gelächter,
n. risus, subst. verb. zu lachen. II.
Form und nebenformen. I@aa)
mhd. gelehter,
d. i. coll. zum einfachen lahter
n., das nhd. erloschen ist, ahd. lahtar,
auch noch hlahtar (
wie hlahhan
lachen),
ags. hleahtor,
altn. hlâtr,
noch dän. latter,
engl. laughter,
nhd. anfangs auch noch einfach lächter (
s. d.). I@bb)
bemerkenswert gelachter
eachinnus, risus, gelachter der verspottung
ostentus voc. inc. t. g 4
a,
in einem älteren druck glachter h 5
a,
d. i. wol jenes mhd. lahter
mit ge-
verstärkt. vergl. übrigens geläch, gelächer
und gelächt,
letzterem aber ähnelt gelechtert
Zimm. chron. 4, 611
a. I@cc)
bemerkenswert ist auch, dasz bei dieser fülle von oberd. formen die bildung im nd. und nl. fehlt, es heiszt mnd. lachinge,
dagegen ist das mnd. und mnl. lachter
vielmehr nebenform von laster,
s. Sch.
u. L. 2, 610
a,
wo beide handschriftlich tauschend erscheinen, wie doch mhd. lahter
und laster
gleichfalls Trist. 86, 11,
myst. 1, 536,
vgl. u. II, 1,
d. IIII.
Bedeutung und gebrauch. II@11)
als subst. verb. zu lachen
überhaupt. II@1@aa)
auch das stille lachen mit den mienen heiszt ursprünglich so, wie folg. bezeugt: der erben zeher sind under der klagkappen (
die das gesicht verhüllte)
ein gelechter .. also schlagen die erben darumb ein hültuoch umb sich, das man ir gelechter darunder nit sehe.
Frank spr. 1, 47
b.
vergl. mhd. ein lachen
das man siht (
nicht '
hört') Walther 120, 5. II@1@bb)
gewöhnlich doch das laute lachen, laut gelechter
cathinus (
so)
voc. 1482 s 4
a,
das lauteste auch ein grosz gelächter
cachinnus, solutus risus Dasyp. 370
d,
risus effusus Maaler 165
a (
vgl. ein grosz geläch, gelächer,
cachinnus): darnach hueben sie in (
den im turnier entsattelten und gefährlich gestürzten) auf das pfert, wagen im allererst den spiesz aus der tartschen, und als meniklich sach, das im nichts gebrach, wart ein grosz gelechter und reden davon.
Wilw. v. Sch. 47,
jetzt schallendes gelächter. II@1@cc)
es heiszt ein gelächter aufschlagen, erheben, ausheben
u. ä.: der narr erhebt
sein stimm mit gelächter, ein weiser aber lachet kaum stillschweigend.
Zürcher bibel (1530) 639
a,
eccles. 21, 29,
vulg. fatuus in risu exaltat vocem suam (Luther lachet über laut); hat
d. Martinus etliche sprüche aus der heiligen schrift gefürt. da hat der legat (
Cajetan) das gelechter ausgehabt und gesagt loquitur de fide generali. Luther 1, 110
b,
doch wol zu ausheben; hierüber erhub sich bei allen anwesenden ein solch gelächter.
Simpl. 1, 123
Kz.; einen fehler! wiederholte der junge geck, indem er ein lautes gelächter aufschlug. Wieland
Abd. 1, 81;
ungewöhnlich blosz schlagen: wenn diese leiche lachen könnte, traun, sie würde plötzlich ein gelächter schlagen, dasz wir sie so zerschneiden und beschaun, dasz wir die todten um das leben fragen. Lenau 2, 4 (
Faust 11). ein gelächter anrichten,
movere risum Maaler 165
a,
auch machen,
die leüt zuo lachen machen das.; auch mit dat. der person: wer ist, der höhnisch murrt und dort im winkel lacht? Thalia? ja du bists. hervor, und lasz dich hören! warum dir der entschlusz (
von mir) so ein gelächter macht? Günther 527. ein gelächter treiben (
vgl. sein g. treiben
u. d a. e.): ihr, ihr süszen zuckermägdchen, ihr, ihr zärtsten Pindustöchter, seid nicht wie die andern jungfern, die da treiben ein gelächter, wann ein haarbereifter buler .. ihnen anstimmt seine leier. Logau 3, 5, 77; disz brod erquicke die, so das geheimnis gläuben, hergegen schreck es die, so ein gelächter treiben. Chr. Gryphius
p. w. 1, 92. II@1@dd)
das ist ein spottendes gelächter, ein auslachen, spotten ist nüt anderst weder ein unordeliche red .. in gelechters weis. Keisersb.
sünden d. m. 43
b.
dazu ein gelächter aus etwas machen,
auch sein gelächter: der pfarrer machte ein gelächter daraus und sagte zu uns beiden, es gezieme sich nicht, an einem so heiligen ort einander waarzusagen (
die wahrheit zu sagen, spottend).
