betriegen,
betrügen,
fallere, decipere, inducere, ahd. pitriokan,
mhd. betriegen,
alts. bidriogan,
nnl. bedriegen,
teuschen, hintergehen. die form betriegen betrog, triegen trog,
wie biegen, fliegen, schmiegen
besser als betrügen, trügen,
nach analogie von lügen
f. liegen. betriegen
ist ein härterer ausdruck als teuschen
und hintergehen,
zu betriegen
galt für unrecht, den betrieger
zu hintergehen
für erlaubt: Jul. und also hast du Chrysandern
betrogen?
Lis. ei, sagen sie das doch nicht; einen betrieger betriegt man nicht, sondern den hintergeht man nur. hintergangen hab ich ihn. Lessing 1, 285.
die ursprüngliche, sinnliche bedeutung soll unter triegen
abgehandelt werden; hier nur, dasz goth. driugan
στρατεύειν,
ags. dreogan
agere, facere, tolerare, altn. driuga
exercere, patrare ausdrücken, und goth. drauhts,
ahd. truht
turba, truhtin
dominus dazu fallen (
vgl.betrogen 2).
Schweden und Dänen haben ihr ähnlich klingendes bedraga, bedrage
von draga
gebildet, welches altn. für sich decipere aussagt, und nicht anders verhält sich ein ags. bedragan,
praet. bedrôg,
engl. betray. 11) betriegen
steht, wie berücken,
vom fangen, bestricken des wilds, der vögel, der menschen. mhd. wer betriuget unde væhet den wilden vogel und wer geweltiget daʒ wilde tier, wan des menschen underscheit (
list)?; er leite ir aber mit vrâge sîne stricke und sîne lâge und betrouc si aber dar î
n. Trist. 352, 37
nhd. gleichwie der strick den vogel fängt, und mancher fisch im netz behängt, wirt menschlich leben oft betrogen, ir werk für gots gericht gezogen. Schwarzenberg 151, 2; sie lassen sich mit keinem aasz betriegen als andere fisch. Forer 164
b; der (
schlingen legende) teufel betreuget. Neanders
menschensp. 6
b; der sathan betreugt die ganze welt. Reiszner
Jer. 1, 91
a; die schlang betrog mich, dasz ich asz.
1 Mos. 3, 13; der lügner betriegt: du magst so oft, so fein als dir nur möglich lügen, mich sollst du dennoch nicht betriegen. ein einzigmal nur hast du mich betrogen, das kam daher, du hattest nicht gelogen. Lessing 1, 10. 22)
übersehe man nicht das betrouc
dar în der Tristanstelle, es heiszt gleichsam lockte, verlockte in die stricke. gerade so noch nhd. und wen sein herz nicht glücklich macht, den kann man nicht ins glück hinein betrü
gen. Wieland 18, 176; falscher Pontus, deine stille war nur des verrathes hülle, einem spiegel warst du gleich. tückisch ruhten deine wogen, bis du ihn heraus betrogen in dein falsches lügenreich. Schiller 60
b; so hat sie aus des waldes nacht einen bären ungeleckt und ungezogen unter ihren beschlusz herein betrogen. Göthe 2, 91; du weist, dasz der körper ein kerker ist, die seele hat man hinein betrogen. 5, 208.
wahrscheinlich gilt bei vogelstellern und jägern noch dies hinein, herein
und heraus betriegen. Wieland
sagt auch dazu betriegen: als ich um meinen hals zum letztenmale dir mit heiszen thränen flehte, wars menschlichkeit was mich dazu betrog. 10, 350. 33) und sollen (
die propheten) nicht mehr ein rauchen mantel anziehen, damit sie betriegen.
Zachar. 13, 4; sie bestrich sich mit köstlichem wasser und flocht ire har ein, in zu betriegen.
Judith 16, 9; die wächter betriegen, heimlich aushin (
hinaus) gon, dasz die hüter nit werdend innen. Maaler 65
a; du kanst mich nit betriegen, ich kenn dich ze wol.
das.; gewislich du betreugest mich? die jungfraw sprach, gn. fraw, ich betriege euch für war nicht.
buch der liebe 389, 1; dasz uns nit mer sein falsche list betreugt. Alberus 108
b; als er, miltreicher got, dir seine faust dargab, und deinen feind betrogen. Weckherlin 214; hier betreugt dich keine list. Günther 873; und was ein groszer mund als ein orakel spricht, zuweilen mehr betreugt als oft ein irwischlicht. Canitz 119; du bleibst ein blöder held, der in geheim betreugt. 137; der war an schelmerei, das weibsen zu betriegen, von dem papa der lügen das echte konterfei. Bürger 20
b; warum mich denn betriegen, treuloser unschuldsdieb? 29
a; sist ein schelm, hat im spiel betrogen. Schiller 326
a; durch schlaue nüchternheit den lebensfeind betriegen. Gotter 1, 283,
wie man sagt, den tod betriegen; dies brüderliche du betrügt mein ohr, mein herz mit süszen ahnungen von gleichheit. Schiller 254
a. 44) aber der wein betreugt den stolzen man.
Habac. 3, 5; treume betriegen viel leut.
