erröthen ,
rubescere, roth werden, ahd. irrotên
und irrôtên (
gramm. 2, 822. 823),
wie sich noch mhd. roten
leviter rubere von rôten
rubere scheidet (
gramm. 2, 21),
beide aber aus einem starken riudan raud, rudum
hervorgiengen. dieser unterschied läszt sich nhd. nicht mehr festhalten. der heutige umlaut stände von rechts wegen nur der transitiven form zu. 11) erröthen
für errothen,
rubere, roth sein: von der todten blut was das ganz erdrich errötet und ein erbermlich ansehens.
Aimon c 1
a. 22)
erubescere, roth werden, gegensatz zu erbleichen, erblassen: von groszer bosheit errötet sein angesicht, von zorn errötet ime sein angesicht.
Aimon v 6
b; und sein angesicht errötet überal. y 1
a; sie errötet, wenn sie ihn ansieht, sie errötet bald, bald erblaszt sie. Stieler 1626; erröthen macht die häszlichen so schön, und sollte schöne nicht noch schöner machen? Lessing ...; dasz du ja vor ihm recht sehr erröthest, liebes mädchen! 'vor wem? erröthen?' 2, 353; die reifenden äpfel glühn erröthend am baum. Zachariä; wie manche ros im thal erröthet ungesehn. Gotter 1, 138; erröthend folgt er ihren spuren und ist von ihrem grusz beglückt. Schiller 77
b; diese truppen, noch auszerdem von officieren angeführt, welche die inquisition von herzen verachteten und erröthet haben würden nur das schwert für sie zu heben. 817
b; wobei ihm die reformierten prediger, die für ihre religionspartei errötheten, nachdrücklich beistanden. 833
a; sie fiel ihm mit dem ersten erröthenden kusse um den hals. J. P.
uns. loge 3, 154; Albano konnte die weiszen statüen auf Lianens dach lebendig unter dem blühenden gewölk erröthen sehen.
Tit. 2, 131. einen erröthen machen,
einem das blut in die wangen jagen, suffundere genas. die einfachen ausdrücke sind die schönsten: vor liebe wart ër vreuden rôt.
Nib. 1437, 4; wart dës wortes rôt. Ulrichs
Trist. 300; dô enzunte sich sîn varwe.
Nib. 291, 2; dô erblüete ir liehtiu varwe. 239, 4; dô mêrte sich ir varwe, die si vor liebe gewan. 525, 4; haurit Flora sanguinem vultu verecundo.
archipoeta p. 81; wurde als wenn sie mit blut überschüttet wäre. Ettner
unw. doct. 146.
umgekehrt vom erbleichen: ihr blut trat zurück aus den wangen; gemischet wart ir varwe, sie wart bleich und rôt.
Nib, 1605, 2. 33)
statt dieses erröthen (
eigentlich errothen) machen
verwandte das 17
jh. ein transitives erröthen,
rubefacere: weil in des himmels bau der fürste der planeten gleich in der mitten steht, wo er zu morgenszeit die welt pflegt zu erröthen. Opitz 2, 157; auch dein blut, osterlamm, hat meine thür erröthet, die zu dem herzen geht. Fleming 546; wie wilstu weisze lilien zu rothen rosen machen? küss eine weisze Galathee, sie wird erröthet lachen. Logau 3, 175, 8; wo du durch brüder hand die brüder hast getödtet, und den unschamhaften sohn durch der eltern blut erröthet. Gryphius 1, 60; und dasz wir ihr altar mit zimmetöl erröthen. Lohenstein
Cleop. 56, 5.
entsprechend ist das heutige einfache röthen. 44)
tr. sich erröthen,
sich röthen: gestern war ein freudenfest, drauf ward in der späten nacht, eh es jemand hat gesehn, eine jungfer umgebracht. einer ist, der sie vermuthlich, alle sagens, hat ertödtet, dann so oft er sie berühret, hat die leiche sich erröthet. Logau 3, 87, 56.
vgl. entröthen.