breisen,
nodis, funiculis stringere, cingere, schnüren, heften, mhd. brîsen breis gebrisen (Ben. 1, 255. 256);
unsere ahd. quellen bieten das wort nicht dar, es ist aber in allen deutschen sprachen vorauszusetzen, da ein berühmter weiblicher schmuck, der Freyja halsband brîsînga men
heiszt, womit brosinga mene
im Beovulf 2399
zusammentreffen musz. vielleicht wäre auch altn. besser brisînga men
zu schreiben und ags. brosinga
aus brusinga
hervorgegangen, was auf briusan braus brusun,
statt breisan brais brisun,
nach bekanntem wechsel beider ablautsreihen führen würde. brisîng
und brosing
angesetzt, erwüchse der passende sinn monile nexuum, connodationum, das künstlich verschlungne halsband. Fast alle mhd. und nhd. stellen verwenden brîsen, breisen
vom schnüren des gewandes und der schuhe: ir maget, brîset iuwer hemde wîʒ mit sîden wol zen lanken. Neidh. 15, 3; an irn füeʒen kleine truoc si zwei schüelîn reine gebrisen an ir beinlîn wol.
fragm. 27
a; er tregt ein seidin hemmat an, darein so preist er sich. Uhland 58; die doch in narrenkapp sich brisen. Brant 40, 4; wie man sich mutz, schmier (? schnüer), nestel, bris. 89, 7; ein junger gesell was gebrisen und zerzert und hett sich auszgestrichen, als steif er immer kund. Keisersb.
gunkel; wann er ein seidin wammes antreit uf der gassen und steif ingebrisen ist und ingenistelt, das geb im mer freud dan das mesgewand.
post. 202
b; was wir mit den kolbenden preiten schuohen, preiten pareten, geprisnen hembdern thond, das haben die alten mit den spitzigen geschnebelten schuohen, kappen und weiten hembdern gemeint. Frank
guldin arch 101
a; und so sie trucken werdent, so schnür oder breis die tüechlin subtiligklichen zuosamen. Braunschweig 14; in einem watsack, der was fein verschlossen und gebrisen zuo.
Mörin 18; teglich sie sich ziert, preist und butzt, vor dem spiegel streicht, zaft und mutzt. H. Sachs I, 521; fieng demnach an zu lachen, den barchat zu reiszen, seinen latz zu entbreisen.
Garg. 148
b; einbreisen und schnüren.
Witzenb. 76; ihre zuckerballen hatte sie hinlässig eingepriesen und dahero belustigte mich deren auf- und niedersteigen, wann sie athmete.
Simpl. 2, 408. 409.
später verschwindet dies wort im schriftgebrauch und steht schon bei Stieler
und Steinbach
nicht mehr; vielleicht wegen seiner vermischung mit preisen
laudare, welches, auch oft mit b
geschrieben, sich sogar die starke flexion pries priesen gepriesen
aneignete. In der Schweizersprache dauert aber das alte brisen
schnüren lebendig fort. Stald. 1, 227. Tobler 78
a;
ebenso in Schwaben (Schmid 95)
und Baiern (Schm. 1, 345,
der es mit unrecht unter P
stellt). engbrisen
angustus. Henisch 893, 23. Frank
gebrauchte breisen
auch von einem das land einfassenden, gleichsam einschnürenden bach: welcher alle garten wässert und die ganz ebne zwischen der statt Tripoli und dem berg Libano, und breiset das ganz land, und seind seine wasser kül und süsz.
weltb. 166
a.
Nicht das lat. premere pressus,
franz. presser
darf man zu unserm breisen
halten, sondern das mlat. frisare,
fimbriis ornare (Ducange 3, 415),
prov. freisar, frezar (Rayn. 2, 400),
franz. fraiser,
it. fregiare, Diez
wb. 155.
vgl. anbreisen, aufbreisen, ausbreisen, einbreisen,
deren einige schon zur erläuterung beigebracht wurden.