geturst,
getürst,
geturste,
adj. diese bildung ist später belegt als das substantiv, hat aber um so zähere lebenskraft. sie reicht mit zahlreichen verwendungen in das 16.
jahrh. herein, wo sie bei den Nürnberger schriftstellern, nicht aber bei Luther,
beliebt ist, der seinerseits thürstig
vorzieht (
s. getürstig).
mundartlich lebt unser wort mit abgeworfenem präfix noch fort. vgl. gedürst sp. 2055; gedörst
sp. 2032. 11)
die ältesten beispiele gehören der späteren geistlichen dichtung an: Petrus der grôze vurste wart dô vil geturste.
passional 169, 38
Hahn; die edeln unde die vursten, alsam die getursten an guten dingen sprachen do.
passional 195, 34
Köpke. 22)
die verbindung mit dem verbum substantivum, die bei dem synonymen geturstig (
s. d.)
als früheste verwendungsform in der umschreibung des lateinischen '
audeo, ausus sum'
auftritt, läszt sich für geturst erst in der übergangszeit zur neuhochdeutschen periode nachweisen. sie liegt verschiedenen belegstellen zu grunde, bei denen eine mundartlicher färbung den sachverhalt für den ersten blick verschleiert: dürr sein,
audere voc. rer. von 1429 Schmeller 1
2, 620;
für Matth. 22, 46 und keiner mocht im geantworten ein wort noch gedorst in fragen an dem tag füro
bei Koburger
hat die ältere bibel von Eggesteyn: noch was durfft in ze fragen an dem tag von deshin,
auch diese form ist jedenfalls miszverständlich aus durst
entstellt. in denselben zusammenhang gehört ein beleg aus der volkstümlichen sprache des 16.
jh.: ist der schiffman dan also gedorst, dasz er vor die scholdt schweren magh (
sie zur rechten zeit zu bezahlen), so solle der kommer (
beschlagnehmer seines schiffes) damit entschlagen sein.
weisth. 2, 316 (
von der unteren Mosel); von dem artikel ist keiner so torsch, öffentlich davon zu reden. Gmeiner
Regensburger chron. 3, 667. Schmeller 1
2, 623. 33)
bei den Nürnbergern, vor allem bei H. Sachs
ist unsere form ein beliebtes beiwort, das sich besonders im reime gerne einstellt; Hans Sachs
gebraucht es als adjectiv und adverbium. 3@aa) er tawert mich im hertzen mein, er ist gewest ein thewrer fürst für all ander kün und gedürst. H. Sachs (
fürst Wilhalm von Orliantz) 16, 61
Keller-Götze; schaw, das ist unser junger fürst gantz wolgestalt, kün und gedürst.
s. 67.
ebenso 94; auch wie Wilhalm, der junge fürst, so freidig, kühn und gar gedürst.
s. 97; dasz fort eîn keiser oder fürst wo der zu gäch, kühn und gedürst.
s. 304.
andere beispiele vgl. oben sp. 2055; heut hab ich gute brieff empfangen, mein herr werd kürtzlich her gelangen, vnd bringt mit jhm den jungen fürsten, frisch gsund, ein kecken vnd gedürsten weidlichen graden jungen herrn. Jacob Ayrer
comedia von zweyen fürstlichen räthen 2322
Keller. in der form getorst
liegt hier die berührung und mischung mit getrost
auszerordentlich nahe, und es ist wol möglich, dasz von den unter sp. 4551
angeführten beispielen einige hierher zu ziehen wären. 3@bb) Tacius, der Sabiner fürst, hat mir geschriben gar gedürst, und verheissen all gülden spangen die an der Sabiner arm hangen, dasz ich in sol zu nacht heint eben das capitolium auffgeben. H. Sachs (
Romulus und Remus) 20, 174
Keller-Götze; als Ulysses, der thewer fürst vor Troia handelt gar gedürst. 21, 132; wo nicht Pillero der trew fürst hett also weiszlich und gedürst solche mein urteil unterstanten. 16, 186; ains dages sie haimlichen fragt den ain studenten, das er sagt, was er doch geren essen wolt, derselbig sagt zu ir, sie solt erbis kochen mit einem speck; das wer für in das pest geschleck. den andren fragt sie auch gethüerst, der sagt ir: 'koch mir röselwuerst'! (
das pruedermues) 22, 433. 44)
zum mundartlichen fortleben des wortes sind mitteldeutsche und oberdeutsche belege zu verzeichnen. hierher gehört: dürst, türst,
m., eine art vermeintlichen gespenstes in einem walde; in Deutschland der wilde jäger genannt; Dürsten g'jág, Dürsten g'jeg, wilde jagd, wüthendes heer. Stalder 1, 329. gedorst
wird von Estor
der Teutschen rechtsgelahrtheit 3.
theil (1767)
im nachtrag 1409
als hessische redensart aufgeführt. Estor
sieht in unserem wort eine nebenform von getrost,
er belegt vor allem die verbindung getorst gehen,
kühne sein, vgl. Vilmar 76.