Dachtrauf(en) m.,
Dachträuf(en) m.,
n.,
Dachtraufe,
träufe f.: 1. 'die vom kandellosen Dachrand herabfallenden Wassertropfen',
auch 'der kandellose Dachrand selbst' und 'die von den herabfallenden Wassertropfen gebildete Vertiefung am Boden',
Dachtraaf (daxdrāf) m. [KU-Adb Kaulb Kreimb Rothsbg Brück RO-Dielkch KL-Bann Gerhardsbn KB-Gauh],
f. [HB-Nd'bexb WD-Niedkch ZW-Battw verbr. NPf PS-Donsied Schönau Hirschth Gal-Josbg],
-traif (-trāif) f. [GH-Neubg],
-traff (-draf) m. [PS-L'mühl Lambert Penns 35],
f. [LU-Opp]
-trapp (-drab) m. [Ingb ZW-Wiesb Krähbg KL-Bruchmühlb LU-Friesh Don-Schowe Torscha Tscherwk Lenauh Gal-Dornf],
-trap (-drāb) f. [ZW-Bechhf],
-trääf (-drEf) m. [KU-A'glan Bedb Lohnw KL-Gimsb Hütschhs Mackb NW-Elmst],
f. [KU-A'glan Wolfst KL-Fischb PS-Schmalbg LU-Limbghf NW-Ruppbg Frankeck GH-Schaidt Schwegh],
n. [KU-Dietschw],
-träff (-dręf) m. [KU-Schmittw/O],
f. [KU-Körbn KL-Reichb Rodb PS-Bobth LU-Alsh/Gr NW-Freinsh Elmst verbr. südl. VPf],
n. [LU-Böhl NW-Kallstdt Ungst LA-Venn],
-träpp (-dręp) m. [LU-Opp],
-traawe (-drāwə) [IB-Gersh],
-trääfe (-drEfə) [KL-Weilb NW-Deidh],
-trappe (-drabə) [Gal-Obl];
vgl. Dachtröpfs,
-tröpfse.
's reent (regnet)
drauß, horch, wie der Dachträäf geht! [KL-Gimsb u. Umg.].
Der Dachtrapp geht, der Rejewassersbrunne werd voll [Don-Mramorak]. Volksgl.: Die Dachtraufe spielte ehedem im Volksgl. eine große Rolle. Nach Schandein Bav. IV/2, 347 ff. durften Wöchnerinnen vor ihrem ersten Ausgang (Besuch der Kirche zur Aussegnung) nicht über die D. hinaus; die ohne Taufe gestorbenen Kinder wurden in alter Zeit von der Hebamme unter der D. der Kirche begraben. Man bewahrte das Vieh vor Seuchen, wenn man das Futter vor dem Füttern unter die D. legte. Ein weißer Krautstock oder einzelne weißgewordene Blätter am sonst grünenden Krautstock bedeuteten den Tod eines Familiengliedes; sie wurden deshalb ausgerissen und unter der D. des Hauses vergraben. — Wer seine Warzen loswerden wollte, mußte heimlich den Spüllumpen aus der Küche entwenden und ihn unter der D. verstecken, wobei er die drei höchsten Namen rief [Pfälzer Heimat (Pirmasens), Nr. 16/1931].
Reib en Spiellumbe iwwer Warze un grab en noo unnich der Dachdrapp [Fogel Beliefs Penns Nr. 1695]. Auch mit einer Speckschwarte glaubte man Warzen vertreiben zu können: man strich mit ihr über die Warzen und vergrub sie danach unter der D. [(1930) KU-Bedb]. — 2. =
Dachrinne,
-traaf m. [KB-Gauh],
f. [PS-W'fischb FR-Ebertsh Grünstdt],
-trääf m. [KB-Gauh Stett NW-Mußb],
f. [KL-Matzb RO-Lohnsf]. —
F.: Die Formen
-dręf, -drEf bzw.
-drEfə, beruhen auf
mhd. *tröuf,
*tröufe wie
lEfəʳ 'Läufer' auf
mhd. md. löufære (
vgl. mhd. troufen, tröufen 'träufeln',
Lexer II 1531). Der kurze Vokal in
-draf, -dręf, -drab, -dręb erklärt sich aus der Stellung des Wortteils im Nebenton
(ˈdaxdrab usw.);
vgl. z. B. hoxdsəd 'Hochzeit',
bāʳwəs '
barfuß',
noxbəʳ 'Nachbar',
kęʳwə 'Kirchweih'. Die Formen
-drab, -dręb zeigen den Übergang von f > p (b) im Auslaut wie in
käʳχob 'Kirchhof';
vgl. auch
lēb 'Löwe',
hōg 'hoch'. — Zum Gen.:
m. und
f. halten sich ungefähr die Waage,
n. ist selten. — Südhess. I 1295/96;
Rhein. I 1218; Saarbr. 42;
Lothr. 76;
Els. II 743; Bad. I 398/99.