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betriegen

mhd. bis nhd. · 8 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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9 in 8 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

betriegen

Bd. 1, Sp. 1714
betriegen, betrügen, fallere, decipere, inducere, ahd. pitriokan, mhd. betriegen, alts. bidriogan, nnl. bedriegen, teuschen, hintergehen. die form betriegen betrog, triegen trog, wie biegen, fliegen, schmiegen besser als betrügen, trügen, nach analogie von lügen f. liegen. betriegen ist ein härterer ausdruck als teuschen und hintergehen, zu betriegen galt für unrecht, den betrieger zu hintergehen für erlaubt: Jul. und also hast du Chrysandern betrogen? Lis. ei, sagen sie das doch nicht; einen betrieger betriegt man nicht, sondern den hintergeht man nur. hintergangen hab ich ihn. Lessing 1, 285. die ursprüngliche, sinnliche bedeutung soll unter triegen abgehandelt werden; hier nur, dasz goth. driugan στρατεύειν, ags. dreogan agere, facere, tolerare, altn. driuga exercere, patrare ausdrücken, und goth. drauhts, ahd. truht turba, truhtin dominus dazu fallen (vgl.betrogen 2). Schweden und Dänen haben ihr ähnlich klingendes bedraga, bedrage von draga gebildet, welches altn. für sich decipere aussagt, und nicht anders verhält sich ein ags. bedragan, praet. bedrôg, engl. betray. 11) betriegen steht, wie berücken, vom fangen, bestricken des wilds, der vögel, der menschen. mhd. wer betriuget unde væhet den wilden vogel und wer geweltiget daʒ wilde tier, wan des menschen underscheit (list)?; er leite ir aber mit vrâge sîne stricke und sîne lâge und betrouc si aber dar în. Trist. 352, 37 nhd. gleichwie der strick den vogel fängt, und mancher fisch im netz behängt, wirt menschlich leben oft betrogen, ir werk für gots gericht gezogen. Schwarzenberg 151, 2; sie lassen sich mit keinem aasz betriegen als andere fisch. Forer 164b; der (schlingen legende) teufel betreuget. Neanders menschensp. 6b; der sathan betreugt die ganze welt. Reiszner Jer. 1, 91a; die schlang betrog mich, dasz ich asz. 1 Mos. 3, 13; der lügner betriegt: du magst so oft, so fein als dir nur möglich lügen, mich sollst du dennoch nicht betriegen. ein einzigmal nur hast du mich betrogen, das kam daher, du hattest nicht gelogen. Lessing 1, 10. 22) übersehe man nicht das betrouc dar în der Tristanstelle, es heiszt gleichsam lockte, verlockte in die stricke. gerade so noch nhd. und wen sein herz nicht glücklich macht, den kann man nicht ins glück hinein betrügen. Wieland 18, 176; falscher Pontus, deine stille war nur des verrathes hülle, einem spiegel warst du gleich. tückisch ruhten deine wogen, bis du ihn heraus betrogen in dein falsches lügenreich. Schiller 60b; so hat sie aus des waldes nacht einen bären ungeleckt und ungezogen unter ihren beschlusz herein betrogen. Göthe 2, 91; du weist, dasz der körper ein kerker ist, die seele hat man hinein betrogen. 5, 208. wahrscheinlich gilt bei vogelstellern und jägern noch dies hinein, herein und heraus betriegen. Wieland sagt auch dazu betriegen: als ich um meinen hals zum letztenmale dir mit heiszen thränen flehte, wars menschlichkeit was mich dazu betrog. 10, 350. 33) und sollen (die propheten) nicht mehr ein rauchen mantel anziehen, damit sie betriegen. Zachar. 13, 4; sie bestrich sich mit köstlichem wasser und flocht ire har ein, in zu betriegen. Judith 16, 9; die wächter betriegen, heimlich aushin (hinaus) gon, dasz die hüter nit werdend innen. Maaler 65a; du kanst mich nit betriegen, ich kenn dich ze wol. das.; gewislich du betreugest mich? die jungfraw sprach, gn. fraw, ich betriege euch für war nicht. buch der liebe 389, 1; dasz uns nit mer sein falsche list betreugt. Alberus 108b; als er, miltreicher got, dir seine faust dargab, und deinen feind betrogen. Weckherlin 214; hier betreugt dich keine list. Günther 873; und was ein groszer mund als ein orakel spricht, zuweilen mehr betreugt als oft ein irwischlicht. Canitz 119; du bleibst ein blöder held, der in geheim betreugt. 137; der war an schelmerei, das weibsen zu betriegen, von dem papa der lügen das echte konterfei. Bürger 20b; warum mich denn betriegen, treuloser unschuldsdieb? 29a; sist ein schelm, hat im spiel betrogen. Schiller 326a; durch schlaue nüchternheit den lebensfeind betriegen. Gotter 1, 283, wie man sagt, den tod betriegen; dies brüderliche du betrügt mein ohr, mein herz mit süszen ahnungen von gleichheit. Schiller 254a. 44) aber der wein betreugt den stolzen man. Habac. 3, 5; treume betriegen viel leut. Sir. 34, 7; der traum betrügt. Gökingk 1, 241; mhd. der alp triuget, die elbe triegent. mythol. s. 432; alts. bedrogan habbiad sie dernea wihti. Hel. 92, 2; der schein betriegt; ein schein, der noch immer teuscht, obwol nicht betrügt. Kant 2, 341; der sonnenblick betrüget mit mildem, falschem schein. Göthe 3, 36; dein trotz und deines herzen hochmut hat dich betrogen. Jer. 49, 16; der hochmut deines herzen hat dich betrogen. Obadja 1, 3; die hochfart euch alsant betreugt. Schmelzl hochz. 