zahnbrecher,
m. ,
der zähne ausbricht, zanbrecher,
edentarius Dief. 194
c, zanbrächer,
dentifrangibulus Maaler 512
a, zahnbrecher,
medicus dentium Henisch 493, 9, Stieler 231,
medicus circumforaneus qui dentes extrahit Frisch 2, 464
a,
ungeschickter zahnarzt, aus verachtung Adelung,
mundartlich zahndbrecher Hügel 192
b,
in älterer sprache auch zä(h)n(e)brecher,
nd. tän(e)bräker (
s. unten), tânebręker Woeste 268
a,
danach auch hd. vereinzelt zahnebrecher: und geld, so viel er will? und voll die welt von diesem zahnebrecher? Immermann 14, 230
Boxberger. 11)
das wort scheint zuerst eine neutrale bezeichnung der alten zahnärzte gewesen zu sein, deren kunst besonders im zahnausziehen bestand, gewinnt aber früh einen verächtlichen sinn, wozu wohl das marktschreierische gebahren der umherziehenden zahnkünstler zweifelhafter art beitrug: Clawes, meister, zanbrecher, arczit
quelle d. 14.
jahrh. (
Frankfurt)
bei Kriegk
d. bürgerthum im mittelalter (1868) 36; (
im bilde:) der todt der best winterpetz, artzet und zänbrecher Wickram 4, 142, 3
Bolte; zur selben zeit (
zeit der mäszigkeit) haben die zähn-brecher wenig arbeit gehabt Abraham a S. Clara
etwas für alle 1, 126; da hätte ich einen zahnbrecher holen lassen, der ihnen das gebisz ausgebrochen hätte Gottsched
schaubühne 6, 295; denn sie beharrete darauf (
sich einen guten zahn ziehen zu lassen) ...; allein der zahnbrecher wollte nicht Petrasch 2, 172; unterdessen warst du schon mit einer zange, wie die zahnbrecher dergleichen besitzen, herbeigekommen Holtei
erz. schr. 25, 152; ich kann noch immer den gedanken an deine schmerzen unter der hand des alten zahnbrechers nicht loswerden Bismarck
br. a. s. braut 174. 22)
die umherziehenden zahnbrecher,
die auf jahrmärkten erschienen, hängten sich die ausgezogenen zähne als kette um den hals: von welchen (
heringen) er jhm pflegt wöchlich eyn wichtige ketten zumachen, und hieng sie umb den halsz, wie ein zanprecher die zän
Garg. 80
neudr. sie handelten auch mit arzneien gegen zahnweh wie mit andern heilmitteln und trieben vielfach allerlei schwindel: wa diser samen (
wurmsamen) von den landartzten und zanbrechern nit gefelscht würt, ist es ein edeler samen Bock
kreuterb. (1565) 128
a; uff der kirchweyh zuo Iring im Breiszgaw was ein zanbrecher, triackersmann mit wurmsamen, pillulen, pulver fürs zanweh, purgatzen, entzian, reubarbaren
etc. und anderm vil geschmeisz Frey 38, 10
Bolte; es war eben marckt daselbst, und auff demselben befand sich ein zahnbrecher, der trefflich geld lösete, da er doch liederlich ding den leuten dafür anhing
Simpl. 312
neudr.; B. Porta schreibt, dasz ein italiänischer zahnbrecher solche (
eine alraun-) wurtzel als einen menschen geschnitten Widmann-Pfitzer 135
Keller. 33)
so werden denn die zahnbrecher
häufig neben anderem landfahrenden gesindel genannt: folgends gieng er auch hin, die lugenpriviligirte wortbeutelige landfarer, alte weiber clistirer: coloquintenpurgatzer: wurmsamenkrämer: triackerslapper: schlangenbeschwerer: starenstecher: zanprecher ... für die langweil zuhören
Garg. 302
neudr.; darumb musz ein artz biszweilen gehen zu den alten vätteln, zu den hexen, zigeunern, bauwern und zanbrechern und von denselbigen die kunst lernen Nigrinus
