BEWEGLICHKEIT f.
mhd. bewegelîcheit.
nnl. beweeglijkheid.
abl. von beweglich adj. 1
fähigkeit, neigung zur veränderung. a
wandelbarkeit, anpassungsfähigkeit; unbeständigkeit. mhd. und frnhd. vereinzelt: ⟨1280⟩ wen di bewegelicheit der tyd, di nicht wet ruwe und alentelen wech glidet, .. darumme is nutte, dat di ding, di dar sint werdich ewichlike bestedunge, dat di vestlike in eyner schrift gebracht werden
berl. stadtb. (1883)75. ⟨E13./A14.jh.⟩ er .. engedenket des niht umbe der wandelbæricheit und bewegelicheit der zîtlicheit meister Eckhart
dt. w. 3,264 Q. 1534 welchen gegenten mit der beweglicheit der zeit vnd glücks die nammen .. verkert worden seind Franck
weltb. 74a. 1641 daß da
(beim gebäude der musen) zusammen komt die zierligkeit der kunst, bestendigkeit der zeit, beweglichkeit der orten
in: Schottel
sprachkunst 575. 1661 dän die deudsche sprache hat eine .. pracht, würde, bewägligkeit und libliche art an sich Bellin
forwörter a Vb. 1780 die einbildungskraft der meisten menschen ist so schwer, daß sie fast keiner beweglichkeit fähig scheint Hirschfeld
gartenkunst (1779)3,138. 1853 sie können daher nur in denjenigen theilen zur darstellung kommen, die zu einer solchen beweglichkeit und wandelbarkeit ihrer natur nach geschickt und berechtigt sind Brunn
künstler 1,332. 1932 zwar vermag sich der mensch von jeder besonderen welt zu lösen und in andere möglichkeiten zu treten .. doch diese beweglichkeit ist nicht absolut Jaspers
philos. 1,69. 1970 innerliche beweglichkeit braucht er, umdenkenkönnen Knobloch
tägl. geöffnet 111. 2005 so sehr er
(Freud) selber mit ebenso grosser beweglichkeit wie radikalität seine lehre immer wieder revidierte
n. zürch. ztg. (3.3.)37c. b
fähigkeit, neigung, sich in räumlicher lage, stellung u. dgl. zu verändern oder verändern zu lassen. vor dem 19. jh. selten: ⟨u1362⟩ dú sele gelichet sich ainer lichten flumvedren: so dú enkeinen anhang hat, so wirt si gar lihte von ir natúrlichen beweglicheit in die hoͤhi gegen dem himele hoh uf gefuͤret Seuse
309 B. ⟨1493⟩ wann die geympffte rebe sich beginnet zů erneren, sol man mit einem sterckenden schaden ir beweglicheit erweren
Petrus de Crescentiis, nutz d. ding (1518)164a. ⟨1594⟩ so haben wir vns durch die beweglicheit vnsers leibes vnd glieder .. erhoben Heinrich J. v. Braunschweig
schausp. 527 LV. 1604 diß thun sie
(moste) mit solcher grossen gewalt, das sie auch den fässern den boden außstossen .. denn da kömpt die eusserliche vnd jnnerliche bewegligkeit zusammen Colerus
oecon. 2,29b. 1676 wiewol ich sonst darum nicht fort dem Copernico in allem zulege, noch die beweglichkeit der erden zugebe Francisci
lust‐haus 361. 1749 die allgemeinen ursachen
(für festen oder flüssigen aggregatzustand) liegen in der veränderung der theile des körpers, und in denen materien, die von aussen hineindringen, oder von innen herausgehen, und den zusammenhang und die beweglichkeit der theile befördern oder hindern können Crusius
anleitung 1,474. 1761 was die beweglichkeit des ossis coccygis
(steißbein) betrift, und wie schon gedacht, daß dasselbe auf einen zoll zurück gebracht werden könne, dergleichen habe ich noch nicht vorgefunden Henckel
geburtshuͤlfe 16. 1820 eher klein als groß .. und von starkem, muskulösem körperbau hatte Cardillac .. noch .. die beweglichkeit des jünglings E. T. A. Hoffmann
8,154 G. 1885 die beweglichkeit und verschiebbarkeit der röhrenleitung erreicht man am besten durch die teleskop= (Smythschen) röhren
b. d. erfindungen 83,253. 1927 der unterschied von pflanze und tier liegt .. in der emanzipation vom erdboden und der freien beweglichkeit Fries
pflanze 163. 1959 durch erhöhung der temperatur wird diese beweglichkeit vergrößert und der plastwerkstoff oder die synthetische faser wird weich und schmilzt schließlich
wiss. u. fortschritt 90b. 2005 sprünge und virtuose läufe brachten die beweglichkeit des solisten glänzend zur geltung
n. zürch. ztg. (3.10.)18d. 2
gewogenheit; neigung, bereitschaft zu etwas: ⟨M14.jh.⟩ vil dicke schint manig ding als es kome us goͤtlicher minne, .. und kumet etwenne von núwer beweglicheit oder von neiglicheit, von vorchten der helle und begerunge selig ze sinde Tauler
