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wurmstichig

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

wurmstichig adj.

Bd. 30, Sp. 2288
wurmstichig, adj. , von würmern angefressen, angenagt. ältere nebenformen: wormstichig (Luther mehrfach; Lehmann floril. polit. [1630] 10; nomenclator lat.-germ. [Hamburg 1634] 68); würmstichig ([1563] Kirchhof wendunmuth 1, 184 Ö.; [1572] Fischart praktik 24 ndr.; Sebiz feldbau [1579] 364; Ulenberg kurtze chron. [1586] 238b); wurmstichicht (16.—18. jh. vielfach); worm-, wurmstichtig (Luther 8, 368 W.; Eyering proverb. copia [1601] 2, 492; facetiae facet. [1615] 420; Sperling Nicodemus quaerens 2 [1719] 510); (wurmstechig) Paracelsus opera 2, 145A Huser. mnl. wormstekelich, wormstekich Verwijs-Verdam 9, 2814. mundartl. formen s. u. 11) eigentlicher und bildlicher gebrauch; von früchten, holz, papier und anderen stoffen; s. auch 1stichig 2 teil 10, 2, 2, sp. 2718: ich wene man súlle kume zwene rechter guoter Oephele ... kúnnen finden, si ensint ie wurmstichig; wie si doch gar schOene uswendig schinent, ie in dem grunde vint man locher Tauler pred. 185 Vetter; das holtz ist nit wurmstichig Keisersberg schiff d. hails 4a (s. Germania 28, 411); durch ungewitter alszo viel bluet vortirbt, frucht abefelt, wormstichtig wirdt, das kaum das tzehende teyl reyff wirt (1521) Luther 8, 368; 30, 2, 572; 32, 521; 33, 301; 34, 2, 51; 51, 61 W.; was pflanzen und zieren wir das wurmstichig fleisch also C. Adler allen frummen christen ... zu lesen (1523) C 3b; demnach (hat man) ... die wurmstichichten götzen gar hinwek gereumet ausz den kirchen bei Schade satiren u. pasquille 2, 259 (vgl. Manuel 226 Bächtold); nimm ... langen pfeffer, der nit wurmstichig sei Ryff confectbuch (1548) 38a; was von köstlicher guter wahr da was, stuond vornen im laden, all anders verlegnes, wurmstichigs und faules hinden auff der mauren gegem wasser Kirchhof wendunmuth 1, 358 Ö.; dieselben artzneyen aber sollen frisch ... sein, nit welck, ... wurmstichig Henisch Antonii Mizaldi artztbüchlin (1574) 1; schrifften, damit sie (die kirche) iren wurmstichigen sinckenden r. papsstul vnterstützen vnd vnterspreissen will Fischart binenkorb (1581) 120b; wenn aber der baum wenig früchte bringet, dazu ganz kleine, madige und wurmstichige J. Böhme s. w. 2, 1 Schiebler; dahin Gregorius sihet, wann er dise welt verglichen mit einer wurmstichigen nusz: do du die welt mit dem messer der warheit auffthust ..., so wirst du nichts anders befinden als eytelkeit vnd boszheit Saubert currus Simeonis (1627) 389; in faulen wormstichigen häusern wohnt niemand gern, es seye dann ein wüster hauszwirth Lehmann floril. polit. (1630) 10; gleichwie bald wurmstichig worden das süsze manna (2. Mos. 16, 19—20), also vergeht ... das ... glück der welt (1679) Abr. a s. Clara w. 2, 15 Strigl; der apfel der wollust ist allezeit wurmstichig Lohenstein Arminius (1689) 1, 843b; was sie aber gutes thun, ist wie das wurmstichtige obst, welches zu nichts taugt, denn dasz mans den schweinen fürwirfft Sperling Nicodemus quaerens 2 (1719) 510; die frölichkeit, die du jüngst an mir sahest, war die wurmstichige frucht einer eiteln hofnung Wieland I 3, 48 akad.; das junge holz der kerntragenden sorte wird auf Benda leicht wurmstichig J. G. Forster s. schr. (1843) 4, 344; achte ... jedes urtheil (dieser art) für eine vom baum abgefallene, wurmstichige, und nur darum reif scheinende frucht Pestalozzi s. schr. (1820) 104; da lag am boden nächst zur hand, wurmstichig, alt, ein foliant Mörike w. 21, 244 Maync; ein sehr wurmstichiger schiffszwieback Schubert reise i. d. morgenland 3 (1839) 405; bilder in wurmstichigen ... holzrahmen Fontane ges. w. (1905) I 2, 10; mundartl. weit verbreitet: wurmstēkerig Doornkaat Koolman ostfries. 3, 583; wormstēksch Böning Oldenburg 135; wormstekig, wormstekerig, wormsteksch Mensing schlesw.-holst. 5, 689 f.; wormschtichich (obst) Damköhler Nordharz 229; wormstiəkig, wuarmstiəksk Woeste-Nörrenberg westfäl. 328; wuormstichig (holz) Frederking Hahlen 178; wormsteksch (obst) Schambach Göttingen 304b; wurmstiękərəch Martin Waldeck 285; wuermschdechich Heinzerling-Reuter Siegerland 331; wormsteckig Müller-Schlösser Düsseldorf 269; wormstekig Elberfeld 177; vurəmštęchich (holz) Krausz nordsiebenbürg. handwerkssprachen 1082; worəmštichit Meisinger Rappenau 234; wurmstichig (holz, obst) Fischer schwäb. 6, 996; Martin-Lienhart elsäss. 2, 573; (holz, obst) schweiz. id. 10, 1309f.; wurmstichi (obst) id. Austriac. (1824) 125; Schöpf Tirol 822; wurmstichik Lexer Kärnten 260. 22) übertragener gebrauch. 2@aa) von abstraktem. 2@a@aα) 'unlauter, verderbt' (in religiöser oder ethischer beziehung): alles do der mensche sine ruowe suocht, das nút luter got enist, das ist alles wurmstichig Tauler pred. 203 Vetter; wer mein wort hat, der predige mein wort recht, nämlich rain und lauter, onverfelscht, dasz nit durch menschlich witz und klughait wurmstichig sei Huber ain trewe warnung (1535) B 2a; ein wurmstichig gewissen gibt kein gut alter Lehmann floril. polit. (1630) 313; (ein hausvater soll) sich nie gebrauchen lassen, eine rechte sache zu hintertreiben, oder eine wurmstichige zu beschleinigen Hohberg georg. cur. 1 (1682) 144a; was sie (die Franzosen) bisher gethan, ist alles schlecht gewesen und nichtswürdig und wurmstichig bis ins innerste mark hinein Görres ges. schr. (1854) 1, 311; der pharisäer glaubte, er sey voll guter werke und sieh ..., sie waren alle wurmstichig und kothig Boos pred. (1830) 2, 424; eine so wurmstichige, weil auf den baaren eigennutz basirte loyalität Riehl land und leute 8100. 