von zäuberern 92; so wenig etwann ein storger, zahnbrecher oder quack-salber, der ein gantzes land betrieget, die artzneykunst beschimpffen oder verbieten machen kan Harsdörffer
poet. trichter 3,
a iii
b; ein andrer Italianer hat ... den zahnbrechern und gaucklern ein gewisses einkommen ... verordnet
t. secret. 2, 196; zahnbrecher, wurm-schneider, schlangen-beschwerer ... sind von der geringeren sorte und werden mehrenteils mit den ordinairen spitzbuben in eine rolle gesetzt
med. maulaffe 302; weg redner und sophist, bartscheerer, segensprecher, zigeuner, gäuckeler, gifftschmierer, zähnebrecher, disz weib geht allen vor, ihr mangelt nie kein wort Rachel 24
neudr. 44)
das wort erscheint sogar als bezeichnung des quacksalbernden landstreichers überhaupt, zanbrecher,
circulator Dief. 121
c, zanbrächer,
circulator Maaler 512
a: ein landstreicher oder zanbrecher (wie man sie nennet) kam mit seinen thyriacksbüchsen in einen flecken Kirchhof
wendunm. 1, 144
Österley; dreyerley leute ... betrügen einen am meisten um die zeit; als: die comödianten, possenreiszer und storger oder zahnbrecher Butschky
Pathm. 416.
verächtlich von reisenden ärzten neuerer zeit: es kommt alle tage ein neuer zahnbrecher, der unsere hoffnungen und wünsche miszbraucht Göthe 12, 42, 24
Weim. 55)
schreiend priesen diese landfahrer ihre künste und heilmittel an: zanbrecher, die da schreien: hie guoten triackers, wissen nit was tyriack ist Dryander
der ganzen arzenei inhalt 1
b; eselschreyende zanbrecher ... und sonst die böse buoben seind im dritten grad Fischart
praktik 11
neudr.; zahnbrecher, marckschreyer, unter denen der beste, der die andern überschreyet Quensted 658; da war allda (
auf einer kirchweih) ein zanbrecher, ... derselbig fing zu schreyen an: her, her, wer hat ein bösen zan! H. Sachs 5, 274, 28
Keller; da fing erst der zanbrecher an: kommet herbey, herbey, herbey! ich hab gar gute artzeney für das faul und den zipperlein. 275, 4.
daher der vergleich schreien gleich wie die zanbrecher Scheit
Grob. randbem. zu v. 2089
ff. neudr., wie ein zahnbrecher,
crier à pleine tête Rädlein 1, 1081
c,
im Hessischen nach Vilmar 463
seit der mitte des 19.
jhs. vergessen, aber anderswo auch volksmäszig noch durchaus üblich, obgleich der anlasz lange verschwunden ist Spiess 286, Hertel
thür. sprachsch. 262, Hügel 192
b,
auch nd. schreyen, schrijen, schreen as en tänebreker Richey 303
brem. wb. 5, 20, tänbräker Dähnert 482
a, Danneil 221
a, raupen, ropen as en tânebreker Woeste 268
a, teinnebreker Strodtmann 241: wie rufft jhr als die zahnbrecher Heinrich Julius v. Braunschweig 311
Holland; ha, ha, du schreist wie ein zahnbrecher Harsdörffer
frauenz. gesprechsp. 2, 289; sie (
bettler) müssen schreyen und ruoffen, wan sie etwas bekommen wollen, wie die zahnbrecher
grillenvertr. 3 (1670), 61; habt ihr keine scham noch schande, dasz ihr so spät in der nacht wie zahnbrecher schreyt (
gabble like tinkers)
Shakespeare was ihr wollt 2, 3; mein halbbrüderlein ward auf den namen Adolar getauft, sah aus wie ein affe und schrie wie ein zahnbrecher Holtei
erz. schr. 5, 167; herrlein, wie schreyst du in dem saal eben samb seyst du ein zänbrecher ...? H. Sachs 17, 215, 8
Keller-Götze; dem wirdts seltzam zu hören sein, dasz jhr schreit, wie die zanbrecher Ayrer 1442, 8
Keller; musz ich denn hundertmal die sache wiederkäuen? und soll ich noch dazu wie ein zahnbrecher schreyen?
