zober,
m. ,
md. form von zuber,
bei welchem wort über die herkunft zu handeln sein wird. form. 11) zober
verhält sich zu oberd. zuber
wie hobel, hovel
zu hübel
th. 4, 2, 1879, köbel
zu kubel
th. 5, 1541, 2485, knobel
zu knubel
th. 5, 1448, ober
zu uber Franke
grundzüge d. schriftspr. Luthers § 52.
im vocal stimmt es zum nd. tover,
mnl. tover Schiller-Lübben 4, 599; Woeste 273
b (
gegen tûwer 277
a); Gallée
vorstudien 326,
wo aber töver,
mit umlaut, weit verbreitet ist Schiller-Lübben; Schütze 4, 267.
ohne umlaut noch heute in towerkiepe, towelkiepe
nd. jahrb. 34, 98
a,
s. u. die form mit o
geht in den mundarten bis zur linie Main-Erzgebirge, zuber
hat Schlesien, belege bei zuber,
Böhmen Jellinek 995,
Ostfranken zuwer Heilig 70,
gegen zuewer
im Vogtland, dessen grundform zober
ist Gerbert 211,
Frankfurt zuwwer,
plur. züwwer, ziwwer Askenasy 26, 93,
Pfalz zuwwer,
plur. ziwwer,
dim. ziwwerche Autenrieth 157,
gegen zower 156.
ob elsäss. zower
fasztrichter zu zober
gehört, ist neben zuber
gieszkannenbrause zweifelhaft Martin-Lienhart 2, 891
a.
der inlautende consonant ist, wie die schreibung der erwähnten an das oberd. grenzenden mundarten zeigt, bilabialer spirant. dem entspricht auf ndd. gebiet der orthographische wechsel zwischen w, v
und b: töver Schiller-Lübben, töber Schütze, zower Hupel
idiot. der deutsch. spr. in Lief- u. Esthland 271.
auch in der nhd. schriftsprache ist in den ersten jahrhunderten zober
das md., wie zuber
das oberd. wort. doch erscheint neben zober
gelegentlich auch zuber,
so bei Luther in dem
beleg unten bei 7,
so auch: Petrus hett ein zcuber vol (
fische) gebetten 34
1 576;
in einem satze: alsdann nimmt man schaaflorbern in einen zuber wasser, und setzt die streichkarpffen .., darein, .., nimmt die karpffen aus dem zober, und reibt ihnen
[] die bäuche brav mit dem schaafmiste Döbel
jäger-practica 4, 96
a.
in einigen fällen, wo schriftsteller, die sonst zuber
schreiben, zober
anwenden, handelt es sich um stehende ausdrücke des hallischen salzwerks, so zweimal bei Mathesius (
die belege unten bei 1 e)
und einmal in Bechs
übersetzung von Agricolas
bergwerckbuch (
Basel 1621)
auf der holzschnitttafel mit abbildungen des salzbergwerks in Halle: aber der fulaimer helt bey zehen römische nöszlen, der zober acht fulaimer. in solche zober wird das salzwasser aus den saltzbornen gossen 456; zober,
modulus im gloss. vielleicht ist die tafel ganz aus der vorlage entnommen. es hat aber im 18.
jh. zober
im norden und in der mitte noch den vorrang, nur zober
gibt Frisch, Adelung
stellt zuber
als mundartliche form daneben, Campe
setzt sie gleich, dagegen kennt der baier Braun
nur zuber.
dies wird mit beginn des 19.
jhs. die herrschende schriftform. wo J. Möser zober
schrieb: es werden die zober mit wasser auf schleifen (
welche von einer neuen feuerlöschordnung vorgeschrieben waren) niemals in gebirgen gebraucht werden können
patriot. phantasien 3, 102,
setzte die spätere gesammtausgabe zuber
ein 3, 158 (1842).
so gibt auch Voss
in realistischer schilderung das plattdeutsche töver
mit zuber
wieder: ferner klatscht in dem zuber ein schwärzliches ding wie ein sandart
ged. 1, 124 (1802).
jetzt ist zober
der schriftsprache ganz fremd, in mundart und häuslicher sprache, wie auch nd. tover,
in einigen gegenden bekannt, in andern ganz ausgestorben. in Oberdeutschland ist die verwendung vielfacher und mannigfaltiger und weicht auch von der ursprünglichen gestalt des gegenstandes ab. man ist deshalb versucht, als heimath Oberdeutschland anzusehen, die rückverschiebung des anlautes im nd. würde sich aus dem bedeutungsnahen tubbe (
engl. tub)
erklären lassen. 22)
der plur. wird im 18.
jh. regelmäszig mit umlaut gebildet zöber,
entsprechend dem oberd. züber.
heute würde man wohl zober
sagen, wie zuber: die sole, in die, unter den zapfenlöchern stehende zwey hölzerne zöber laufen lassen Hondorff
saltzwerk zu Halle (1670) 30; die anzahl der zöber Hübner
curieuses lex. 1739 (1714).
daneben ohne umlaut: in zwey über die schultern herabhengenden eymern oder zobern Amaranthes 1268;
besonders als maszbezeichnung nach zahlen: es gehören aber zu einem jeden werck 4½ zober gewisz bey jedes pflicht zu gieszen Mathesius
Sarepta 127
v.
