blosz ,
nudus, ein wort, dessen ältester verhalt noch sehr im dunkel liegt. ein goth. blauts
kommt nicht vor, ahd. plôʒ
nur ein einzigmal in der noch dem 7
jh. beigelegten sanctgaller glosse 913
p. 194 (
in Graffs
abdruck 1, lxvi),
mit der bedeutung von superbus, wonach es auch Graff 3, 259
einsam und unerklärt aufführt; zu verwundern bei O.
und N. niemals. dagegen gewähren mhd. blôʒ
nudus, manifestus fast alle (
doch Gottfried
nicht),
im 12
jh. schon En. 99, 23.
Alex. 1629 (1784),
bei Diemer
und in der kaiserchr. suchte ich vergebens danach, fand immer nur bar;
häufig sind auch mnl. blôt,
nnl. bloot,
im teutonista steht bloit.
die fries. rechtsbücher geben blât
nudus, thi blâta
pauper, miser. ags. bleát
miser ist selten, aber von blât
lividus (=
ahd. pleiʒ)
wol zu scheiden: þone bleátan drync,
miserum potum. cod. exon. 161, 24; bleáte gebäran,
misere se habere. Beov. 5643;
engl. kein bleat
mehr (
und blate
etwas anders),
eines schott. blait,
naked, bare versichert uns Jamieson 1, 116
b.
altn. blautr
mollis, maceratus scheint verderbt aus blauðr,
ist also vielmehr unser blöde.
Aber neben nhd. blosz
tritt ein gleichbedeutiges blott
oder blutt
auf, wofür unter diesen wörtern die belege besonders erfolgen, ja blosz
und blutt
erscheinen formelhaft verbunden. zu blutt
stimmt schw. blott,
dän. blot,
welchem nichts altn. entspricht. da nun die form blosz
und ihr langer vocal vollkommen organisch ist, so findet die annahme nicht statt, dasz blosz
und das kurzvocalische blott, blutt
identisch seien, sondern es musz, wenn hochd. TT
hier wie in schütten
oder bitter
zu fassen ist, ein verschollner ablaut walten nach der formel bliutan blaut blutun,
woraus sich ein goth. blauts =
ahd. plôʒ,
nhd. blosz
und bluts =
nhd. blutt
verständigen. nun liefert das langob. gesetz ein blutare, bluttare
evacuare (Ducange 1, 704),
wozu vielleicht franz. bluter
sieben, läutern, bluteau
sieb fallen; it. haftet biotto,
churwälsch blutt,
prov. blous,
nackt, lauter, armselig, elend (Diez
etym. wb. 55),
was alles mit unserm blosz
unmittelbar zusammenhängt. Es käme darauf an, die urbedeutung jenes bliutan
zu ermitteln und daraus auch das ahd. plôʒ
superbus zu erläutern, welches sich zu blôʒ
nudus verhalten könnte, wie ahd. gimeit
insolens, stultus, mhd. gemeit
laetus zu ags. gemâd
vecors, goth. gamaids
fractus. BL
in bliutan
würde dem in blîkan, blinken
u. s. w. gleichen und erscheinen, vortreten ausdrücken. Wachters
herleitung des blosz
aus ahd. pilôsan
privare war sprachwidrig; blosz
mahnt auch an blas,
kahl, poln. łysy (
oben sp. 67).
Bedeutungen des nhd. blosz. 11)
unbekleidet, nackt. mhd. wie freisliche sie lâgen beidiu nacket unde blôʒ.
En. 99, 23; er was ouch nackent unde blôʒ.
krone 14183; er zarte abe sîn gewant, daʒ er wart blôʒ sam ein hant.
Iw. 3236; er reit âne gewant unde blôʒ sam ein hant.
Er. 5400; in sluoc einer mit blôʒer hant.
jüngl. 396; swenne ir eʒʒen gêt sô sület ir niht grîfen drîn mit blôʒer hant, daʒ übele stêt. Haupt 6, 490; ir sült die kel ouch jucken niht, sô ir eʒʒt, mit blôʒer hant. 6, 491
vgl. 7, 176. 177
und Zarnckes
Cato s. 139; wer kan den herren von dem knehte scheiden, swâ er ir gebeine blôʒeʒ fünde? Walth. 22, 13; er und sîne degene gestuonden kleider blôʒ in kurzen stunden.
