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Chor

ae. bis spez. · 17 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
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23 in 17 Wb.
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Chor

Bd. 4, Sp. 92
Chor (griech., der), eigentlich ein umgrenzter Tanzplatz, dann der Rund- und Reigentanz selbst, insbes. der mit Gesang verbundene, bei festlichen Gelegenheiten zu Ehren einer Gottheit ausgeführte Reigen und das ihn ausführende Personal. Solche Aufführungen, bald ernst und feierlich, bald lustig und ausgelassen, bildeten bei den Dionysischen Festen den ursprünglichen und hauptsächlichen Bestandteil der Festfeier, und als sich aus den Dithyrambenchören (s. Dithyrambos) in Athen das Drama entwickelte, wurde der C. als Hauptelement der dionysischen Feier beibehalten, wenn auch im Laufe der Zeit mit zunehmender Beschränkung, gewissermaßen als ein ideales Publikum von Greisen, Männern oder Frauen (in der Tragödie anfangs 12, seit Sophokles 15, ebensoviel wahrscheinlich im Satyrdrama, in der Komödie 24), das zu den handelnden Personen in irgend einer Beziehung steht, an den dargestellten Vorgängen selbst ein gewisses Interesse hat, von der Orchestra aus die Handlung mit ruhiger Teilnahme begleitet, bisweilen auch in dieselbe, wenn auch nicht tätig, durch Vermittelung des Chorführers (Koryphaios) eingreift und in den Hauptabschnitten des Stückes lyrische Stücke, von Flötenspiel begleitet, unter angemessenen mimischen und Tanzbewegungen vorträgt. Gewöhnlich erfolgt nach der ersten Szene der feierliche Einzug des Chores (Parodos) in die Orchestra, auf der er in der Regel bis zum Schluß des Stückes verblieb. Zum Unterschied von der kreisförmigen Ordnung des Dithyrambos war seine Ausstellung viereckig; während des Spieles trat er, um den Blick auf die Bühne nicht zu hindern, in zwei sich gegenüberstehende Abteilungen auseinander, änderte aber nach Beschaffenheit des Stückes und der Gesänge die Stellung. Die Gesänge des tragischen Chores waren dreifacher Art: der erste gemeinsame Gesang beim Einzug in die Orchestra, die Parodos; das die Dialogpartien unterbrechende und in der Regel bei leerer Bühne bald vom ganzen C., bald von Halbchören, kleinern Abteilungen oder einzelnen Mitgliedern (Choreuten) vorgetragene Stasimon und der Kommos, ein von einzelnen Choreuten oder Abteilungen abwechselnd mit einer Person auf der Bühne gesungenes Klagelied. Die Stasima waren antistrophisch, d. h. jeder Strophe entsprach eine zweite von genau demselben Umfang und Bau, die Antistrophe; beiden folgte bisweilen noch ein selbständig gebauter Abgesang, die Epodos. Außer der lyrischen Form, welche die ganze Mannigfaltigkeit der ausgebildeten dorischen Metrik zeigt, unterscheiden sich diese Lieder auch sprachlich vom Dialog, indem der attische Dialekt leicht mit dorischen Formen gemischt ist. Dem Inhalt nach schließen sich die Chorgesänge in der guten Zeit stets eng an die Handlung an (schon bei Euripides lockert sich die Verbindung, noch mehr bei den spätern Tragikern seit Agathon) und äußern, was sich aus derselben aufdrängt: Klage, Jubel, Warnung, Trost, Belehrung über die Leidenschaften und die stets waltende Gerechtigkeit der Götter, Hymnen, Gebete etc. Die tragischen Chöre sind neben Pindars Epinikien die erhabensten Reste griechischer Lyrik. Der C. der ältern Komödie, welcher der Handlung wie dem Zuschauer erheblich näher trat als der tragische, hatte nicht nur seine Parodos und seine Stasima, sondern griff auch beständig mit kleinen Gesängen in die Handlung ein. Speziell an das Publikum gerichtet war der Hauptchorgesang, die Parabase (so genannt von dem Umschwenken des bisher der Bühne zugewandten Chores zum Zuschauerraum), in halb launiger, halb würdevoller Sprache, aber mit ernster Tendenz; hierbei trat auch die Person des Dichters gelegentlich stark hervor. Die vollständige Parabase (nicht immer war sie vollständig) zählte sieben Teile: das Kommation, ein einleitendes, Wünsche für den Schauspieler enthaltendes Liedchen; die eigentliche Parabase, eine Ansprache an das Publikum über den Dichter oder eine sonstige Angelegenheit, meist in anapästischen Tetrametern; das sie beschließende, in ununterbrochenen Anapästen abgefaßte Makron oder Pnigos. die Ode, ein aus Ernst und Scherz gemischtes Loblied an die Götter; das bloß der ausgelassenen Laune dienende Epirrhema, meist in trochäischen Tetrametern; schließlich beiden letztern in Form und Inhalt entsprechend die Antode und das Antepirrhema. Die ältern Stücke des Aristophanes haben zwei Parabasen, von denen die zweite nur aus den vier letzten Teilen besteht. Über die musikalische Komposition sind wir ebenso unzureichend unterrichtet wie über die orchestische Ausführung; wir wissen nur, daß die tragische Tanzweise, Emmeleia genannt, sich durch Würde und Ruhe von der lebhaftern des Satyrspiels, der Sikinnis, und der ausgelassenen der Komödie, dem Kordax, unterschied. Die Beschaffung und Ausbildung der Chöre fiel zu Choregen bestellten vermögenden Bürgern zu (s. Choregie). Als nach dem Peloponnesischen Krieg Athens Wohlstand gesunken war, gingen manche Chöre ganz ein, wieder komische schon in den letzten Jahren des Aristophanes, daher auch der sogen. mittlern und neuern Komödie und der aus letzterer hervorgegangenen römischen der C. fehlte. Dagegen besaß ihn die der griechischen nachgebildete römische Tragödie, in der er jedoch wegen der fehlenden Orchestra gleich den Schauspielern seinen Platz auf der Bühne hatte. – Bei dem Charakter dieses antiken Chores, der ganz im öffentlichen Leben des griechischen Volkes wurzelte, ist nicht zu verwundern, daß Nachbildungen, wie sie z. B. Schiller in der »Braut von Messina« versuchte, keinen allgemeinen Anklang fanden. Mehr Glück machten in Platens (freilich nur gelesenen) aristophanischen Stücken die Parabasen, obwohl auch sie als vorwiegend literarischen Inhalts nur in engern Kreisen.
5662 Zeichen · 33 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 8.–11. Jh.
    Altenglisch
    chorst. M. (a)