Sir. 34, 7; der traum betrügt. Gökingk 1, 241;
mhd. der alp triuget, die elbe triegent.
mythol. s. 432;
alts. bedrogan habbiad sie dernea wihti.
Hel. 92, 2; der schein betriegt; ein schein, der noch immer teuscht, obwol nicht betrügt. Kant 2, 341; der sonnenblick betrüget mit mildem, falschem schein. Göthe 3, 36; dein trotz und deines herzen hochmut hat dich betrogen.
Jer. 49, 16; der hochmut deines herzen hat dich betrogen.
Obadja 1, 3; die hochfart euch alsant betreugt. Schmelzl
hochz. 11
a; und hast dich deine klugheit lassen betriegen in deinem pracht.
Ez. 28, 17; solcher dünkel hat viel mehr betrogen.
Sir. 3, 26; denn die sünde betrog mich (
goth. fravaurhts uslutôda mik).
Rom. 7, 11; die hofnung, ein falscher wahn hat mich betrogen,
spes, opinio fefellit; es sei denn sach, dasz mich meine sinn betriegind,
nisi me fallit animus. Maaler 65
a; wenn mich nicht alles betriegt,
nisi me fallunt omnia; und dann müste mich alles betrügen, oder ihr werdet diese ehre euerm gelde zu danken haben. Wieland 13, 8. 55)
umgedreht: lasz uns unsre sorg und müh betriegen, die uns unsre frewd bekriegen. Weckherlin 412; und können wir den schlaf durch schwatzen nicht betrügen? Wieland 9, 33; wie die verliebten gut und blut, die wachsamkeit der hüter zu betriegen wagten. Gotter 1, 43; um die wachsame eifersucht des adels zu betrü
gen. Schiller 799; dasz sie sich entschlosz, ihren schmerz und ihre liebe an irgend einem stillen orte zu verbergen und durch irgend eine art von thätigkeit zu betriegen (
vergessen machen). Göthe 17, 321; betrogene,
fehlgeschlagene hofnungen. 66)
hervorzuheben ist das fallere tempus, zeit und weile betriegen,
unvermerkt und sorglos hinbringen, verlieren, verthun, franz. tromper le temps, l'ennui.
mhd. ich hân ouch in der wilde dem vogele und dem wilde, dem hirʒe und dem tiere. über manege waltreviere gevolget und nâch gezogen und aber die stunde alsô betrogen, daʒ ich den bast noch nie gesach.
Trist. 429, 33.
nhd. man lese dich (
ein märchen), man suche nichts dabei, als wie man angenehm sich um die zeit betrüge. Wieland 17, 16; mich weisz Apoll und freundschaft und vergnügen um meine musze zu betrü
gen. Gotter 1, 428; oder wollen wir uns zum pharao setzen und die zeit mit spielen betrügen? Schiller 148
a; solange das schauspielhaus mehr dazu gebraucht wird, unfreundliche winternächte zu betrü
gen. 698; reizend betrügt sie die glücklichen jahre. 497
a; so, ihr lieben musen, betrogt ihr wieder die länge dieser weile, die mich von der geliebten getrennt. Göthe 1, 283; manche langeweile stockender tage betrog ich durch fortgesetzte chromatische arbeiten. 31, 21; nun bin ich seit dem 7 in Tübingen, dessen umgebungen ich die ersten tage, bei schönem wetter, mit vergnügen betrachtete, und nun eine traurige regenzeit durch geselligen umgang um ihren einflusz betrüge.
an Schiller 358. 77)
die sache stand früher im gen.: so bin ich solcher meiner meinung betrogen gewesen.
Bocc. 1, 202
b; also der gut mann seines verhoften gewinnes betrogen war. Forer
fischb. 6
a,
später und heute steht die praep. um: er betriegt mich um mein geld,
bringt mich listig darum; die ritter weren all betrogen umb ihr bekante dapferkeit, wa der poet mit süszen bogen sie nicht der parken hand entzogen. Weckherl. 355; er will mich um den verdienten lohn, um die frucht aller meiner arbeiten, um die ersparnis langer jahre betriegen; sich um die zeit betriegen = die zeit betriegen (
s. 6); du betrogst mich um mein glück: das glück meines lebens bübisch, bübisch hinweg betrogen. Schiller 131
b. 88) sich betriegen,
se tromper, sich teuschen: ein lauter falscher traum vom glauben, damit du dich selbs betreugst. Luther 6, 52
b; der eine meint, er sei recht dran und sich betreuget, ein falsches gibt er für und weisz nicht was er leuget. Werders
Ar. 5, 83; ich wünschte wol, dasz ein geistreicher dichter einen solchen phantasten vorstellte, der sich immerfort an der welt betrügt, und es ihr höchlich übel nimmt, als wenn sie ihn betrogen hätte. Göthe 46, 158; da betriegt ihr euch wieder. 36, 147; Sulpitia, erst sollst du schwanger sein? nun sollst du gar die blattern kriegen? ihr ärzte schweigt, und gebt ihr gar nichts ein, denn einer musz sich doch betriegen. Gellert 1, 130; chevalier, ich müste mich sehr betriegen, oder ihre ankunft hat einen frohen menschen mehr gemacht an diesem hofe. Schiller 248
b.
s. betrogen.