Gudr. 1676, 4,
schenkten aus milde ihre kleider weg. nhd. wenn er nackent ist und sie blosz.
fastn. sp. 742, 24; sit wir nacken und blosz uf das erdrich komen. Keisersb.
bilg. 148
a; wie blosz und nacket du warest.
Ez. 16, 22; wil dir deine kleider ausziehen und dich nacket und blosz lassen. 23, 29; richte deinen bloszen arm wider das belegert Jerusalem. 4, 7; wer nu aussetzig ist, des kleider sollen zurissen sein und das heubt blosz.
3 Mos. 13, 45; den vogel auf der bloszen hand tragen. Frey
garteng. cap. 65; so hand ir auch ein guote feiszte kutten an, ich aber bin nackend und blosz.
cap. 42; auf bloszer haut dannen schären, das haar gar kurz abhauwen,
strictim attondere. Maaler 72
c; etliche in vil röcken
[] ubereinander, die andern in einer bloszen kutt, oder
s. Johans camelshaut auf bloszer haut.
bienenk. 29
b; der war mit leinwand bekleidet auf der bloszen haut (
goth. bivaibiþs leina ana naqadana).
Marc. 14, 51; mit bloszer hand zusammen kommen,
ohne vermögen, von ehleuten; haben verlassen ihr hab und gut und sind mit bloszen händen gangen in ein frembdes land. Schuppius 130; abziehen mit bloszer hand und frid haben mit teutschem land. Ayrer 130
b; und die bloszen charitinnen tanzen alle wie sie künnen. Fleming 44; in züchten trägt sie auch nicht blosz.
wunderh. 3, 149; wann, wie in Indien, die leute blosz sich trügen, so künte schmünk und schmuck nicht so betrieglich lü
gen. Logau 3,
zug. 51; da louft man und wirft umbher ein, das man hoch sieht die bloszen bein. Brant
n. sch. 61, 24; der arme freund ist ausgezogen und fast, wie Adam, blosz und nackt. Göthe 1, 210; wann erst die schande wird geboren, dann geht sie auch bei tage blosz. 12, 197; junge hexchen nackt und blosz. 12, 211; in den zeiten der freiheit, da herr Posselt täglich den bloszen hintern zum fenster hinaus reckt.
an Schiller 456; der cammerdiener sprützte den bauern eben in jenem augenblick mit dem warmen blut in den bloszen hintern.
fliegenwadel 99;
auch mit ausbleibendem subst. streiche auf den bloszen,
doch fastn. sp. 1433
steht ein ploszen fürn ars und zum thor aus,
statt ein fürn ploszen ars; die kinder gehn mit bloszem hals; lauft mir nicht, ihr kinder, mit bloszen füszen in der stube herum!; mit bloszem haupt,
ohne hut; auf der bloszen (
unbedeckten) erde schlafen.
schw. blott och bar,
nackt und blosz. die redensart im bloszen hemde stehn
kann gefaszt werden entweder blosz,
nackt im hemd, oder nur ein hemd übergeworfen, allein im hemd: haltet euch beherzt, denn ich will euch wider allen gebrauch gegen den feind führen 'im bloszen hembde.'
Felsenb. 4, 59. das kind macht sich blosz (
im schlaf). 22)
ohne waffen und rüstung. mhd. Erec was blôʒ sam ein wîp.
Er. 102; er was gewâfent und ich blôʒ. 485; halp er und daʒ ros blôʒ. 748.
nhd. David ein kleiner ploszer man Goliam hat gesiget
an. Schwarzenb. 107, 1; als er da wie ein weidman zu fusz plosz on einigen harnasch gestanden ist.
urk. zu Götz von Berl. p. 6 (
a. 1512); alsdan die irn auch Jörgen von Geiszlingen sel. als ein bloszen man ermordt. 13. ein pferd blosz reiten,
ohne sattel, monter un cheval à nu. 33)
ohne scheide, aus der scheide: und lagert fur den garten Eden den cherubim mit einem bloszen hawenden schwert. 1
Mos. 3, 24; das er den engel sah im wege stehn und ein blosz schwert in seiner hand.
Jos. 5, 13; ir wort sind gelinder denn ole und sind doch blosze schwerter.
ps. 55, 22; das blosze, schneidende schwert.
Bocc. 1, 291
b; sein scharpfes schwert schon billich blosz. Weckherlin 116; blosze schwerter! Schiller 259
b; die frau konnte keinen bloszen degen sehen; er lief mit bloszem messer, bloszem gewehr hinter ihm her. 44)
unbewachsen, kahl, ohne laub, unbekränzt: mhd. diu erde stuont niht blôʒ gegen einer hande breit.
