1AUFSTECKEN vb. zu 1stecken
1DWB. mhd. ûfstecken. 1
etwas in die höhe, aufrecht, auf etwas stecken. a
etwas steckend aufrichten, aufstellen, weithin sichtbar (als zeichen) an einem erhöhtem ort befestigen, bes. von fahnen u. anderen symbolen u. zeichen, auch übertr. ‘
ein ziel, eine grenze setzen’
; gelegentlich mit objektwechsel: ⟨u1147⟩ ir scephte si
(helden) ûf stachten
(auf der wiese) / in crûestal si sich strachten, / .. ain michel zaichen dâ gescach: / die scephte begunden gruonen
kaiserchr. 14995 MGH. ⟨u1170⟩ thaz himelrike, / the ist gemeinlike / uf gestechet ze eineme zile Konrad
rolandslied 989 W. ⟨1349/50⟩ ain aufgestecktez sper an der stat, dâ diu sunn an schein Konrad v. Megenberg
b. d. natur 84 P. n1495 umb sant Marx kirchen wasen allenthalben vil bech pfannen auff gesteckt und die an gezintt
pilgerreisen 311 R./M. 1508 steck auff drey leymruͦten, an denen du dise fliegen anhoͤfften oder vahen moͤgest Geiler
pred. T 2b. 1633 hierauff brachten sie
(zunftmitglieder) jhre fendlein .. auffn marck vnd stackten sie auff Neumayr
auffstand 458. 1647 ich hab mir dis ziel
(gottgefällig zu leben) standfest aufgestekket Schottel
lustgarte 149. 1713 das laub .. giebt einen angenehmen geruch von sich, deswegen die bircken nicht nur in häusern, sondern auch in kirchen aufgestecket werden Carlowitz
baumzucht 325. 1850 ob die aufgesteckte grenze
(für die eigenständigkeit der provinzen) die richtige ist?
in: Weinlig
br. 349 M./S. ⟨1883⟩ dann ging ich durch den vergnügten philisterschwarm, der seine sonntagsmiene aufgesteckt hatte Heyse
[1924] I 4,25. 1884 die männliche schuljugend schoß .. nach aufgesteckten zielen Wedekind
ges. br. 1,56 S. 1998 dann auf den berg klettern und die fahne aufstecken
frankf. rundschau (30.7.)6. —
übertr., etwas (zum verkauf, zur pacht u. ä.) anzeigen, anbieten: ⟨1462⟩ han die scheffen geweist, wann die herren .. den zehenden verleyen wollen, sollen
(sie) vfstechen asz gewonlich ist, vnd sollen dem vogt erstlich anbitten, vnd will der vogt den zehenden gewinnen, so soll der vogt ein helbling mehr geben, dann ein ander
weist. 4,579 G. ⟨1519⟩ als dan sollen die eichel ufgesteckt und verkauft .. werden
ebd. 559. 1778 sie
(mühle) ward aufgesteckt und ich war für ein billiges gebot der dem sie zugeschlagen ward Merck
in: dig. bibl. 1,127179. –
errichten, bauen: ⟨1669⟩ die gebäude der stadt sind theils von mauersteinen gar schlecht und altfränckisch, theils von bambusreth auffgestecket Andersen
in: Olearius
reisebeschr. (1696)81a. 1781 die laube, .. / sie
(kinder) haben aus maien sie aufgesteckt Goethe
I 16,50 W. 1811 es heist die cadetten u. eleven hätten 2mal ihr lager aufgesteckt, und 2mal abgebrochen Jacobs
in: Platen
brw. 1,119 Sch./B. b
etwas auf, in etwas stecken, aufsetzen, steckend befestigen, gelegentlich mit objektwechsel. redensartl. den roten hahn aufstecken ‘
in brand stecken’.
in jüngerer spr. auch übertr.: ⟨E13./A14.jh.⟩ die / banier
(an den speeren) ufgestecket / wurden Frauenlob
II 19,2 ak. 1434 vor sie
(stifter) beten und yre jerliche begengkenisse vorkundigen ye in der wychvasten wochen .. mit gesaczter bedackter bore, vier uffgestackten lychten zcu mittelwege in unszme kore
urkb. d. erf. stifter 124 O. 1562 das er
(gott) das liecht seines heiligen euangelij nicht vnter ein scheffel .. setzet, sondern auff ein leuchter auffstecket Mathesius
Sarepta 300a. 1612 allein des
(räubers) Langhars kopf ward uff die spitze des torns uffgestecket Mechtel
limb. chr. 173 K. 1736 haben sie .. dieselben
(gefangenen) .. mit aufgesteckten bajonetten .. nieder stossen lassen
d. n. europ. fama 13/18,103. 1815 wie er
(flaschengeist) drin
(in der flasche) war, steckte der student den abgezogenen pfropfen wieder auf und der geist war angeführt Grimm
kinder- u. hausmärchen 2,55 P. ⟨1843⟩ er .. ging in die scheune und steckte den beiden ochsen und den beiden kühen
(futter auf die raufe) auf Auerbach
(1857)1,6. 1876 ich .. hoffe, daß Horacker ihnen allen
(den bauern) vorher noch den roten hahn auf den gehöften aufsteckt Raabe
12,308 H. ⟨1912⟩ die behäbige kleine pfarrerin, in schwarzem seidenkleide, mit einem veralteten hütchen, das mit roten blumen aufgesteckt
(‘garniert’) war Heyse
[1924] III 4,566. ⟨1949⟩ zwischen den vorhängen, die die töchter des pfarrers immer duftig und frisch aufsteckten Seghers
