lateinischen urkunden, in denen das deutsche wort zur verdeutlichung der lat. termini '
evictio', '
guarandia'
eingefügt erscheint, ist es meist der begriff der schadloshaltung, der mit besonderer breite dargelegt wird: ad evictionem, quod in volgo gwershaft dicitur, prefatas sanctimoniales, ad molendinum nostrum, situm extra muros opidi nostri Ehingen retro ecclesiam parrochialem habere respectum idoneum concedimus et indulgemus, ita ut si quibus actionibus predicte femine in pretaxatis curiis angiarentur aut eadem curie aliquo juris auxilio distrahantur ab eis in reconpensam curiarum occupatarum ipsis singulis annis de emolumentis praetacti nostri molendini .. centum ova et quatuor libros hallensium .. festo Martini quolibet largiamur.
verkaufsurkunde über güter zu Einsingen und Grimmelfingen 1294,
zsch. f. d. gesch. d. Oberrheins 23, 60; si forsan, super ipsa silva, aut quibuscunque suis attinentiis, in toto vel in parte quaestio mota fuerit ad defensionem evictionem et guarantiam, quae vulgariter gewerhrshafft dicitur.
Eichstätter verkaufsurkunde von 1305 Falckenstein 129; de quibus utiquo bonis et hominibus sibi et heredibus suis gwarandiam quod vulgariter gwerschaft vocatur pro nobis et hominibus quos contingit eandem gwarandiam facere tenebimur (1277)
bei Schilter 825
a; domino meo antedicto guarandiam quod vulgariter gwerschaft dicitur, faciam pro spacium anni et diei prout jus terre exigit et requirit.
Mainz 19.
juli 1289
ztschr. f. d. gesch. d. Oberrh. 6, 309;
evictio dicitur vulgo gewehr, wehrschaft oder schadloshaltung ..
si praestatur authoritas, die gewehr oder wehrschaft.
et est haec authoritas ut .. emptor regressum habeat adversus auctorem suum. Besold
thesaurus practicus (
Dietherr 1679) 995
a;
vgl. Estor
deutsche rechtsgelahrtheit (1767) 3, 1317,
der für gewährschaft
als dritte bedeutung angiebt ist es soviel als
evictio; der alte deutsche nennt solches gewärung.
vgl. Kirsch
cornucop. 2, 150
b: gewährschafft
evictio; gewähr, gewehr, gewährschafft, gewährsleistung, oder die gewährschafft leisten,
lat. evictio oder
evictionem praestare, fr.
garantie oder
guarantia, ingleichen
garantir, oder
guarentir, heist, wenn der verkäuffer eines dinges dem käuffer gut sagt, versichert und bürge zu sein verspricht, dasz er, der käuffer, des gekaufften beweglichen oder unbeweglichen guts halber, nimmermehr keinen anspruch von einem menschen bekommen werde, und wenn er gleich solchen bekommen solte, dasz er ihn doch diesfalls gegen jedermann, auch auf seine eigene unkosten, in und ausser gerichte vertheidigen und schadlos halten wolte; und zwar dieses, so bald er nur würde vernommen haben, dasz dem käuffer diesfalls wäre streit erreget worden, ob er, der käuffer, ihm, dem verkäuffer gleich solches noch nicht hätte verkündigen lassen. Chomel
oec. u. physical. lex. (
Leipzig 1751) 4, 1037 2@a@bβ)
das gleiche gilt für deutsche urkunden und protokolle, die von dem entsprechenden prozeszverfahren zeugnis ablegen: ich Haug von Dusteten, ze den zeiten amptmann der Schotten guot ze Wienne, vergich offenleich an dem briefe, daz für mich cham, do ich sas am offem gericht der erwirdig mein genadiger herr, herr Donat abpt des gotshaus .. und chlagt mit vorsprechen gegen ainem ackcher .. der ausz desselben meins herren hof ze Inczesdorff .. verchaufft wär worden und wer an sein wizzen ze fremder hant pracht, als verre, daz Jans der pawr von Inczesdorff das verantwört und weigert darumb auf seinen gewern, herrn Micheln von Missing, und vordert auch den in die gewerschaft, daz er im denselben akcher ausrichten solt. do geviel mit vrag und mit urteil, seid er herrn Micheln von Missing in die gewerschafft gevördert hat, und er (
M. v. Missing) darnach nicht auf antwurt chomen wer, so solt er im auch denselben akcher ausrichten.
gerichtsbrief des Wiener Schottenklosters von 1376 (
fontes Austr. 2, 18) 361.
ebenso in dem unter δ)
angeführten beispiel für gewerschaft tuon.
