lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

Geistliche

mhd. bis spez. · 6 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Wander
Anchors
7 in 6 Wb.
Sprachstufen
5 von 16
Verweise rein
23
Verweise raus
16

Eintrag · Wander (Sprichwörter)

Geistliche

Bd. 1, Sp. 1453
Geistliche 1. Die Geistlichen können ihre erste Predigt, die abgedankten Minister ihren frühern Einfluss und die Weiber ihre Hochzeitnacht nie vergessen. 2. Die Geistlichen sollen bei ihrer Bibel bleiben. – Pistor., I, 29; Simrock, 3192. Will sagen, sie sollen sich nicht in Regierungsangelegenheiten mischen, weil sie da in der Regel mehr verderben als gut machen; sie sollen sich vielmehr dem Studium der Bibel widmen, wobei es wol der Volksbildung nicht schaden wird, wenn sie sich mit den Fortschritten der Naturwissenschaften in Bekanntschaft erhalten. Bunsen (Die Verfassung der Kirche der Zukunft) hält Theologen für einseitige und befangene Geschäftsmänner. Namentlich das Recht, meint er, hätten selbst die weisesten und besten Geistlichen verdorben. (Vgl. Die Epigonen, Leipzig 1846, I, 208.) Und Dupin sprach am 19. März 1844 in der französischen Deputirtenkammer den Wunsch aus: »Möge sich die Geistlichkeit in der himmlischen Sphäre, in die sie sich setzt, bewegen.« (Schles. Zeitung, 1844, S. 649.) 3. Die Geistlichen tragen kleine Kreuzlein hintennach, der Gemeine die grossen voran. 4. Die (römischen) Geistlichen wollen wol eigen Gut haben, aber nicht eigene Weiber. – Welt und Zeit, V, 77, 17. 5. Die gelehrtesten Geistlichen sind nicht immer die besten Seelsorger. Frz.: Les meilleurs clercs ne sont pas les plus sages. (Leroux, II, 93.) 6. Ein Geistlicher zehntet den andern nicht aus. Lat.: Clericus clericum non decimat. (Philippi, I, 85; Faselius, 46; Wiegand, 28.) 7. Geistliche können mit ihren langen Mänteln viel Dings bedecken. – Schuppius. So bedeckten sie damit in den Südstaaten der nordamerikanischen Union das Institut der Sklaverei; denn die meisten Sklaven gehörten gerade den Geistlichen der verschiedenen Sekten, und zwar um das Jahr 1855 zusammen 660562, die meisten, nämlich 212565, den Methodisten. (Ausland, 1856.) 8. Geistliche reinigen das Gewissen, Aerzte den Leib, Juristen den Beutel. – Sailer, 135. 9. Geistliche spielen gern die erste Geige. Einer der Beschlüsse des Concils zu Troyes im Jahre 877 lautete: »Die weltlichen Machthaber sollen sich in Gegenwart der geistlichen nicht eher niedersetzen, als diese es verlangen.« (Wagenseil, Aehrenlese, Altenburg 1832, 71, 132.) 10. Mancher wird ein Geistlicher genennet, der wol Pharisäer heissen könnte. – Opel, 376. 11. Wenn die Geistlichen reisen, so regnet es. – Erklärung, 3; Tenzel, Monatliche Unterredungen (1690), 1058 fg. Man hat dies Sprichwort auf doppelte Weise zu erklären versucht. Einmal soll es daher entstanden sein, dass in den Gegenden, wo die Geistlichen den Zehnten einsammelten, sie gewöhnlich die Zeit wählten, in der es regnete oder Regen zu erwarten war, um die Bauern, die bei schöner Witterung mit Feldarbeiten beschäftigt sind, desto sicherer zu Hause zu treffen, was leicht zu bemerken war und zur Entstehung des Sprichworts veranlassen konnte. Nach einer alten böhmischen Chronik oder Historie von Joh. Dubrow soll aber das Sprichwort einen historischen Entstehungsgrund haben. Dort wird nämlich erzählt, dass der Bischof Adalbert von Prag wegen vieler Verdriesslichkeiten, die man ihm bereitet, sein Amt niedergelegt und sich nach Rom gewandt habe. (Vgl. Hartknoch's Preuss. Kirchenhistorie, Bd. 1, Kap. 1, S. 13 fg.) Als indess sein Nachfolger am Altar umgebracht worden war, hatten die Böhmen eine doppelte Gesandtschaft an den Papst geschickt, den Adalbert zurückerbeten und auch erhalten. »Adalbert«, erzählt der Chronist weiter, »zog mit sieben Mönchen in Böhmen ein. Plötzlich aber ward die grosse Dürre, welche das Land bisher geplagt hatte, durch einen so starken Regenguss vertrieben, dass viele Oerter überschwemmt wurden. Dies schrieben einige der Gottesfurcht der einziehenden Geistlichen zu, andere aber legten es ihnen zum Spott aus. Daher soll das obige Sprichwort unter den Böhmen entstanden sein.« Die Holländer sagen: Geestelijken aan boord geven lange reizen. (Harrebomée, I, 212.) 12. Wenn die Geistlichen zu weltlichen Sachen rathen, die Soldaten stets sieden und braten und die Weiber führen das Regiment, so nimmt es selten ein gutes End'. – Parömiakon, 2723. 13. Wenn ein Geistlicher stirbt, so hinterlässt er eine Stube mit Kindern und einen Karren voll Bücher. – Kirchhofer, 219. 14. Wenn Geistliche und Weltliche nicht an einer Stange tragen, so gibt's schele Augen. 15. Wer ein geistlicher soll werden, der gibt keinen Soldaten. – Lehmann, 129, 11. 16. Er ist ein Geistlicher, wie der Teufel ein Apostel. – Schuppius. [Zusätze und Ergänzungen] 17. Der Geistlichen Bart ist süss, bekommt aber sehr übel. – Frischbier, II, 430. 18. Die Geistlichen sagen: Gebet den Armen, aber nicht: wir wollen den Armen geben. (Kamnitz.) 19. Die Geistlichen segnen sich zuerst. 20. Die Geistlichen werden bezahlt für das Predigen, nicht fürs Thun. – Freybe, 196. 21. Ein Geistlicher bei Hofe ist wie ein Fisch auf trocknem Lande. – Harssdörffer, 542. 22. Ein Geistlicher ohne Frömmigkeit ist wie ein Haus ohne Thür. – Harssdörffer, 475. 23. Wir Geistlichen, segget de Gottesworts Handlanger1. (Pommern.) 1) D.i. Küster, der sich mit zur Geistlichkeit rechnet.
5119 Zeichen · 104 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    geistlîcheadv.

