AUFHOLEN vb. mhd. ûfholn,
mnd. uphālen,
nl. ophalen. 1
etwas (ein pfand, gut) beschlagnahmen, in besitz nehmen, an sich ziehen, auch ‘
jmdn. als eigenmann beanspruchen’ 1290
quod ipsi antedictam domum nostram una cum censu de ipsa cedente ob nostram negligentiam publicandi et tollendi ad ipsorum potestatem quod ufholin
appellatur vulgariter, habeant plenam et liberam facultatem, in: DRW 1,883. 1341 so mohten die herren daʒ hus vnd den hof zu Russenberg .. ofhalen
in: südhess. wb. 1,390. 1377 wylliches iares wir adir unsere erbin daz suͦmetin und des nyt enteden, so mag daz vorgenante clostir und convent adir ire nachkomen die vorgenanten underphand uffhalen
hess. urkb. II 4,63 R. ⟨1380⟩ der
(mann) mocht vnsern hern von Meinze ader vns kiesen tzu herrn, thet er das nit, so holle in vnser herre von Meintz vff
weist. 3,526 G. 1400 so mag Eberhard myn bruder .. daz vorgenante myn teil der güde zü Wachenbüchen zü stünt affter dem virteil iares .. mit gerïchte oder ane gerïchte, uffhoͤlen
in: hess. urkb. II 4,773 R. 1535 wo sich eyn solcher gefreiter gegen seinem herren auffwürff, .. daß er alßdan̄ demselben die freiheyt wider nemen vnd dieselbe von jm wider auffholen moͤcht Micyllus
Tacitus 203b. ⟨1602⟩ kompt er
(der schuldner) nit in den dreyen vierzehen tagen, so soll der herren diener hingehen vnd soll die gütter mit drey hellern in sein hand vfholen
weist. 2,195 G. –
auch ‘jmdn. verhaften’: 1404 do de rad vornam, dat se alsodane lude weren, do wolden se se laten uphalen; do hadden se sik alle gegeven in de vorevlucht
in: Schiller/L.
mnd. wb. 5,110b. 2
nach oben bewegen oder bringen. a
etwas (selten jmdn.) nach oben ziehen hochziehen, (ein netz) aufspannen, jünger fast nur noch den anker aufholen, eine fahne auf- (und nieder)holen: ⟨n1391⟩ der sonnen hitze, / die so daz wasser in der lucht uph halet bruder Hans
marienlieder 3057 ATB. 1498 Hyntze schal de lyne vphalen, / he is behender vnde lychter dan wy
Reinke de vos 1912 L. ⟨1493⟩ die weyß aber die
(vogelnetze) vffzuͦholē
Petrus de Crescentiis, nutz d. ding (1518)153b. 1628 wan sie das sigel oder ancker aufholen sollen Lubenau
reisen 1,216 S. 1639 etliche begunten hinunter in das schiff zu fliehen. denen folgete hertzog Bogislaff vnd holete etliche bey den haaren wider auff Micraelius
Pommer-land 1/3,472. 1671 ließ demnach zur stund die anker aufholen
Pinto, reisen 93. 1741 aufhohlen
bey den seefahrern, als einen bot ins große schiff hinauf ziehen Frisch
wb. 1,462b. 1889 handelsschiffe salutieren durch dreimaliges auf- und niederholen ihrer nationalflagge
b. d. erfindungen 87,251. 1966 als rolle wird heute auch in der meeresspinnangelei überwiegend eine stationärrolle verwendet, da sie weite würfe und schnelles aufholen
(‘einholen’) der schnur ermöglicht Zeiske/B.
