zaser,
f.,
auch m. (Stieler),
plur. -n,
auch zäser (Corvinus '340',
eig. 350, Stieler, Brockes
ird. vergn. 4, 203, Gerstenberg
rec. 13
F.), zäsern Steinbach 2, 1072, Gottsched
beytr. 8, 71;
ein sg. zäser
bei Wiederhold 431
a;
zuerst belegt: fratilli sunt sordidi villi in tapetis lang zasern oder zotten
gemma gemmarum (1508) l 1
b;
modern schriftsprachlich noch vorkommend; faser: 1)
die kleinen wurzelfasern u. a. fasern der pflanzen: alle zasern (
der lilienstaude) ... darvon schneiden W. H. Ryff
confectbuch 36
b; zaser ... dasjenige, welches wie haar an den wurtzeln hangt Hulsius-Ravellus 425
b, Wiederhold 431
a; stümmlet die wurtzeln von den überflüssigen zäsern v. Hohberg
georg. 1, 465
b, zasern 1, 540; mit einem dünnen staub bedeckte zäser (
pl., staubgefäsze) Brockes
ird. vergn. 2, 26; 4, 203; von der ersten zaser (
wurzelfaser) des keims J. J. Chr. Bode
Yorick 1, 157;
wurzelfaser J. Hübner
zeitgslex. 31 4, 999
b; Oken
allg. natg. 3
II, 1225;
von gebilden an den samenbälgen von pilzen 3, 103;
fibrilla, die zaser, eine zur wurzel gehörige oder derselben ähnelnde faden- oder strangförmige
[] verlängerung an der auszenfläche der pflanzen Bischoff
wb. d. beschr. bot. 77; 'faserwurzel' sagt man dafür am häufigsten, auch wurzelfasern oder zasern Ratzeburg
waldverd. 2, 89; Freiligrath
ges. dicht. 1, 48; v. Schlechtendal
flora v. Deutschl. 10, 176; die wurzel (
des alant) ist ... mit vielen zasern versehen Muspratt
chemie 4, 92
St.-K.; am holz: die flamme (
würde) ... die zasern des dielenbodens ergriffen haben G. Chr. Lichtenberg
verm. schr. 6, 262; 2)
von federn und haaren: die vollkommene vogelfeder besteht aus stamm, ästen, strahlen und zasern J. A. Naumann
natg. d. vög. 1, 32; der hermelin hat fusslange zasern Grabbe
w. 3, 560
Bl.; 3)
muskel-, nervenfaser, fiber: fibrae ... die eussersten zAeser oder Aederlein an lungen und leber, die ende der adern Corvinus '340' (
eig. 350); (
das herz ist) mit zAesern und abtheilungen ... versehen v. Hohberg
georg. 1, 158; es ist kein anschein, dasz die natur die nase des gärbers von stärkeren oder weniger empfindlichen zäsern gemacht habe, als die euere
discourse der mahlern 2, 138; gib auf deiner adern menge und des blutes kreislauf acht, den das herz mit reger macht durch sein spritzendes gedränge in die kleinsten zäsern treibt Gottsched
beytr. 8, 71; gelegenheit, diese ausbreitung unserer nerven-geister und anspannung der zAeser zu bewerckstelligen J. Mattheson
capellmeister 17; erschlappungen der zasern, feuchtigkeiten der luft, vermeidungen einer guten bewegung des körpers ... nähren heimlich den saamen dieses übels
allg. dtsch. bibl. 1, 123; die zasern der nieren J. J. Chr. Bode
Montaigne 6, 307; 2, 121; die inneren theile, nerven und sehnen, und muskeln, und zäser, und häute Gerstenberg
rec. 13
F.; (
die vogelzunge) ist (
hinten) ... in mehrere zasern getheilt J. A. Naumann
natg. d. vög. 1, 30;
übertragen: nur eine schriftstellerin versteht sich auf die entzaserung aller der geheimen fasern und zasern, welche das gewebe solcher nöthe bilden Immermann 1, 59
Hempel; 4) zaser
ein faden an zerrissenen kleydern Hulsius-Rav. 425
b, Wiederhold 431
a, Rädlein 1083
a; 5) zaser,
n., weinerliches, klägliches wesen (
vgl. norw. tase
elender mensch, stümper, tasa
an kraft abnehmen) Stalder 2, 465; 5)
lex.: Frisius (-er, -el) 558
a, Steinbach 2, 1072, Frisch 2, 465
a, H. Braun
orth. wb. 312
a, Adel., Campe, A. Götze
gl. 234
a, H. Meier
richt. Berl. 8 194
b. —
dim.: a)
nordd. zäserchen: (
pflanzenfasern) Brockes
ird. vergn. 1, 7. 68. 203. 322; 4, 55, U. Bräker
s. schr. 2, 110;
keimfasern allgem. haush.-lex. 3, 68
a;
