Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
ervallen stV.
1.1 von Gegenständen: ‘herab-, herunterfallen’
1.2 von Personen (und Tieren): ‘(zu Boden) stürzen, fallen’ , meist refl.
2 ‘jmdn. fallen lassen’
3 ‘(sich) herunter stürzen, zu Tode stürzen’ , refl.
4 ‘jmdn. erschlagen, töten (im Kampf)’
5 ‘im Kampf fallen’
6 ‘einfallen’
7 rechtsspr.
7.1 ‘jmdm. zufallen’ (Erbe, Lehen)
7.2 ‘mit einer Rechtshandlung Misserfolg haben’ (vgl. DRW 3,177)
1 ‘nach unten fallen’ 1.1 von Gegenständen: ‘herab-, herunterfallen’ ir [Schuhe] was hie ein michel teil geslagen / die han die knechte zo tragin [fortgetragen] / ist ir dar ich [=icht ] iruallen, / ich bringe der [=dir ] sie alle Roth 2139. – bildl.: daz herhorn, di posawn / offenlich erschellet, / so daz der don ervellet / allen toten in den sin Vät 40440 1.2 von Personen (und Tieren): ‘(zu Boden) stürzen, fallen’, meist refl.: des sluc im Thoas / den schilt enzwei, zvm andern slage, / daz im erviel der phage [Pferd] Herb 5446; nach den leutten er do lieff / und saget den allen, / der maister hiet sich ervallen. / er hies in gewinnen aus dem graben Seifrit 720; do gienc er einen smalen stic [...] der getrewe und der stete, / sich nach ervallen hete. / uf dem stige er slipfte Rennew 36288; der weise het sich ervallen sêr. / er sprach: ‘ich enmac niemêr’ EnikFb 3633. – uf/ uber etw. /jmdn. ~ : daz er von dem ross ze tal / hienc und erviel ûf daz wal / unde man in dannen truoc EnikWchr 28360; [das Kind] erviel sich, daz ez starp, / über den velsen in daz tal WvRh 5349; dv solt dich niht legen an den wech zeinem stæine, daz man sich iht vber dich ervalle PrBerthKl 7,20. – übertr.: swaz man lobet an dem man, / dâ kêrt er sînen flîz an. / da enlobe ich niemens schallen, / dâ man sich mac ervallen Freid 62,1 2 ‘jmdn. fallen lassen’ her [Teufel] hat durchtiefes [sehr tief] irvallen / die mismuten lute HeslApk 13352 3 ‘(sich) herunter stürzen, zu Tode stürzen’, refl.: swie ir denne vunden werdet, ir ivch ervallet, ir ivch ertreinchet, swie getanes todes ir sterbet Spec 2,10; liute ervallent sih vil, / ertrinkent unde werdent erslagen Kchr 3324; sleht mich der hagel oder ervalle ich mich oder swie ich stirbe, sô bin ich verlorn und bin tôt PrBerth 2:243,5. – absichtlich: do gienc der rihtære, der in [den heiligen Andreas] da gemarteret het, uf ein hohe unde eruiel sih dar ab PrHoff 115,30. – an ‘in’etw. ~ : [Ênîte] kêrte daz ort / engegen ir brüsten, / nâch tôdes gelüsten, / als si sich wolde ervallen dran Er 6114. – als Part.-Adj.: wie si [Maria] betruͤbet wære / umb dú zornlichen mære / dú sú horte sprechen, / und an im [Jesus] weltint rechen / des ervallen kindes tot WernhMl 4901. – sich ze tode ~ : dîn gallentrunc / lêrt in den sprunc / an dem er sich ze tôde erviel KvWLd 1,156; daz ez [Rind] sich ze tode erviele oder daz ez ertrunche StRAugsb 35,10 4 ‘jmdn. erschlagen, töten (im Kampf)’ dô wolt er vor in allen / den ritter ervallen UvZLanz (K) 1944. – leide gedachte im Castor, / daz erfallen was Nestor / von jeme iungelinge Herb 1440 5 ‘im Kampf fallen’ vnde wer er [Hector] alleine erlegen, / gefangen oder erfallen, / ez schadete in immer allen Herb 9163; ich forchte, daz der erfalle, / der vns behutet alle ebd. 9602; da wart erslagen vnde ertrat / funf / hundert vor der stat. / die erfielen alle / nach Hectoris valle ebd. 10437. 10707. 13615 6 ‘einfallen’ war umme zůrnes du und war umme ist din antlize alsus ervallen PrLpz 111,39 7 rechtsspr. 7.1 ‘jmdm. zufallen’ (Erbe, Lehen): lâzet ûch burge ind lant / sweren zô dem hêren mîn: / ir solt ir vormunder sîn. / ûch irvellet die halve deil Crane 3984; UrkFreiberg 1:43,35 (a. 1305) 7.2 ‘mit einer Rechtshandlung Misserfolg haben’ (vgl. DRW 3,177): wer iz abir, daz he irvile an dem eide oder an dem gezuge, alse davor stet, so hette he di eigenschaft verlorn an dem erbe StRFreiberg 36,22; irvellit aber der vorderer an sime gezuge, so verbuzet he sechcic schillinge unde ienre ist der klage ledic ebd. 87,15
MWB 1 2126,59; Bearbeiter: Pfefferkorn