zwinkern,
vb. ,
iterative weiterbildung zu zwinken.
seit dem 17.
jh. bezeugt, von da an in stetigem vordringen, unter zurückdrängung des grundwortes zwinken.
neben der allgemeinen bedeutung, die eine wiederholte zuckende bewegung bezeichnet, überwiegt bei zwinkern
in noch stärkerem grade als bei zwinken
deren verengung '(
wiederholt)
die augenlider zuckend bewegen'. 11)
im sinne der allgemeineren bedeutung '
sich zuckend bewegen'. 1@aa)
vom zuckenden, unruhigen blinken des lichts: der sterne zwinckern ist ihr buhl'risch liebesblick Hoffmannswaldau
ged. (1697) 4, 153; dafür schrieb Sachs bei einem zwinkernden lichte allerhand gereimtes auf Leppa
herzenssachen (1923) 49; moose glühten, ein fauliger duft wob, es zwinkerte ein irrlicht
qu. a. d. j. 1930; die glühlampen (
des elektrischen lichtes, das plötzlich ausgegangen war) beginnen zu blinzeln, dann zu zwinkern Werfel
geschw. v. Neapel (1931) 335; das licht zwinkerte von zeit zu zeit ein biszchen
qu. a. d. j. 1936. 1@bb)
eine leichte, zuckende muskelbewegung, vor allem vom gesicht und seinen teilen (
s. 2): herr Barbarossa zwinkerte mit dem munde Gaudy
s. w. (1844) 2, 127; heut hab' ich etwas katzenjammer; als ich um neun uhr aufstand und die photographieen besah, machte ich ein zwinkerndes gesicht, wie eine alte eule, die an einem hellen morgen aufs meer hinausschaut (16. 12. 1872) G. Keller
br. u. tageb. 3, 51
Erm.; das demüthige zwinkern der brauen über den feurigen augen Gutzkow
ges. w. (1872) 12, 134; von meinem pferdchen war nur noch ein stück nase und die ohren sichtbar, mit denen es erbärmlich zwinkerte A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. 2 (1878) 319; doch war es unmöglich, bei den komischen darstellungen nicht zu lachen, die ein hundertfaches zwinkern und blitzen in seinem gelben, zerknitterten gesichte begleiteten Ric. Huch
kampf um Rom (1925) 238. 22)
allgemein gebräuchlich und verbreitet die engere bedeutung 'mit den augen zwinkern,
mit den augenlidern zucken, sie zusammendrücken'; ich zwinckere
oculis nuto, moto oculos Steinbach
wb. (1734) 2, 1131. 2@aa)
eine unbewuszte zuckende bewegung der augenlider α)
als äuszeres zeichen innerer unruhe und nervosität: in diesem Kieffhausischen berge ... soll ..., doch weisz ich nicht in was für schlufflöchern und hölen, kayser Fridericus sitzen, schlaffen, mit dem kopffe nicken, mit den augen zwinckern Prätorius
Blockesberges verrichtung (1668) 10; indem er wie ein kaninchen die nasenflügel zitternd bewegte und mit den doppelfarbigen augen zwinkerte Immermann
w. 1, 7
Boxb.; sie fingen daher mit ihren augendeckeln immer unruhiger an zu zwinkern G. Keller
ges. w. (1889) 6, 346; ich sehe ihn vor mir, wie er mit dem rechten augenlide immer hin und her zwinkert Fontane
vor d. sturm (1905) 448; er zwinkerte nervös mit den augen, spielte zerstreut Feuchtwanger
geschw. Oppermann (1948) 186; ein tickartiges emporgezogenwerden seiner einen wange, zusammen mit dem mundwinkel und unter zwinkernder mitbeteiligung des auges war von miszlich-säuerlichem ausdruck, hatte etwas ... fatales Thomas Mann
Faustus (1948) 250; es ist ein mittelgroszer mensch mit kurzem grauem haar, zwinkernden augen Fr. Wolf
zwei a. d. grenze (1948) 30.