dazu vgl. noch aus jüngster zeit: der beklagte lud den reichsfiscus auf gewährschaft bei.
entscheidungen des reichsoberhandelsgerichts 12, 312,
vgl. auch unter gewährschaftsklage. 2@a@gγ)
in den rechtsvorschriften tritt andererseits mehr der begriff der sicherstellung hervor, der vielfach noch ins einzelne entwickelt wird, vgl. Lexer,
nachtrag 208: verkoft en man deme andren en perd, dar he ime ene gewerescap an geweret, die sal
etc. wichbilde art. 70, Schiller-Lübben 2, 103; ist iz auch also, das ein landmann einen burgere oder ein burgere eime landmanne binnen der stat wichbilde ein pfert ansprichet, oder was seines gutes si .. und sich iener an seinen geweren ziet und den benumet, und derselbe gewere komme vor gerichte .. und bekenne der gewerschaft, der musz nach der stat rechte vor gerichte bekennen, wie das pferd oder das gut an in kommen si.
rechtssätze von Breslau, mitgetheilt an die von Glogau 1280,
Breslauer urkundenbuch s. 49; ist daz ein erberg man dem andern laüt zekauffen geit, si sein aigen oder lehen, die sol er im mit der gewerschafft vertreten alz reht it, die aigen läut zehen jar und einen tack, die lehen sind jar und tack.
altes oberbair. landrecht nach der Efferdinger handschr. bei Rockinger
in sitzungsber. d. Münchener akademie 1873
s. 444;
ebenso im rechtbuch kaiser Ludwigs von 1346 (
art. 219)
Freyberg 461
und im Münchener stadtrecht artikel 167
Auer s. 66;
vgl. auch § 193
des rechtsbuches kaiser Ludwigs (
Freyberg s. 453),
der die überschrift führt: gewerschaft umb aigen: wer angesprochen wird umb aigen dez er nicht gesezzen ist ain iar und mer pei nucz und pei gewer an alle recht ansprach, der mag sich dez wol verantworten mit seinem gewern ob er in gehaben mag mit hantfest, mit briefen, mit erbschaft und mit gewer, der ims geben hat, die sol im helflich sein und mit fürpfanten, und mit allen den rechten der er geniezzen mag;
ebenso vgl. ist dasz einer eigenleute kauft, die soll er mit der gewährschaft jahr und tag vertretten, als recht ist. würden aber die eigenleute von jemand angesprochen, ehe sich die gewährschaft ergienge, und behüte man sie dem andern an, der sie gekauft hat, so soll ihm der verkäufer sein geld, darum er sie gekauft hat, wiedergeben und den schaden dazu. hat aber der käufer die leute innen, als lang bis sich die gewährschaft ergeht, wer sie ihm fürbas anbetrübe, dessen soll der verkäufer ohne entgeldnisz sein und bleiben, und ist ihm nichts darum schuldig.
protokoll über die reformation des rechtbuches koiser Ludwigs (1487) Krenner 12, 148; und zuo pesserr sicherhait desselben libtings warde in der obgenant markte, lüt und guot, zu ainem rechten fürpfand in gewerschaftweise eingesetzet. Zink
chronik von Augsb., d. städtechron. 5, 346; des solt du zum ersten wissen, das zweierlei klag sein, da ein man der gewerschafft inne bedarff, adder da ein man seine gewere an bedarff.
glosse zu Sachsenspiegel 3.
buch 35.
artikel (
ausgabe von 1528. Lotter).
ebenso Vöglin
u. a. 2@a@dδ)
wortverbindungen, in denen diese bedeutungen sich entwickelt zeigen. 2@a@d@11)) 2@a@d@1@aa)) mit der gewerschaft vertreten,
vgl. die beispiele unter γ). 2@a@d@1@bb)) in gewerschaft schirmen: wir .. tun zewissen allen den, di disen prief ansehent, daz wir die hueb in Rosspach .. hawen gegewen freileichen dem gotzhaus ze Ranshoven uns unt unsern vorvodern ze einem selgraet unt glowen dem probst unt der sammung ze Ranshoven, daz wier in daz selbe guet schirmen sulen mit gwershaft vor recht, als recht ist, unt gewen dar uber disen prief.
