zustellen,
v. ,
mhd. zuostellen
mhd. wb. 2, 2, 563
a,
mnd. nicht belegt, mnl. 11)
in verschiedenen aus der zusammensetzung mit zu
sich ergebenden anwendungen. 1@aa)
wie zurichten, zugreifen: er stalte zu zuhant mit leitirn und gerete Nic. v. Jeroschin 10212
Str.; da wart ouch zugestellit von den kristenlichin scharn und gebuwit sonder sparn ein burc 4904
Str.; saget, wie der juncker kranck, nichts zugestellet und niemandt war, der ihn gesellschaft leisten kündt Kirchhof
wendunmuth 1, 87
lit. ver.; ein knecht ..., der speisz und tranck zustellet v. Hohberg
habsburgische Ottobert (1664) j 4
a; die ander ferlichkeit hat er in Schwaben einer berin von wegen irer jungen zuogestelt Seb. Franck
chr. Germ. (
august 1538) 281
b. 1@bb)
wie zusetzen '
angreifen': so sy kriegen, verderben sy nicht weder äcker noch stet, sunder stellen nur dem widerteyl zuo zuo verderben Seb. Franck
weltb. 517
b; deszhalben wurden die feind sehr zornig, stelten fürnemblich ihm zu, gaben ihm viel wunden und stich J. J. Grasser
schweiz. heldenb. (1624) 84; der lindworm stellt dem leuen zu und scheucht ihn also mit dem feuer Erlach
volkslieder d. Dtschen 2, 298. 1@cc)
etwas versperren: der hof, ringsum zugestellt und schmal, empfängt ganz wie ein alter burghof Laube
ges. schr. 5, 21.
auch abstellen: sie sollen die mühle zustellen, es ist kirchenzeit H. v. Chezy
erz. u. nov. 2, 24.
älter, auf der jagd heiszt z. '
als wenn man einen ort übergetrieben, dasz man dann hernach vorstelle, dasz das wild nicht an den ort wieder zurückommen kann' J. Täntzer
Dianen jagtgeh. (1685-86) 1, 16; Heppe
wohlred. jäger (1763) 346
a.
in der hüttenspr. wie zumachen,
s. o. sp. 528
ff., bergm. hüttenb. (1778) 627; Scheuchenstuel 270. 22)
wie zusetzen: wenn die brüder auf der jagd waren, sammelte es (
d. schwesterchen) holz und kräuter, stellte zu am feuer
khm. 1, 28. 33)
eine reichere und weiter verbreitete verwendung von z.
ergab sich aus der bed. zur seite stellen. 3@aa)
eigentlich: so man im uff der stangen ain gesellen zustellet Mynsinger
v. d. falken 71
lit. ver.; dasz einer alda sich gar wol verheurath (
in Lüttich), wann im ein reicher pfaf sein abgeritten leibstut ehelich zustellt Fischart
bienenkorb (1588) 250
a; und thunt da einen küng erweln, auch allerley hofgsind zustelln als hofmeister, marschalk, hauptmann H. Sachs 9, 392
K.; die person, die ich jetzt führe, auf dem spielplatz dieser welt, wil ich nach vergnügen führen, weil sie mir so zugstellt Logau 646
E. in neuerer zeit wieder von gegenständen: sogenannte beiwagen, die ... dem hauptpostwagen zugestellt wurden Fr. Strantz
erinn. aus m. leben 30; den mit Rom verbündeten städten (
sollten) eine anzahl kriegsschiffe zugestellt werden Mommsen
röm. gesch. 2, 299. 3@bb)
daraus ergibt sich die allgemeinere, einem die gewalt über personen geben, sie überantworten: wo auch etlich ungehorsam aus irem lande zu euch geflohen weren, so
[] wollet die selbigen dem hohenpriester Simon zustellen, das er sie nach seinem gesetz straffe 1.
