DWB2
DAUERHAFT adj. DWB2
abl. zu 1dauern
vb. nbf. bis ins 18. jh. hinein taur-, daurhaft.
im letzten drittel des 16. jhs. aufkommend, etwas später als das noch bis ins 18. jh. leicht konkurrierende dauerhaftig. DWB2 DWB2A
zunächst nur und bis heute vorwiegend entsprechend 1dauern A
bestehen, fortbestehen. DWB21
fest, solide, haltbar, widerstandsfähig (gegen verschleiß fäulnis u. ä.) DWB2a
in der kennzeichnung anorganischer seltener organischer stoffe und des aus ihnen gefertigten bis heute die hauptanwendung des wortes: 1578 ist doch die ein vnnd die ander
(rot sowohl wie schwarz) ein harte thaurhaffte farb Fugger
gestuͤt 50b. 1610 dann sie
(kupfer und andere metalle) vnter den vollkommenern ja tawrhafftern vnnd wehrhafftern geschöpffen seyn, wie die edel- vnnd ander stein, die auch nicht in ein anders verendert werden mögen Guarinonius
grewel 38. 1672 deß kuchen-geschirrs sey wenig, aber daurhafft und gut Grimmelshausen
simpliciana 64 Sch. 1741 dass die zähne bey einem menschen .. fester und dauerhafter, auch weisser seyn, nachdem derselbe an sich selbst gesunder Justi
memoires 1,187. 1797 eine dauerhafte wohnung will einen dauerhaften grund haben. siehe daher wohl zu, worauf du bauest Eck
religion 138. 1889 erfindung eines dauerhaften schreibmaterials .., nämlich des pergaments Puschmann
unterr. 69. 1954 die wolle und das haar des sarlyks, aus denen sie dauerhafte stricke drehen
Murzaev, volksrepublik 52. DWB2b
haltbar, genießbar, von früchten, naturprodukten getränken, seltener und kaum über 1800 hinaus: z.j.1586 guet korn, vül daurhafter, dann polnisch und lüttauisch Kiechel
reisen 63 LV. 1713 die birnen welche nicht bleiben und dauerhafft seyn, muß man bey zeiten dürren Sincerus
becker 410. 1803 da der essig weit besser, dauerhafter und schärfer wird, je klärer derselbe ist Riem
getränke 503. DWB22
stark, gesund, widerstandsfähig, ausdauernd, auch langlebig; von menschen und tieren, jünger auch von pflanzen: 1578 harte, arbeytsame vnd thaurhaffte rossz Fugger
gestuͤt 65b. 1612
(er) war von krefftigen dawerhafften gliedmassen Megiser
chr. Khärndten 1,209. 1792 eine unverwüstliche gesundheit, ein dauerhaftes leben Goethe
dr. (1788–99)1,1,107 ak. 1859 unter den kräutern und gräsern sind gewiß die dauerhaftesten .. die erdbeersamen, die noch nach 1500 jahren keimten Ratzeburg
standortsgewächse 255. 1946 das panjepferd, dessen robuste natur hunger und kälte erträgt, und das dauerhaft im lauf .. ist Gerlach
vierfüssler 23. jünger geläufig dauerhafte gesundheit: 1753 ihr genieset, z. e. eine dauerhafte gesundheit
Formey, philosoph 1,265. gelegentlich den menschen weniger physisch als charakterlich oder in der ganzheit seines wesens als ‘
solide’
kennzeichnend: 1626 er war noch jung von jahren, aber darbey ein daurhaffter vnd ernstlicher mensch, beredt vnd gutes verstandts Gottfried
Sardi, fortification (1623)1,227. 1811 den mann
(marschall Broglio), dessen gestalt
(d. i. auftreten) einen so guten und dauerhaften eindruck gemacht hatte Goethe
I 26,154 W. DWB23
auf abstraktes erweitert, bleibt die bedeutung beständig fest, bleibend, unter einfluß von 2 a,
auch bei mitgegebener vorstellung zeitlich langer dauer noch dominierend. DWB2a
so in der beziehung auf mächte, übereinkünfte und gesellschaftliche verhältnisse überhaupt, wo dauerhaft,
im bildhaften oder übertragenen vorstellungsrahmen des gründens oder errichtens, den sinn von solide, tragfähig, gesichert annimmt: 1635
(den lange zeit unterbrochenen wochenmarkt) in gleichmäßigen, ordentlichen, dauerhaften stande wiederumb zu setzen
westf. stadtrechte I 2, 81. 1756 wie die menschliche regierungen einen festerern und dauerhaftern grund haben müßten, als die blosse vernunft
Rousseau, ungleichheit 134. 1864 die gemeinsame volksthümlichkeit in allgemein gültigen und dauerhaften staatsformen auszuprägen E. Curtius
alterthum (1875) []1,144. 1951 daß eine plutokratie so dauerhaft und fest und zu allemhin noch viel geschickter sei als eine ländliche aristokratie Niekisch
bilanz 374. so auch in der schon seit dem späten 17. jh. begegnenden verbindung dauerhafter frieden: v1683 die ein theil zu sehr drückende frieden können unmöglich tauerhafft seyn Lohenstein
