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afrika

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Herder
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Eintrag · Herder (Konv.-Lex., 1854–57)

Afrika

Bd. 1, Sp. 62
Afrika, der 3. Erdtheil der alten Welt, von den Griechen Libyen genannt, erstreckt sich auf beiden Seiten des Aequators vom 371/2° nördl. Br. bis 34° südl. Br. und von dem 1° östl. Länge von Ferro bis zum 69°, wird auf 550000 QM. berechnet. Afrika ist beinahe Insel, denn es hängt nur durch die 15 M. breite Landenge von Suez mit Asien zusammen, nichtsdestoweniger hat kein Erdtheil weniger Küstenausdehnung als Afrika, weil das Meer keine tief einschneidende Buchten bildet, kein Binnenmeer aussendet, nur wenige Inseln umschließt; Einförmigkeit ist der äußere Character Afrikas. Eben so eigenthümlich ist das Innere dieser Landfeste; ganz Afrika scheint ein Hochland zu sein, das in mehreren Abstufungen an die Küsten abfällt, daher auch die Ströme in Wasserfällen und Stromschnellen durch die Ränder der Gebirgsriegel hervorbrechen. Die bedeutendsten sind: auf der Ostküste der neulich bekannt gewordene Goschop, der einen Handelsweg in das Binnenland zu gewähren scheint, der Zambese; die Menge der Parallelflüsse an dieser Küste, ihr rascher Lauf und geringe Wassermasse deuten es hinlänglich an, daß sie aus einem nicht fernen Hochlande herunterkommen. Die gleiche Erscheinung wiederholt sich an der Westküste, wo der Oranje, Guanene, Congo oder Zaire, der Dscholiba oder Niger, der bedeutendste von allen, Gambia und Senegal fließen. Die ganze Nordküste hat nur einen Fluß, den Nil, der aus Habesch und Centralafrika kommend die Gebirgsriegel mehrmal durchbricht und durch die ägyptische Felsenspalte in das mittelländ. Meer fällt. Von dem Innern Südafrika's ist uns nur wenig bekannt, von Centralafrika sind jedoch der Hoch- und Tiefsudan nach vielfachen Versuchen etwas erschlossen worden und wir kennen eine Reihe Völkerschaften und eine Anzahl namhafter Städte. Die Entdeckung, daß der Dscholiba, später Quorra genannt, in den Meerbusen von Benin mündet, schien einen Weg in den Sudan zu öffnen, aber die Mannschaft der engl. Dampfboote unterlag den giftigen Einflüssen des Klima's, das in dem Nigerdelta den Europäern geradezu tödtlich ist, und selbst einzelne Reisende, welche in den Hochsudan vordrangen, wurden ein Opfer des Fiebers (so 1852 Overweg). Doch wissen wir, daß im tiefen oder flachen Sudan ein großer See ist, in welchen sich von allen Richtungen her die Flüsse dieses afrikan. Tieflandes ergießen. Nördlich vom Sudan dehnt sich vom atlant. Ocean bis an den Nil und bis an die Gebirgsfeste des Atlas die große Wüste (über 100000 QM.), die Sahara, aus, die nur durch jenes Gebirge von ihrem Vordringen gegen das Mittelmeer gehindert wird. Das Klima Afrika's ergibt sich aus seiner tropischen Lage und seiner Bodengestaltung; in den Niederungen ist die gewaltigste Hitze, die in den Wüstenflächen durch die Reverberirung der Wärmestrahlen unerträglich wird, während die Hochflächen sehr kalte Nächte haben und durch raschen Temperaturwechsel Eingeborne und Fremde bedrohen; das gemäßigte Klima scheint Afrika gänzlich fremd zu sein. Die Erzeugnisse A.'s sind überall, wo hinlängliche Bewässerung nicht fehlt, die der tropischen Kraft und Ueberfülle, in den Wüsten aber zeigt es eine Ertödtung des organischen Lebens wie kein anderer Erdtheil. Es hat eine große Anzahl eigenthümlicher Thiergattungen oder eigene Species, z.B. den edlen Löwen und mehrere andere Arten der größeren Katzen, die noch immer nicht genau geschieden sind, die Hyäne, mehrere Arten wilder Hunde; von Pachydermen: seinen Elephanten, Nashorn, Flußpferd, Gnuthier, Zebra und Quagga, das Emgallo oder äthiop. Schwein, den Honigbären, mehrere Affenarten; von Vögeln: Papageien, den Ibis, den Schlangenfalken, den Honigkuckuk, das Perlhuhn; von Amphibien: Krokodil und Nileidechse, viele Schlangenarten, von Insekten und andern wirbellosen Thieren eine noch unbekannte Anzahl