bestänkern voll gestanks machen (
vgl.bestänken,
theil 1, 1655): alsz der das hüttlein sah' erfüllt mit (
ausgebrochenen) unflatsbrocken so fasst er einen mutt, und setzt es gleich im stocken dem nechsten nachbar auff, das er vom kopff' abflosz' und jhm das gantze kleyd bestänckert' und begosz'. W. Scherffer
Grobianer (1640) 259; wir werden ... aufhängen dich am klumpsack, und dir bestänkern, wie dem bock, die nas'. Voss
Aristoph. 3, 319 (
Plutos 312).
in freier übertragung: hiemit habt jr ... mein ursache, warumb ich das lestermaul Schwenckefeld, nicht hab wOellen hOeren noch jm antworten, das mgt jr ... denen anzeigen, die vieleicht der Stenckefeld (
wortspielende namensentstellung) wider mich bestenckert und beschmeisst (
durch verleumdung wider mich aufbringt, vgl. stank 5,
c). Luther 8, 179
a (
vom j. 1544); er weis, das er bey aller welt viel schendlicher namen hat, und stincket wie ein teufels dreck .., wolt er vieleicht gern, das er nicht alleine fur andern so scheusslich stüncke, sondern
auch andere löbliche fürsten bestenckern, ob man seines stancks damit ein wenig vergessen möcht.
wider Hans Worst N 2
a (
s. 60
neudr.).
durchstänkern, vgl. theil 2, 1689: durchstäncken, durch-stänckern,
penetrare affatto colla puzza di cose fetide. Kramer
dict. 2, 979
a; ich durchstänckere,
foetore repleo. Steinbach 2, 759 (
gewöhnlich in anderm sinne, vgl. a. a. o. und unten stankern).
einstänkern, vgl. theil 3, 308
und Kramer
oben (
unter anstänkern): ich stänckere ein,
foetore inficio. Steinbach 2, 759; einstänkern,
foetore implere. Frisch 2, 319
c; da sich bei der revision der krippen ergab, dasz sie nicht schief standen, sich kein eingestänkertes futter in denselben ... fand. Goltz
jugendl. 2, 25.
erstänkern, s. theil 3, 994 (
wo der unter 1
angeführte beleg vielmehr erstänken
enthält, s. stänken 2;
dafür ist die unter 2
angeführte stelle aus Mathesius
Sar. 67
b als freie übertragung zu 1
zu ziehen und für 2
ein verb erstankern
anzusetzen, s. unten);
dazu, in bildlicher anwendung: meine unterkötigen wunden unnd heimlichen scheden stincken unnd eyttern für unnd für, unnd wöllen mich erstenckern unnd umbbringen. Mathesius 130.
psalm B 4
b; Epicurische sewe, die gehen für die würtzgertlein fürüber, ... darumb stossen sie jren rüssel inn lauter unflat, und waten drinn, unnd erstenckern sich unnd andere leut damit.
hist. v. Luther 75
a.
herausstänkern durch gestank vertreiben: denn das ist des teufels eigen art und ampt, das er seinen rüssel in der armen menschen sünden suddelt, wület, und rüttelt, als wolt er den dreck gerne so gros und breit machen, das der himel vol stancks, und gott mit allen engeln heraus gestenckert würde. Luther 8, 257
b.
verstänkern, mit gestank erfüllen: also dasz sich die liebliche lufft selbsten ob unserm elend und jammer entsatzte, veränderte und alles um uns herum verstenckerte, dasz schier niemand bey uns vorüber ging, der nit die nase zuhielt.
Simpl. 2, 177, 30
Kurz (6, 11); wann wir keinen mangel an wasser gehabt, von welchem der annoch kleine rest, so verstänckert war, dasz es gerochen wie die ärgste mist-fütze. v.
d. Gröben
Guineische reise beschr. (1694) 106; weil sie (
katzen) durch ihren harn das haus verstänkern. Oken 7, 1584. —
in lebenden mundarten: kärnt. stènkn
und stènkern Lexer 241,
vgl.stänken 3;
ung. '
mit dem licht gestank machen'. Schröer 208
a;
henneb. '
übeln geruch und ruf machen'. Frommann 3, 133;
nordthür. stänkere '
gestank machen'. Kleemann 22
a. Hertel
sprachsch. 233;
in Posen Bernd 293;
in Preuszen Frischbier 2, 362
b ('
einen übeln geruch von sich geben, gestank machen. stänker nicht!