Er. 8724; er schûhte âne mâʒe die liute und die strâʒe und daʒ blôʒe gevilde.
Greg. 2591,
das freie feld, im gegensatz zum wald; emʒigiu trât tuot blôʒen wec.
krone 2249,
auf vielbetretnem weg wächst nichts. nhd. denn ir blut ist drinnen, das sie auf einen bloszen (
kahlen, nackten) felsen und nicht auf die erden verschüttet hat.
Ez. 24, 7; ja ich wil auch den staub fur ir weg fegen und wil einen bloszen fels aus ir machen. 26, 4; und der ungerechten wurzel stehet auf einem bloszen felsen.
Sir. 40, 15; an früchten und beumen gar blosz. Frank
weltb. 62
a; bloszer wasen,
cespes nudus. Maaler 72
c; der halb erfrorne nord macht das gefilde blosz, die kranken bäume kahl. Fleming 124; auch war der weg von bäumen blosz. Göthe 13, 120; der ein thät mit sich bringen ein kränzlein ohn gefährd, mit bloszem haupt der ander zugleich kam zu der fahrt.
[] die jungfrau mit verleubte nahm ihr eign kränzelein, und setzt es auf das heupte des, der blosz kam herein. Hoffm.
gesellsch. l. 22. 23.
analog ist blosz =
haarentblöszt; bloszes fell,
gegerbtes. 55)
wie nackt
und baar
steht blosz
für schlicht, lauter, einfach, geht aber auch in die vorstellung von kahl, leer, nichts enthaltend über: mit bloszen worten,
nudis verbis. Zarnckes
Cato s. 94; mit bloszen worten verthören. Ayrer 298
b; aber wie wol die juristen in iren büchern haben, dasz ein blosz und schlechte verheiszung, nuda promissio non dat actionem, müg darumb keiner den andern mit recht anziehen, darumb nemen die bauern den mantel in die hand, ut promissio sit vestita. Keisersberg
s. d. m. 65
a; weil er kein handschrift het genommen, auf blosze wort uns darmit traut. H. Sachs III. 3, 39
b; dasz der buchstab bedeut den eitel bloszen und klaren text der schrift.
bienenk. 70
a; dasz mir eine ganze woche auf küchen und keller nicht so viel aufgangen sei, als mich vergangnen winter eine woche über das blosze (
nur das) holz gekostet hat. Schuppius 587; damit meine kinder und nachkommen ein bloszes zeugnis der warheit haben. 601; es stand die blosze wahrheit da. Lichtwer 1, 1; ein bloszes blindes lärmen. Lessing 1, 7; da hingegen öfters auf einem dorfe die unterhaltung mit einem bloszen bauer neu und lehrreich sein kann. Nicolai
bei Merck 1, 52; oder wars ihr vielleicht mit dem bloszen verschlusz gedient? wie? Schiller 193
b; eine wirkung, wie sie zuweilen auch einem gemeinen talent und einer bloszen geschicklichkeit gelingt. Schiller
an Göthe 842; eher ist das völlig charakterlose einer bloszen beinahe nur handwerksmäszigen bauart auffallend. Göthe 43, 97; durch kein groszes dichtergenie, sondern durch blosze mittelmäszige köpfe. 44, 277; der blosze sprachgelehrte heiszt nur durch misbrauch philolog. Schelling
meth. des ak. st. 76; und alle diese zusagen sollten ein bloszes (
nichts als) gaukelspiel sein?
denkschr. des fr. von Stein 38.
Es leuchtet ein, wie die vorstellung nudus an die von solus grenzt. die blosze tugend lieben
heiszt auch die tugend allein lieben, solam nudamque virtutem; mhd. swenne ich stân alleine in mînem hemede.
MS. 1, 38
b = blôʒ in mînem hemede.
Auf der andern seite trat blôʒ,
wie baar
zu offenbar,
manifestus wurde, in die bedeutung von offen über, blôʒ machen
hiesz offenbaren, enthüllen. pass. K. 362, 64. Jeroschin 65
a; herten und branten blôʒ =
offen, vor aller augen. 11
c.
in diesem sinn ist es nhd. unüblich. 66) blosz,
entblöszt, dürftig, arm: so aber ein bruder blosz wäre und mangel hätte der täglichen nahrung.
