geturstiglich ,
adverb., jüngere bildung als das synonyme geturstlich (
s. d.).
das adverb erscheint zuerst bei Konrad von Würzburg
und zwar in der älteren vollen form getürsteclichen;
in der bibelübersetzung wird es —
namentlich mit abgeworfenem präfix —
mannigfach verwendet; von hier aus erlebt es sogar in der classischen litteratur des 18.
jahrh. eine vorübergehende auffrischung. 11) 1@aa) er was der jâre unmâzen alt und hete iedoch an im die maht, daz er getürsteclichen vaht und als ein helt sich werte. Konrad v. Würzburg
trojan. krieg 12266; von im wart er in alle wîs gerüemet an der selben stete, swenn er getürsteclichen tete. 61212;
vgl. mhd. wb. 3, 16
b. Lexer 1, 951.
nachtrag 205; des erschrachen die erzbischöf und pischof vast und getorsten dowider nicht gereden, wan einer, der war pischof ze Culients, .. der stunt getürstichlichen uf den heiligen taufstein und apelliert fur si alle. 1.
baierische fortsetzung der sächs. weltchronik, monumenta germ. vernacul. II, 329. 1@bb)
eine art von übertragung liegt bei Konrad von Würzburg
vor, der die im adverb. gekennzeichnete eigenschaft auf die denkungsart des freigebigen bezieht: sich hât mîn hort gemêret und ist gewahsen lange zît, swer under in den allen gît getürsteclichen sînen wec, der dunket mich frum unde quec und ist mîn kint von rechter art: swer aber mîne gülte spart und er belîbet milte vrî, der wizze, daz er niht ensî mîn sun von küniclicher ê. Konrad v. Würzburg
trojan. krieg 18569. 22)
audacter getürsteclich.
mitteld. vocabular. ex quo des 15.
jh. Diefenbach 60; ich loben dich daz du mit dinem inwendigen triben und jagen mit diner süssen gnad hütt die forchtsamen herczen gedürsteclich us lufent und us ruofftent den hailgen globen.
heiliggeistgrüsze (
handsch. 15.
jahrh.)
Holder Alemannia 4, 96; dannan stal er sich heimelich und fuor wider heim, und luot do den bischof von Tole für den bobest. der kam dar und verentwürte sich getorsteclich vor dem bobest, und satte sich wider den legaten zu kriegende. Closener
d. städtechroniken 8, 51; do daz kunig Adolf vernam, do samet er ein here .. und wolt den hertzog Obreht (
Albrecht) weren, daz er gen Mentze nüt enkeme uf den besprochen tag, und begegent ime zu Ulme bi der Tuonowe. do daz der hertzoge vernam, do zoget er gedursteclich gegen ime. 8, 59; Alexander .. fuor in eines botten wise zuom könige Dario und sprach zuo im: 'ich bin Allexanders öberster botte und bin zuo dir gesant, das ich dir sage, das du einen dag besprechest mit ime zuo stritende.' do sprach Darius: 'du redest gar gedürstecliche'. Königshofen
d. städtechroniken 8, 308; dise fabel leret die toren und die kranken, daz sie nit gedurstiglich understanden ze lauhen die wysen und die sterkern. Steinhöwel
Aesop 232
Österley. 33)
die präfixlose form. 3@aa)
in der bibelübersetzung: dô quam Jôsêph von Arimathîa ein edelir decuriô, der auch selbir was beitende gotis rîches, und her gînc în torsteclichen zuo Pilâtô und bat den lîcham Jhêsû. Beheims
evangelienbuch Marc. 15, 43 (
audacter introivit); und er gieng in turstich.
codex Teplensis; und er gieng ein dürstiglich zu Pilatum und iesch den leib Jhesus. Eggesteyn,
ebenso Koburger; dürstigklich
Augsburger bibel von 1487; der gieng thurstig hinein zu Pilato. Luther
in den älteren ausgaben (
später der wagts und gieng hinein); künlich Eck
und Dietenberger. — sie giengen durstiglich in die stat.
1. Mose 34, 25
bei Eggesteyn,
ebenso Koburger; namen .. ein jeglicher sein schwert, und giengen in die stad thürstiglich, und erwürgeten alles was menlich war. Luther.
hier wie in den anderen entsprechenden bibelstellen (
vgl. theil 2, 1755)
folgt ihm auch Dietenberger; Eck
verwendet andere synonyma, je nach dem zusammenhange, fraidiglich
in 1. Mose 24, 25, freventlich
in Hiob 12, 6. 3@bb)
in den wörterbüchern: dürstiglich, beherzt,
animose, magno animo Henisch 778; dürstiglich
audacule, präcipitanter Stieler 280.
die sammler des 18.
jahrhunderts gruben das adverbium wiederum aus den lectüren alter schriftsteller aus. so knüpft schon Pez
an die oben angeführte stelle aus Konrad von Würzburg
an (
trojan. krieg 61212)
vgl. Scherz 542.
näher lag noch Luthers
bibelübersetzung, von der namentlich die stelle 1. Mos. 34, 25
weiter wirkte. hiezu kam, dasz sich auch von durstig =
sitiens bedeutungen ableiten lieszen, die mit derjenigen unseres adverbiums zusammentreffen. hieran knüpft Wieland,
der das adverb im Oberon (6, 32 sie küszten sich .. so rasch, so durstiglich)
verwendet und dazu bemerkt: Luther gebraucht das wort dürstiglich in seiner übersetzung der bibel mehrmals, um den höchsten grad einer leidenschaftlichen begierde auszudrücken.
glossarium über die im Oberon vorkommenden veralteten oder fremden, auch neu gewagten wörter u. s. w. werke 23, 521.