fruchten ,
in doppeltem sinn, 11)
transitiv: 1@aa)
mhd. frühten =
fruchtbringend machen, fruchtbar machen (Ben. 3, 428
a); fruchten, tungen (
düngen),
fructificare, fecundare, im voc. 1482 i 4
b,
welche bedeutung dazu stimmt, wenn frucht =
dünger, s. frucht 6).
nhd. selten noch in dem sinne von fruchtbar machen: euch (
beeren) umsäuselt des holden himmels fruchtende fülle. Göthe 1, 92. Zeus giebt donnerschauer im lenz, Demeter empfängt, Dionysos fruchtet, er schuf dem Fryger von je feldfrucht, als Sabos, dem Hellenen wein. den feldfruchtenden Sabos bildete man, nach Jehovas sinnbild, als stier, wenigstens mit stierhörnern. Voss
antisymbolik 1, 186. 1@bb)
früchte einsammeln, einernten. getreide, wein fruchten. Schmeller 1, 600,
wo stellen aus dem 16.
jh. angeführt sind; jetzt im bairischen früchten. 22)
intransitiv, wozu den übergang bildet, wenn fruchten
als frucht hervorbringen oder tragen bedeutet: mhd. swâ sich bescheidenheit in wîbes hërzen geilet (
üppig wuchert), diu zweiet unde frühtet sælde und êre.
MS. 1, 88
a (
MSH. 1, 207
b, 5); ir zarter leib frücht tugent swêr. Wolkenstein 68, 2, 9.
nhd. nur sehr selten. wie ein baum einst lockende weisheit und tod gefruchtet. Herder 3, 106.
darnach dann 2@aa)
die bedeutung frucht hervorbringen, frucht tragen. mhd. s. Ben. 3, 428
a. wâ wart ie bluome gebildet baʒ (
nämlich als die jungfrau Maria) in welden oder in ouwen swaz frühtet meien blüete.
Kolm. ml. 122, 15; du (
gott) stüende geblüemet ûf dëm rîs und frühtest durch diu siben sacramënte. 85, 56.
nhd. es befindet sich, dasz ein junger baum, von seinem ort aufgenommen und an einen andern verpflanzet, lustiger wachse und zeitlicher fruchte. Scriver
Gotthold 32; der gerechte wird, wie der stecken Aarons, ausschlagen, blühen und fruchten.
seelensch. 1, 554; dir leuchtet die sonne, dir fruchtet das erdreich, dir gibt das wasser fische. H. Müller
erquickst. 184; gott haut doch zuletzt den baum ab, der nicht fruchten will. — drum fruchte bei zeiten. 266; ich will sein wie ein baum, der im himmel wurzelt, auf erden fruchtet. 393; denn nicht karg ist der boden und fruchtete jeglicher jahrszeit. Voss
Odyssee 9, 131; wie mit des regens ergosznem absturz Eurus nie das feld zerschwemmt, noch in trockener scholle der fruchtende same (
pinguia semina) versengt wird.
Horaz epode 16, 57.
der sinn des wortes in dieser stelle streift an die bedeutung aufkeimen, emporsprossen, germinare, welche in vocabularen des 15.
jh. fruchten, frochten
hat. s. Diefenb. 261
a.
bildlich: ehrvolle männer fruchtender wissenschaft auf hohem schulsiz. Voss 3, 202. 2@bb)
frucht ergeben: der boden rührt sich ungesäumt im wechsel jedes jahr, ein feld so nach dem andern keimt und reift und fruchtet baar; so fruchtets auch von geist zu geist und nutzt von ort zu ort. Göthe 4, 133
in dem ged. zu Thaers jubelfest. 2@cc)
zur frucht werden: umschwebt von ziehenden metten vergesz ich fast der blüte, die nun fruchtet, und mit vielfarbiger last den biegsamen zweig krümmt. Klopstock 2, 175. 2@dd)
nutzbringend sein, von nutzen sein, von erfolg sein, erfolg haben: bestes vermögens und in gröszern werken noch weiter zu fruchten. Opitz 1,
vorr. 9
a. zwar scheinet es billich zu sein, das (
dasz) ein getreuer diener die wahrheit sage, so lange er noch hoffnung hat, dadurch etwas zu fruchten. Butschky
Patm. 820; demohngeachtet fruchteten ihre lehren nicht das allergeringste bei mir.
Felsenb. 2, 24; wie viel dero werthestes schreiben gefruchtet, können sie hieraus schlieszen
u. s. w. Melissus
Salinde 249; fast eben so Ramler, der mir durch jemand anders schreiben liesz, ich möchte (
in der übersetzten Odyssee) die griechischen namen römisch machen, wenn seine bemühung (
subscribenten zu gewinnen) für mich fruchten sollte. Voss
br. 2, 267; der knecht Ruprecht fruchtet bei manchen kindern freilich mehr als der weihnachtsengel. Kretschmann
d. alte general 55; hier siehst du, sagte Charlotte, wie wenig eigentlich ein dritter fruchtet, wenn es zwischen zwei nah verbundenen personen nicht ganz im gleichgewicht steht. Göthe 17, 25; (
wir bemerkten) dasz wir einen falschen firnis genommen hatten, der nicht trocknen wollte: sonnenschein und zugluft, reines und feuchtes wetter, nichts wollte fruchten. 26, 33; (
Rousseaus) Emil war sein haupt- und grundbuch, und jene gesinnungen fruchteten um so mehr bei ihm, als sie über die ganze gebildete welt allgemeine wirkung ausübten, ja bei ihm mehr als bei andern. 26, 256; nach dem einfachen gesetz der metamorphose, welche durch ihre wirksamkeit sowohl das symmetrische als das bizarre, das fruchtende wie das fruchtlose, das faszliche wie das unbegreifliche vor augen bringt. 58, 242; wie die, im ganzen zwar mäszigen, aber doch immer bedeutenden metallerzeugnisse des inneren Böhmens, in früherer zeit bei unvollkommenen anstalten des bergbaues immer doch gefruchtet. 60, 147; die regel schien zu fruchten nicht gegen diesen feind. Rückert 162; so verlor er mit dem überraschenden auch das fruchtende seiner handlung. Meyern
Dya Na Sore 4, 153.
mit dativ der person: der garten fruchtet seinem herrn ein groszes. Stieler 573; wenn ich zwölf händ hätte und deine (
gottes) gnad wollt mir nicht, was würden sie mir fruchten. Göthe 8, 17; ich komme mir vor wie der böse geist, den der capuziner in einen sack beschwur. ich arbeite mich ab und fruchte mir nichts.
s. 116 (
vgl. 42, 389); glaubst du dir zu fruchten und den göttern zu dienen, wenn du dich dessen enthältst was der natur gemäsz ist? 11, 63.
Die richtigere nhd. form würde dem mhd. frühten
gemäsz, das auf ein ahd. fruhtan
schlieszen läszt, früchten
lauten, welches aber nie recht aufgekommen ist und nur selten begegnet. wie ein frischer tau und kühler wind sänftiglich früchten und anhauchen. Brandts
bericht vom leben Taubmanns s. 31; weiber sind äcker zum ruhen mit nichten, weiber sind äcker zum bauen und früchten (=
frucht tragen). Logau 2, 110, 56; alle kinder und bürger der natur wachsen, blühen und früchten (=
bringen frucht) in ihrer art. Herder 18, 256.