    Köbler Ae. Wörterbuch

    chor , st. M. (a) nhd. Tanz, Chor (M.) (1) Hw.: vgl. an. kōri, ahd. kōr, afries. kōr I.: Lw. lat. chorus, gr. χορός (cho…

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    chorst. M.

    Köbler Mhd. Wörterbuch

    chor , st. M. Vw.: s. kor (1)

  3. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    chorM., F.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    chor , M., F. Vw.: s. kȫre

  4. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Chor

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Der oder das Chor , (sprich Kohr,) des -es, plur. die Chöre, aus dem Griech. und Latein. Chorus. 1. Überhaupt mehrere na…

  5. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Chor

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    2 Chor soweit erkennbar, überwiegend neutr architekton: der für die (singenden) Kleriker bestimmte Raum einer Kirche mit…

  6. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Chor

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +4 Parallelbelege

    Chor , derjenige Theil der Kirche, in welchem sich der Hochaltar befindet, einige Stufen höher als der übrige Raum der K…

  7. modern
    Dialekt
    Chor

    Bayerisches Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    Chor Band 3, Spalte 3,910

  8. Sprichwörter
    Chor

    Wander (Sprichwörter)

    Chor 1. Ein Chor der Rache. – Sandvoss, 185. 2. Einen zu Chore treiben. Kirre machen, zur Vernunft bringen. 3. Mit einem…

  9. Spezial
    Chorm

    Dt.-Russ. phil. Termini · +2 Parallelbelege

    Chor , m хор , м

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit chor

401 Bildungen · 381 Erstglied · 19 Zweitglied · 1 Ableitungen

chor‑ als Erstglied (30 von 381)

Chor I

Idiotikon

Chor I Band 3, Spalte 444 Chor I 3,444

Chor II

Idiotikon

Chor II Band 3, Spalte 445 Chor II 3,445

Chor III

Idiotikon

Chor III Band 3, Spalte 446 Chor III 3,446

Chor(n)gert(eⁿ)

Idiotikon

Chor(n)gert(eⁿ) Band 2, Spalte 442 Chor(n)gert(eⁿ) 2,442

Chor(n)gift

Idiotikon

Chor(n)gift Band 2, Spalte 135 Chor(n)gift 2,135

Chor(n)walm

Idiotikon

Chor(n)walm Band 15, Spalte 1578 Chor(n)walm 15,1578

Chor(n)walzeⁿ

Idiotikon

Chor(n)walzeⁿ Band 15, Spalte 1713 Chor(n)walzeⁿ 15,1713

Chor(n)wickeⁿ

Idiotikon

Chor(n)wickeⁿ Band 15, Spalte 1125 Chor(n)wickeⁿ 15,1125

Chor(n)wid(eⁿ)

