Wossidia
fläuten -ö- auf der Flöte blasen, mit dem Munde pfeifen 1. im Neckreim: Kathrine Philippine, kumm mit mi int Gras, Dor fläuten de Vœgel, dor klappert de Has' Wo.
V. 4, 419; wer stillvergnügt für sich ein Liedchen pfeift, den lett uns' Herrgott fläuten (1887) HaHagenow@RedefinRed; Jungen, die Kirschen pflücken, werden durch die wiederholte Frage Kannst ok fläuten? vom Naschen abgehalten WaWaren@JabelJab; geprüft wird so die Kraft des Anfängers im Dreschen, wenn er half rœwer is œwer de Däl: Kannst ok noch fläuten? PaParchim@ZachowZach; den Langschläfern sagt man: Abends kœnen s' fläuten un singen Un morgens nich ut 'n Bedd' rutfinnen Wo.
V. 3, 182; sprw. dee in de een hand fleut't un in de anner wünscht, hett in beid' lik väl Firm. 3, 73
b; auch von Vögeln:
dei Rägenvagel fläut't so Schö Schönberg@SchlagsdorfSchlagsd; Gielower Dinger Fläuten up 'n Finger, Sugen up 'n Dum; So kamen s' tau Rum (wegen langsamen Sprechens) Ma; Dei Lübzerschen Dinger Dei fläuten up 'n Finger, Dei Börgemeister up 'n Dum ... PaParchim@BroockBroock; einen œwern Dum fläuten laten einem überlegen sein, ihn in die Flucht schlagen, entfernen Mi 18
b; 22
b; œwern Dum fläuten auch für eine besondere Art, Garben zu binden, bei der das Strohseil über den Daumen geschlagen wird Wa; RoRostock@KlockenhagenKlock; häufig für pfeifende Geräusche aller Art: dörch dei Nüstern fläuten vom Pferde HaHagenow@RedefinRed; wo is 't mœglich, dat dat Pierd fläuten kann, hett gor keen spitz Mul Wi; RoRostock@ElmenhorstElm; dagegen: ... dat de Koh nich fläuten kann, hett doch sonn' breet Mul StaStargard@HelptHelpt; beim Saufen der Rapskuchentränke fläuten dei Schap orrig in 'n Trogg GüGüstrow@KobrowKobr; hüt fläut't dat ornlich der Schnee bei starkem Frost oder der scharfe Wind Wa; Ro; die schlecht geschmierte Wagenachse
ward fläuten RoRostock@KühlungsbornKühl. 2. mit
Adv.: so flucks fläut't de Scheper nich (an dessen Stock der Griff oft ne Fläut hatte; so schnell ist die Sache nicht abgemacht) H. Schrö
d. Buerh. 3, 73; dat kann 'n gor nich so
bunt fläuten, as dat in de Welt taugeiht Heim. 2, 120
a;
s. bunt 2 (2, 144); wer sich überheblich zeigt, fläut't so wild (1887) PaParchim@DobbertinDobb; viel fordern und sich doch mit wenig begnügen heißt wild fläuten un tamm bigäben Schw Pamp; in 't Seminor fleuten s' upstunns gewaltig wild (werden hohe Anforderungen gestellt) Quitz. 2, 40. 3. weiterer übertr. Gebrauch: wenn de Buer fläuten ded', müßten de Inwahners (Tagelöhner)
danzen SchwSchwerin@CrivitzCriv; was geheim bleiben soll, dat ward nich seggt, dat ward fläut't (1885) Schö; Wa; hüürst em woll fläuten? merkst du, worauf er hinauswill? StaStargard@WesenbergWes. 4. mit Objekt: dem Mageren kann 'n drög' Brot dörch dei Backen fläuten (pusten; 1885) GüGüstrow@GülzowGülz; allgem. beliebte Abfertigung: gah hen un fläut de Aanten von 'n Dik, mit dem Zusatz un danz mit 'n Wädick (Enterich; 1885) Ro; Bri. 2, 256; dat (Sagen und dgl.) hett man in 'n Wind fläuten laten unbeachtet gelassen Wi Wismar@MecklenburgMeckl; Nichtachtung, Gleichgültigkeit, Verzicht werden ausgedrückt mit den allgem. Objekten 'n Stück, wat und präpositional up wat: Ick flöt min Sippschaft ball en Stück, Bün ick irst eenuntwintich, Hans Egg. Trems. 