β)
reflexbewegung der augenlider gegen dem auge feindliche äuszere einflüsse; zwinkern
die augenlider schnell bewegen, z. b. bei blendendem lichte Albrecht
Leipz. ma. (1881) 243
b: sie (
die vordere fläche des oberaugenlids) ist ... überall faltig beim krampfhaften zwinkern und schlieszen der lider wegen blendung Sömmerring
v. baue d. menschl. körpers (1839) 5, 623; Hellriegel steht geblendet, zwinkernd vom beizenden rauch, fieberisch unter den langen wimpern hervorblickend, im lichtkreis der lampen G. Hauptmann
ges. w. (1913) 4, 112; während man jedoch nur einmal mit den augen kurz zwinkerte, da die sonne gar so hell wurde, waren die vögel plötzlich abhanden gekommen Mechow
vorsommer (1933) 131. 2@bb)
eine meist absichtsvolle zuckende bewegung der augenlider als eine art der mitteilung auf mimischem wege. 2@b@aα)
eine andeutende bewegung der augenlider, um jemandes aufmerksamkeit zu erwecken und ihm ein zeichen, einen wink zu geben, vgl. Albrecht
Leipz. ma. (1881) 243
b: (
Conrad) ja zupfe du nur, und zwinkre du nur Kotzebue
d. edle lüge (1792) 58; da kommt ja der lange Sepp ..., und wenn ich sein zwinkern und seine wichtigkeit recht verstehe, so bringt er uns eine botschaft Fontane
ges. w. (1905) I 4, 48; da zwinkerte mir Ehrenthal zu, ich sollte wieder hinübersehen Renn
adel im untergang (1947) 160. 2@b@bβ)
eine (
die rede begleitende)
gewollte oder ungewollte bewegung der augenlider, die verständnisvolles oder geheimes wissen um unausgesprochene dinge andeuten soll: könig Bisino machte die augen klein und zwinkerte schlau G. Freytag
ges. w. 8 (1887) 133; den gemeinen naturen erscheinen alle edlen, groszmüthigen gefühle als unzweckmäszig und deshalb zu allererst als unglaubwürdig. sie zwinkern mit den augen, wenn sie von dergleichen hören, und scheinen sagen zu wollen, es wird wohl irgend ein guter vortheil dabei sein Nietzsche
w. (1895) I 5, 39; seine listig zwinkernden augen reizten mich Auguste Supper
holunderduft (1910) 56; und (
er) zwinkerte listig voll alter erinnerung Winckler
d. tolle Bomberg (1923) 414; und nur der Galgenhannes deutete zwinkernd an, dasz er mehr wisse, als er sagen dürfte
qu. a. d. j. 1930; wollt ich verdammt auch jedem geraten haben! zwinkert der pfiffig Fr. Wolf
zwei a. d. grenze (1948) 100; er wuszte, warum sie so gern nach Auffing herüberkam und dabei stets so adrett beisammen war. er zwinkerte mit einem aug O.
M. Graf
unruhe (1948) 240.
in negativer wendung, wo ein zu erwartendes zwinkern
als unbewuszte reaktion plötzlicher eindrücke unterbleibt: Rosalie hatte ihre schalkischen reden in seiner gegenwart gehalten, die sie mit keinem zwinkern ihrer augen verriet G. Keller
ges. w. (1889) 2, 226; aber keine miene, nicht ein zwinkern des auges verrieth, dasz er ihn erblickt H. Schmid
ges. schr. (
o. j.)
217, 146. 2@b@gγ)
vertrauliches zublinzeln im sinne eines gegenseitigen einverständnisses: er machte aber nichts weiter, als dasz er ... mit dem linken auge nach mir zwinkerte, was er immer that, wenn sie schalt und ich dabei war Frenssen
Jörn Uhl (1902) 206; und nickten ihm zu und zwinkerten dabei mit den augen, was etwa hiesz: wir drei wissen bescheid und keiner auszer uns. und der heimkehrende ... zwinkerte zurück Alverdes
d. pfeiferstube (1929) 38; er war schmutzig, böszungig, habgierig und vertrunken, und sein dreistes grinsen, sein vertrauliches zwinkern war vielen zuwider Bergengruen
d. grosztyrann (1947) 87; die andern angestellten des büros aber lächelten und zwinkerten Simone zu Feuchtwanger
Simone (1950) 34.
bildlich: denn während sie (
die gesellschaftliche moral) bei jungen männern ein auge zukniff und sie mit dem andern sogar zwinkernd ermutigte, sich die hörner abzulaufen, schlosz sie gegenüber der frau ängstlich beide augen und stellte sich blind Stefan Zweig
welt v. gestern (1947) 98.
auch im sinne von '
liebäugeln',
vgl. Berndt
vers. z. e. id. (1787) 168;
liebäugeln, mit den augen liebe zuwinken Anton
Oberlausitz (1844) 24: aber ich habe kein glattes lärvchen, weisz und rosenroth, ich habe keine feurigen augen mehr, um damit zu zwinkern und zu blintzeln
M. Beer
s. w. (1835) 786; sie packte den Bastle, koste ihn, zwinkerte ihm zu P. Dörfler
d. notwender (1934) 75; sie lachte aus der kehle und zwinkerte ihn mit ihren kleinen augen unzüchtig an H. Mann
d. untertan (1949) 104. 2@b@dδ)
als aufmunterndes zeichen des wohlwollens und der guten laune: wie freundlich zwinkert er mit beyden augenlidern Berndt
vers. z. e. id. (1787) 168; er fragte auch einmal nach dem herrn, mit dem ich in Schönna gewesen sei; als ich ihm erzählte, es gehe ihm besser als je, sang er so ein lied vor sich hin, das ich nicht verstand, und klatschte dazu mit der peitsche und nickte mir so zwinkernd und possenhaft zu, dasz ich ganz böse wurde P. Heyse
Meraner nov. (1864) 135; behaglich ruht das gute kind, und wenn es mit den äugelein zwinkert, so geschieht auch das nur aus behagen an dem guten tage — ah! Raabe
s. w. (1913) II 2, 427; g'sund bin i, gott sei dank! schlosz sie vergnügt, und zwinkert' nach den gluthumsäumten bergen voll liebe hin Marie v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 1, 206; der onkel behandelte ihn stets mit ausgesuchter zuvorkommenheit. er lächelte und zwinkerte, sobald er des neffen ansichtig wurde, in seiner närrischen weise Polenz
Büttnerbauer (1895) 1, 149; grosz, in mantel und mütze, stand onkel Georg (
der verstorbene) hinter dem ofen und zwinkerte mir lustig zu Carossa
eine kindheit (1922) 105; ein ganz klein wenig zwinkerte er mit dem aug und lachte O.
M. Graf
unruhe (1948) 314.