bedeutung. 11)
hier werden nur die bedeutungen besprochen, welche bei mitteld. zober
und nd. tover
eigenthümlich oder besonders häufig sind. alles andere bei zuber.
es ist in der regel das grosze holzgefäsz mit zwei handhaben, ohren, durch welche eine tragestange gesteckt wird Schiller-Lübben 4, 599
a; Hupel
id. der d. spr. in Lief- u. Esthland 271.
eine weiter entwickelte form des zobers
beschreibt Campe,
wobei durch die handhaben ein kürzerer stock, der zoberstock
gesteckt wurde, welcher wieder durch die in der mitte zweier groszer tragstangen, der zoberbäume,
befindlichen öffnungen geschoben wurde 5, 878
a;
vgl. Frisch 2, 480
c.
er dient zur beförderung schwerer flüssiger lasten: H. hastu nicht ehe von zauberern gehört? Joh. Cl. wat meine jey, min here? frage jey na einem töver, darin man water drecht?
schauspiele des herzogs H. J. v. Braunschweig
bei Schiller-Lübben. 22)
insbesondere gehört das wort als handwerksausdruck dem salzbergwerk zu Halle an, je zwei '
bornknechte'
trugen die sole vom brunnen zur pfanne, abgebildet in Agricolas
bergwerckbuch verdeutscht von F. Bech 454; Mathesius
Sarepta 125
v; Jablonski 2, 1838
a: ein jeder zober hat sein besonderes zeichen, als der fisel, das hertz, der apfel Hübner
curieuses lex. 1739.
für diese zöber
galt ein bestimmtes masz, 8 '
fülleimer' Mathesius
Sarepta 125
v; Hondorff
saltzwerk zu Halle 4; Jablonski: ein zober aber hält nach ertz-bischoffs Ernesti thal-ordnung von anno 1482 acht eymer, deren einer auf dem schlosz Giebichenstein, der andere auf
[] dem rathhause zu Halle, und der dritte auf dem Thalhaus, damit die böttger in nachahmung der zöber sich darnach richten Hübner. 33)
auch für andere flüssigkeiten wird zober
als masz genannt. für bier war es früher in Eisenberg in Altenburg ein 30
l fassendes masz Hertel 265.
wahrscheinlich wurde dort das leichte hausstandsbier in offenen gefäszen, zobern,
getragen, wie das frühere eimerbier
in Holstein und Hamburg, auch trenkbier '
hiesz vor alters in Hamburg hausbier, was jeder hausvater für die seinigen brauen, doch nicht verkaufen durfte' Schütze 4, 279.
dem eimerbier
entspricht zoberbier, in Zeitz noch als familienname vorkommend (
nach mündlicher mittheilung).
daraus erklärt sich wohl der unverständliche ausdruck ein tranck zober Mathesius: sein (
des jarknechts) lon ist 18 schilling groschen, und darneben ein tranck zober
Sarepta 126. zober
als masz für wein: item 19½
m. vor 3 zobir welisch wynes die der huskompthur zu Thoran dem meister koufte, yo den zobir vor 6½
m. Marienburger tresslerbuch 56. 44) zober
als behälter für lebende fische: de rad schenkede em (
dem bischof) einen tover vull hekede, einen tover quabben Renner
Bremer chronik ad an. 1534
bei Schiller-Lübben; man ... nimmt den karpfen aus dem zober Döbel
jägerpractica 96. 55)
als ein gefäsz '
mit tragbändern auf dem rücken wasser, bier zu tragen, auch zur weinlese'
wird zober
bei Chomel
angeführt, in welcher bedeutung in Oberdeutschland zuber
mehrfach belegt ist. 66)
unklar ist die erklärung von Pomey:
molucrum mühlstender, oder der zober, ist ein gefäsz damit man allerley verrichtet
indiculus universalis 440 (1698). 77)
in bildlichem gebrauch: 7@aa)
bezeichnet zober
ein übermäszig groszes gefäsz im gegensatz zu kleineren, überhaupt etwas groszes: o du hund söffst wohl einen zober voll aus Chr. Reuter
ehrliche frau z. Plissine 23
neudr. (II, 7); ei, haalt mi den töber, de ammer löppt öber! Schütze 4, 267. dre grote stene vellen van deme hemmele, iewelik alsogrot als en tover
Lüb. chron. 1, 265
nach Schiller-Lübben 4, 599
a;
daher die sprichwörtliche wendung: köndten sie (
die bischöfe) uns in einem leffel alle erseuffen, so nemen sie keinen zober dazu Luther 16, 10
Weim.; könt'n sie uns all im löffl versaufen sie würden kein zober dazu kaufen Rollenhagen
froschmeusler 3, 1, 16; 7@bb)
ist den zober
auf beiden schultern tragen so unmöglich, als zweien herren dienen: ik kan den tover up beiden schuldern dragen und twen heren to licke denen
Hildesheimer stiftsfehde 224
bei Schiller-Lübben;
daher duplicanus eyn touer dregher
qui duabus partibus favet Diefenbach
nov. gloss. 142
b.