zermalmen,
verb.,
ein md., wie das simplex malmen (
th. 6, 1510)
erst durch Luther
der schriftsprache zugeführtes wort, vor welchem sich zermahlen (
s. d.)
auf die eingeschränkte bedeutung des kleinmahlens zurückzieht; z.
bezeichnet, der bedeutungsspanne seiner älteren nominalen [] verwandten, got. malma
sand, mhd. malm
staub (
N. v. Jeroschin),
ahd., mhd., mnd. melm
staub, nhd. mulm
zerfallende erde, verfaulendes holz (
th. 6, 2657),
entsprechend, ein gewaltsames zerkleinern oder zertrümmern in feine oder grobe stücke und brocken oder zu staub und brei; bis zur bedeutung von mulm
schwanken folgende fälle hinüber: die weyhen ... sollen ... die winterszeit ber mit dem faulen holtze (
der hohlen eiche) oder zermalmeten staube sich erhalten haben J. Prätorius
winterflucht d. sommervögel 91; (
frisch ausgegrabene urnen) zermahlmen sich wie ein asch P. Albinus
meiszn. bergkchronica 178; 1)
eig. a)
mit erde, gestein, dürrem holz, getreide, speisen als objecten: solche erden, die lose ist, als were sie zumalmet, wie die maulworf aufwerfen Luther 24, 410
W.; Göthe III 1, 338
W.; auch den blasenstein, anstelle des älteren obd. zermahlen (
s.zermahlen 2): Marperger
kaufmannsmagazin (1708) 1284; zermalme es (
das moos) fein klein zu pulver Nigrinus
v. zäuberern 101; werden zumalmet fur dem wurm (
corr. in: von den wörmen gefressen werden)
Hiob 4, 19 Luther
bib. 1, 397
W. (1523); under den zAenen, so ... die speisz z. Eppendorf
Plin. 11, 209; die speisen im munde z. Kramer
teutsch-it. 2, 18
a;
bis jetzt gangbarer ausdruck; vgl.: nam das kalb, das sie gemacht hatten, und verbrands mit feur und zumalmets zu pulver
2. Mose 32, 20;
Daniel 2, 35;
auch von der wirkung der naturkräfte: eisen wird durch den rost zermalmet Stieler 1304; Winckelmann
s. w. 5, 130; Heinse 4, 288
Sch.; b)
übertr. menschen zerschmettern: darumb du (
Attila) ... alles, so dir widerstehet, zumalmest Feyerabend
ungar. chron. (1581) 55
b; das schicksal mit der z-den keule als sieger Börne
ges. schr. 1, 24; (
die) eisernen räder z. ihn v. Jhering
geist d. röm. rechts 79; welcher auf diesen stein fellet, der wird zuschellen, auf welchen aber er fellet, den wird er zumalmen
Luk. 20, 18;
4. Mos. 24, 8; mit fürchterlicher stimme rief sie (
Cornelia G.) die folgenden worte: o wie bin ich zermalmt! (Klopstock
Messias 10.
ges.) der gute chirurgus erschrak und gosz dem vater das seifenbecken in die brust Göthe 26, 125
W.; 2)
in abgeschwächter bedeutung körperlich, nam. aber seelisch niederschlagen, -werfen, den stolz brechen; bes. von harten schicksalsschlägen: ein z-des kriegsunglück ... Fontane
ges. w. 2, 172; woher nehmt ihr denn aber das grosze, gigantische schicksal, welches den menschen erhebt, wenn es den menschen zermalmt? Schiller 11, 151
G.; wie zerknirschen 2
von herz und seele: meyn seel ist zumallmet fur sehnen nach deynen gesichten (1521)
ps. 118, 20 Luther 8, 188
W.; 28, 591
W.; Schiller 3, 465
G.; beym kummer, der die herzen entkrAeftet und zermalmt Gottsched
d. schaub. 1, 3; der schrecken zermalmte den erwachten Klinger
w. 3, 143; du beschämst und zermalmst mich durch deine güte
F. Raimund
w. 1, 159; Bismarck
polit. red. 4, 131; 3)
lex.: Alberus E e 1
b; zermallmen, zerreiben B. Faber 340
a; Schöpper
syn. 111
a Sch.-K.; Frisch 1, 637
c; Adelung
2 4, 1689; Campe 5, 845
b; H. Fischer 6, 1140;
dim.: zumalmelt O. Clemen
reform.-flugschr. 4, 251;
wozu zermarmeln, -ä-
durch dissimilation: altaren zermarmelt A. Henricpetri
niderlend. krieg. ursprung (1575) F 2
b; sein bildnusz ... zermAermblet C. Dieterich
weish. 1, 435; zermermeln
zerreiben H. Meyer
richt. Berliner8 195
a. —