ERSPÄHEN vb. ahd. irspehôn,
mhd. erspehen.
mnd. erspē
n. präfixbildung zu spähen
vb. 1
verborgenes, nicht leicht zu entdeckendes durch genaues beobachten, suchendes betrachten herausfinden: 11.jh.
explorant erspietun
ahd. gl. 2,713,45 S./ S. ⟨v1022⟩
et ingrediebantur ut uiderent vnde gîengen sie in ze mir daz sie mih irspehotin Notker
3,1,248 ATB. ⟨E12.jh.⟩ swâ wær ein wált beidiu lanc unde wît,/ mit schœnen bóumen, den wolte ich erspehen Bernger v. Horheim
31113,12 MF. ⟨1215/6⟩ an im
(gott) sule wir ersehen/ und erkennen und erspehen/ allez daz in der werlde ist Thomasin
5682 R. ⟨2.h14.jh.⟩ so ist er gottes vigent .. und sendet uz speher daz sie in erspehent
b. v. geistl. armuth 156 D.hs. 1476 do was gar offt groß vntrew pey,/ wenn sy maint, ym wer gar recht,/ so het sy falsch vntrew erspecht
erz. aus altdt. hss. 150 LV. 1572
(es wurde festgesetzt, daß) alle kirchen in der statt Roan .. beschlossen wurden, biß die moͤrder erspehet vnnd dieser todtschlag gebuͤsset wurde Wurstisen
hist. 1,38. 1664 der hunger aus dem loch/ uns letzlich zwingen wird, außgehn, sich lassen sehen,/ ist noch gefährlich mehr, wie bald wird man erspähen/ und kennen wer wir sind Hohberg
Ottobert 1,S4a. 1840 oft lag ich mit dem auge am schlüsselloche, konnte aber nichts erspähen Immermann
5,319 M. 1936 er
(der gefangene) erspäht den günstigen augenblick, entreißt plötzlich einer schildwache das gewehr und schlägt sich glücklich durch Dörnberg-H.
Dörnberg 22. 1977 einer der jungen wichtigtuer aber ging neben der noch jüngeren mannschaft her und erspähte schnell die unregelmäßigkeit der schritte am hinteren ende Kühn
jahrgang 22 71. –
jagdbeute sehen, entdecken: 1554 nichts mocht sich vor im
(Wilbaldus, dem forstmeister) verbergen, es ward von ihm erspecht und zuͦm jagen anbrocht Wickram
2,82 LV. 1867 die fruchtfresser pflücken beeren oder früchte mit dem schnabel ab, einzelne von ihnen, indem sie sich im fluge fliegend auf die erspähte nahrung stürzen Brehm
thierleben (1864)4,985. 1937 die seeschwalben sind nicht nur wegen ihrer unheimlich scharfen augen, die sie zum erspähen ihrer beute unter dem gekräusel der wellen brauchen, merkwürdig Zedtwitz
tierwelt 77. 1955 sie
(die larve des gelbrandkäfers) atmet nämlich geradezu mit ihrem hinterteil. sowie sie aber ein opfer erspäht, .. läßt sie das atmen sein, .. faßt mit den beiden langen, nadelspitzen kieferdolchen zu Hausmann
entscheidung 113. 2
ein gebiet, einen bereich unter gesichtspunkten der militärischen lagebeurteilung beobachten, auskundschaften: ⟨1250/4⟩ er hiez die lúte und die stat/ und ir gelegenheit erspehen,/ mit ir spehe im wol besehen/ wie dú veste were behuͦt Rudolf v. Ems
weltchr. 15860 DTM. ⟨A14.jh.⟩ Judas do sande unde liez/ irspehen daz her, wie getan/ ez wer
Maccabäer 2889 LV. 1557 wann nun alle ding souiel muͤglich besichtiget erkuͤndiget vnd erspaͤht .. so mag man das kriegsvolck .. in das laͤger .. fuͤhren Fronsperger
geschuͤtz 1,19a. 1633 als nun der commandeur Isselstein etlicher reutter hinder einem berg gewar worden, schickte er alsbald etliche der seinen auß, das feld zu erspähen Abelin
hist. chr. 258b. 1789 an ihres gegners gedicht und an seiner methode überhaupt müssen sie die unhaltbare seite erspähen, und dort mit unwiderstehlicher macht auf ihn eindringen Forster
7,5 ak. 1893 da galt es, die für die angreifer noch unbewachten stellen zu erspähen und die verteidiger zu beschäftigen Ebers
leben 264. 3
genau wahrnehmen und verstehen: 1795 es ist eine unumstössliche erfahrung, dass bey den ersten fehltritten dieser art das männliche geschlecht .. allemal der verführende theil war, dass dasselbe .. mit der feinsten list die unerfahrenheit und schwächen des weiblichen charakters zu erspähen, und jede erhaltene blösse äusserst schlau zu benutzen weiss
rügen bürgerl. verfassung 23. 1874 auf allen gesittungsstufen .. werden religiöse empfindungen stets von dem gleichen innern drang erregt, .. für jede erscheinung und begebenheit eine ursache oder einen urheber zu erspähen Peschel
völkerkde. 255. 1932 wie der glaube seine lebendigkeit darin ausweisen muß, daß er den spielraum für die liebe erspäht, den ihm die amtsordnung läßt, ebenso muß er es darin tun, daß er die möglichkeit erspäht, wie diese ordnung selbst gerechter, humaner, liebeähnlicher gemacht werden könne Brunner
gebot 216. 1956 es kann und darf auch nicht so weitergehen, daß auch die behörden diesem aus noch (!) gesundem instinkt mit unwiderstehlicher urgewalt herauskommenden drang .. einen völlig unverständlichen widerstand entgegensetzen, statt die ungeheuren vorzüge zu erspähen und zu nutzen, die sich aus einer ganzheitlichen auffassung der dinge ergeben Kötschau
wandlungen 142.Arbeitsstelle