BEDÜNKEN vb. älter auch bedunken.
ahd. bithunken,
mhd. bedunken,
mnd. bedünken.
präfixbildung zu dünken.
ahd. prät. bidûhta
durch n-
ausfall u. ersatzdehnung des vokals. zur bildung sekundärer präsensformen in anlehnung an das mhd. prät. s. dünken
vb. 2DWB. mit akk. oder (älter) dat. jmdn., jmdm. bedünkt ..,
unpersönl. es bedünkt jmdn., jmdm. ..;
geläufig in der verbindung mit wollen.
jmdm. so vorkommen, (er)scheinen, dünken (mit unterschiedlicher wahrscheinlichkeit): 10.jh. pidu
ht
uuerdent
videntur, ahd. gl. 2,70,46 S./S. (vgl. ahd. wb. 2,735a). 11.jh.
videor pidunchet
ebd. 435,59. ⟨u1120/30⟩ ichne weiz wie mich bedoͮhte do mich die slaf broͮhte, / wie sunne unde mane ze mir bequamen
milst. genesis 75,1 D. ⟨u1250⟩ daz di genade di ime
(dem menschen) gegeben ist, in sere groz bedunket
hl. regel 81 DTM. u1300 daz liecht schain so vaste / daz allez daz gadem erlouhte, / daz mich des bedouhte / ez wer volles sunnen Gundacker
3340 DTM. ⟨M14.jh.⟩ nachdem .. wir by Adria sigilten und do is by mitternacht gequam, do beduchte dy schiflute, daz in eyn lant irschene
ostdt. apostelgesch. 102 ATB. A15.jh. mochte
(Dorothea) sich
(wegen der wunde) lange zcit nicht ufgerichtin, das vil ander menschen des beduchte, sy muste alle ir lebetage so vorkrummit bliben Johannes v. Marienwerder
leben Dorothee 213 T. ⟨u1460⟩ in bedeẅcht das er wär an ainer statt die mit wenden zw allen oͤrtern zw was Hartlieb
dialogus 381 DTM. ⟨1523⟩ so will mich beduncken not sin, eüch ein wenig dar von zuͦ sagen
flugschr. ref. 1,243 C. 1563 der barbirer fordert ein genannt gelt, das bedaucht den bauren zuͦ viel und gieng hinweg
ebd. 147. 1648 aber dieser bissen bedeuchte dem feldmarschalck Arnheim vor die königliche schwedische zu fett zusein Chemnitz
schwed. krieg 1,454b. 1669 da michs aber zeit zu seyn bedünckte, stellte ich mich mit hin und her dorckeln, wie ichs neulich an meines herrn gästen gesehen hatte Grimmelshausen
Simplicissimus 107 Sch. 1723 die eier bedunkten mich aber so groß zu sein, daß ich glaubte, sie möchten vielmehr von .. großen eulen .. zu halten sein Messerschmidt
Sibirien 2,36 W. ⟨1739⟩ einen grössern mangel finde ich darinnen, daß mich die ode in verschiedenen stellen noch zu dunkel bedeücht Drollinger
ged. (1743)329. 1801 und wie bedünkt der vorschlag euer gnaden? A. W. Schlegel
Shakespeare (1797)7,321. ⟨v1840⟩ nach diesem gotteshaus sind wir .. barhäuptig mit lichtern in den händen gewallfahrtet, weil es mir wolziemlich bedäuchte, daß ich der befreundeten helferin meine sache vortrage Gaudy
17,138 M. 1845 da wollt’ es mich bedünken, / ich sey unendlich reich Hebbel
II 3,36 W. 1927 so hat .. der maler Delacroix die geliebte des doktor Faustus aufgefaßt: das gegenteil bedünkte den Franzosen sinnwidrig oder unaufrichtig Wechssler
esprit 69. 1997 schon als ich den stift ansetzte, wollte es mich bedünken, als sei mir die fähigkeit abhanden gekommen, über irgend etwas zusammenhängend .. zu schreiben
zeit (2.10.)54. 2002 wollte es den zugereisten ostling wohl bedünken, theater für die massen .. habe sich der regisseur .. anders vorgestellt
berl. ztg. (5.10.), onlinearch. —
refl. sich bedünken (lassen) ‘
sich vorkommen als, sich für etwas, jmdn. halten, zu sein glauben, sich einbilden’: 1473
(eine frau) die sich spicz wyser bedüchte Steinhöwel
de claris mulieribus 152 LV. ⟨v1475⟩ sy
(die hochmütigen) lassen sich beduncken sy sein die pesten Eyb
sitten (1511)8a. 1499 dz der berümpt welt löffig knecht der sich als wyß bedūckt nümmer nichtz verstat
Terentius f 7b (kommentar). 1577 der fantast, der sich glaͤsern bedunckt, vnd die leut aus dem weg gehn his, das jne nieman stis Fischart
3,31 DNL. u1673 aber solche meine frag zu beantworten, bedunckte ich mich viel zu gering und weniger als nichts Grimmelshausen
Simplicissimus 2,581 LV. 1722 wie des mentors eheweib, die sich die schönste zü seyn bedüncket
discourse 2,108 B. ⟨1732⟩ also wurde das laboriren mit aller gewalt fortgesetzt, so, daß ich mich zu ende des jahres ein starcker chymicus zu seyn bedüncken ließ Schnabel
Felsenburg (1997) 2,303. 1840 er schildert dem ärmsten in seiner gemeinde eine bedeutung, die er haben könne, daß dieser unfehlbar sich höher und weiser bedünken muß als Kant, Hegel, Strauß
etc. Engels
in: Marx/E.
(1956), ergbd. 2,95. ⟨1883⟩ davon dürfen unsere Wiener nicht hören, die sich das herz der welt bedünken Fontane
Petöfy 26 C. 1912/3 der psychologe Storch, voll freud, / bedünkt sich ungemein gescheut Morgenstern
w. u. br. 3,277 H.Grimm