Burghausener urkunde von 1293 (
urkundenbuch des landes ob der Enns 4) 196; wir loben auch unverschaidenleichen mitsampt unsern erben den vorgnanten herren ze den Schotten den vorgnanten weingarten in rechter gewerschaft vrein und schermen vor aller ansprach und für allen chriech nach des landes recht in Oesterreich.
urkunde des Wiener Schottenklosters 1340 (
fontes 2, 18) 226. 2@a@d@22)) 2@a@d@2@aa)) gewerschaft geweren
vgl. das beispiel aus wichbild art. 70
s. γ). 2@a@d@2@bb)) in swelchem geriht einer in ein gewerschaft stet, in dem selven sol er die gewerschaft wol fueren.
altes oberbair. landrecht nach der Efferdinger handschr., Rockinger
in sitzungsber. d. Münchener akademie 1873
s. 447 (
art. 163). 2@a@d@2@cc)) swem ain haus oder ain ander aigen in der stat gericht ze pfant wirt geantwurtt und gesetzt mit dem rechten, oder swer ain pfant mit dem rechten in sein gewalt pringt, die weil sein gelter anhaim ist, und ob der gelter darnach von dem land vert, swenn dann der chlager daz pfant verchauft, der sol nicht lenger gewerschaft tuon dann jar und tach für erben inner landes und auzzer landes.
stadtrecht von München art. 202 (
Auer s. 79); ich Petter Gürer zu den zeitten richter ze Dachau bechenn von gerichts wegen offenlich mit dem brief daz mit recht und mit (vorsprechen) für mich cham .. Jacob v. Mosach der sprach mit vorsprechen daz er chaufflichen verchaufft und zechauffen geben hiet seinen tail aus ainem güttel ... Otten dem vaeriber ... und bat meins herren buch ze lesen daz sagt wir wollen auch wer aigen verchauft in dem land der sol nicht lenger gewerschaft tun wann jar und tag für erben inner landz für erben ausser lands zwai jar und wenn sich die zeit verget so hat sich alleu gewerschaft ergangen und die gewerschaft hat er im vergwist und gut gemacht.
monasterium S. Clarae, venditio partis praedii (1395),
monum. Boica 18, 250; wir wellen auch wer aign verkauft in dem lande der sol nicht lenger gewerschaft tun wan jar und tag für erben in dem lande.
cod. jur. Bavar. vetust. bei Haltaus 704.
vgl. sô solte der verkeufer dem keufer des werschaft tuon. Grimm
weisthümer 3, 771. 2@a@d@2@dd)) dagegen leistet er für die aus der erbschaft evincirte sonderbare stück keine gewehrschaft.
churbairisches landrecht von 1759 IV
cap. 4 § 9.
vgl. unter b)
α). 2@a@d@33)) inmassen solch-letzterenfalls der debitor selbt als pfandsherr, und erstenfalls der puppill um die gewehrschaft haftet.
churbairisches landrecht IV
cap. 3 § 16. 2@a@eε)
die vertretung eines andern in der betätigung der sicherstellung: bürgschaft: welch man in wichbilde ein husz kouft adder vorkouft, der sal in iare und tag wern ... hette aber imant ime lande icht rechtes dorczu, der ussewendigk landis wer, vor des anesprache musz he sin gewere sin. ouch sal he gewere sin vor kinder, die nicht mundig sind unde auch di poben oren iarn sin. wel man ome der gewerschaft nicht glouben, he sal noch der werschaft daz gelt vorborge. noch schepphen orteil.
rechtsbuch nach distinctionen 2,
cap. 1
s. 99
Ortloff. 2@bb)
die verallgemeinerung des begriffes. 2@b@aα)
verbindungen wie gewährschaft thun
führen schon zur verblassung und verallgemeinerung, noch mehr gewährschaft leisten,
das mit gewähr leisten (
sp. 4803)
concurriert. auf reichlichen gebrauch deutet hier die übertragene verwendung: der Mopsus thate einen seutzffer und merckte erst, wie vil es geschlagen, dasz er nemblich zu disem intent von dem Cosmo sei bedient worden, dasz er für die gestohlne sachen borg sein, unnd die gewerschafft an dem galgen leisten werde müssen. Hörl von Wätterstorf
Bachhusia (1677) 280; gewähren, die gewähr, gewährung, gewährschafft leisten.
garantire, far garantia, garantire, faire garantie. J. Rädlein
europäischer sprachschatz (1711) 380
b; der die gewärschafft leistet, und auch derjenige dem sie geleistet wird,
the warrantor or voucher, and the voucher or warranter. teutsch-engl. lexik. (1716) 770; eine handschrifft, obligation oder verbindung, dasz man zu allen zeiten, wenn es noht thut, die gewärschafft leisten will,
a warrantise or warranty. ebenda; die gewärschafft über etwas leisten,
to warrant, secure, defend or maintain a possession you sold, to vouch him that bought it. ebenda; gewehrschafft einem leisten,
praestare evictionem; gewehrschafft thun, dasz der kAeuffer das gekaufft für das seine gebrauchen kann. Frisch 2, 416
a; gewährschaft leisten,
to give security; gewährschaft fordern,
to demand security. Hilpert 2, 1, 462
b.