2@a@bβ) 'hinfällig, brüchig, (innerlich) morsch (vor alter oder wegen innerer mängel)'; vgl. schweiz. id. 10, 1310 ('zweifelhaft mit beziehung auf verläszlichkeit, güte'): dz ich leider besorg die beiden extrema wurmstichick sein J. L. Dyetz sendbriff (Krakau 1527) A 4b; was ausz gott geht, das fehlet nit, hat hände vnnd füsz: was ausz der natur geht, ist allmahl wurmstichig (unvollkommen, mangelhaft) vnnd in das ellendt geschaffen Paracelsus opera 2, 504 Huser; was mit gewalt geschehen musz, dasz ist nichts wehrt vnnd wird zeitlich wormstichig Lehmann floril. polit. (1630) 307; Serarius ... führet wurmstichige (nicht stichhaltige) argumenta ein Dannhawer catech.-milch 6 (1678) 701; die hoffnung allein auff unsere waffen ist baufällig, das vertrawen allein auff unsere stärcke ist wurmstichig Abr. a s. Clara reimb dich (1687) 218; bey den friedenstractaten zu Münster, welcher fried bald wurmstichig worden ders., Judas (1687) 1, 247; 1, 24; 1, 378; wodurch alles wiederum in den veralteten wurmstichigen dogmatismus ... verfiel (1781) Kant w. 2, 4 H.; der gegenstand (des 'verlorenen paradieses') ist abscheulich, äuszerlich scheinbar und innerlich wurmstichig und hohl (1799) Göthe IV 14, 139 W.; auch in den besten staaten war das meiste wurmstichig, brüchig und veraltet; die gerüste und skelette standen noch, aber das leben und der geist war entwichen (1814) E. M. Arndt schr. (1845) 2, 77; Ungarns wurmstichige, zeitunangemessene konstitution Grillparzer s. w. 14, 156 Sauer. 2@bb) von menschen. 2@b@aα) 'sittlich nicht einwandfrei, charakterlich verdorben'; vgl. dazu: auf eine andere zeit nennete d. M. Luther die rottengeister, die da klüglinge und naseweise wären, 'unzeitige und unreife heiligen, welche bald wurmstichig würden und von einem weichen winde untern baum fielen' (1542) bei Luther tischr. 5, 151 W.; got behut, ne simus in turba illorum, qui, ubi audiunt semel etc ideo nec gratias agunt, laudant, sind wormstichig Luther 47, 858 W.; etwan wurmstichig kundenn (ettlich nennenn sie wölff ...) ... auch alsbald in ehrlichen wirdtsheusern einkeren Wickram w. 3, 103 lit. ver.; der adel verdirbt und wird wurmstichig in den kindern, wo sie nicht auch, wie ihre voreltern ... mit tugendhaften wercken geziert seind Lorichius instruction u. bericht (1618) 73; wurmstichige, anbrüchige herzen, halb eingepfarret in gottes kirche und halb in des teufels kapelle Jean Paul s. w. 24 (1827) 39 Reimer; die (von Bern) verstanden wohl zu regieren in ihrer guten zeit, zuletzt aber waren sie wie alles faul und wurmstichig geworden Gores ges. br. (1858) 1, 178; vor dem Mercutio hüte dich, das ist ein wurmstichiger schuft, dem der schimmel der lasterhaftigkeit den kopf grau gemacht hat Eichendorff s. w. (1864) 4, 410; mutter, wenn das meitschi ist, wie ihr sagt, so musz das was wurmstichiges sein, sonst hätte es ja längst einen mann J. Gotthelf ges. schr. (1855) 4, 318. s. auch die belege bei Fischer schwäb. 6, 996 ('unzuverlässig, unsolid') und im schweiz. id. 10, 1310 ('charakterlich zweifelhaft, unzuverlässig, unsauber, falsch'). 2@b@bβ) 'gebrechlich'; s. Mensing schlesw.-holst. 5, 689 (mien beenwark is all wat wormstekerig); wormstekig 'leidend' Elberfeld 177; 'von krankheit befallen' schweiz. id. 10, 1310; auch von einem menschen, der ..., ausschläge hat Meisinger Rappenau 234: ein armer schneyder, ein räudiger mann, ein krätziger, ein wurmstichiger mann, so ... krumme finger vnd lahme schenkel hatte Moscherosch gesichte 1 (1650) 296; dem ... wurmstichigen (körperlich erbärmlichen) kerl den hals zu brechen Schnabel insel Felsenburg (1746) 2, 588; ein armer gichtbrüchiger, wurmstichiger, guter greis Jean Paul w. 45/47, 324 Hempel; dasz das arme kind einen reichen bäckermeister freien sollte, so einen alten wurmstichigen mehlkneter Storm s. w. 4, 148 Köster. ins seelische gewendet: weil frau Chauchat ja krank war, ... innerlich wurmstichig, ein umstand, der mit der zweifelhaftigkeit ihrer gesamtexistenz nahe zusammenhing Th. Mann zauberberg (1953) 206. 2@b@gγ) anschlieszend an wurm V 4 a, einen intellektuellen mangel charakterisierend: der ist wurmstichig im hirn, der da will begeren, dasz jhm nicht kan werden Lehmann floril. polit. (1630) 63; wilt du was, so nicht erlaubt, bist wurmstichig in dem haubt Schottel teutsche haubtspr. (1663) 845; zumaln sich jenes (des bauern) wissenschafft in allen weiter erstreckt, als dieses verschrumpfftes und wurmstichigtes gehirn jemals ümspannen kan Paullini baurenphysic (1706) 4; so seynd diejenige leut eigentlich keine narren zu nennen, welche da ein öden und blöden verstand und eine wurmstichige vernunfft haben Abr. a s. Clara narrennest (1751) 1, 1; lauter verruckte köpf, verwirrte hirn, seltsame phantasten, wurmstichige schedel und einbildische narren ebda 1, 42. vgl. dazu: in ganz rechter zeit seid ihr durch eure wurmstichichte grillen hieher bewogen worden kunst über alle künste, ein bös weib gut zu machen (1672) 66 Köhler.
10517 Zeichen · 208 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Wurmstichig