sammlung v. schausp. (
Wien 1764—9) 5, 95.
unverschämtheit kennzeichnete sie: ich glaube nicht, ... dasz der teuffel so unverschampt seyn kan, als ein zahnbrecher Moscherosch
Phil. (1650) 178. 66) zahnbrecher
geradezu im sinne von '
betrüger': diser gottslästerlichen sund in und wider den h. geist ... folgen die yetzigen zanbrecher und heiligenstürmer Nas
antipap. eins und hundert 4, 67
a.
dazu zahnbrecherart, f.: zahnbrecherart hat Osiander Nas
antipap. eins und hundert 6,
index. zahnbrecherei, f., auch mit umlaut bezeugt: 1)
thun eines zahnbrechers, im sinne von quacksalberei, bildlich: dennoch dünkt es uns, dasz die gerügte vermuthung einer gelehrten quacksalberey ... durch die noch handgreiflichere zahnbrecherey des zweyten theils (
von Schlözers vorstellung einer universalgeschichte) ... einleuchtend und entscheidend bewiesen worden Hamann 4, 375
Roth. 2)
geräth eines zahnbrechers: Jann geht ein, hat sein taschen vol allerley zeenbrecherey gefast Ayrer 2565, 10
Keller. zahnbrechergeschrei, n., groszes, unnützes, schwindelhaftes geschrei (
vgl.zahnbrecher 5): sie schreyen wie sie wöllen, so ist es doch mit jhnen allen mehr ein zahnbrecher geschrey Paracelsus
opera 1 (1616), 1040 A; die Paracelsisten mit ihrem betrüglichen zahnbrechergeschrey Tabernaemont. (1588) 13;
freier: ein zanbrechergeschrey. sawren wein ausruoffen. der uberigen fleisz an ein ding wendet, das sein nit werdt ist Franck
sprüchw. 2, 90
a.
zahnbrecherisch, adj., einem zahnbrecher gemäsz, gleich: hanckt jhm die gutteruff umb den halsz, wie der zanbrecherischen
s. Apollonien die zän
Garg. 167
neudr. (
zur sache vgl. zahnbrecher 2); wo wirdt in dieser musterung doctor Cuntz und meister Leuszsträler ... bleiben mit jhren zanbrecherischen zotten ...? Paracelsus (1616) 1, 201 B; es musz ihnen nicht allein ihr zahnbrecherisches geschrey, sondern auch ihr stillschweigen ... gelt tragen
grillenvertr. 3 (1670) 180; und ob schon sunst schweigt jederman, so fang du doch ein plaudern an, ein ungefüg zanbrecherisch geschrey Scheit
Grob. 3704
neudr.; adverbial: alle länder durchtriegen die doctor und hodenschneider, alles zahnbrecherisch, ohn gewissen und conscientz Paracelsus (1616) 1, 1058 C.
zahnbrecherpaternoster, n., kette von zähnen, wie sie die zahnbrecher trugen (
vgl. oben zahnbrecher 2),
als rosenkranz gedacht: darumb ist magister Gentianus wol werd, das man jhn inn gold beschlag, unnd auff den altar setze und mit einem zanprecher paternoster behenkk Fischart
binenk. (1588) 64
b.
zahnbrecherzange, f.: ein zanbrecherzange,
forceps evellendis dentibus comparata Corvinus
fons latinit. (1646) 257,
tenaille à arracher les dents Rädlein 1, 1081
b.