Macc. 15, 21; jedoch man mir zustellen sol die jungkfrauen in mein gewalt H. Sachs 2, 8
K.; wenn sie (
die braut) dem breutigam wird zugestellt J. Wild
reisbeschr. (1613) 208; (
nach dem tod) wird ein jeder seiner rechten mutter wieder zugestellt Lehmann
floril. polit. (1662) 3, 27; macht, dasz dem eigenthümer seine sclavin wieder zugestellt werde! Lessing 6, 116
M. die gewalt über ein gebiet: als er dem neulich eyn probstey hett zuogestellt Seb. Franck
chr. Germ. (1538) 171
b; das landt wirdt mir nun zugestellt E. Alberus
fabeln 131, 81
ndr. geld und gut: als dann sol man ihnen ihr versprochen gelt z. L. Thurneyszer
magna alchymia (1583)
vorr. 4; deim nechsten sein erbteil thu zustelln H. Sachs 19, 183
G.; so baldt das gelt wird auffgezehlt, soll er (
der ablasz) dir werden zugestellt Laz. Sandrub
hist. u. poet. kurzw. 121
ndr. 3@cc)
die beabsichtigte richtung des zustellens schlieszt meist in sich, dasz der person das überantwortete von rechtswegen zukommt, wie es auch meist genommenes ist, das zurückgegeben wird Frisius 1136
b; 1186
a: das ... ainer dem andern die vorbeschriebne sachen wider zustellen thue v. Brandis
landeshauptleute v. Tirol 44 (1319); wo ir mir solches nicht wider z. wolt 1.
Makk. 15, 21; zun fünften sollen sie auch alle clöster, schlösser ... den entwerten (
beraubten) alsbald widderumb eyngeben und z. Luther 18, 338
W.; o Quintili Vare, stel mir wider zuo die legiones S. Münster
cosmogr. 305.
dies wurde später als die wesentliche bedeutung aufgefaszt Kramer 2, 962
b: z. wird hauptsächlich von geliehenen und zurückzugebenden sachen gebraucht Heynatz
synon. wb. 1, 310
a; bruder L., dem ich sein eigentum zustellte E. Th. A. Hoffmann 3, 15
Gr. 44)
von der älteren bedeutung aus ergaben sich weitere anwendungen. 4@aa)
von dem was gott einem zuweist: er hat dir zugestellt das für und das wasser, dasz du, zu welchem du wellist, din hand usreckist Zwingli
dtsche schr. 1, 183; nach göttlichen rechten und zugestalter ordnung Luther
br. 5, 795
W.; also ... gott dem gestirn zugestalt und uberantwortet alle natürliche weiszheit Paracelsus
op. 2, 488 (1616)
H.; als was zu müncherey gefellt (
einkünfte der klöster), der hohen schul ist zugestellt E. Alberus
fabeln 206
ndr.; gott, der in händen hält das richtmasz für die welt, hat jedem das ihm angemessne zugestellt Fr. Rückert
w. 8, 209. 4@bb)
umgekehrt der höheren gewalt anheimstellen: wir sollen alle ding dem willen gottes z. Hutten
op. 2, 128
B.; die da vergeben, got allain die rache z. Luther 10, 3, 405
W.; aber deren alten weibern hexische künstlein ... werden ... den hohen oberkeiten zugestelt J. Ruof
hebammenb. (1560) 184. 4@cc)
es bleibt nur die allgemeine vorstellung des übermittelns und gebens übrig, bis in rein gedachtes: so werden alle proprietates (
der eltern) dem kind zugestelt Paracelsus 1, 294
H.; das ... wort Christi ..., das er so trostlich den armen sundern zugestelt hat, dir werden vergeben deine sunde Jac. Strausz
beichtbüchl. (1523) d 3
a; du stellest ihnen dort den frieden wieder zu v. König
ged. (1745) 147; einem ein trünklein, ein küszchen, heszliche püffe, ein paar ohrfeigen z. J. Wild
reisbeschreib. (1613) 42; Hoffmannswaldau 1, 281
Neukirch; H. Scheidt
reise nach d. gelobten land d 2
a; Chr. Weise
grünend. jugend überfl. ged. 211
ndr.; di so dem ... heilgthum iren fleisz und aufmercken z. Jac. Strausz
christenlich unterricht (1523) a 4
b.
häufig von Fischart
bis Schiller einem glauben z.
[] 55)
in der allgemeinen anwendung auf briefe, schreiben u. ä. ist die der einhändigung an den empfänger deutlich geblieben und neuerdings die herschende geworden, ohne dasz sich die zeit dieses wandels genau bestimmen liesze: ist auch ire widderrede ... uns nicht zugestellet Luther 30, 3, 284
W.; so haben die nachbenanten drey stett ir darlegen dem hauptman zugestelt
urk. z. gesch. d. schwäb. bundes 33
lit. ver.; an der begräbnisstelle ... wird ... der degen aber den tambours zugestellet Fleming
vollk. teutsche sold. 376; aus dem briefe ..., den ich ihnen vor meiner abreise zustellen lassen Lessing 2, 286
M.; von dem gelde, welches mir der bruder alle vierteljahre zustellte Stifter 5, 1, 122; ich werde sorgen, dasz dir ein freiexemplar zugestellt werde Moltke 4, 59.
allgemein im gebrauch der post und der gerichtsbehörden. —