    Findebuch (Mhd. Wortschatz) · +2 Parallelbelege

    geistlîche adv. RWchr. LvReg. DvAPat. SGPr. SHort HvBurg. Apk. Eckh.i-iii,v Parad. STheol. KvHelmsd. JvFrst. Tauler s.u.…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Geistliche

    Goethe-Wörterbuch

    Geistliche kirchl Seelsorger, Priester, Pfarrer, auch für Ordensmann u kirchl Würdenträger; vereinzelt in einer nichtchr…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Geistliche

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Geistliche . Alle christlichen Kirchenparteien, ausgenommen die Wiedertäufer, Quäker und Darbysten (s. d.), stimmen dari…

  4. Sprichwörter
    Geistliche

    Wander (Sprichwörter)

    Geistliche 1. Die Geistlichen können ihre erste Predigt, die abgedankten Minister ihren frühern Einfluss und die Weiber …

  5. Spezial
    Geistliche

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Geist|li|che m. (-n,-n) 1 prou (proi) m. 2 (Pfarrer) ploan (-s) m.

Verweisungsnetz

34 Knoten, 35 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 4 Kompositum 27 Sackgasse 3

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit geistliche

19 Bildungen · 16 Erstglied · 3 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von geistliche 3 Analysen

ge- + ist + -lich + -e

geistliche leitet sich vom Lemma ist ab mit Präfix ge-, mit Suffixen -lich und -e.

Alternativen: geist+-lich+-e geistlich+-e

Zerlegung von geistliche 2 Komponenten

geist+liche

geistliche setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

geistliche‑ als Erstglied (16 von 16)

gêⁱstlĩchêⁱt

MNWB

geistlich·eit

gêⁱstlĩchêⁱt , f. , 1. das geistliche Sein, Leben , Mönchsleben. 2. Frömmigkeit. 3. Geistlichkeit , Gesamtheit der Geistlichen ( „ alse möne…

geistliche als Zweitglied (3 von 3)

Landgeistliche

Adelung

landgeist·liche

Der Landgeistliche , des -n, plur. die -n, ein Geistlicher auf dem Lande; zum Unterschiede von einem Stadtgeistlichen.

Ordensgeistliche

Adelung

ordensgeist·liche

Der Ordensgeistliche , des -n, plur. die -n, ein Geistlicher, so fern er zugleich ein Glied eines geistlichen Ordens ist, in der Römischen K…

Privatgeistliche

DRW

privatgeist·liche

Privatgeistliche, m. Priester, der keiner geistlichen Korporation angehört diejenigen güter und einkömbsten, so ein oder ander closter, stif…