Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
dagen swV.
1.1 ohne Obj.
1.2 mit Gen.-Obj.
1.3 mit Akk.-Obj.
1.4 mit Präp. mit
2 ‘jmdm. schweigend zuhören’ mit Dat.d.P. oder nâch
3 ‘von etw. ablassen’ , mit Gen.-Obj.
1 ‘still sein; (über etw./jmdn.) schweigen, etw. verschweigen’ 1.1 ohne Obj.: dar mugit ir geloͮbin / von manigir schonir urowen / weinim [l. weinin ] unde hantslagin / sie ne mochtin nicht gedagin Roth 2884; ir nehein langer dagete, / si sprâchen alle mit ainer zungen: / [...] VAlex 588; NibB 119,3. 849,2; man verliuset michel sagen, / man enwellez merken unde dagen Iw 250; Wig 84; maister, sprich, so wil ich dagen, / ich hoͤr gern diͤn mære GvJudenb 728. – stille ~ : daz du so stille dagest / v̄ mir antwrte versagest Wernh D 689; ir mügt wol stille dagen. / ich wil iu z’andern zîten disiu mære sagen, / war umb ich mîne swester Sîfride hân gegeben NibB 621,1. 873,1; ich möhte nu wol stille dagen: / ez solten minnære klagen, / waz dem von Norwæge was Parz 587,9; EnikWchr 26. 9806. 16994; Ottok 61905. 94177. – swîgen unde ~ : he liez si svigin unde dagin Roth 3267; HvFreibTr 1297. – ‘aufhören, zu reden, verstummen; schweigend bleiben’ (nur gedagen): vile harte er si chlagete, ze lezzist er gedagite Gen 949; mîn laster wil ich vertragen, / daz [damit] ir ruochet gedagen Iw 182; vil manige sache si [die Frau] ime [ihrem Mann] sait, / vnz er garlichen gedait [alle Widerrede aufgibt] / vnt giht, daz si vnschvldich ist FabelCorp 32,22; werden ritter, / wie sint ir alle alsus gedaget? / war umbe siht man iuch verzaget [...]? KvWTroj 19131; der junkherre gedagete, / biz daz er [sein Vater] vollesagete RvEBarl 8289; scholte ich si [die Wundertaten Christi] volleclîchen sagen, / so endorfte ich niemer gedagen Wernh 5396; unde sæzze ich naht unde tach, / so nedorft ich niemer gedagen, / ob ich allez [alle Sünden] solde sagen SüklV 453. – übertr.: wir suln hie wesen unverzaget, / wand hie sig wirt eriaget, / daz alle valscheit gedaget Pass III 121,9 1.2 mit Gen.-Obj.: erst [= er ist ] wîse, der verliesen klaget / und gewinnes stille daget Freid 85,16; swer eines andern sunde saget / und siner sunden gar gedaget StrKD 144,164; ob du icht gutes entphangen hast, / des sal genzlich sin gedaget / und von dir niemanne gesaget / Pass III 9,33; wan [= man ] sol boeser rede gedagen MF:Reinm 12: 1,7. – im Erzählerkommentar: manege [wankelmütigen Frauen] , der ich wil gedagn Parz 253,17; des keisers wil ich nû gedagen, / und wil von der frouwen sagen / von der er was gescheiden Eracl 2753; wie er des goteshûses phligt, / des wil ich ieze dagen Ottok 10168. 24404. – in Unsagbarkeitstopoi: wil aber ich von ir tugenden sagen, / des wirt sô vil, swenne ichz erhebe, / daz ichs iemer muoz gedagen MF:Reinm 13: 7,9; sage ich des [von der Pracht des Waffenschmucks] mêre denne genuoc, / dennoch mac ichs iu mêr wol sagn, / wil ich sîner rîcheit niht gedagn Parz 735,14; das gezelt was so reiche, / es wer mir gar unmigleich, / solt ichs alle sampt sagen: / da von will ich sein dagen HvNstAp 3971; dreyssig mayster enkunden / di schonhait all nicht gesagen, / ich will mein allain nicht [ nicht zu streichen, s. Anm. z.St.] gedagen [geschweige denn ich alleine] ebd. 18074. – mit bestimmten Nomen actionis: von sîner zehenden schar vlüete / moht ich prüevens wol gedagen Wh 399,19; der lêre [La. rede ] er niht gedagete [hörte mit der Belehrung nicht auf ] RvEBarl 15585; der lüge muoste ich hie gedagen [ich durfte nichts Unwahres sagen] ebd. 16093; der sehzec marc drîzic / bringe ich iu morgen vruo. / di andern bringe ich iu dar zuo, / swenne er der rede gedaget StrAmis 2311; daz ich [...] nimmer lobes dines [Gottes] gedage GvJudenb 918. – einez hân ich vollenseit, / durch zuht des andern mir gedeit; / des keisers leben hân ich gelesen, / nû [...] vernemet ouch von der keiserîn EbvErf 3198 1.3 mit Akk.-Obj.: des wir in disen stunden müezen vil von im gedagen NibC 21,4; ich hân durch zuht vil zuhtelîch / unz her al mîniu leit gedaget WernhSpr 49,2; di erste [Sünde] : daz man sunde und andere bosheit breitet, nicht zu dagene di sunden, sunder [sondern] den menschen zu scanden bringen HlReg 69,12 1.4 mit Präp. mit: vil edeler fürste in Dürengen lant, / heiz dîn landes herren mit ir wilden mæren dagen Wartb(S) 167,2 2 ‘jmdm. schweigend zuhören’ mit Dat.d.P. oder nâch: ir muget mir deste gerner dagen: / ichn wil iu keine lüge sagen Iw 257; ir sult mir eine wîle dagen / und vernemen albesunder / diu manicvalden wunder, / diu got mit Eraclîô begie Eracl 90. 4421; swa si gesitzent bi der glut / oder anderswa, swie daz si, / daz in ieman da lihte ist bi / der im ein mere bitet sagen, / dem si alle wol gedagen Vät 136; Wartb Fl 12,2; LBarl 12301; dô zeigete gotes wîgant / eine stille mit der hant, / daz sie gedageten nâch im [ihn ruhig anhören sollten; La. im statt nâch im ] RvEBarl 10459 3 ‘von etw. ablassen’, mit Gen.-Obj.: ein brvͦder wart in so getaner wise betrogen. den tvnkte das ein brvͦder bi einem wibe lege, vnd sties mit sinem fuͦsse dar, vnd sprach: ‘gedagent der sv́nde.’ do waren es zwo dinkelin garben VitasPatr 263,25. – ohne Gen.-Obj., wohl auch hierher: her uirgab durh gotis willen / groz almuͦsen undir wegen. / dicke muste her gedagen / durch sine unkraft Ägidius 1467
MWB 1 1178,1; Bearbeiter: Tao