Simpl. 1, 236
Kurz; welchs an dir rech herr Jesu Christ, das du sein wort verachst, verlachst und daraus dein gelechter machst. Fischart 1, 129
Kurz. auch sein gelächter treiben, führen, haben aus
oder über
etwas, wie seinen spott, spasz
u. ä.: wurden also aus dieser lere viel guter grober gesellen, die schlecht nichts von der auferstehung ... gleubten, und nur ir gelechter draus trieben. Luther 6, 209
a; der scherz und das gelächter, das die personen dieses possenspiels (
von Menantes) über Werniken führen, ist dem stande des niedrigsten pöbels gemäsz. Bodmer
zu Wernike s. 8; wie schlecht sein unartiges verlangen andern .. gefallen habe, konte ich daraus schlieszen, dasz sie unter einander über diesen grobian (
im theater) ihr gelächter hatten. Gottsched
vern. tadl. 1, 131.
daraus begreift sich der mhd. tausch zwischen lahter
gelächter und laster,
d. i. tadel, lästerung (
ahd. lahan
vituperare),
s. u. I,
a. e., es bleibt dabei noch zu untersuchen. II@1@ee)
aber auch gelächter
der freude: sît wir sehen daʒ daʒ herze von irdischer vreude und von tôrheit sô grôʒe vreude gevâhet, daʒ eʒ sich lahters (
var. gelächters,
lasters) niht erwern kan unde kachens und anderr ungebærde.
myst. 1, 336; ein tempelgelechter, des passions glechter, eins alten mans gelechter Frank
spr. 1, 45
b unter seltnen oder unfindbaren dingen; gibts (
in der liebe) einmal ein gelächter ab, so folgen drauf tausent seufzer. Albertinus
narrenhatz 302; verkehrend meine klag, streit, laid in ein gelächter, fried und frewd. Weckherlin 134 (
ps. 30, 14); wer auf übrig reichthum tracht, der wird sonsten nichts erstreben, als dasz er noch bei dem leben ihme selbst ein täglich sterben und hernachmals seinen erben ein gewüntscht gelächter macht. Logau 1, 2, 45; o welch ein gelächter der freude belebt rund um mich das land. E. v. Kleist 2, 8.
selbst im pl., neben thränen: sollten einige an der betschwester
u. s. w. tadeln, dasz sie eher mitleidige thränen, als freudige gelächter erregten, so danke ich ihnen zum voraus für einen so schönen vorwurf. Gellert 3, viii,
lustspiele 1748
vorr. a. e. II@1@ff)
auch bildlich, z. b. vom schall des wogenschlags: dem fels Homers, der mythen grauem wächter, tönt mit des meers unendlichem gelächter sein lied. H. Lingg
ged. 2, 318.