65; de Pap künn sick wat fläuten laten (müsse verzichten, erhalte seinen Willen nicht) Reut. 1, 174; Smidt füng an tau begriepen, dat hei nu woll ok up de drei Daler fläuten künn (verzichten müsse) Rod. Hinr. 96. 5. fläuten gahn davongehen, sich entfernen, verloren gehen erklärt sich aus 4; denn wer und was fläuten geiht, fläut't den Zurückbleibenden wat; Belege: brr-e, brr-e, fläuten gung he (1887) Pa Parchim@LübzLübz;
f-u-r-t-, fleuten ging he Firm. 3, 70
b; bei verlorenem Kartenspiel: p-e-n, fläuten güng' he hen Wa; dor geiht de letzt Seufzer (der letzte Trumpf)
flöten StaStargard@MirowMir; auch ein Verstorbener
is fläuten gahn SchöSchönberg@SchlagsdorfSchlagsd; WiWismar@PoelPoel; im Wortspiel mit der
eig. Bedeutung von fläuten: der verarmte Reiche hett ierst dei ierst Vigelin späält, nu geiht hei fläuten Wa. 6. sonstige übertr. Anwendungen: einen fläuten trinken, zechen LuLudwigslust@LaupinLaup; ebenso eens uppe Buttel fläuten (1887) RoRostock@BörgerendeBörg; beim Beginn eines Skatspiels mußte sich Wo. 1887 sagen lassen: willen den Worenschen Scheper mal wisen, wat fläuten heit! RoRostock@RibnitzRibn; hei wir man dun, süs fläut't hei em sonst hätte er ihn beim Ringen geworfen Schw. 7. begatten, nach Fläut 2: Kükrükü seggt unser Hahn, Mit blank Sporen wull he nah 'n Fläuten gahn; As he von den Fläuten kem, Donn jammer em de Hunger an Wo.
V. 2, 1513. 8. Volksglaube: Kinder sollen im Hause nicht laut pfeifen, sonst heißt es:
du fläutst 'n Düwel ran Wo.
V. 3, 1253; wenn du nah de Sünn fläutst, haalt di de Düwel; ... denn kickt di de Düwel œwer de Schuller ebda; wenn Kinner abends fläuten, danzt de Düwel up 'n Dack; ... denn weenen de Engel in 'n Himmel ebda; wenn 'n in 'n Düüstern fläut't, fläut't de Düwel mit Nd. Kbl. 15, 32
b; dei abends fläuten, hett dei Düwel leif LuLudwigslust@ConowCon;
abends fläuten is Ulenspeigelmod' Ha Hagenow@LankLank; Mädchen sollen überhaupt nicht pfeifen: fleuten Dierns dœgen nich, fleuten Dierns krigen keinen Mann Bartsch 2, 4; Wenn Mätens fläuten un Häuhner kreigen, Sall man ehr glik dat Knick ümdreigen Wo.
V. 3, 1253; fläuten Dierns un kreihn Häuhner un tüffel Jungens de döggt nicks Horn Selmsd. 1, 610; ... un pipen Seiß ... Schw; fläuten Mätens un klingen Äxten dœgen beid' glik väl Ro Rostock@DierhagenDierh; Fläuten Dierns un tüffel Knecht Sünd för 'n Burn för ümsünst tau slecht. Ratz. Mitt. 4, 3, 9; aber auch das Pfeifen der Knechte hört man nicht gern: Hanschen Diern un fläuten Knecht Ward den Herren nie gerecht Ro Rostock@RibnitzRibn; Reut. 5, 174. Bei den Seeleuten ist das Pfeifen an Bord gleichfalls meist nicht beliebt und nur als Hauptmittel, um den Wind herbeizulocken, erlaubt: fläuten in de Boot bringt Undäg' Wi;
vgl. Wo. Seem. 2, 206
f.; Fläuten verscheucht den
Drak Wo. Sag. 2, 265. — Zss.: af-,
an-,
dörch-, hen-, nah-,
rüm-,
rut-, vör-,
windfläuten. — Mnd. vloiten. — Br. Wb. 1, 417; Dä. 123
b; Kü. 1, 465; Me. 2, 147; Schu. 20.