übertrag.: wie in werken der ewigen natur, bis auf's geringste zäserchen, alles gestalt, und alles zweckend zum ganzen Göthe 37, 147
W.; wahrheit und treue, die sich bis auf die feinsten z. erstreckt G. Forster
s. schr. 3, 66; b)
zäserlein, obd. form weit häufiger als a)
und stellenweise, wie im schwäb., anstatt des grundwortes gebraucht, mundartlich verkürzt zu zäserle
und zäserl:
zu zaser 1: hat die wurtzel etliche dünne zAeserlin W. H. Ryff
confectbuch 42
a;
capillamenta, zAeserlin der wurtzeln
N. Frischlin
nom. 72; ein kraut ... kläbt vast an steinen, mit kleinen zAeserlin angehenckt C. Forer
Gesners thierb. 20
a; aderlein oder zaserlein an krAeutern oder wurtzeln
nomencl. lat. germ. (
Hamb. 1634) 98; die fasen oder zäserlein der wurtzel Comenius
jan. IV
ling. (1644) 26; jedoch erhalten sich gleichwohl (
vom abgeschnittenen schilf) noch solche zäserlein, die übers jahr wieder ausschlagen J. G. Schmidt
rock.-phil. 1, 265; 2, 296; v. Hohberg
georg. 2, 337
a. 377
b; Steinbach 2, 1072; ein z. grünes moos Chph. v. Schmid
ges. schr. 13, 43; thue ... drey blmlin oder zAeserlin von gantzem saffran darein Gäbelkover
artzn. 2, 130;
die ranke der weinrebe: capreolus vitium veluti cincinnus arbores sive pedamenta capiat ... die krummen zAeserlin an den reben Pinicianus
prompt. (1516)
A 8
d; die langen zeserlin, so man ohren nennt, von den weinreben Gäbelkover
artzn. 1, 323;
der blüthenzapfen des walnuszbaums: an etlichen orten nennet man sy kAetzle oder zAeserle Frisius
dict. 883
a; Stieler 2636;
die staubgefäsze: capillamentum, die zAeserlein mitten in der rosen Corvinus 715; die rosen sind die königinnen unter den mayenblumen, ihre kronen sind die in der mitten goldgelben zässerlein Harsdörfer
secr. 2, 614;
vgl. G. Treuer
Däd. 1, 209;
[] v. Hohberg
georg. 1, 599
a u. öft.; Hoffmannswaldau
ged. 1, 226;
ferner: der feigen fettes, rotes, gekörntes zAesserlein Harsdörfer
tricht. 3, 198;
zu zaser 3: die thier warnen uns offt vor unglck und ... gefahr, nit meine ich mit ihren zAeserlen od eingeweide ... sonder durch andere vil gewissere bericht Heyden
Plinius 160; ihre äderlein und zäserlein Albrecht
handw. 22; die nAegel entstehen auss den zAeserlin oder spannAederlin J. Schmid
ex. chir. 1, 51; die kleine zAeserlein desz magens Lentilius
misc. 1, 266
a;
vgl. Fischer
schwäb. wb. 6, 1057;
fibrae venarum die zaserlein in den adern
nomencl. lat. germ. (
Hamb. 1634) 186; Stieler 2636; Blancard
med. wb. 271; (
die haut) ist mit mancherley spannaderichten z. ... angefüllet v. Fleming
sold. 343; z. ... heist in der anatomie der einfachste und subtilste theil in dem leibe, so schmal und dünne wie ein faden, dadurch alle übrige theile zusammen gesetzt, verbunden und bewegt werden
Chomel öc. lex. 4, 2; andere ohren, die vielleicht von anderen zeserlein gemacht sind
discourse d. mahlern 2, 52; eyerlein (
des krebses), so das weibchen ... unterm schwantz, und zwar iedes an einem absonderlichen zäserlein, verwahrlich aufbehält H.
F. v. Göchhausen
notab. venat. 361;
membrum genitale infantum: kein moler kan kein Jesusknaben yetzt molen on ein zeserlin. es musz ein z. haben, also sprechen unser begynen und nonnen Keisersberg
post. 4, 21 (Frisch 2, 465
a);
zu zaser 4: ein band, schnur, oder vielmehr ein zäserlein, so eusserst am saum desz mantels auszgehawen wird Lotichius
Petronius 2, 89; z. an den kleidern Stieler 2636.
ferner: zäserli
theil einer weintraube (
Constanz)
; kleines, verkümmertes träubchen Fischer 6, 1057. —
lex.: fibrae zAeserle Calepinus 559
b. 787
a; zäserle
fäserchen Martin-L. 2, 915
a; zäserl Unger-Kh. 644
a;
modern schwäb.: 's hängt nu
r no
ch an 'me
n z-le (
an einem fädchen) Fischer.