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fusel

nhd. bis sprichw. · 14 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
17 in 14 Wb.
Sprachstufen
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

fusel m.

Bd. 4, Sp. 961
fusel, m. 11) geringer brantwein, gemeiner brantwein. früher, ehe man allgemeiner brantwein aus kartoffeln brannte, wird mit fusel nur der geringe oder gemeine kornbrantwein bezeichnet, und so geben den begrif noch Adelung, Campe und selbst der spätere Heinsius. dagegen hat Heyse, wie auch schon im jahre 1793 Voigtel in seinem versuch eines hochd. handwörterbuches, gröstentheils einem auszuge aus Adelung, richtiger die umfassendere erklärung schlechter brantwein. aufgekommen scheint das wort in der ersten hälfte des 18. jahrhundert und Richey 67 führt es aus der hamburgischen mundart an. der erste, der es in das deutsche wörterbuch aufnahm, war Adelung, und dies geschah 1775. er gibt dabei an, dasz es in dem gemeinen leben Ober- und Niedersachsens üblich sei, aber es kommt auch im westfälischen (Strodtmann 63. 356a), im pommerschen und rügischen (s. Dähnert 139), in Ostpreuszen (Hennig 77), livländ. und estländ. (Hupel 71) so wie in andern gegenden vor. was seinen ursprung betrift, so scheint es eine unter dem volke aufgekommene benennung, ein eigentliches volkswort, vielleicht abgeleitet von fuseln, in so fern dieses übereilt und schlecht arbeiten bedeutet, wozu auch Schmeller 1, 571 fusel gehören lassen möchte. die eigentliche bedeutung würde hiernach schlecht bereiteter brantwein sein. an ableitung von straszburg. fûs, rausch (Arnold pfingstmontag 120. 191), zu denken, ist schon darum nicht zulässig, weil dieses wort nd. nicht vorkommt. entlehnt wurde fusel ins neuniederl., wo man, da man u durch oe bezeichnen musz, foezel schreibt. die älteste schriftstelle, überhaupt der älteste beleg für das wort ist: jedoch der secundant war ein ehrlicher kerl und hielt sein wort, hergegen gieng mir Bambo, der eine gar zu starke dosin von couragewasser oder fusel zu sich genommen haben mochte, gantz desperat zu leibe. Felsenburg 3, 458. später kommt es mehr vor: weil um diese stunde der kriegsmann seine streu verläszt, und als ein treuer brantweinkunde das letzte geld für fusel fliegen läszt. H. L. Wagner confiskable erzähl. 15; plumps wirft ihn der fusel zu boden und singt ihm das schlummerlied. Heinr. Voss an Jean Paul 63; ein rittergutsbesitzer handelt ohne befleckung seines wappens mit schweinen und fusel. J. Paul Nepomukkirche 130. livl. und estl. wird noch im besondern schlecht zubereiteter deutscher brantwein fusel genannt (Hupel a. a. o.), ein zeichen, dasz dieses wort aus Deutschland nach den russischen Ostseeprovinzen mit dem geringhaltigen brantwein einwanderte. in der chemie versteht man unter fusel das während geistiger gährung nebenbei sich bildende flüchtige erzeugnis, wovon der durch jene hervorgebrachte weingeist einen beigeruch und beigeschmack erhält. 22) schlechte sorten von allerlei dingen. pommerisch und rügisch, s. Dähnert a. a. o. 33) bair. auch schlechter tabak. wol nach bair. tabak trinken, ihn rauchen. Schmeller 1, 571. 422. 493.
2922 Zeichen · 51 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Fusel

    Adelung (1793–1801) · +6 Parallelbelege

    Der Fusel , des -s, plur. inus. im gemeinen Leben Ober- und Niedersachsens eine Benennung des gemeinen und schlechten Ko…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Fusel

    Goethe-Wörterbuch

    * Fusel minderwertiger Branntwein Gespr(He2,599) Riemer 1808/10 Rüdiger Welter R. W.