eigener Gattungen und Arten. Eigenthümliche Pflanzen A.'s sind: die Adansonia oder der Boabab, mehrere Palmen, Ebenholz, Farbehölzer, mehrere Gummibäume, Durrah, officinelle Pflanzen. Der mineralische Reichthum A.'s ist noch ziemlich unbekannt, Gold, Silber, Kupfer und Eisen scheint im Ueberfluß vorhanden. Von den ältesten Bewohnern A.'s gehören die alten Libyer (Mauretanier), Berbern, Kabylen, Tuariks, die ausgestorbenen Guanchen dem kaukasischen Stamme an, ebenso die Abyssinier und die Kopten; der größere Theil dem Negerstamme. In alter Zeit mischte sich die Bevölkerung mit phönicischen, arabischen, griechischen und römischen Einwanderern, im 7. und 8. Jahrh. zogen mit dem Islam die Araber massenhaft ein, später kamen die Türken als Herren Nordafrika's bis Marocco, an den Küsten gründeten Portugiesen, Spanier, Holländer, Franzosen und Engländer Colonien, gegenüber von Madagascar Malaien, so daß Afrika an seinem Saume und so weit die Araber und Mauren in das Innere vorgedrungen sind, eine Bevölkerung von vielfach gemischtem Blute hat. Die Productivität der Neger im innern Afrika muß eine sehr bedeutende sein, da dieselbe trotz der grausamen Kriege und des Sklavenhandels, der jährlich Hunderttausende in die amerik. Colonien und die muselmannischen Länder ausführt, keine Abnahme zu verspüren ist. Man schätzt die ganze Bevölkerung A.'s auf 300 Mill., ohne daß man jedoch dafür sichere Daten hat. — Eine Geschichte haben bisher nur einzelne Länder A.'s; die bedeutendste Aegypten, das die Geschicke Asiens bis auf den heutigen Tag getheilt hat (s. Aegypten), die griechische Colonie Cyrene, die phönicische Carthago, das mit Rom um die Weltherrschaft kämpfte, Numidien, Mauretanien, die nie von Bedeutung wurden. Um die Zeit von Christi Geburt war Aegypten und ganz Nordafrika römisch und theilte die Schicksale des Kaiserthums. Mit den Vandalen begann die Zerstörung der afrikanischen Kirche, die zur Zeit St. Augustins allein in Westafrika 400 Bisthümer zählte, und der Einbruch des Islams vollendete den Ruin. In Aegypten, Tripoli, Tunis, Algier u. Marocco wechseln nun arabische und türkische Dynastien und Despotien, bis unter Sultan Solyman alle bis Marocco, das unabhängig blieb, unter die Oberhoheit des osmanischen Sultans kamen. Bekannt ist, was die christlichen Küsten des Mittelmeeres und die Seefahrer durch den Uebermuth der afrikanischen „Raubstaaten” litten, bis das 19. Jhrh. dem Unwesen ein Ende machte und 1830 Europa durch die franz. Eroberung von Algier Nordafrika in den Bereich der europäisch. Civilisation zog. Die ganze Westküste hat nur einzelne Niederlassungen europäischer Nationen (Spanier, Portugiesen, Franzosen, Dänen, Holländer, Engländer), welche von dort aus den Handel mit Gummi, Elfenbein, Ebenholz, Goldstaub, Pfeffer u.s.w. treiben; dazu kommt die nordamerikanische Colonie Liberia, aus befreiten Sklaven bestehend. Das Capland hat durch die Holländer einen Grundstock europäischer Bevölkerung erhalten, den die Engländer durch ihre Colonisten vermehrt und bis in das Kaffernland vorgeschoben haben. An der Westküste haben besonders die Portugiesen aus ihrer schönen Zeit her Besitzungen, die aber nicht von großer Bedeutung sind, ebenso Franzosen und Engländer, deßgleichen der Imam von Maskat. Die Araber trieben bisher an der nördlichen Hälfte der Ostküste den bedeutendsten Handel (s. Adel), seitdem aber die Engländer Aden besetzt und die Mündung des Goschop entdeckt haben, bemächtigen sich dieselben des Hauptverkehrs. Einen Versuch, sich an der afrik. Küste Aden gegenüber festzusetzen, haben die Franzosen nicht ohne Erfolg gemacht und versuchen von dort aus mit Habesch eine directe Verbindung zu öffnen, während der österreich. Missionär Dr. Knoblecher aufwärts den Nil von seiner Hauptstation Kartum bis in die Nähe des Aequators vorgedrungen ist und unbekannte Volksstämme entdeckt hat, die sich für den Zweck seiner hohen Sendung sehr empfänglich zeigen.
7700 Zeichen · 70 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Afrika