11a; und hast dich deine klugheit lassen betriegen in deinem pracht. Ez. 28, 17; solcher dünkel hat viel mehr betrogen. Sir. 3, 26; denn die sünde betrog mich (goth. fravaurhts uslutôda mik). Rom. 7, 11; die hofnung, ein falscher wahn hat mich betrogen, spes, opinio fefellit; es sei denn sach, dasz mich meine sinn betriegind, nisi me fallit animus. Maaler 65a; wenn mich nicht alles betriegt, nisi me fallunt omnia; und dann müste mich alles betrügen, oder ihr werdet diese ehre euerm gelde zu danken haben. Wieland 13, 8. 55) umgedreht: lasz uns unsre sorg und müh betriegen, die uns unsre frewd bekriegen. Weckherlin 412; und können wir den schlaf durch schwatzen nicht betrügen? Wieland 9, 33; wie die verliebten gut und blut, die wachsamkeit der hüter zu betriegen wagten. Gotter 1, 43; um die wachsame eifersucht des adels zu betrügen. Schiller 799; dasz sie sich entschlosz, ihren schmerz und ihre liebe an irgend einem stillen orte zu verbergen und durch irgend eine art von thätigkeit zu betriegen (vergessen machen). Göthe 17, 321; betrogene, fehlgeschlagene hofnungen. 66) hervorzuheben ist das fallere tempus, zeit und weile betriegen, unvermerkt und sorglos hinbringen, verlieren, verthun, franz. tromper le temps, l'ennui. mhd. ich hân ouch in der wilde dem vogele und dem wilde, dem hirʒe und dem tiere. über manege waltreviere gevolget und nâch gezogen und aber die stunde alsô betrogen, daʒ ich den bast noch nie gesach. Trist. 429, 33. nhd. man lese dich (ein märchen), man suche nichts dabei, als wie man angenehm sich um die zeit betrüge. Wieland 17, 16; mich weisz Apoll und freundschaft und vergnügen um meine musze zu betrügen. Gotter 1, 428; oder wollen wir uns zum pharao setzen und die zeit mit spielen betrügen? Schiller 148a; solange das schauspielhaus mehr dazu gebraucht wird, unfreundliche winternächte zu betrügen. 698; reizend betrügt sie die glücklichen jahre. 497a; so, ihr lieben musen, betrogt ihr wieder die länge dieser weile, die mich von der geliebten getrennt. Göthe 1, 283; manche langeweile stockender tage betrog ich durch fortgesetzte chromatische arbeiten. 31, 21; nun bin ich seit dem 7 in Tübingen, dessen umgebungen ich die ersten tage, bei schönem wetter, mit vergnügen betrachtete, und nun eine traurige regenzeit durch geselligen umgang um ihren einflusz betrüge. an Schiller 358. 77) die sache stand früher im gen.: so bin ich solcher meiner meinung betrogen gewesen. Bocc. 1, 202b; also der gut mann seines verhoften gewinnes betrogen war. Forer fischb. 6a, später und heute steht die praep. um: er betriegt mich um mein geld, bringt mich listig darum; die ritter weren all betrogen umb ihr bekante dapferkeit, wa der poet mit süszen bogen sie nicht der parken hand entzogen. Weckherl. 355; er will mich um den verdienten lohn, um die frucht aller meiner arbeiten, um die ersparnis langer jahre betriegen; sich um die zeit betriegen = die zeit betriegen (s. 6); du betrogst mich um mein glück: das glück meines lebens bübisch, bübisch hinweg betrogen. Schiller 131b. 88) sich betriegen, se tromper, sich teuschen: ein lauter falscher traum vom glauben, damit du dich selbs betreugst. Luther 6, 52b; der eine meint, er sei recht dran und sich betreuget, ein falsches gibt er für und weisz nicht was er leuget. Werders Ar. 5, 83; ich wünschte wol, dasz ein geistreicher dichter einen solchen phantasten vorstellte, der sich immerfort an der welt betrügt, und es ihr höchlich übel nimmt, als wenn sie ihn betrogen hätte. Göthe 46, 158; da betriegt ihr euch wieder. 36, 147; Sulpitia, erst sollst du schwanger sein? nun sollst du gar die blattern kriegen? ihr ärzte schweigt, und gebt ihr gar nichts ein, denn einer musz sich doch betriegen. Gellert 1, 130; chevalier, ich müste mich sehr betriegen, oder ihre ankunft hat einen frohen menschen mehr gemacht an diesem hofe. Schiller 248b. s. betrogen.
8704 Zeichen · 140 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    betriegenstv. III.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +5 Parallelbelege

    be-triegen stv. III. BMZ verlocken. daʒ er in zuo den sünden betrouc Aneg. 38,74 ; betrügen ( die sache im gen. od. mit …

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Betriegen

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Betriegen , verb. irreg. act. (S. Adelung Triegen ,) die gegründete Erwartung eines andern, in der Absicht ihm zu schade…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit betriegen

3 Bildungen · 1 Erstglied · 2 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von betriegen

be- + triegen

betriegen leitet sich vom Lemma triegen ab mit Präfix be-.

Zerlegung von betriegen 2 Komponenten

bet+riegen

betriegen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

betriegen‑ als Erstglied (1 von 1)

betriegen als Zweitglied (2 von 2)

abe betriegen

MWB

abe betriegen stV. ‘jmdm. etw. durch Betrug abnehmen’ do kart er [Reinhart] allen sinen sin, / daz ern im [dem Raben einen Käse] ab betrvge …

abebetriegen

KöblerMhd

abe·betriegen

abebetriegen , st. V. nhd. „abbetrügen“, durch Betrug abnehmen, ablisten Q.: ReinFu (Ende 13. Jh.) E.: s. abe, betriegen W.: nhd. (ält.) abb…