AUSATMEN vb. mhd. (md.) ûzêdemen. 1
etwas atmend von sich geben. a
etwas als hauch von sich geben, luft u. dgl. ausstoßen; auch (so zuerst) den geist, die seele, das leben ausatmen ‘
sterben’; häufiger absolut: ⟨M14.jh.⟩ do sy vorgingin wunt uf den gazzyn der stat, do sy uzedymtin ire selin in dem schose irir mutir Cranc
164 Z. ⟨1579⟩
(hierher?) schlitz jm
(dem gaul) die naßloͤcher auff, damit er den athem desto besser an sich ziehe, vnd widerum̄ desto leichter außathme Sebiz
feldbau (1580)154. 1674 o verstand, verlaße mich nicht, biß ich in gutem muht und vertrawen außahteme! Karl L. v.
d. Pfalz
schreiben 235 LV. v1774 du kamst hieher, deine letzten seufzer auszuathmen Weisze
in: Adelung
wb. (1774)1,514. ⟨1782/7⟩ er hatte sich alle adern am halse zersprengt und seinen heldengeist bereits ausgeathmet Musäus
volksmärchen 1,70 M. 1809 der alte bergriese, der feuer ausatmet
(‘speit’) W. Grimm
brw. jugendzeit 177 Sch. 1832 die aus den lungen durch luftröhre und kehlkopf ausgeathmete luft Wiegmann/R.
zool. 27. 1896 als ich rasch zurückkehrte, hatte der leidende bereits ausgeatmet Grosse
ursachen 87. ⟨1901⟩ der eingeatmete dunst dieser myriaden von abgestorbenen gedanken muß ausgeatmet werden Hofmannsthal
prosa 1,365 S. 1950 die wenigen feuerschlänglein aber, die vom windstoß bis auf die insel selbst geschleudert werden, atmen in kurzen sekunden im sand ihr leben aus
F. Wolf
märchen 88. ⟨1961⟩ sie hatten ausgeatmet, die ihre lippen gesucht hatten ... tot waren sie Bachmann
jahr (1968)135. 1973 die ausgeatmete luft bildet wölkchen und eisblumen am fenster Becker
irreführung 179. 2000 die leere hat mich ausgeatmet und an die luft gesetzt Hilbig
provisorium 2266. b
den atem von sich geben, intrans. zu a: 1803 daß mir kaum so viel kraft übrig blieb, wenn ich ausgeathmet hatte, wieder athem zu schöpfen Goethe
I 43,241 W. 1828 das n, welches entsteht, wenn man beim ausathmen die zunge zwischen die zähne stößt Schmitthenner
Teutonia 1,13. 1903 beim ausatmen senken sich die rippen Paust
naturlehre 39. 1998 hörbar atmete er aus I. Schulze
storys 112. —
übertr. ‘verschnaufen zur ruhe kommen’
; zuerst: 1774 ich bin jetzt frey, athme das erstemal dreist aus Lenz
br. 1,84 F./S. 1803 einige wochen, wo sie von der angst ausathmen konnten Arndt
leibeigenschaft 48. ⟨1876⟩ ein friedliches für-sich-sein und ausathmen Nietzsche
(1906)2,420. 1965 wir fanden keine zeit auszuatmen, der ganze schlamassel der letzten wochen steckte noch in uns
wochenpost 44,13b. 2
substanzen, gerüche verströmen ausdünsten; bildl. ‘
gefühle, stimmungen u. dgl. verbreiten zum ausdruck bringen’: 1440
euaporare .. vßehtmen
in: Diefenbach
gl. 212a. ⟨v1683⟩ er
(der schmied) hatte .. einen hammer; welchen er .. niederlegte und seine liebes-brunst auff folgende art ausathmete: .. Lohenstein
Arminius (1689) 1,1129a. 1793 wie die einzige balsampappel in unserem park gewürzdüfte ausathmet Jean Paul
I 2,187 ak. 1798
(refl.:) wenn sich die innre regung in gesang ausathmet
athenaeum 1,172 faks. 1799
(Gaunt:) o zu was ende sparst du deine worte ..?
(Bolingbroke:) zu wen’ge hab ich um von euch zu scheiden, / da reichlich dienst die zunge leisten sollte, / des herzens vollen jammer auszuathmen A. W. Schlegel
Shakespeare (1797)5,173. 1832 während sie vor allem, was den duft des christenthums ausathmet, .. in sich krampfhaft zusammenschrecken Görres
15,448 Sch. 1861 die vielen sauerbrunnen, die, giftige und stickstoffhaltige dünste ausathmenden, gefährlichen mofetten im Engadin Berlepsch
Alpen 16. ⟨1912⟩ der ganze ruhig-gelassene einfluß seines wesens .., die lautere menschenliebe, die es ausatmete, gab Kurt ein gefühl der erneuerung und geborgenheit G. Hauptmann
ausgew. prosa 1,239 M. 1916 mit der trägen kälte .., die wände und der steinerne fußboden noch von der nacht her ausatmeten A. Zweig
geschichtenb. 197. 2000 die widerliche süß-bittere kräuterschnapswolke .., die C. ausatmete Hilbig
provisorium 2178.Scheider