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Afrika , genit. Afrika's, oder, obgleich nicht so häufig, Afrikens, der südliche Theil der alten Welt, welcher von den A…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Afrika

    Goethe-Wörterbuch

    Afrika auch -c- a Sicilien deutet mir nach Asien und A., und auf dem .. Puncte, wohin so viele Radien der Weltgeschichte…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Afrika

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Afrika , der 3. Erdtheil der alten Welt, von den Griechen Libyen genannt, erstreckt sich auf beiden Seiten des Aequators…

  4. modern
    Dialekt
    Afrika

    Pfälzisches Wb. · +2 Parallelbelege

    Afrika : wie schd., Afriga (ˈafrigā) [allg.]. RA.: Viel A.!, Ausruf bei großer Hitze [verbr.]; vgl. PfWB afrikanisch . B…

  5. Sprichwörter
    Afrika

    Wander (Sprichwörter)

    Afrika Afrika bringt immer etwas Neues. Auf Neuigkeitskrämer, die seltsame, aber oft unglaubliche Dinge auftischen. Weil…

  6. Spezial
    Afrika

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Afri|ka nom. propr. n. ‹geog› Africa.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit afrika

29 Bildungen · 25 Erstglied · 4 Zweitglied · 0 Ableitungen

afrika‑ als Erstglied (25 von 25)

Afrika N.

Idiotikon

Afrika N. Band 1, Spalte 106 Afrika N. 1,106

Afrikana

Meyers

Afrikana , weißer Baumwollenstoff mit Leinwandbindung und 28 Ketten- und 24 Schußfäden auf 1 cm. Ketten- und Schußgarn Nr. 20 engl.

Afrikander

Meyers

afrika·n·der

Afrikander ( Afrikaander ), in Südafrika Bezeichnung für einen dort gebornen Weißen. Der Afrikander-Bond (»Bund«) wollte ursprünglich dem Wa…

Afrikāne

WWB

Afrikāne Tagetes (Zierpflanze) ( Kr. Beckum Bek Abeler, Kr. Steinfurt Stf Kr. Steinfurt@Nordwalde Nw ). — Syn. Hō²chmō¹d (stinkende), WWB Sa…

Afrikaner

ElsWB

afrika·ner

Afrikaner [Àfrikânr Obsteinbr. ] m. ehemaliger Fremdenlegionär.

afrikānesk

WWB

afrika·n·esk

afrikānesk. Afrikanische Pipps Grippe (Grafschaft Limburg) ( WWB-Source:325:WoeN WoeN ).

AFRIKANISCH

DWB2

afrika·nisch

DWB2 AFRIKANISCH adj. DWB2 zu Afrika gehörig, wie in Afrika: DWB2 1491 wann der affricanosch oͤpfel ( punico malo ) pluͤtt Oesterreicher Col…

Afrikanische Gesellschaften

Meyers

Afrikanische Gesellschaften , Vereine, die sich die Erforschung Afrikas, namentlich des noch unbekannten Innern, zur Aufgabe machen. Der ers…

Afrikanischen Sterns

Meyers

Afrikanischen Sterns , Orden des , gestiftet 30. Dez. 1888 vom König Leopold der Belgier als Souverän des unabhängigen Kongostaates zur Belo…

Afrikanischer Krieg

Herder

afrikanisch·er·krieg

Afrikanischer Krieg ; Cäsar führte ihn gegen die Pompejaner und ihren Bundesgenossen Juba, König von Numidien, und endigte ihn durch die Sch…

Afrikanische Truppen

Meyers

afrikanisch·e·truppen

Afrikanische Truppen , die Truppen des 19. franz. Armeekorps, die leichte Infanterie, Fremdenregimenter, Chasseurs d'Afrique, Zuaven und die…

afrikanisk

KöblerAhd

afrikanisk , Adj. nhd. afrikanisch ne. African ÜG.: lat. Puniceus Gl Hw.: s. as. afrikanisk* Q.: Gl (um 1150) I.: Lw. lat. Άfricānus E.: s. …

AFRIKANIST

DWB2

afrika·nist

DWB2 AFRIKANIST m. DWB2 wissenschaftler, der afrikanistik betreibt, afrikakundler: DWB2 1935 Westermann, Diedrich, afrikanist Brockhaus 15 2…

AFRIKANISTIK

DWB2

DWB2 AFRIKANISTIK f. DWB2 afrikawissenschaften: DWB2 1940 namen wie Krapf, Koelle .. werden in der afrikanistik ihren platz behalten jb. pre…

Afrikareise

GWB

afrika·reise

Afrikareise Mit einer Afrika Reise des wunderbaren Hompesch wird nichts werden, Einsiedel ist schon mit seinen Brüdern über Meer GWB B7,101,…

AFRIKAREISENDER

DWB2

afrika·reisender

DWB2 AFRIKAREISENDER m. : DWB2 DWB2 ⟨1898⟩ ein afrikareisender, ein architekt und ein porträtmaler Fontane ( 1919 ) I 5,430 jub. ⟨1916⟩ nach…

afrika als Zweitglied (4 von 4)

Südafrika

Campe

sued·afrika

Südafrika , — s , der südliche, nach dem Südpol zu gelegene Theil von Afrika. Davon südafrikanisch .