vgl.währschaft leisten.
bad. landrecht § 1725. 2@b@bβ)
von hier aus wird die begriffsbestimmung des substantivs in den wörterbüchern beeinfluszt. soweit diese nicht historisch zurückgreifen, beschränken sie sich auf den begriff der sicherheit und zwar meist in objectiver fassung: gewährschaft,
praestatio Steinbach 941; gewehrschaft
caution, garantie, cautio, auctoritas. nouveau dictionaire du voyageur (1703) 145; gewährschafft, gewähr, gewährung,
sicurtà, autorità, sincerazione, garantia, garanzia, la garantie, sureté. Rädlein 380
b; gewäre, gewärung oder gewärschafft,
a warranty. teutsch-engl. lexik. (1716) 770; gewehrschaft,
caution, garantie, cautio, auctoritas, cauzione, garanzia. Veneroni 75
a; gewährschaft, gewährung,
verzekering, verhooring. Kramer 2, 133
a; gewährschaft .. bürgschaft für die wahrheit oder sicherheit einer sache; ein grösztentheils veraltetes wort, wofür die gewähr üblicher ist. Adelung 2, 646;
vgl.gewähr,
gewährschaft bei Ebers (1802) 644
b; gewährschaft
bei Bailey-Fahrenkrüger 2, 396. 2@b@gγ)
im geschäftlichen verkehr machte sich jedoch noch länger die subjektive faszung geltend, die sich der bedeutung '
verantwortung'
nähert: in diesem augenblick war der bisherige rechnungsführer, als rentbeamter, von herzoglicher kammer an eine andere stelle befördert, und die beschwerliche arbeit, die alte rechnung abzuschlieszen, die gewährschaft los zu werden und einen neuen etat nebst rechnungsformular aufzustellen, blieb mir dem vorgesetzten. Göthe 32, 145 (
tag- und jahreshefte 1818); nach vielem hin- und herreden wurde beschlossen, die arbeit im abstreich zu versteigern und fünf jahre gewährschaft aufzudingen. Auerbach
neues leben 2, 69. 2@b@dδ)
dagegen bildet der in den wörterbüchern niedergelegte allgemeinere begriff der sicherheit den ausgangspunkt zu übertragener verwendung. 2@b@d@11))
absoluter gebrauch. 2@b@d@1@aa)) die kathedralkirche ist ein alter dorischer tempel. man hält sie, ohne genugsame gewährschaft, für jenen tempel der Minerva, der wegen reichthums und pracht so gerühmt worden. Göthe 37, 193 (
Hackert); dasz sie das herzliche lachen Kronauers für ewig verstummt hielt, muszte als gewährschaft gelten, dasz sie jeglichen gedanken an den besitz des nunmehr freigewordenen in sich ausgemerzt hatte. Auerbach
neues leben 3, 90: dies eben ist die bürgschaft ihrer dauer, ist die gewährschaft, die sie selbst sich giebt. Lingg 3, 110. 2@b@d@1@bb)) in seinem vaterlande wäre er zwar nicht turnierfähig gewesen, und hätte ihm da leicht begegnen können, mit spott und hohn auf die schranken gesetzt zu werden; in der ferne aber hielt es eben nicht schwer, unter der gewährschaft eines vollen beutels die konventionellen prärogative, welche der geburt ankleben, sich zuzueignen. Musäus
volksmärchen 2, 34
Hempel. 2@b@d@22))
relativer gebrauch: 2@b@d@2@aa)) über die lobpreisung der lebendigen oder ursprache als der einzigen gewährschaft fortquellenden volkslebens vergiszt er (
Fichte) oder will er nicht sehen, dasz ein volk mit dem ärgsten mischlingsidiom, das englische, sich die jahrhunderte hindurch im kräftigsten leben erhalten konnte. Immermann (
memorabilien) 18, 188. 2@b@d@2@bb)) bist mir ja recht und ich mag dein werden, aber eine gewährschaft muszt du mir geben von deiner treuen lieb'. bist ein flinker bursch; schlagst mirs ab, wenn ich ein edelweisz verlang' von der hohen wand herab? Rosegger
schriften des waldschulmeisters s. 172. 2@b@d@33))
als nachwirkung früherer bedeutungsmanigfaltigkeit (
vgl. 1, b)
darf vielleicht das folgende beispiel aufgefaszt werden, das nur gezwungen in den eben behandelten verwendungen seine erklärung findet: nach fol. e. liegen 1000 thaler sächs. währung als an ihn ausgezahlt in der gewährschaft der museumscasse. Göthe
briefe 21, 406 (
an Voigt, den 14
oct. 1810).