Jac. 2, 15; das du bist elend und jämmerlich, arm, blind und blosz.
offenb. Joh. 3, 17; nachdem ich mein gewant eins nach dem andern zu geld gemacht, hab ich also bloszer nirgends zu keinem dienst mehr gelangen mö
gen. Winkelfelder s. 196; demütig, schlecht und blosz. Weckherlin 188; nachdem wir armen menschen gebrechliche, blöde und blosze creaturen sind. Greffs
Lazarus vorr. a 8
b; niemand wird vollkommen, sondern blosz und leer geboren.
pers. rosenth. 1, 5; die liebkosende, blosze (
oder was heiszt dies hier?) seel Hadriani. Schuppius 743. ich bin im augenblick ganz blosz (
von geld). 77)
gern mit gen. der sache oder praeposition, entblöszt, beraubt, ledig, wie häufig mhd. (Ben. 1, 213): die noch blosz sein an fettäch der tugenden. Keisersberg
anheb. mensch C; alles beistands blosz. Weckherlin 37; der sturm flog klippen hoch. mein schif das ward gesplittert, ward leck, ward anker quit, ward mast und segel blosz. Fleming 557 (553); Bardus strebt nach groszem namen, ist von allen gaben blosz. Logau 3,
zug. 212; die (
zeit), aller sorgen blosz, mir wie ein sanfter bach voll stiller freuden flosz. Wieland 31, 394.
ungewöhnlich für bloszgestellt (8,
e)
mit dem dativ: und bin nun selbst der sünde blosz. Göthe 12, 188. 88)
besondere redensarten, oft mit ausgefallnem substantiv, 8@aa) blosz decken
heiszt aufdecken, entblöszen, detegere, nudare: das kind blosz decken,
ihm die decke wegziehen; da streckte sie nach dem gefäsze die hand, und schlangs in die arm und hielt es im schosz, und deckte, was drinnen verborgen war, blosz. Bürger 35
b.
[] mhd. warumb decket ir mich blôʒ? kûm ichʒ lîde.
MSH. 3, 190
a,
vgl. Theokr. 27, 57 (61); her schanden decke blôʒ!
herr deck die schande auf! MS. 2, 234
b,
eine schelte. überraschten nackenden ward decke blôʒ!
zugerufen: ich hete ungerne decke blôʒ gerüefet, do ich si nacket sach. Walth. 54, 21,
d. i. aufgedeckt, ohne decke (
nach 7),
oder etwan der warnende imp. decke blôʒ!
für decke dich? wie auch in folgender stelle decke
imperativisch genommen werden könnte: decke blôʒ! freude grôʒ wirt dâ beidenthalben kunt.
frauend. 433, 27;
nothwendig scheint es der gen. 516, 10: ich hân in (
den hohen mut) bî dînem lîbe ofte funden decke blôʒ.
bei Spee,
trutzn. 223 rohr und gras und wasserblätter deckten seine schulter blosz,
wird aber gemeint, deckten seine blosze schulter. 8@bb) einen bloszen legen,
nudum latus ostendere, eine blösze geben, scheint ursprünglicher fechterausdruck, und etwa zu ergänzen arm
oder leib,
vgl. das goth. ana naqadana
Marc. 14, 51,
gr. ἐπὶ γυμνοῦ,
vulg. super nudo,
was Luther
verdeutscht auf der bloszen haut.
mhd. hiesz diu blôʒe sîte
die nicht durch den schild gedeckte, gleichsam unbewafnete. doch bedeutete 'einen bloszen legen'
allmälich nur schimpflichen anstosz geben, schande einlegen. wer do hat ein kurzen decken, und wil sin füesz herfür strecken, in dem winter fürher stoszen, der solt wol legen bald ein bloszen. Murner
narrenb. 1512. Q 5
b; tragt kind und wiegen als vom weg, das nit ir eins ein ploszen leg.
fastn. sp. 1, 12; du must mir zwar legen ein ploszen. 253, 24; wurde nu der haufe unser lere widder die aufrur von uns geleret auch nicht halten, so würde sie der teufel weidlich beschmeiszen und sie gar hübsch und lecherlich einen bloszen legen. Luther 5, 274
a; nempt euch zuo groszes übermuots nit an, anders ir werd ein ploszen legen.
dialogus zwischen einem prior, leienbruder und betler von Baltas. Stanberger.
o. j. u. o. (
um 1523) 4. B 2
b; ein esel meidt die straszen, darauf er einmal ein bloszen legt. Frank
spr. 1, 102
b; wo die esel einmal ein bloszen legen, dahin kan man sie nimmer bringen.