Arminius (1689)2,1328b. 1964
Keesing’s arch. 34,11248a. DWB2b
zur kennzeichnung auf gegenseitigkeit gegründeter persönlicher beziehungen im sinne innerer festigkeit: 1653 weil das einmal beleidigte wolwollen und gegenliebe nimmer fest und dauerhafft wieder werden wolte Lehsten
Rufus, Alexander 76. 1925 nur im gefühl kann ich mir eine dauerhafte verbindung zwischen menschen vorstellen E. Jünger
wäldchen 174. DWB2c
mit den gleichen ausdrucksformen und ähnlicher kennzeichnung in mehr gelegentlichen beziehungen bis heute: v1683 die pracht der welt und das glücke der menschen hat ein falsches licht, an dem nichts tauerhafft, als der unbestand ist Lohenstein
Arminius (1689)1,619b. 1755 um ihr glück auf diejenige dauerhafte art zu befestigen, die sie so oft .. meinetwegen gewünscht haben Rabener
sat. schr. (1751)3,150. 1951 die gliederung der menschheit in sprachgemeinschaften, die den geist als das wirksamere und dauerhaftere prinzip des geschichtlichen lebens gegenüber natur und macht erweist Weisgerber
gesetz 191. DWB2B
seit der mitte des 17. jhs. auch in anwendungen, für die, entsprechend 1dauern B 3, der
zeitliche aspekt langer dauer maßgebend ist und die vorstellung soliden bestandes nur sekundär noch mitspielt. z. t. gleichlaufend mit jüngerem dauernd
adj., das aber hier führend bleibt. DWB21
lang andauernd, für lange zeit bestehend, anhaltend, auch nachhaltig: 1647
(führet) vor der lähmung eine taubigkeit bey den gliedern ein, welche doch nicht so gar taurhafft ist Drawitz
scharbock 143. 1729 ein groß und dauerhafft vergnügen/ ist denen sterblichen versagt Seemann
Turnus 30. 1760 die insecten, denen es an sinnen und erfahrung, so wie am dauerhaften leben, gebricht Reimarus
triebe (1762)256. v1886 der ungeheure und dauerhafte moralische einfluß desselben
(des jesuitenordens) auf die gesellschaft schlechthin Scherr
gänge (1887)47. 1950 hat die rechtsprechung den gesichtspunkt des vertrauensverhältnisses besonders hervorgehoben, wenn es sich um eine dauerhafte geschäftsverbindung handelt Eichler
rechtslehre 48. in verbaler bindung soviel wie für die dauer, für lange zeit: 1829 daß denenselben der beste lohn in dem bewußtseyn, als mitglied einer so großen, weit verbreiteten staatsverfassung fortzuwirken, dauerhaft gegönnt seyn möge Goethe
IV 45,190 W. 1954 sie ist früher und dauerhafter als ihr mann mitglied des burgtheaters geworden Bab
kränze 263. ungewöhnlicher in der beziehung auf personen, die lange zeit in etwas verharren bei einer sache bleiben: 1810 doch müssen wir uns jetzt wohl gefallen lassen, daß junge leute nicht mehr an einem orte ausdauern .. und ich müßte mich sehr irren, wenn ein dauerhafter und gründlicher nachwuchs zu unsern zeiten erscheinen sollte Goethe
IV 21,351 W. 1927 von meinen assistenten ist er der dauerhafteste gewesen, denn er war der anstalt treu, bis die weichende gesundheit ihn zur ruhe zwang Ostwald
lebenslinien (1926) 2,43. DWB22
gesteigert soviel wie bleibend, unvergänglich, auch unveränderlich meist positiv wertend; oft als substantiviertes neutrum: 1741 sie haben witz genug, aber sie lassen sich nicht zeit genug, etwas dauerhaftes zu schreiben
samml. crit. schr. 2,110. 1951 um dauerhaftes schaffen zu können, darf man über den ruhm nicht lachen Benn
1,568 W. so auch von menschlicher existenzform jenseits irdischer lebenszeit: 1825 denn die gesinnung die beständige/ sie macht allein den menschen dauerhaft ../ denn das beständige der ird’schen tage/ verbürgt uns ewigen bestand Goethe
I 3,68 W. DWB23
prägnant im sinne von endgültig, für immer: 1788 es bleibt bey dieser art von vergehungen immer eine misliche sache um die sichre, dauerhafte besserung Knigge
umgang 1,193. 1803 ein mittel, was wenigstens zehn, wirklich schon hundswüthige menschen ohne ausnahme gewiß und dauerhaft geheilt hat Hahnemann
schr. 1,41 S. 1948 selbst zwei könnten im bündnis miteinander keinen
[]entscheidenden und dauerhaften sieg über den dritten erringen
Burnham, manager 212. DWB24
selten in der sonst dauernd
(s. d. 2) vorbehaltenen bedeutung ununterbrochen, unablässig: 1801 mich in einer dauerhaften, sehr wohlthätigen spannung zu erhalten Eberhard
ges. schr. (1830)7,129.Th. Kochs