Idiotikon

Chor(n)wid(eⁿ) Band 15, Spalte 573 Chor(n)wid(eⁿ) 15,573

Chor(n)wolf

Idiotikon

Chor(n)wolf Band 15, Spalte 1567 Chor(n)wolf 15,1567

Chor(n)wëlleⁿ

Idiotikon

Chor(n)wëlleⁿ Band 15, Spalte 1195 Chor(n)wëlleⁿ 15,1195

Chor(n)wī

Idiotikon

Chor(n)wī Band 15, Spalte 59 Chor(n)wī 15,59 A

chorag

DWB

chorag , choraget , m. chorführer: gefiel bisher dir höchstem chorageten ihr ( der geisteskünste ) einklang mit dem groszen chor der schöpfu…

choragium

MLW

choragium (co-, -rog-, -aug-) , -i n. ( χοράγιον) 1 caterva — Schar : Dicuil. epist. cens. app. (Cod. Paris. N. A. 1645 f. 14 r ) agmen, ala…

choral

DWB

choral , m. canticum sacrum, cantus choralis, choralgesang, kirchenlied, weise des kirchenlieds.

Choralbearbeitung

Meyers

choral·bearbeitung

Choralbearbeitung , die kontrapunktische Behandlung des protestantischen Chorals entweder als einfachen vier- oder mehrstimmigen Satzes ( No…

Choralgesang

GWB

choral·gesang

Choralgesang in iron Beziehung auf den Lutherchoral ‘Ein feste Burg ist unser Gott’ [ mBez auf weichl Romantikerwesen ] ihr Ch. bleibt doch …

choralis

LmL

chor·alis

choralis -e 1. zum Gregorianischen Choral gehörig, Choral- [2. irrtümlich: zur mehrstimmigen (Mensural-)Musik gehörig] — 1. related to Grego…

Choralíst

Adelung

chora·list

Der Choralíst , (sprich Koralíst,) des -en, plur. die -en, der den Choral in den Kirchen zu besorgen hat, und denselben verstehet.

choraliter

LmL

chora·liter

choraliter im Choral — in chant [s.XIV] LmL Heinr. Eger 4 p. 46: Haec autem posui, non ut per tales mensuras choraliter semper cantetur, sed…

Choralnote

Meyers

choral·note

Choralnote , die spätmittelalterliche Notierungsweise des Gregorianischen Chorals, die nicht den Rhythmus ausdrückt, sondern nur die Tonhöhe…

choralsatz

DWB2

choral·satz

choralsatz m .: ⟨1856⟩ Keller (1894)4,207. 2001 zeit (6.9.), DWDS-arch.

choraltar

DWB

chor·altar

choraltar , m. altare primarium, hauptaltar, um welchen der chor sich sammelt.

chor als Zweitglied (19 von 19)

anchor

KöblerMnd

anchor , N., M. Vw.: s. anker

Baschor

Idiotikon

bas·chor

Baschor Band 4, Spalte 1759 Baschor 4,1759

Clinschor

BMZ

Clinschor n. pr. herzog von Terre de Labûr mit der hauptstadt Caps, nachkomme des zauberers Virgilîus von Nâpels. er widmete sich dem dienst…

dankchor

DWB

dank·chor

dankchor , m. chor jüdischer priester, die bei öffentlichen gebeten danklieder singen, und ( ich ) bestellete zween grosze dankchöre Nehem. …

Janitschor

MeckWBN

Wossidia Janitschor m. Janitschar, Angehöriger einer 1826 aufgelösten türkischen Truppe mit besonderen Vorrechten Müll. Reut. 63 a .

Jesuiterchor

Wander

jesuiter·chor

Jesuiterchor Mit Jesuiterchor, Benedictinerbett, Kapuzinertisch und Dominikanerwein ist gut geistlich sein. – Körte, 2182.

kor, chor

MWB

kor, chor stswM. ein hebr. Maß (lat. c(h)orus): der sprach, er scholt [schuldete] zehenzech chorn weitzes [ centum coros tritici Lc 16,7] Pr…

musikchor

DWB

musik·chor

musikchor , m. chor musizierender: der wiederhall der wechselnden musikchöre, der rausch des frohen tanzes. Arnim Hollins liebeleb. 49 Minor…

OSOCHOR

Hederich

OSOCHOR , soll der Namen des ägyptischen Herkules gewesen seyn, den man sonst Chon nennet. Banier Erl. der Götterl . IV B . 594 u . 669 S . …

Singechor

Adelung

singe·chor

Das Singechor , des -es, plur. die -chöre, ein Chor singender Personen, ein Chor Sänger.

zeichor

KöblerAhd

zeichor , st. M. (a)? Vw.: s. zeihhur*

Ableitungen von chor (1 von 1)

chôre

MNWB

1 kôr (koer , koir) , chôr (choer , chur) , chôre , n. , °m. (überwiegend ostfäl. Belege), 1. Sängerchor , Gesamtheit der Sänger oder Sprech…