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Fusel

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Fusel , flüchtiges Oel, das sich bei der geistigen Gährung des Weins und der Branntweinmaische (besonders aus Kartoffeln…

  4. modern
    Dialekt
    Fusel

    Elsässisches Wb. · +5 Parallelbelege

    Fusel [Fùsl Co. ; Fysl Kerzf. ; Fýsl Molsh. ] m. geringer, schlechter Branntwein. Syn. Holzspalter, Tapete n v er risser…

  5. Sprichwörter
    Fusel

    Wander (Sprichwörter)

    Fusel Wo man Fusel schenkt, da duftet auch der Wein nicht lieblich. – Scheidemünze, I, 679. [Zusätze und Ergänzungen] 2.…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit fusel

63 Bildungen · 63 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von fusel

fu + -sel

fusel leitet sich vom Lemma fu ab mit Suffix -sel.

fusel‑ als Erstglied (30 von 63)

Fusel I

SHW

Fusel I Band 2, Spalte 1023-1024

Fusel I [II]

Idiotikon

Fusel I [II] Band 1, Spalte 1084 Fusel I [II] 1,1084

Fuseldunst

SHW

Fusel-dunst Band 2, Spalte 1023-1024

fuselnackig

SHW

fusel-nackig Band 2, Spalte 1023-1024

Fuselwetter

SHW

Fusel-wetter Band 2, Spalte 1023-1024

fuseläther

DWB

fusel·aether

fuseläther , m. die dem fusel wesentliche feine flüchtige feuchtigkeit. das apfelöl ist baldriansaurer fuseläther.

fuselbrenner

DWB

fusel·brenner

fuselbrenner , m. einer der geringen oder schlechten brantwein ( s. fusel ) brennt: mit einem helme hatte man den fuselbrenner Hadrian im la…

fuselgeruch

DWB

fusel·geruch

fuselgeruch , m. der von dem fusel ausgehende, demselben eigenthümliche geruch. eine graue, grüne oder braune fettige masse von ausgezeichne…

fuselgeschmack

DWB

fusel·geschmack

fuselgeschmack , m. der dem fusel eigenthümliche geschmack. vgl. fusel 1) am schlusse und fuselgeruch.

fuselicht

DWB

fusel·icht

fuselicht , adj. 1) fusel enthaltend. 2) nach fusel riechend oder schmeckend. 3) von fusel berauscht oder betrunken. Davon ein gleichlautend…

fuselig

DWB

fuselig , adj. in denselben bedeutungen, wie fuselicht ( s. d. ). ( von ) ekelerregendem ranzigfettigem, fuseligem geschmacke. Schubarth han…

Fusel III

RhWBN

Fusel III -ūz- Gummb-Lieberhsn f.: schlecht brennende Lampe; s. Funsel 2a.

fusella

LmL

fusella -ae f. et fusellus -i m. Notenzeichen der Mensuralnotation — notational symbol in mensural notation 1 beidseitig gestielte Semibrevi…

fuseln I

SHW

fuseln I Band 2, Spalte 1023-1024

fuselobst

DWB

fusel·obst

fuselobst , n. schlechtes, kleines obst. tirol., s. Frommann 5, 337 . Schöpf 163 .

fuselöl

DWB

fusel·oel

fuselöl , n. ein sich bei der geistigen gährung zuckerhaltiger pflanzenstoffe bildendes und bei der destillation in reicherem oder geringere…

Fuselöle

Meyers

fusel·oele

Fuselöle , Produkte von eigentümlichem Geruch, die bei der Vergärung zuckerhaltiger Flüssigkeiten neben Alkohol entstehen, weniger flüchtig …

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „fusel". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 10. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/fusel/dwb?formid=F13520
MLA
Cotta, Marcel. „fusel". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/fusel/dwb?formid=F13520. Abgerufen 10. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „fusel". lautwandel.de. Zugegriffen 10. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/fusel/dwb?formid=F13520.
BibTeX
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