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Galeere

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Meyers
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10 in 10 Wb.
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Galeere

Bd. 7, Sp. 264
Galeere, das Ruderkriegsschiff des Mittelalters, besonders im Mittelmeer (s. Tafel »Schiffstypen I«, Fig. 3 u. 4). Das 1 m über Wasser liegende Deck trug eine Reihe Ruderer an jedem Bord, zur Verstärkung eine zweite Reihe Leute weiter innen, darauf eine dritte etc. bis zu acht Reihen. In den Chroniken heißen Galeeren mit drei Reihen von Ruderknechten auf jeder Seite triremes, mit vier Reihen quadriremes. Es gab zwei Hauptsysteme von Galeeren, alla scaloccio und alla zenzile. Bei dem erstern stand die Bank, worauf die drei oder vier Ruderer saßen, genau quer zur Kielrichtung, und alle drei oder vier Mann handhabten gemeinsam den langen Griff eines sehr langen Ruders. Bei den Zenzile-Galeeren stand jede Bank, auf der die drei oder vier nebeneinander sitzenden Ruderer saßen, nicht genau quer, sondern ein wenig schräg, mit dem innern Ende etwas mehr nach vorn geschoben, so daß jeder Mann etwa 15 cm weiter nach vorn saß als der nächst äußere. Hier handhabte jeder Mann ein besonderes Ruder, dessen Innenbordteil, wie die Gesamtlänge, um so größer war, je weiter der Mann nach innen saß. Die Galeeren hatten langen, schmalen Bau (35–45 m Länge, Verhältnis der Breite zur Länge wie 1: 7–8), geringen Tiefgang und meist rein lateinische Takelung, zwei bis fünf kurze Masten mit je einer langen, oft aus zwei Stücken zusammengesetzten, schräg gestellten Rute (lateinischen Rahe), die ein dreieckiges Segel trug. Neben dem Top war ein »Mastkorb« in Form eines Trinkbechers für den Ausguck und die Scharfschützen gehängt. Der Achtersteven war, wie der Vorsteven, stark gekrümmt, das Steuerruder hatte Sichelform. Über das Heck lud eine im Grundriß viereckige, nach hinten schmälere Galerie weit nach hinten hinaus und trug die »Hütte« für den Kapitän. Der Raum unter Deck war in Kammern für Ausrüstungsstücke und Vorräte geteilt. Über das ganze Deck bis zum Vorschiff lief ein Gang zwischen den Ruderbänken, auf denen die Ruderer, mit dem Gesicht nach dem Hinterschiff, angefesselt und meist nackt saßen. Auf jeder Seite des Schiffes lief ein starker Baum, die Apostis, längs des ganzen Ruderwerkes dahin und diente den Rudern als Hebelstützpunkt beim Rudern, als Auflagepunkt, wenn sie beim Segeln wagerecht gelegt waren. Da, wo die Ruderbänke nach dem Vorschiff hin endigten, zog sich in spätern Zeiten, als die Galeeren mit Geschütz bewaffnet waren, über das Schiff eine hölzerne mannshohe Querwand mit Geschützpforten. Später erhielten die Galeeren auch auf den Flanken kleine Geschütze, meist Drehbassen. Das Deck war vorn und hinten von Ruderbänken frei und, wie der Gang, für die Seesoldaten bestimmt, denen man zuweilen hölzerne Kastelle errichtete. Vom Vorsteven lief etwa 1 m über Wasser nach vorn ein bis zu 6 m langer hölzerner Schnabel, mit dem man im Gefecht den Gegner anzurennen suchte. Die Taktik der Galeeren, seitdem sie Geschütze führten, war durch deren Bugaufstellung bedingt: sie drehten dem Feinde stets ihre Vorderseite zu und kämpften in Dwarslinie (nebeneinander), waren dabei oft in mehreren Reihen (Treffen) hintereinander aufgestellt. Beim Nahkampf diente der lange Schnabel als Rammsporn und Enterbrücke, worauf die Soldaten das feindliche Schiff zu entern suchten. Die einzelnen Arten der G. stammen von der byzantinischen Galaia des Kaisers Leo des Taktikers, einem kleinen Fahrzeug der Dromonklasse (s. Dromones) mit Einer Ruderreihe ab. Die Galeeren führten meist 24–26 Ruder auf jeder Seite. Jedes Ruder wurde in der besten Zeit von 4–5 Mann bedient. Die Bemannung bildeten außer den Truppen und einigen Seeleuten der Kapitän, der Profos, der die Polizei an Bord handhabte, seine Knechte, welche die Ruderer fesselten und losmachten, der Comite, der das Ruderwerk kommandierte, seine beiden Sotto comiti, die mit Knütteln vorn und in der Mitte des Schiffes standen, und die Rudermannschaft. Letztere zerfiel in drei Klassen: Sträflinge, kahl geschoren und stets angekettet, Sklaven, d. h. kriegsgefangene Türken, Mauren oder auch fremde Christen, an kleinem Haarbüschel kenntlich; endlich Freiwillige, entweder frühere Sträflinge oder Vagabunden etc. Die Freiwilligen trugen Haar und Bart voll. Das Rudern war äußerst anstrengend, mußte aber, wenn auch gewöhnlich nur ein Drittel der Leute arbeitete, doch viele Stunden fortgesetzt werden. Wie die Galeeren gebaut und eingerichtet waren die Galeassen (Galiassen, ital. galeazza). Sie waren schon im 16. Jahrh. in Venedig neben den Galeeren als Kriegsschiffe im Gebrauch, 50–60 m lang und 7–8 m breit und beträchtlich hochbordiger als die Galeeren, mit 31 (selten nur 28) Rudern jederseits, die von 7–8 Mann bewegt wurden, und meist mit drei Masten, deren jeder ein großes lateinisches Segel führte. Die Galeasse hatte viele Geschütze. In der Schlacht bei Lepanto (7. Okt. 1571) kämpften auf christlicher Seite 6 Galeassen und 207 Galeeren, außerdem 30 Gallionen; die Anzahl der Galeassen zu den Galeeren war in allen Schlachtflotten klein, sie dienten meist als Führerschiffe. Die letzten Galeassen traten 1588 in der Armada Philipps II. als hochbordige Seeschiffe, mit Türmen im Vorschiff, auf. Die Galeoten (Galioten) waren leichte, kleine, schnelle Galeeren. Gewöhnlich führten sie bei 16–17 Ruderbänken auf jeder zwei Mann, die größern bei 17–23 Ruderbänken auf jeder drei Mann, und liefen trotz der geringen Ruderzahl doch sehr schnell; oft führten sie nur einen Mast. Ihr Name ist jetzt auf Fahrzeuge andrer Art übergegangen, wie auch der der Galeasse (s. Galjaß und Galjot). Noch kleinere galeerenartige Fahrzeuge waren die Felucken mit 6–10 und später auch 12 Rudern auf jeder Flanke, die von 3–5 Mann bewegt wurden, leicht, ohne Deck gebaut und oft mit einem, später gewöhnlich mit zwei nach vorn geneigten Masten und je einem lateinischen Segel daran, bei den Korsaren beliebt und sehr schnell (s. Felucke). In späterer Zeit führten sie leichte Geschütze, vorn zwei kleine Kanonen, auf den Flanken Drehbassen; diese Felucken besaßen einen Schnabel, und ihr stark gebauter Rumpf hatte etwa 16 m Länge bei 4 m Breite. Im Deck war für jeden Ruderer eine Luke ein gebrochen, auf deren Rand er saß: er hatte also seinen Sitz auf dem Deck selbst, nicht auf einer Bank. Die ebenfalls wie Galeeren gebauten Tartanen (s. Tartane) führten mehrere Segel. Vgl. Fincati, Le Triremi (2. Aufl., Rom 1881); Serre, Les marines de guerre de l'antiquité et du moyen-âge (Par. 1885); Breusing, Die Lösung des Triërenrätsels (Brem. 1889).
6435 Zeichen · 62 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Galêêre

