Wossidia
bottern -dd- buttern Mi 10
b. 1. der Vorgang der Butterbereitung war früher allg. folgender: die frisch gemolkene Milch wurde durch ein in einem Ring befestigtes Tuch (Sihdauk) oder durch ein Haarsieb gegossen (upsiht) und in kleinen Wirtschaften in flachen irdenen Gefäßen (Melkpott, -schal) in ein Brettergestell (Melkenbuurt, -schapp), das meist in der Stube neben dem Ofen stand, in größeren Betrieben in breiten, runden, verzinnten Gefäßen oder solchen aus grünem Glas (Melksatten) in den Melkenkeller oder die Melkenstuw gesetzt. Nach zwei bis drei Tagen wurde sie entrahmt, indem der Rahm häufig zuerst am Rande mit dem Finger losmaakt und dann bei einer dünnen Schicht afpuust't, bei einer dickeren mit einem flachen Löffel (Rohmläpel) abgenommen (afröhmt), in ein mit einem Deckel versehenes Holzgefäß (Rohmbütt, -stann', -tin) gefüllt und im Winter in die Stube, im Sommer in den Keller gestellt wurde. Wo ein kühler Ort nicht vorhanden war, hebben de Buerfrugens den Rohmpott abends in 'n Sot hängt Wo. Sa. Wenn genügend Rahm vorhanden war, wurde dieser in das Butterfaß geschüttet, der Dekkel zuerst nur lose aufgelegt, so daß rund herum ein Zwischenraum blieb und im Sommer etwas kaltes, im Winter warmes Wasser auf den Deckel gegossen, das an den Innenwänden des Fasses herunter lief. Dabei begann man bereits mit dem Stab zu stoßen (pümpeln). Dann wurde der Deckel fest aufgelegt, und man fuhr mit dem Stoßen fort, bis sich die ersten Fettklümpchen bildeten (dat bottert). Nachdem man die Wände des Fasses noch einmal mit Wasser abgespült hatte, butterte man noch etwa zehn Minuten, denn is afbottert. Die Butter wurde nun mit einem flachen Holzlöffel herausgenommen, in eine längliche Mulde aus Weidenholz (Bottermoll) gelegt und die noch vorhandene Buttermilch mit einem großen hölzernen Löffel (Botterkell) herausgepreßt, dann die Masse gewaschen, gesalzen, geknetet und schließlich in walzenförmige Stücke (Slagen) geteilt oder zum Verkauf in eine länglich runde Holzform (Pundfatt) gepreßt und ausgeschlagen. Außer dem Pundfatt waren das gleiche Gewicht enthaltende mit Blumen, Ähren, einem Hahn und ähnl. verzierte Butterformen üblich;
s. die Abb.
Sp. 1055. Wenn das Pfundmaß vollgestrichen war, wurden auf die Butterfläche zwei kreuzweise Eindrücke mit der Kelle gemacht Bartsch 2, 136. Um eine schöne gelbe Farbe zu erzielen, wurde zuweilen der Saft von gäl Wörteln (Mohrrüben, daucus carota) hinzugesetzt. Dem gleichen Zweck diente ein Zusatz von Örgeljahn (bixa orellana) E. Krüg. 21 oder Gurkelmei (curcuma longa) Schill. Kr. 1, 22
b. Diese Art der Butterbereitung, die den Frauen oblag, war sehr mühsam. Der Vorgang dauerte eine Dreiviertelstunde, œwer man dörf sick nich scheif ümkiken un nich stillhollen, wenn es in dieser Zeit geschehen sollte. Späterhin benutzte man das sogenannte Dreihbotterfatt, bei dem zwei im Faß befindliche, kreuzförmig gestellte, an einer Welle befestigte Flügel durch eine Kurbel gedreht wurden (
s. Abb.), auch Botterwinn' singlecol genannt. Auf Bauernhöfen geschah der Antrieb häufig durch einen auf einem Tretrad laufenden Hund (
s. Abb.), auf größeren Betrieben durch ein im Göpelwerk gehendes Pferd,
s. Bottermaschin. Ziegenmilch wurde oft in einer Flasche (Pott-, Kannbuttel) gebuttert. Weiteres über Butterbereitung
vgl. Arch. Landesk. 10, 281; Leng. 1, 189; Eng. Landw. 1, 214; Land. Ann. singlecol 1828, S. 608; 1859, S. 179; 1861, S. 97. 2. Redewendungen: dat bottert gaut gibt gute Butter; wenn es bei Sonnenschein regnet, heißt es:
