Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
bekomen stV.
1.1 mit sachl. Subj. (Zeitbezeichnung) ‘herankommen’
1.2 mit belebtem (i.d.R. pflanzlichem) Subj. ‘gedeihen, aufleben, wachsen’
1.3 mit persönl. Subj. ‘sich erholen, zu sich kommen’
2 mit lokalem Adv. ‘(irgendwo) hinkommen’
3 mit präp. Erg.
3.1 des Zielpunktes ‘ankommen, erreichen, (hin)gelangen’
3.2 des Ausgangspunktes (mit von ) ‘herkommen, fortkommen’
3.2.1 übertr.
4 mit Akk.
4.1 mit Akk.d.P. ‘jmdn. erreichen (stellen, fangen ?)’
4.2 mit Akk.d.P. oder d.S. ‘jmdn. oder etw. bekommen’ 6.2
5 mit Dat.d.P.
5.1 mit persönl. Subj. ‘jmdm. begegnen, entgegenkommen’
5.2 mit sachl. Subj.
5.2.1 ‘jmdm. zu Teil werden’
5.2.2 ‘jmdm. (passenderweise [vgl. bequæme ]) zukommen’
5.2.3 von Geschehnissen ‘jmdm. widerfahren, geschehen’
5.3 mit wertender adv. Bestimmung ‘jmdm. zum Guten oder Schlechten ausschlagen’
6 mit Gen.d.S. oder d.P. ( Ottok auch mit Akk.) ‘zu einer Sache kommen, etw. bekommen/erhalten’
6.1 mit Gen.
6.2 im Übergang zur nhd. Konstruktion (bei Ottok neben Gen. auch schon Akk.)
1 ohne Ergänzung 1.1 mit sachl. Subj. (Zeitbezeichnung) ‘herankommen’ und dô diu vesperzît bekam, / dô hiez er in balde gân / in den sal KvWSilv 1740; sâ dô der tac ein ende nam / und dâz diu vinster naht bequam UvLFrd 339,30 1.2 mit belebtem (i.d.R. pflanzlichem) Subj. ‘gedeihen, aufleben, wachsen’ daz nihtes niht en solte noch en mohte begruonen oder bekumen MNat 2,25; DvASchr 343,27; daz er von Gote markte wol / wie daz durre holtz bequam / durch niht wan durch gehorsam Vät 22157; daz ez [das Kind] [...]deste baz bequeme / an ufwachsender vrucht Pass III 7,6. 301,14. 1.3 mit persönl. Subj. ‘sich erholen, zu sich kommen’ guoter spîse genuoc, / [...] dâ von er schiere bekam / und erkovert sich an sîner kraft UvZLanz 1856; an einen dürren storren / leinet er sich biz er bekam Wig 5796; er was von der onmacht bekomen Lanc 584,4 2 mit lokalem Adv. ‘(irgendwo) hinkommen’ mich hât des michel wunder, war der künic sî bekomen NibB 662,3. 107,4; der so vil hoher eren kan / erwerben, swa er ie bekam WhvÖst 14975; Lucid 7,13. – übertr.: sô wær er darzuo nie bekomen, / daz er durch der minne nôt / Uriam sande in den tôt [ähnl. 6.1, übertr.] Ottok 22889; Pass III 402,45 3 mit präp. Erg. 3.1 des Zielpunktes ‘ankommen, erreichen, (hin)gelangen’ er was uf den hohen berc / in sulcher wisheit bekumen Pass III 11,23; er stach Malprimis den herzogen / daz er toter zu der erde bechom Rol 4502; nie dehain mennisk bekom so nahen zvͦ der gothait ze schoͮwenne Spec 28,19; NibB 1704,2. 1638,2. – übertr.: alse Constantin zo ime seluin be quam [vgl. 1.3 ] Roth 3042; daz wir uon der zwelfpoten lêre alrerst in die tieffe des heiligen geloͮben bechomen Spec 124,22; alsus geschuof mit sîner wer / der künec daz in freise / bequâmen die franzeise KvWTurn 1096; Lanc 519,25 3.2 des Ausgangspunktes (mit von) ‘herkommen, fortkommen’ rehte, als er [Franziskus] niuwelîche / von einem kriuze wær bekomen [herunter gekommen] LvRegFr 4070; alle unser vordern sint / von Israhêle bechomen KvHeimUrst 723 3.2.1 übertr.: – ‘abkommen’ [So] was si an den stunden / bechomen von ir leide Wernh 669; ich mac mit mînen sinnen / nindert von im bekomen EnikWchr 5295. – ‘von etw./jmdm. seinen Ursprung nehmen, veranlasst sein’ von dem heiligen geiste daz bequam, daz si vunden einen man AvaLJ 201,2; gotes sun: / von dem einem worte / er bequam VEzzo 26. 117; Macer 71,6; RvEBarl 4739 4 mit Akk. 4.1 mit Akk.d.P. ‘jmdn. erreichen (stellen, fangen ?)’ vaste îlete wir ime nâh. / dô wir den man bequâmen / und ime di maget nâmen SAlex 5395 4.2 mit Akk.d.P. oder d.S. ‘jmdn. oder etw. bekommen’ → 6.2 5 mit Dat.d.P. 5.1 mit persönl. Subj. ‘jmdm. begegnen, entgegenkommen’ Isengrin, der den schaden nam, / sinem gevatern er do beqvam / mitten [auf halber Höhe des Brunnens] vnde fvr hin in ReinFu K,944; do bechomen im die boten v̈f dem wege vnd sprachen zim Konr 7,22. 7,31; Iw 8018; KLD:BvH 12:2,3; Tr 7113. – im Kampf: Achilles. / dem bequam Evfemes / vnde wande pries an im bezalen Herb 7630. 10050 5.2 mit sachl. Subj. 5.2.1 ‘jmdm. zu Teil werden’ er gab in wider daz selbe golt, / daz ime von ir hêren bechom VAlex 1095 5.2.2 ‘jmdm. (passenderweise [vgl. bequæme ]) zukommen’ ez ist zemerken, ob ez mer behörlich si [ convenientissimum ] , oder ob es noch mer bekome deme sune, daz er ingefleischet werde, denne dem vatter ThvASu 40,5 5.2.3 von Geschehnissen ‘jmdm. widerfahren, geschehen’ swem dâ von ie kein leit bekan MF:Reinm 42: 3,5; do diz Antonius vernam, / ein suze vroude im bequam Vät 1204; rechte di selben dinc / bequamen in abir san Ägidius 441; Wernh D 4459. – unpersönl. ‘ergehen’ do quam [...] / ein wissage [...], / daz er [Paris] da vurneme, / wie ez im dar vmbe bequeme, / daz er die schonen Elenam / zv Crichen mit gewalt nam Herb 3516; mit Ellipse des unpersönl. Subj.: dô in alsus missegie / an cleinen dingen, [...] / dô was in doch baz bekomen / dan jenen die man dâ nider stach UvZLanz 6446 5.3 mit wertender adv. Bestimmung ‘jmdm. zum Guten oder Schlechten ausschlagen’ swelcherhande im daz bequam, / die arbeit im nicht undernam [er unterbrach seine Mühen nicht] Pass III 154,61. – positiv gewertet ‘jmdm. (ggf. zu einem best. Zweck) förderlich/angemessen sein, jmdm. gut bekommen’ sie rieten, wer in bequeme / vnder der ritterschaft / baz zv der botschaft / denne her Ulixes Herb 7998. 11514; got gebe, daz ez dir wol bekome: / wan sîn manheit ist sô grôz, / ich enweiz niender sînen gnôz UvZLanz 340; Walth 73,25; dô Alexander [...] gewis was, / daz ime der tranc wol bequam SAlex 2605. – negativ gewertet ‘jmdm. zum Schaden gereichen’ leider jâ muosen sî daz tuon, / daz mir ze schaden ist bekomen KlageC 1265 6 mit Gen.d.S. oder d.P. ( Ottok auch mit Akk.) ‘zu einer Sache kommen, etw. bekommen/erhalten’ 6.1 mit Gen.: allez daz edel ist daz gewinnet man kûmer unde bekumt sîn müelîcher denne des unedelen DvASchr 346,11; daz sie bildes [Vorbild, Beispiel] da bequæmen / vnd die suzen lere næmen / uon uil maniger guͦttæte Wernh D 373; kan er des [des Rechtes] danne bekomen, / gern er des geniuzet SpdtL 75,20; SHort 1748. – ein Kind bekommen: daz die kayserinn lang nie mocht bechomen einez chindez von dem chaiser GestRom 105; unde in der selben frist / bekom sîn frouwe mit genist / einer tohter Ottok 2364. – übertr. mit Obj.-Satz zur Angabe des Ziels ‘etw. schaffen’ ich enweiz, wie er des bekom, / daz er mit einem stiche kluoc / kunic Ruodolfen daz ros sluoc Ottok 16452. 16475; ohne Stützwort im Gen.: daz ie sî bekomen / dehein herzog von Ôsterrîch, / daz er sô gewalticlich / hab zwir gehervert ebd. 30813 6.2 im Übergang zur nhd. Konstruktion (bei Ottok neben Gen. auch schon Akk.): unz ûf den tac, / daz ich rehtes von iu mug bekomen Ottok 67517. 17980. – daz von ir helfe stiwer / daz lant erben bekæme Ottok 1851; ‘weder frid noch suon’, / sprach der furste zier, / ‘bekumt er nimer von mir [...]’ ebd. 62969. 39908
MWB 1 547,51; Bearbeiterin: Baumgarte