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Die Galêêre , plur. die -n, eine Art Schiffe mit niedrigem Borde, welche zwey Maste führet und durch Ruder fortgebracht …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Galeere

    Goethe-Wörterbuch

    Galeere in ‘Vereitelte Ränke’ -lere a (zur Kriegführung bestimmtes, oftmals schwerbewaffnetes) Ruderschiff (mit zwei Seg…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Galeere

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Galeere , 130—140' langes, 16 bis 20' breites Fahrzeug, mit 2 Masten, dreieckigen Segeln, mit 25 Rudern an jeder Seite, …

  4. modern
    Dialekt
    Galee(re)

    Rheinisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Galee(re) galē:  u.  Saarbr , Ottw , Birkf , Simm ; -le·i. Merz , Saarbg ; -lī: Bitb , Trier , Wittl , Bernk , Zell …

  5. Spezial
    Galeere

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Ga|lee|re f. (-) 1 porjun (-s) f. 2 ‹pop› büsc m.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit galeere

13 Bildungen · 11 Erstglied · 2 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von galeere 2 Analysen

gale + -er + -e

galeere leitet sich vom Lemma gale ab mit Suffixen -er und -e.

Alternativen: galeeren+-e

Zerlegung von galeere 2 Komponenten

gale+ere

galeere setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

galeere‑ als Erstglied (11 von 11)

galeerenanker

DWB

galeeren·anker

galeerenanker , m. ein auf den galeeren üblicher anker, aus einem stücke geschmiedet. Adelung. galeenanker M. Kramer.

galeerenarbeit

DWB

galeeren·arbeit

galeerenarbeit , f. strafarbeit auf den galeeren: so zu leben, das ist galeerenarbeit. Rabener 6, 188 .

galeerenbube

DWB

galeeren·bube

galeerenbube , m. wie galeenbube: der galerenbube, ein mit ketten geschlossener ruderknecht auf den galleyen. Ludwig 684 .

Galeerenosen

Meyers

galeere·nosen

Galeerenosen , ein langer Ofen mit einem durch gehenden Feuerkanal und mit einer Feuerung an einem und einem Schornstein am andern Ende. Zu …

galeerensclave

DWB

galeerensclave , m. ein zur sclavenarbeit auf den galeeren verurtheilter. Adelung. Göthe 9, 241 .

Galeerensklave

GWB

galeeren·sklave

Galeerensklave einmal Bindestrichschr [ Tasso: ] Die Menschen kennen sich einander nicht; | Nur die G-n kennen sich, | Die eng an Eine Bank …

Galeerensklaven

Meyers

galeeren·sklaven

Galeerensklaven ( Galeerensträflinge ) hießen die vordem auf den Galeeren (s. d.) zum Rudern verwendeten Verbrecher; bei den Türken die hier…

galeere als Zweitglied (2 von 2)

Bastard-Galeere

Adelung

bastard·galeere

Die Bastard-Galeere , plur. die -n, eine Galeere, welche größer ist, als die gewöhnlichen, und ein breites Hintertheil hat.

Halb-Galeere

Adelung

halb·galeere

Die Halb-Galeere , plur. die -n, ein Nahme, der in verschiedenen Ländern, z. B. im Rußland, denjenigen Galeeren beygeleget wird, welche klei…