237 DTM. E15.jh.
carnalitas fleischlisch beweglichkeit Diefenbach
gl. 102b. ⟨1510/30⟩ wenn alle lannde stunden in bewegligheit der krieg Grunau
preuss. chr. 2,109 P. v1566 aus oberzellten vrsachen vnnd güetiger beweglichait, thuet hiemit sein fürstl. gnad. den jetzgemelten .. sein fürstliche begnadung Herberstein
in: font. rer. austr. I 1,260. 1612 er hatt auser ihme keinen trieb, sein trieb vnd bewegligkeit, stehet in seinem corpus Böhme
urschr. 1,132 ak. 3
(fähigkeit, neigung zu) gefühlsregung, affekt; zuerst im wörterbuch bezeugt: E15.jh.
affectio beweglichkeit Diefenbach
gl. 15c. 1531 dz jr weder auß scham, oder mit forcht erschreckt, auch nit auß einiger andern bewegligkeit verhindert, mir sagen wöllen, .. Hedio
Josephus 1,100b. ⟨1631⟩ Aneroest brachte diese rede mit solcher bewegligkeit für, daß Arcocedon alsobald darfür hielt, er wolte jhn darmit anstehen, als ob er denen, die in gnaden weren, jhr glück mißgönnete Opitz
Argenis (1644)2, 266. 1665 Aurelius und Christian, als alte vertrauete brüder und bekanten, wusten nicht, mit was bewägligkeit einer dem andern
(nach längerer trennung) begegnen wolte Bucholtz
Herkuliskus 290b. 1785 an den meisten orten trug auch .. die feinere beweglichkeit seiner
(des weibes) seele dazu noch ein mehreres bei Herder
13,325 S. 1868 es
(das heer) vereinigte die .. deutsche kraft und ordnung, italienische beweglichkeit und die beharrliche verschlagenheit der Spanier Ranke
(1867)3,309. 1917 bleich und feierlich; – aber er faßte sich und sagte mit beweglichkeit: .. H. Mann
d. armen 266. 4
regsamkeit, munterkeit: 1808 wo die innere freyheit ist: da sind die hindernisse entfernt, welche sonst der mannigfaltigen beweglichkeit des geistes eintrag zu thun pflegen Herbart
pract. philos. 276. 1862 es fehlt die tiefe der betrachtung, die beweglichkeit und munterkeit des geistes Hettner
gesch. dt. lit. 1,320. 1921 nichts ist der welt gefährlicher, als phantasie und beweglichkeit des geistes Götz
Ingeborg 12. 1965 wenn selbst der behäbige mime Ehlers sie im operettenduett an temperamentvoller beweglichkeit übertraf
wochenpost 7,27c. 2005 dann liess die körperliche kraft nach, aber nicht die geistige beweglichkeit
n. zürch. ztg. (5.10.)43b.Katzmann