heillosigkeit 85; du darfst auf dis wort nicht bawen, das ist, du darfst ihm nicht vertrawen, du möchtest sonst einen bloszen legen.
sprichw. weise klugr. 110
a (
bei Agricola
no 184); denn wo man hat gelegt ein bloszen, da het man gern ein leids genossen. Waldis
Esop 2, 23; ich het schier gelegt einen bloszen. H. Sachs III. 2, 47
b; ein höflich kurzweiliger man, der mit sein schwenken legt kein bloszen, der hiesz mit nam Conz von der rosen. IV. 3, 81
a; wer aber daran mangel tregt, an allem ort ein bloszen legt. Ringwald
laut. warh. 264 (1590, 257); wer aber hie legt einen bloszen und von dem feind wird umbgestoszen, der bleibet ewig im gericht. 411 (1590, 405); und solte er noch eins legen einen bloszen. Haupt 8, 325.
wer eine gröbere deutung der redensart '
so fallen, dasz man seine blösze sehen lasse', '
schändlich fallen, dasz die kleider über den kopf zusammen schlagen'
vorzieht, kann dafür aus Freys
garteng. cap. 79
geltend machen, wo ein misgrif der weiber erzählt wird, 'wenn sie den kopf mit den röcken decken wöllen und erwüschen die hembder darmit, legken denn den ars blosz und nackend, darvon dann iederman ein grausamen, groszen schrecken empfacht.' 8@cc) einen bloszen schlagen,
zuweilen auch schieszen,
gleichbedeutend mit dem vorigen, fehlschlagen, du wirst, bei gott, ein bloszen schlagen, weil du wegen der sünden last im himmel kein nothelfer hast. Spangenberg
fangbriefe F 6
a; darumb behilf dich wie du magst, das du nicht einen bloszen schlagst mit deinem hohen fürwitz leicht, der manchen gar hat eingeweicht. Ringwald
laut. warh. 31 (34); mir grauwt, wir schlagen einen bloszn, das wer warlich ein feiner bosse, ein närrisch ding uber alle stück. Gilhusius
gramm. 45; vil bloszen schlegt, der alls helt war. Kirchhof
wendunm. 249; er hat keinen bloszen beigeschlagen. 146; suchen sie in der
[] schrift und zwingen vil sprüch mit dem haar auf ire meinung, damit sie auch ein bloszen schlugen. Mathesius
von Luthers anfang 1567. 56
b; sintemahl die liebe ihr auch bei unmöglichen dingen stets selbst heuchelt und ihre besitzer oftmals den bloszen schlagen läszt. Lohenst.
Arm. 1, 158; was wilstu mich doch viel verstoszen und setzen in die trübe nacht, schlag ich denn allzeit einen bloszen, und werde nur um glimpf veracht? Schirmers
sing. rosen. 22
lied. schossen daselbst ein bloszen. Scheible
fl. bl. 134; denn es haben ihrer vil hierinnen oft den bloszen geschlagen. Butschky
Patm. 607; einen bloszen schlagen,
spe dejici, repulsam fere. Stieler 200.
auch nd. he sleit den bloten,
richtet nichts aus. 8@dd) sich blosz geben,
se detegere, se prodere, sich verraten, offenbaren, etwas merken lassen: in vollheit gibt sich mancher blosz. Ringwald
laut. warh. 74; ein jeder gab sich blosz und sprach den fürsten frei. Gryphius 1, 131; endlich als er etliche becher wein auf das herze genommen hatte, gab er sich blosz, dasz er einen sparrn zu wenig oder mehr als einen zu viel haben müsse. Weise
erzn. 37; so werde ich auch nicht ermangeln, mich gegen euch völlig blosz zu geben.
Plesse 3, 57; hernach geben sie sich fast in jeder zeile mit einer allzugroszen passion für das alterthum blosz. Winkelmann 1, 72; ich verdenke es dem verfasser sehr, dasz er sich blosz gegeben, so etwas auch nur vermuten zu können. Lessing 6, 131; zwar beharret man oft auf der behauptung solcher unbedeutender umstände um so viel hartnäckiger, je weniger man sich blosz geben will, dasz man sie anfangs ... behauptet habe. 8, 352; es kann niemand die theorie verachten, ohne sich blosz zu geben, dasz er in seinem fach ein ignorant sei. Kant 5, 366; stracks sendet man Mercurn mit propositionen nach Pafos ab. man gab sich etwas blosz, dies ist gewis. Wieland 5, 215; sich nicht blosz geben wollen. 20, 250; nur an die stirne setzt ihm (
dem menschen) die natur das licht der augen, fromme treue soll den bloszgegebnen rücken ihm beschützen. Schiller 365
a,
wozu man die erklärung von ampaht 1, L
und 280
nehme; wir sind von vielen seiten grosz, doch hie und da gibt sich blosz bedauerlichste unzulänglichkeit. Göthe 4, 314.