nu bottern de Hexen LuLudwigslust@ConowCon; Eld; von erfolgloser Arbeit: wenn 't nich bottern will, denn bottert dat nich öft.; auch Reut. 4, 435; Stillfr. Sl. 112; mehrf. mit drastischen Zusätzen: wenn 't nich bottern will, bottert dat nich, un wenn ein mit de Bein in steiht Wa; ...,
un wenn 'n ok in schitt RoRostock@RibnitzRibn; un wenn man dor ok in spigt Bri. 3, 19; vor Übermaß warnt: wer mit de Lippen röhmt, möt mit 'n Noors bottern RoRostock@GnoienGnoi; wer dörch de Tähnen siht, möt dörch den Noors bottern Retsch; weiterhin: von ein Kauh kann 'n nich väl bottern MaMalchin@StavenhagenStav; Wa; een Mus gifft ok Melk, dat duert œwer lang', eh man dorvon borrern kann Horn Selmsd. 1, 608; übertr. von schwerer Arbeit: bottern in steinigem Boden haken RoRostock@SatowSat; von Bewegungen: hei bottert as ne Gaus geht einwärts und mit hastigen kleinen Schritten RoRostock@KlockenhagenKlock; danzt hebben se früher, as wenn de Gäus' bottern auf dem Platz hin und her tretend Park; de Hexen bottern den Acker so fast beim Tanz in der Mainacht StaStargard@StrelitzStrel; Knabenspiele: bottern auf Eisschollen fahren LuLudwigslust@MalkMalk; Ro Rostock@WarnemündeWarn; sich mit dem Rücken gegeneinander stehend gegenseitig hochheben Schw; Schw Jarmst; ein Teil dieser übertr. Anwendungen ist durch das lautähnliche buttern schlagen, klopfen (
s. d.) beeinflußt. 3. Schwank, Volksreim und -glaube: ick botter, ick botter einen Kater in nägenerlei Water im Schwank von Ulenspeigel, der einer Bauerfrau, die von ihrer Milch keine Butter bekommen kann, rät, Wasser aus neun Wasserlöchern zu holen und in das Faß zu gießen, und dann unbemerkt einen Kater hineinwirft WaWaren@Groß GievitzGGiev; einer anderen gibt er den Rat, einen unnertaumaken unner 't Botterfatt, sie mißversteht dies und schitt dorin,
vgl. bottern 2; häufig im Volksreim: He red' nah Schultenvadder hen, Schultenmudder botter Wo.
V. 3, 1574; 1572; Hund stünn un botter 1666, 2; 1573; 1584; allgem. herrscht der Glaube, daß die Hexen die Butter an sich bringen oder behexen; über das Buttern dieser Unholde
s. Bartsch 1, 119; 120; 2, 39; Wo. Sag. 2, 317 ff.; man muß daher in der Wahl des Buttertages und während des Butterns die größte Vorsicht walten lassen: das Buttern am Freitag bringt die schönste und beste Butter Bartsch 2, 217; von einer frischmilchenden Kuh darf man vor dem ersten Buttern keine Milch fortgeben StaStargard@KrickowKrick; wer schielt, darf nicht beim Buttern zugegen sein Bartsch 2, 136; wenn die Butter nicht geraten will, so mache man in den Butterstab drei Löcher, tue Menschenkot hinein und mache die Löcher wieder zu ebda; wenn 'n keinen Däg' hett mit Melk un Botter, denn möt 'n Maidag- und Johanninacht ne Schal mit Melk nah 'n Krüzweg drägen un 'n Kreis mit drei Krüzen dorüm maken, denn ward 't bäter ebda; 'wenn du keine Butter kannst bekommen, so gehe an eine Scheidung oder Zaun und ziehe einen Zaunpfahl aus und gieße den Milchsahn in das Loch, wo der Pfahl da gestochen hat, nimm den Pfahl und stoße zu dem Sahn, als wenn du butterst, so wird derjenige kommen und dich bitten, aufzuhören und zu buttern. Wenn man will, so kann man ihn gleich zur Erden niederbuttern' 355; auch ein in das Butterfaß gelegter Erbschlüssel oder ein Taler sollen den Vorgang des Butterns günstig beeinflussen 136; Ro@ Hohenf; zu demselben Zweck legt man Krüzkœm, brunen Dust, einen Feuerstahl, 'n Swienskœtel unter das Butterfaß; oder man gibt der Kuh Menschenkot, Kreuzkümmel und Teufelsdreck ein Bartsch 2, 136; weitere Mittel Wo. Sag. 2, 322 ff. — Zss.:
af- (
Sp. 94), bi- (837), in-, rin-, rüm-, rut-, ut-, verbottern. — Mnd. botteren, — Bl. 54
a; Br. Wb. 1, 127; Dä. 53
a; Me. 1, 468; Teu. 1, 65.