meeresangeln 131. 2000 Wolf lässt schwimmwesten und sicherungsleinen anlegen und den anker aufholen
berl. ztg. (4./5.3.)101f. –
atem holen: 1498 du letest my nicht so lange to vreden, / dat ik mynen athem mochte vphalen
Reinke de vos 6489 L. b
etwas hinauf-, heraufbringen aufheben: 1460/70 der junge ind der zippeler sullen dem schencken vur die duyr wyn uphoilen
gesch. verf. Köln 2,405 S. ⟨1493⟩ des morgēs fruͤ soll mā die strew vff holen vn̄ sein
(d. pferdes) ruckē .. wol reyn wischē zuͦm ersten mit stro
Petrus de Crescentiis, nutz d. ding (1518)123c. 1613 aufholen, bier, herauf aus
d. keller
in: Gutzeit
Livland, nachtr. (1886)66a. 1715 die gegend wo .. ein kalb herab gesprungen .., welches ein soldat auf die festung zur schlacht-banck wieder aufgehohlet Gregorii
schauplatz 2,173. 1758 die tiefen der hölle wie Jonas ergründet zu haben, um ihn
(Christus) wieder aufzuholen Hamann
1,296 N. 1864 jetzt, herr baron, hab’ ich selber den schlüssel aufgeholt Wilbrandt
geister 1,237. ⟨1913/6⟩
(bildl.:) worauf der posthalter ihm auf die reserve-uniform-epaulette tippte und seinen baß aus einer tieferen höhle aufholte Barlach
Seespeck (1962)131. 3
jmdn. abholen, zu einem bestimmten ort geleiten, führen: 1636 der reichs cantzler .., welchen her ob
(rist) Teuffel .. und andere hohe officirer empfingen und auffholeten Hoppe
schwed.-poln. krieg 371 T. ⟨1647⟩ ließ der cuptzi 7. gesattelte und wol auffgeputzete pferde die gesandten darmit auffzuholen an den strandt führen Olearius
reisebeschr. (1663)381. 1721 heute ward der herr doktor mit des herrn kommandanten wagen und pferde zur mahlzeit aufgeholet Messerschmidt
Sibirien 1,103 W. ⟨1782/7⟩ und zur abendzeit waren die schönsten jungfrauen zu rathaus aufgeholt, um mit der edlen ritterschaft zu tanzen Musäus
volksmärchen 2,15 M. 4
einen rückstand, ein versäumnis, mißgeschick, einen vorsprung ausgleichen, wettmachen: ⟨1780⟩ in der geschichte .. setzt man insgemein mit Carl dem Großen .. ein, und holet dabei die vorhergegangene verfassung summarisch auf Möser
4,149 A. 1929 futtere nur ordentlich, dann wirst du schon aufholen Remarque
westen 33. 1933 wir haben nicht in einem jahrzehnt den vorsprung eines jahrhunderts aufholen können Reiners
wirtschaft (1931)2,221. 1954 unverzüglich gab er auf. in zwei runden anderhalbe aufzuholen war unmöglich! Turek
Schwing 113. 1964 verzögerte sprachentwicklung ..; mit dem eintritt des kindes in die schule wird der rückstand meist sowieso rasch aufgeholt
mutterspr. 334. 1966 mit beeindruckendem kampfgeist holten sie
(athleten) am zweiten länderkampftag .. punkt für punkt von unserem am ersten tag erkämpften vorsprung auf
sportecho (22.9.)3d. 1978 „du holst den stoff nie auf“, sagte ich Kleine
heute 28. 2000 bis zur pause hatte der favorit diesen rückstand nicht nur aufgeholt, sondern in einen knappen vorsprung umgewandelt
st. galler tagbl. (15.3.), IdS-arch. 5
seemannssprl. das ruder, steuer aufholen: 1794 aufhalten oder aufholen .. das ruder oder die ruderpinne luvwärts drehen, damit das schiff abfällt Röding
wb. marine 1,167. 1821 ich .. war über diese behandlung dermaassen erbittert, daß ich augenblicklich das ruder aufholte, die segel abbraßte und, da der wind südlich war, nach dem lande zuhielt
in: Kluge
seemannsspr. (1911) 37. 1846 der „Groningen“ holte sein steuer auf und segelte abseits Smidt
Ruiter 2,149. 1904 Stenzel
seemänn. wb. 24b. Schmitt