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Wurmstichig , -er, -ste, adj. & adv. von Würmern durchbohret. Wurmstichiges Obst. Wurmstichig werden.

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    wurmstichig

    Goethe-Wörterbuch

    wurmstichig [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    wurmstichig

    Elsässisches Wb. · +2 Parallelbelege

    wurmstichig Adj. wurmstichig Hlkr. Steinbr. Vgl. wurmässig Seite 71.

  4. Sprichwörter
    Wurmstichig

    Wander (Sprichwörter)

    Wurmstichig 1. Der ist wurmstichig im Gehirn, der will begehren, was ihm nicht werden kann. 2. Was wurmstichig ist, das …

  5. Spezial
    wurmstichig

    Russ.-Dt. Übers. (de-ru)

    wurmstichig с червоточиной, с червоточинкой идиом.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit wurmstichig

2 Bildungen · 1 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von wurmstichig

wurmstich + -ig

wurmstichig leitet sich vom Lemma wurmstich ab mit Suffix -ig.

Zerlegung von wurmstichig 2 Komponenten

wurm+stichig

wurmstichig setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

wurmstichig‑ als Erstglied (1 von 1)

wurmstichigkeit

DWB

wurmstichig·keit

wurmstichigkeit , f. , das zernagtsein, zernagtwerden durch würmer: dieser leib ist weder der fäule noch der wurmstichigkeit unterworffen Pr…

Ableitungen von wurmstichig (1 von 1)

unwurmstichig

DWB

unwurmstichig Bapst v. Rochlitz wacholdergarten (1605) 115 . —

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „wurmstichig". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 19. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/wurmstichig/dwb?formid=W29166
MLA
Cotta, Marcel. „wurmstichig". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/wurmstichig/dwb?formid=W29166. Abgerufen 19. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „wurmstichig". lautwandel.de. Zugegriffen 19. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/wurmstichig/dwb?formid=W29166.
BibTeX
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