d. toten (1950)162. 2001 das mundstück des saxophons aufgesteckt und los geht’s
mannh. morgen (16.5.), IdS-arch. —
redensartl. (jmdm.) ein licht
(zuerst lichter
) aufstecken
(jmdn.) aufklären, (jmdm.) zu einer erkenntnis verhelfen: ⟨v1624⟩ weil er
(teufel) aber ietzo von den ketten der finsterniß los ist, so läßt gott allenthalben in dieser welt lichter aufstecken, damit ihn die menschen sollen lernen kennen und sich vor ihm hüten Böhme
theosophia (1730)1,286 faks. ⟨1642⟩ dieweil aber die erkantniß göttlichen willens schwer, dunckel und verborgen, so hat uns der allmächtige gott ein helles liecht auffgesteckt in der h. schrifft Dannhauer
catechismus milch 1(1657)214. 1766 wir hingegen sprechen lieber in räthseln, als daß wir uns die misfallende mühe geben sollten, ein paar schriftsteller anzuführen, die uns auf einmal ein licht aufstecken könnten Gerstenberg
merkwürdigkeiten 233 DLD. 1816 diese männer steckten in verschiedenen wissenschaften, der eine im hebräischen, der andere im griechischen der welt ein licht auf Marheineke
ref. 1,23. 1998 „wissen ist wie licht“, weiß die weltbank und möchte den „milliarden von menschen, die noch immer in der dunkelheit der armut leben“ ein solches aufstecken
frankf. rundschau (5.10.)10. c
etwas (herabhängendes) hochnehmen u. feststecken: ⟨1682⟩ auch wurden ihr
(geschlagenen frau) zu mehrer beschimpfung die aufgesteckten atlaßröcke von leibe gerissen
polit. grillenfänger (1683)92. 1768 Lottchen .. zu Dorinen, die ihr eine haarlocke aufstecken will
(regieanweisung) Weisze
opern 1,56. ⟨1878⟩ die langen zöpfe waren am hinterkopf zu einem knoten aufgesteckt Storm
5,173 K. 1890
(objektwechsel:) vor dem spiegel, indem sie sich glättete und aufsteckte Bahr
in: freie bühne 1,458. 1989 tante Wilma .. mit .. dem ordentlich aufgesteckten haar Ch. Wolf
sommerstück 26. 2
herzuleiten von 1 b,
etwas an-, entzünden: 1522 vff ein mal kam er
(ehemann) vnd was vol weins, da sasz sein fraw vnd span vnd het ein liecht vff gezünt, da sprach der man, hastu nit gnuͦg mit einen liecht, muͦst du zwei liechter vff stecken Pauli
schimpf 101 LV. 1727 die
(missetat) die hat gottes zorn erweckt, / daß er ein feuer aufgesteckt, / so euern schatz verzehret hat Henrici
ged. 1,9. 1840 so steckt’ ich mir eine zigarre auf Engels
jugendbr. 169 S. 3
etwas (gewinn) einstecken, vor allem redensartl. (nicht) viel
(u. ä.) aufstecken
(nicht) viel erreichen, ausrichten, gewinnen, in neuerer spr. wohl vor allem süddt. u. öst.: ⟨1626⟩ daß er sich der kauffmanschafft gutwillig begeben hette, vngeachtet er noch viel darbey gewinnen vnd auffstecken können Zinkgref
sprüch (1628)1,291. 1657 als wan solches
(arbeit) aus begirde eines gewinnes .. geschähe, dadurch ich ein großes würde aufstekken und mich für andern bereichern Bellin
rechtschreibung )( 6a. ⟨1686⟩ wann man rechnen will, was der graf .. jährlich aus dem post-wesen zieht, und was noch jeder post-meister in Teutschland auffstecket Becher
weißheit (1706) 138. 1833 er
(anrede) schaut etwas abg’schaben aus, mein lieber Leim, er hat nicht viel aufg’steckt in der fremd’ Nestroy
1,565 B./R. 1908 damit werden sie
(anrede) nicht viel aufstecken. eine weinstuben-kellnerin! grossartiger ruhm! Brod
Nornepygge 370. ⟨1930⟩ sie war als klavierlehrerin der kinder ins haus gekommen und da hatte sie nicht gerade viel ehre aufgesteckt, wohl aber viel liebe gewonnen Musil
mann 465 F. 1955
(prinz Eugen) hat auch nichts aufgesteckt in Italien Fischer /E.
Eugen 140. 1969 er hat bei ihr nichts aufgesteckt Ebner
Duden, Öst. 33b. 1980 mit solcher frechheit kann er bei mir nichts (aufstecken) Brockhaus/W.
wb. 1,386a. 4
etwas aufgeben, nicht weiter tun, wohl herzuleiten vom hissen der weißen fahne bei kapitulation, übertr. von 1 a,
auch absolut: 1828 der ganze franckhische handel
(schreiben von erzählungen für eine damenzeitschrift) wird wieder von mir aufgesteckt. ich bin die letzten wochen her fast krepiert vor ekel an der sache Mörike
br. 1,101 F./K. ⟨1875⟩ ich fand das ganze geschäft so beschwerlich, daß ich es ruhig wieder aufsteckte Heyse
[1924] II 4,328. 2000 Lüthy habe ihm immer wieder gesagt, daß er eine chance habe und nicht aufstecken solle
mannh. morgen (3.7.), IdS-arch.Schmitt