ALLEWEIL,
allweil, alleweile adv.,
konj. zusammengerückt aus alle weile
(ahd. alla uuīla, mhd. alle wîle ‘alle zeit, immer’),
dem akk. der zeitlichen erstreckung. die form allweil
überwiegt im 15./16. jh. u. landschaftl. (
obd.)
auch noch bis in jüng. zeit, während (nichtsynkopiertes) alleweil,
im 17. – 19. jh. daneben oft auch (wohl unter einfluß der lange geläufigen festen fügung alle weile) alleweile,
im 19./20. jh. mehr u. mehr dominiert (
belegverhältnis insgesamt wie 1:2).
in bed. 1
ohne regionale beschränkung bis zur gegenwart geläufig. 1
stets, immer, zu jeder zeit (
öfter in der fügung noch alleweil,
vereinzelt auf alleweil): ⟨1413⟩ so synt alweyle becker gedwongen zo malen vp vns grontheren moelen ind der gemeyne lantman mach malen dar na hey zo raide werdt
weist. 2,784 G. 1500
(er vermacht der magd) alwyle by ym woenende acht gulden
in: Wrede
altköln. sprachschatz 101a. ⟨v1624⟩ die creaturen sind noch nicht erlöset, sehnen sich noch alleweil ins mysterium einzugehen, daraus sie gegangen sind Böhme
theosophia (1730) 11,267 faks. 1643 das ist doch kaum die hälffte, vnd alleweil fast nur der anfang gewesen meines jammers. es haben aber diese beide .. herren schwägere vnd gevattern, einen grossen theil wohl mit getragen Moscherosch
cura 7 HND. 1695 jedoch gibt es deren noch alleweile, die darum zu wissen verlangen, damit .. sie von dem gemeinen unwissenden pöfel abgesondert sein mögen Stieler
zeitungs lust 6. 1776 haben doch die andern
(beim exerzieren) auch nicht die gedanken beisammen, sondern schweben ihnen alleweile die schönen mädchen vor den augen Lenz
in: stürmer u. dränger 2,113 DNL. 1780 es ist doch gewiß, .. daß speiß und trank den mensch macht allweil viel anders, und konnt man schier sagen, hätt der feige gut gessen und trunken, so werd er muthiger, der dumme, gescheider, und aus dem unfreundlichen werd ein freundlicher Klinger
Plimplamplasko 74 faks. 1838 kinder haben nie ein geld und essen alleweil Nestroy
6,7 B./R. 1847 wenn’t unten unter de erde alleweile eben so unruhig zujeht, wie oben, denn kann alle dage en erdbeben passiren Glaszbrenner
volksleben 2,240. ⟨1862⟩ ein fingerlein ist kein maß, – / aber ein spaß ist alleweil ein spaß! Storm
1,188 K. 1900 keine war doch so hübsch wie sie – und alleweil so fidel! Viebig
weiberdorf 103. ⟨1910⟩ sechs jahr’ bin alt g’wesen .. da han die zwei glauben schon raufen seh’n .. erschauernd rad, galgen und brand; heut’ bin zweiundachtzig .. und raufen noch allweil weiter Schönherr
glaube (1911)8. 1930 na, anderthalb jährchen hat man ja noch zeit. bis dahin, alleweil lustig, alleweil fidel! Mathar
Johannes 182. ⟨1936⟩ i hab’ mir denkt, ös werd’s doch der Rainerin ihr graberl a bisserl b’suchn woll’n – bis zum kirchhof kann i scho’ no wackeln – muaß ja so bald dahin auf alleweil Müller- P.
berge (Bremen o.j.) 100. ⟨1940⟩ seit meiner wanderschaft .. hock’ ich nur allweil auf dem tisch hier rum Becher
abschied (1945)379. 1950 „der Hans tut allweil seine pflicht und schuldigkeit“, erwiderte er auf die wütenden ausfälle des bürgermeisters Graf
mitmenschen 25. ⟨1958⟩ der erzählt alleweil nur von sich selbst Frisch
stücke (1966)174. 1980 ob er den personenkult, von dem jetzt alleweile die rede ist, schon aus der klosterschule mitbrachte? Strittmatter
wundertäter (1957)3,622. 1986 sagts mir, ihr schlauen, literaturbeflissenen, habt euch doch umgetan, seh’s euren nasen an, die ihr alleweil so hoch tragt Trampe
tanzstunde 120. —
immer wieder: ⟨1844⟩ zum glück haben wir geld. major, das heißt, ihr schießt alleweile vor, aber niemand schießt euch zurück Bauernfeld
ausgew. w. 3,23 H. 1931 „sie haben diesen priester, wie sich von selbst versteht, abgewiesen, ihm den verbot wissen lassen.“ „das haben wir. alleweile versuchte er es an zween und dreien toren. als er an das Pölkentor kam, habe ich ihm selbst die umstände klar gemacht Handel-
M. hochzeit 92. 1966 die alleweil noch anzutreffenden bachneunaugen sind wirtschaftlich völlig wertlos
gubener heimatkal. 141. ⟨1978⟩ alleweil kam einer mit dem arm in die häckselmaschine Lenz
heimatmuseum (1980)46. 2
jetzt, eben, in diesem augenblick: 1525 münch: was wolt ir alweil thun? edelmann: ich hab einen pauren, der hat gelt eingenomen im Joachimsthal, hab im vier tag nach geritten, wil lugen, ob ich in erwüschen möcht
sat. u. pasquille 3,110 Sch. 1690 du solt wissen, daß alleweil mein camered an einer schleunigen kranckheit gestorben Happel
academ. rom. 252. 1691 alleweil
etiam est jam, ex hoc tempore Stieler