man sagt auch sich blosz legen,
darlegen. 8@ee) blosz stellen,
exponere, aussetzen, preisgeben: man gönnt ihr keinen anwalt. niemand wagts zu ihrem vortheil sprechend deinem zorn sich blosz zu stellen. Schiller 418
a; einen der rache jemandes blosz stellen. Gotter 3, 98; einen dem kampf blosz stellen. Klinger 2, 416; seinen leib der gefahr blosz stellen; der sich jedem blicke neugieriger fremden blosz stellen musz. Tieck 11, 284.
ebenso blosz setzen: wir setzten unbesorgt den augen des centauren uns arm an arm am gegenufer blosz. Wieland 17, 75; eigenliebe hätte meine verwirrung blosz gesetzt. Klinger 1, 255; er setzte mich einer verwirrung blosz, die nur zu sichtbar auf meinen wangen ward. 1, 256.
es heiszt auch blosz liegen,
ausgesetzt, preisgegeben sein. 8@ff) sich zu blosz lachen, zu
für nimis genommen, doch könnte es auch die praep. sein und blosz
ein subst. =
entblöszung, mhd. ze blôʒe: es möcht sich einer ab diser ungereumpten geistlichkeit zuo plosz lachen. Frank
chron. 475
a; ei lieber, der narr ist abentewrisch, ist gar einfeltig und sehr beurisch, ich hab in nechten zu abend spat mit mir bei fraw Laureta ghat, der er so seltzam schnacken macht, wir hetten uns schier zu plosz gelacht. H. Sachs III. 2, 200
c; dann spricht man, der kan bossen machen, dasz man sich sein zu plosz muosz lachen. Scheit
grob. F
a.
das heiszt wol, lachen, dasz einem die kleider abfallen? wie man sonst sagt, vor lachen bersten, platzen, sich krumm, kurz und klein, zu stücken, bucklig lachen, sich zu einem hölzlin lachen, sich schäckig, ascherfarbig, braun und blau lachen, lachen wie der hampelmann (
mythol. 470), sich vor lachen ausschütten, lachen, dasz er die schuhe hätte verschütten mö
gen. unw. doct. 129, lachen, dasz er hotzelt, dasz ihm der bauch schüttert. Maaler 231
b [] 8@gg) im bloszen lassen,
im nachtheil, im stich lassen; im bloszen bleiben,
dahinten bleiben: die moral kann nicht ohne theologie bestehen, ohne die vernunft in ansehung der endabsicht, die sie auferlegt, im bloszen zu lassen. Kant 7, 376; ihre lebensart war fein, freilich wenn man wortprunk zur lebensart rechnet, so würde sie im bloszen geblieben sein. Hippel 12, 8. 99) blosz und blutt
verbunden, im sinne von purus putus, von nackt und blosz: das seind XV stücklin und seind blosz und blutte zierungen (
putz, flitter). Keisersberg
kaufmannsschatz 96
a; ein ieder fürst der gans bricht ab, das er dar von ein fäder hab, darumb ist es nit wunder grosz, ob joch das rich si blutt und blosz. Brant
narrensch. 99, 124.
nackt und blosz, nd. auch bleck und blot,
s. blutt. 1010) blosz
ist synonym mit nackt
und baar,
auch mit blank,
man sagt ebenwol ein bloszes knie
als ein nacktes, bares, 'nacket unde blôʒ'
war mhd. was 'nacket unde bar', 'gestuont des schildes blôʒ'
oder 'bar'; blank ziehen
und blosz ziehen; blanke worte, blosze worte;
es heiszt ein bloszes schwert
und ein nacktes, bares; barhaupt
und bloszhaupt,
doch nur barfusz, barfüszer,
nicht bloszfusz, bloszfüszer.
auch kann für bares geld, bare münze
weder blosz
noch nackt
gesetzt werden. in den unter 8
vorgetragnen redeweisen läszt sich blosz
nicht durch baar
oder nackt
vertreten. vgl. das folgende adv.