ruft man kindern zu, welche z. b. papier oder späne anbrennen').
nd. s. Danneil 209
a.
brem. wb. 4, 1037. 22)
in demselben übertragenen sinne wie stänker 2
und wol an dieses angelehnt: stänkern ...
frequentius autem sumitur pro altercari, concertare, contendere, certamina serere, lites movere, affectare rixas. Stieler 2170; stänckern ...
met. cercare, attaccare brighe e quistioni, metter fuoco in campo, turbare la quiete, disturbare la buona ed amichevol conversatione. er stänckert gern, ...
egli cerca le brighe col lumiccino. Kramer
dict. 2, 978
c; '
einen zank, streit, händel anfangen, ingleichen andere zu unnöthigen händeln reitzen; alles nur in den niedrigen sprecharten.' Adelung (3);
s. auch d. idiotikon der burschenspr. (1795)
unter stänker 2.
in diesem sinne auch in der neuern litteratur (
seit Göthe,
dessen stellen doch auch wol so zu nehmen sind): er säuft den vollen tag, macht schulden hier und dort, spielt, stänkert, pocht und kriecht. Göthe 7, 72 (
mitschuld. 2, 4); die tagdiebe, die söffer, die faullenzer, ... die stänkern aus langerweile, und scharren aus hunger nach privilegien, ... und um eine kanne bier bezahlt zu kriegen, fangen sie händel
an. 8, 207 (
Egm. 2);
verblaszter: was da gestänkert jetzt und geredet wird, Brigitte, du glaubst es garnicht. Alexis
hosen12 138 (12.
kap.); er sagte ihm (
Stein dem kaiser v. Ruszland), es sei ganz Europa daran gelegen, dasz die 'aufregende, stänkernde, nothwendig treulose politik' der kleinen deutschen höfe ... aufhöre. Gervinus
gesch. des 19.
jahrh. 1, 285. —
dazu composita wie (allenthalben)
herumstänkern; hineinstänkern räsonnieren: die stellung (
eines ministers ohne portefeuille) ist nicht practisch; nichts zu sagen und alles zu tragen haben, in alles unberufen hineinstänkern und von jedem abgebissen, wo man wirklich mitreden will. Bismarck
ged. u. erinn. 1, 252;
dasselbe transitiv (
mit acc. des effects): er (
Campe) stänkert mich in feindschaften hinein, die mich gar nichts angehen, und spekulirt auf absatz durch skandale, die ich gern vermiede. Heine
brief vom 3.
okt. 1854
bei Hüffer
ges. aufs. 177. —
in den heutigen mundarten wol allgemein verbreitet, s. Schm.
2 2, 771. Höfer 3, 179. Castelli 234 (schdengarn). Schröer 208 (3). Schmidt 231.
thür. Hertel
sprachsch. 233 (1, 1). Kleemann 22
a. Albrecht 216
a. Weinhold 93
b. Bernd 293. Frischbier 2, 362
b.
besonders im nd. ist '
händel anfangen, suchen, zanken'
jetzt die allgemein herrschende bedeutung des wortes, s. Strodtmann 229 (he stenkert geern).
brem. wb. 4, 1037. Danneil 209
a. ten Doornkaat Koolman 3, 310
b. Bauer-Collitz 98
b (štänk[e]r[e]n). Klein 2, 166
und nd. korrespondenzbl. 10, 43 (
Hildesh.).
auch die folgenden gebrauchsweisen sind wol hierher zu ziehen: kärnt. stènk(er)n '
eine alte sache wider aufrühren'. Lexer 241;
thür. ärgern, reizen, anstänkern,
anstiften. Hertel
sprachsch. 233 (1, 3);
westerw. stänke(r)n, fortst. '
mit sichtbarem widerwillen oder mit beyfügung eines oft derben verweises jagen, forttreiben, gleichsam mit gestank entfernen, entweder weil uns die person lästig ist, oder schlechte anträge thut'. Schmidt 231. (
vgl. dazu stanzen 3.)
vgl. auch das folgende wort.