stammbaum 2475. 1709 eines von meinen hündtger ist alleweill auff die taffel gesprungen undt auff dieß papir undt hatt ein gantz wordt außgewischt, wie ihr secht Elisabeth Ch. v. Orleans
br. 2,76 LV. 1750 ich besinne mich alleweile auf jemanden, der die rolle recht meisterlich wird spielen können Lessing
2,140 L./M. 1756 diese
(frau) .. ist aber heute in gröster armuth .. gestorben, und habe ich ihrem vater, welcher mich darum auf der gasse ansprach, zu ihrer beerdigung als eine zubusse alleweile einen gulden verehret
leipz. avanturieur 1,188. 1774 ich habe alleweile mit ihm gesprochen Adelung
wb. 1,189. 1803 feyrabend, sprach Till, alleweil! / denn hack mir einer ohne beil, / koch’ einer ohne kohlen! Claudius
s. w. (1775)7,120. 1805 ich .. machte mich um 10 uhr auf den weg. alleweile, da ich zurückkomme, ist es zwey stunden über mittag. mein aufgewärmtes essen habe ich dahin gewiesen, wo es herkam Thümmel
reise (1791)10,98. ⟨1844⟩ wenn man aber auf den barbara-tag reiser von den obstbäumen abschneidet und die ins wasser stellt, dann blühen sie im märz, und das hab’ ich getan, und sie blühen auch alleweil B. v. Arnim
1,36 Oe. 1968 woher .., aus welchem grund, mein’ ich, wird der tisch gedeckt für drei personen? wenn die zwei damen doch alleweil so gut wären, mir mitteilen zu wollen, wer heut abend noch zu besuch kommt! Lindstedt
in: voranmeldung 197. 3
als konj., vgl. alldieweil 1,
von dem es möglicherweise beeinflußt ist. a
temporal, ‘solange (als),
während’: 1437/53 wann die zyt der karwuchen kompt, das sie dann die vier kerzen habent bürnen vor unserm lieben heren gott, die darzuͤ gehoͤrent, allewile er in dem grabe lit von anfange bitz ende us
strassb. tucherzunft 56 Sch. 15.jh.
(d. wächter) süllent ouch sweren, .. deheynerley spiele das den pfennig berüren mag an deheinen enden zuͦ tuͦn, allewile sü an dem ampt sint
strassb. zunft-verordn. 507 B. 1508 alle weil man schweiget, so ist gutter friden im hauß Geiler
pred. T 2d. 1536 so ist mit in abgeredt, alleweyl sy also hie ligen, das man dann ir yedem besunder all wochen ain halben guldin r
(heinisch) vnd nit mer geben sulle
(Augsb.) chr. dt. städte 23,48. 1565 es soll kain nachper sein vich zu Oberstocklstain, allweil das traid auf dem veld steet, hinaus keren, noch waidnen
öst. weist. 5,459. ⟨1579⟩ soll auch allweil es regnet vilerley zeug der zubrauchen von holtz schnitzeln Sebiz
feldbau (1580)61. 1582 allweil man die suͤndflut besorg, bauet man vff die berg: heut da man die suͤndbrunst besorgt, bauet man inn die tieffe inn die wasser Fischart
geschichtklitterung 287 HND. ⟨1598⟩ dann allweil wir inn diesem fleisch wohnen, können wir vns deß jochs der dienstbarkeit nicht entschuͤtten Albertinus
sendtschreiben (1603) 2,112a. 1609 deß königs abgeordenter orator nach Constant. ligt an seinem zurück reisen noch zu Offen vnd wirdt von dem bassa daselbst nicht herauff gelassen, alleweil nicht zuuor die versprochene 50 000 thaler in specie gelieffert werden
aviso 6, A 3b. 1643 dannoch, wolt jhr christen sein? so müsset jhr solches thun; vnnd alleweil jhr es im werck nicht an eüch spüret, so seit jhr noch nicht rechte christen Moscherosch
cura 31 HND. 1812 seid so gut, und erklärt uns jetzt auch noch das rätsel von eurem landsmann! wir haben an unserm tisch immer dran studiert, allweil ihr gepredigt habt. wir bringen’ s nicht heraus Hebel
s. poet. w. 4,53 K. 1823 (bleibt nur)
var.: allweil (Liakos am leben, / wird er nie ein beugender) Goethe
I 3,432 W. noch mdal., u. a.: 1953 alle(e)wiele ..
solange als, während, ns. wb. 1,297. b
kausal, ‘
weil’
(insgesamt selten) 1572 daher so find man für gewiß, / das .. Clytemnestra, die koͤniginn, / keüsch blieben sey on argen sinn, / allweil sie taͤglich schlagen hoͤrt / den musicum, den jhrn verehrt / ihr mann Fischart
1,368 DNL. 1609 wolte er ihrer mayst. zu gehorsamen ern sich gern eine geraume zeit ausser Prag auffhalten. alleweil aber jhme von so viel hoch ansehenlichen reichsfürsten vnterschiedtliche commissiones auffgetragen seyn, mit befehlch schnel fortzureisen, so köndte er nicht fürüber, sondern müste demselben nachkommen
aviso 27, A 4b faks. 1612 die vrsach, warumb der trach den elephanten verfolgt vnnd angreifft, ist, allweil der trach jnwendig ein grosse hitz hat. weil derwegen das blut deß elephanten kalt ist, so begeret es der trach zutrincken Albertinus
tummel-platz 316; ebd. 121. 1889 all wil dat
in: meckl. wb. 1,265. 1916 alleweil(e) ..
protǒze Sterzinger
dt.-böhm. wb. 1,198b. Braun