ANKLANG m. zu anklingen,
überwiegend in übertr. verwendung erst nach 1800 häufig. 1
einsetzen, erklingen eines tones klanges; oft in musikalischen zusammenhängen und vergleichen (vgl. anklingen 3
u. 1
): a
von klangkörpern, ton-, schallquellen: 1773 sprache .. wird ton! und anklang goldner saite Herder
5,259 S. 1781 bey dem ersten anklang der sterbensglocke Hippel
lebensläufe (1778)3,2,365. 1799 die kraft .., die die himmlische musik mit ihren vollen tönen, mit ihren liebreizenden anklängen über unser herz erzeigt? Wackenroder/T.
phantasieen 81 DNL. ⟨1800⟩ streiten / sie ..: ob mehr des schnellen anklangs / würdig sey der weiße pokal? ob mehr das röthliche kelchglas? Klopstock
w. (1798)7,43. 1805 ihre schwester würde .. vom ersten anklang
(der musik) erwachen Jean Paul
I 10,452 ak. ⟨1819⟩ alle die hohen töne .. sind bekanntlich anzusehn als entstanden durch die nebenschwingungen des tiefen grundtones, bei dessen anklang sie immer zugleich leise miterklingen Schopenhauer
2,305 H. b
bildl. u. übertr., auftakt, ansatz, anstoß: 1773 nach einem meistens sanften anklange stemmen sich die töne, stemmen sich oft zwei, dreimal auf einander und dann schließt die strophe
(Klopstocks ode) Herder
5,357 S. ⟨1782/7⟩ daß vielmehr der vermeinte liebesantrag die saite ihres herzens berührte, welche lange schon vibrirte einen harmonischen anklang zu geben Musäus
volksmärchen 3,106 M. 1817 einige ihrer andeutungen erregten in mir .. unbestimmtes interesse. anklänge die aus edlem metall hervorgingen, nemlich aus wahrheitsdürstender, lechzender seele Stolberg
br. 454 B. 1819 manche von den gedichten .. verdanken den ersten anklang ihres daseyns sehr ungestimmten saiten, sehr ungeübten fingern Fouqué
gefühle 1,153. ⟨1911⟩ daß dies alles
(oper) .. des rechten nationalen anklanges .. leider so ziemlich .. entbehrt Seidl
tondichter (1926)1,359. 1940 ist .. ein legendärer anklang eröffnet, aber was danach sorge sein müßte: bedenken des todes – das bleibt aus
(Faust-szene) Kommerell
geist 82. 2
analogie, ähnlichkeit, anlehnung (im hinblick auf ein vorbild, ein verwandtes phänomen, eine vorlage), meist im plur., oft in geistig-kulturellen zusammenhängen; so am häufigsten (vgl. anklingen 6
): 1800 daß der anklang der nahmen und personen an die alte poetische zeit unwiderstehlich ist Schiller
30,224 nat. 1835 manche anklänge an die urdeutsche heldensage J. Grimm
kl. schr. 5(1871)180. ⟨1855⟩ nicht wiederholungen, aber anklänge an früher geschaffenes Freytag
(1886)16,275. 1879 baustyl behielt übrigens im rococo immer arabische anklänge Vischer
auch einer 2,389. 1899 der komische dichter .. wirkt .. durch den anklang an das ernste
in: lit. echo 1,539. 1905 er ist trotz aller anklänge, die man bei ihm fand und finden mag, eine persönlichkeit, ein klang für sich Morgenstern
leben 179 M. 1936 sein
(des fisches) bau zeigt manche anklänge an einen wurm Frisch
du 245. 1954 oft begegneten sich hier anklänge an gelesenes mit erinnerungen an selbsterlebtes Bergengruen
rittmeisterin 354. 1962 ein fast bühnenmäßig reines hochdeutsch, nur mit einem .. allerliebsten anklang ans rheinische platt M.W. Schulz
wir 14. 1987 wir haben es hier mit anklängen an das romantische denken zu tun Schrade
in: kritik 87 (1988)55. —
auch, im engeren sinne lautliche ähnlichkeit: ⟨1835/42⟩ beide gedichte sind .. von der äußersten einfachheit der sprache .., die reime bloße anklänge Gervinus
dt. dicht. (1853)1,110. 1845 in Müllenhoffs .. sagen heiszt der wütende jäger nicht nur Wode, sondern auch .. Wold .., selbst die anwendung dieses mythus auf den dänischen Waldemar scheint durch den anklang seines namens herbei geführt oder erleichtert J. Grimm
kl. schr. 7(1884)187. ⟨1898⟩ das wort purgatorium will ich vermeiden, einmal, weil sich mein protestantisches gewissen dagegen sträubt, und dann auch wegen des anklangs Fontane
(1919) I 5,231 jub. ⟨v1948⟩ das spielhaus baute er auf der felsklippe „Speluga“. er taufte sie um, der anklang an „spelunke“ gefiel ihm nicht Kisch
reporter (1950)192. 1986 lautlicher a(nklang) bedeutungsgleicher oder – ähnlicher wörter Knobloch
sprachwiss. wb. 1,127. 3
anflug, andeutung hauch (von etwas); phänomen von geringer ausprägung (vgl. anklingen 7
): 1809 graf Solms, ein gebildeter mann mit weltton und anklängen von gemüth Werner
tgb. 52 LV. 1833 ein leiser anklang von unruhe, von leichter verstimmung Sealsfield
d. legitime 3,91. 1851 sein gewagter versuch, diese fremde sprache wenigstens in anklängen zu reden Gutzkow
ritter (1850)4,262. 1879 von seiner stimme ist freilich kaum noch ein voller klang übrig geblieben; man vernimmt nur anklänge Bernays
br. 76 U.-B. 1903 immer schadet der freundschaft der leiseste anklang an mißtrauen Hilty
br. 218. 1966 in seiner stimme liegt ein anklang von feierlichem ernst Egel
Schlüter 260. 4
positives echo, resonanz; zustimmung, akzeptanz; innere verwandtschaft häufig anklang finden;
(vgl. anklingen 5
): 1809 und ich sehe wohl ein, daß ich dort ein unglückliches verarmtes creatur sein würde, ohne lust und anklang Chamisso
w. (1836)5,224. 1820 o! mein inneres hatte ihn angesprochen, nicht zu zweifeln war an dem anklang unserer gemüter! E.T.A. Hoffmann
10,59 G. ⟨1826⟩ die frau .., die bei .. freude an .. gebildeter unterhaltung keine solche anklänge in ihrer umgebung fände Hauff
1,145 F. ⟨1835⟩ das stück ist aufgeführt, hat gefallen (im jetzigen deutsch: hat anklang gefunden, oder hat angesprochen) Tieck
(1828)27,7. 1847 das erste ist die entstehung der liebe aus geheimem anklang Vischer
ästhetik (1846)2,1,172. 1859 die pedantische trockenheit des hrn Sanders wird schwerlich groszen anklang finden W. Grimm
in: beziehungen z. Hessen 1,357 S. 1878 (ilex aquifolium) ist .. als theepflanze versucht worden, hat sich aber keines besonderen anklanges zu erfreuen gehabt
b. d. erfindungen 75,89. 1908
(vorwort) möge das buch anklang finden! Passarge
Südafrika VII. 1926 die presse .. kann bei uns immer auf anklang rechnen! Kraus
w. 5,684 F. 1966 eine spezialitätengaststätte .., die viel anklang finden wird
berl. ztg. (20.12.)2c.Huber