ähnlich ags. hleahtor
anprallender eisschollen Grein 2, 82. II@22)
auch der gegenstand oder anlasz des lachens oder auslachens heiszt selbst gelächter,
wie das schon u. 1,
d und e mehrmals anklingt, manche wendungen stehen scharf auf der scheide beider auffassungen. II@2@aa)
so auch von freudigem gelächter: das dem armen ein gelächter und kler meientouw wäre, das kätzert und marteret den weichen rychen über die masz. S. Frank
spr. Zürich (1545) 2, 110
a; und ist leichtlich zu rechen, das solch verjagen ewrem fleisch und blut kein seitenspil noch gelechter gewesen sei und noch kein lust noch freude ist. Luther 6, 11
b; seid lustig, seid lustig, sprach Marcus, ihr kinder! seid lustig, wie ich euer vater nicht minder! ey vater, ey wisset, das beste gelächter ist, dasz ihr uns männer gebt, sprachen die töchter. Logau 1, 10, 38. II@2@bb)
von spott und auslachen: aus dem schutz oder verteidigung des ablas ward ein gelechter und spot. Luther 1, 146
b (
Dietz 2, 60
a); das sie sehen, das sein (
gottes) wort und drewen (welchs sie für lauter gelechter halten) war sei. 5, 533
b; und zwar auch viel unter unsern leuten bereit solche weisheit gelernet haben, das sie es (
das wort des glaubens) für eitel gelechter halten. 6, 64
a; das war den frawen nur ein glächter. H. Sachs 1 (1590), 388
a; Homer war seiner zeit (
dat.) ein schändliches gelächter. Günther 588. II@2@cc)
so noch jetzt zum gelächter, zum allgemeinen gelächter werden,
von menschen und dingen, zum gelächter machen,
dem gelächter preis geben, wie zum gespött
u. ä.: o wer doch sein verdienst erforschte, eh er durch bettelstolz sich zum gelächter macht. Lichtwer
fab. 2, 8; noch bin ich (
könig Philipp). habe dank, natur! ich fühle in meinen sehnen jünglingskraft. ich will ihn (
Posa) zum gelächter machen. Schiller V
2, 434; sie wollten vielleicht nur einen groszsprecher zum gelächter machen. IV, 209; ich werde das gelächter aller jungen männer. Gutzkow
ritter v. g. 4, 418.
auch lat. risus
so. II@33)
bemerkenswert hülzen gelächter. II@3@aa)
es heiszt so seit dem 16.
jh. ein tonwerkzeug (
folg. mit beisteuern von R. Köhler): das hölzene gelächter,
baculi in stramine jacentes symphoniaci, sonst auch strohfiedel. Frisch 1, 562
b.
so noch in Österreich: bei ihren familienconcerten, hiesz es, spiele der kaiser (
Franz II.) die holzfidel, die in Wien das hölzerne gelächter genannt wird, und seine gemahlin die baszgeige. Schlosser
gesch. d. 18.
jh. (1856) 5, 349.
im 16.
jh. zur fasnacht, vom fasnachtkrämer, bei dem man sich für das fest versorgte, heiszt es: der kramer hat vil seitenspil .. ein sackpfeif und ein pfannenstil .. ein lauten die kein seiten hat, darzuo ein hülzen glechter, darbei ein khorn ser wol stat. Uhland
volksl. 639,
bergreien nr. 13, 9, Mittlers
volksl. nr. 1386, 9;
aber auch im kath. gottesdienst: welches warlich so abschewlich zu hören ist, das es alle alleluia, orgel, pfeifen, posaunen und hölzin gelächter durchs ganz jar eim in der kirchen erleiden solt. Fischart
bien. 45
b (
nicht bei Marnix); mit orgeln und mit vogel gschrei, mit trommen, pfeifen mancherlei ... hülzen gelechter und drommeten, schalmeien, fleiten, als von nöten zuo solchem gots dienst selbs erdicht. Schade
sat. u. pasqu. 2, 233.
im 17.
jh.: nahm vom tisch drei löffel zwischen die finger und fing mit der andern hand darauf an ein dänzl zu schlagen, des thons ungefährlich wie ein hilzes gelächter. Ulenhart
Winkelfelder Augsb. 1617
s. 339, hülzens gelächter
Nürnb. 1656
s. 187; bei einem meister (
in Bologna i. j. 1695), der von erden in dem ofen, wie die haffner, die instrument machte, wie die, welche wir hölzene gelächter nennen, sie haben einen lieblichen thon. J. Bächtold
der minorit Georg König von Solothurn s. 26. II@3@bb)
auch als spiel, in Fischarts
spielverzeichnis: schachzabel, wolfszagel, hölzin gelächter.
Garg. 168
d (
Sch. 310
a hölzlin gelächter),
es ist vielleicht wie bei Ulenhart
vorhin. vgl. übrigens gelächterspiel. II@3@cc)
aber auch von wirklichem gelächter: höltze (
so) gelächter,
ligneus risus Maaler 165
a,
nach Frisius 1162
a; ein hölzernes gelächter,
risus insulsus, ligneus, insipidus. Aler 876
a,
und noch in Tirol ein hülzernes glachter,
gelächter ohne besondere veranlassung Schöpf 357,
wonach dann die strohfidel benannt sein wird, lustig klingend ohne gehalt.