wunderwerk,
n. ,
seit dem mhd. (13.
jh.),
schon ags. wundorweorc.
bis in die mitte des 19.
jhs. vom zweiten wortglied her sowohl für ein (
meist bestimmtes)
handeln, wie für ein geschehen, wie für einen sachverhalt, wie endlich für das gegenständliche, greifbare ergebnis und produkt des hanaelns, auf welch letzteren gebrauch sich das grundwort in neuerer und neuester sprache fast völlig zurückzieht (
s. u. 5).
in älteren glossierungen vornehmlich für miraculum, prodigium und ostentum, in den wbb. des 17.
und frühen 18.
jhs. gewöhnlich, aber zu unrecht, als mit wunderzeichen (
s. d.)
völlig synonym behandelt. 11)
im umkreis des religiös verstandenen handelns und geschehens. zumal im älteren gebrauch auszerordentlich häufig, an sich gleich gebrauchtem wunder gegenüber im ganzen aber das aktive moment eines bestimmten handelns bzw. seines ergebnisses stärker in den vordergrund rückend. 1@aa)
als typisches wort für das handeln und wirken, seltener das wesen gottes, für seine selbstoffenbarung im rahmen der heilsgeschichte, für sein unmittelbares eingreifen in den äuszeren und inneren ablauf der geschichte und des menschlichen einzellebens. 1@a@aα)
begrifflich zusammenfassend: dem (
gott) ist nihtes ze vil daz wunderwerc heizen sol er tuot ez ringeclîche unt wol
die warnung v. 3481
in: zs. f. dt. altertum 1, 533; nu tuot not das man die göttlichen wunderwerck mit sonderm fleisz betracht vnd sich doch nit vnterstee die mit der verstentnusz zuo ergründen. wann wo die vernunft das erfünd wär es kain wunderwerck Albrecht v. Eyb
spiegel d. sitten (1511) M 6
b; sein (
gottes) wunderwerck geht immerfort Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
ev. kirchenlied 3, 433; dasz bey den wunderwerken gott nicht unmittelbar, sondern durch anwendung physischer ursachen und kräfte wirkt
allg. dt. bibl. (1765)
anh. z. bd. 53/86, 2023. 1@a@bβ)
meist in bestimmter, benannter beziehung: alhie (
an dem jüdischen volk) sihe abermals unsers herr gotts wunderwerck, wie er sein wort und verheissung volziehen und hinausfüren wil, er gehet damit also umb, das man nicht sagen kan, das es menschen also hinausgefüret Luther 16, 8
W.; vgl. 19, 424; 26, 632; lobet gott in seinem heyligthum ... lobet alle wunderwercke, die er vns erwiesen hat mit ruhm
Königsberger dichterkreis 118
ndr.; und die grosse vaterhuld wird an mir zum wunderwercke J. Chr. Günther
ged. (1735) 15; gott sendet sie mir heute! ... er sei gepriesen für dies wunderwerk Holtei
erz. schr. (1861) 23, 231.
hier seltener im engeren sinne eines naturgesetzwidrigen, mirakulösen handelns gottes: so sicht doch der schweisz (
nicht zu tilgendes drachenblut an einer kirchenwand) hindurch und lasst sich das wunderwerk gottes nit verbergen
Zimmer. chron. 22, 154
Barack; einige kunstrichter scheinen dieses wunderbare blos in dem übernatürlichen zu setzen, das durch würkliche wunderwerke der allmacht geschieht Sulzer
theorie d. schönen künste (1792) 4, 744.
älter tritt gelegentlich der besonders für den religiösen gebrauch von wunderlich (
s. d. A 1 e)
bezeichnende sinn des souveränen, verborgenen, ja befremdlichen handelns gottes zutage: so wer ist, der volkumelich kan irvaren sine (
gottes) wege? sine wunderwerk zu phlege sint sam wege unde strazen di uns leitem wol zumazen gar lutzel in gotes kunde
md. Hiob 13 664
Karsten; vgl. 13 996; o almächtiger got, wie seind deine wunderwerck so grosz, wie vermag das die natur, das so vnder ainem schönen weiblichen weibs bild so ain falsch vngetrews hertz getragen werden mag? (1509)
Fortunatus 117
ndr. 1@bb)
in der kennzeichnung der göttlichen schöpfungswerke ist die fast durchgehend gegenständliche vorstellung durch den sachzusammenhang bedingt: schülte ich gotes hohiu wunderwerk, an diu er hat geleit uz alre sinre almehtekeit ere unde mangiu werdekeit
minnesinger 2, 357
a v. d. Hagen; die sonne wenn sie auffgehet, verkündiget sie den tag, sie ist ein wunderwerck des höhesten
Jes. Sirach 43, 2;
vgl. M. Claudius
s. w. (1775) 4, 122; wir sehen täglich genugsame wunderwercke gottes vor augen, die uns zu seinem lob reitzen ... und dörffen nicht erst deszwegen ... seltzame und unerhörte geschöpffe tichten (
wie nymphen, pygmäen etc.) Grimmelshausen 2, 389
Keller; das wunder deiner wunderwerke, der mensch, dein ebenbild J. H. Voss
s. ged. (1802) 4, 143; dieses wunderwerk des allmächtigen gottes (
die Adersbacher felsen) hat schon groszen poeten stoff dargeboten zur erhabenen besingung seiner gewaltigen herrlichkeit Holtei
erz. schr. (1861) 15, 16. 1@cc)
speziell vom leben und wirken Christi; hier betont und oft prägnant im sinne bestimmter übernatürlicher handlungen: Salomons tempel, der ist
auch geheissen in der geschrift der tempel unsers lieben herren, wann er vil wunderwerck und zeichen dar ynn tet (
ca. 1440)
bei Röhricht
pilgerreisen (1880) 75; wie denn dahin dis wunderwerck (
die auferweckung des toten jünglings von Nain) gehöret Joh. Pomarius
grosse postilla (1588) 2, 245
b; aber aus wasser wein machen, ist viel und ein absonderliches grosses wunderwerk Abr. a
s. Clara
w. 2, 49
Strigl; die wenigen moralischen sätze, die er (
Christus) rein oder in gleichnissen vortrug, bedurften sie so vieler wunderwerke? Herder 19, 141
S. auch auf wunderbare vorgänge oder geheimnisse der menschwerdung Christi und der erlösung bezogen: hort wie der lib Augustinus ... der wunderwerk unsz dut ercleren wie nun wider gewonheit gar ein jungfraw clar ir kint keuschlich und pure enpfangen hat gancz rein Hans Folz
meisterlieder 59, 5
Mayer; o wunderwerk, in gottes sohn sein zwo naturen, ein person
bei A. v. Arnim
s. w. (1853) 13, 267; welch wunderwerk! welch heiliges entzücken! ... nun bin ich frey! die sünden, die mich drücken, Messias! nimmst du nun auf dich Cronegk
schr. (1766) 2, 157. 1@dd)
mit einer gewissen vorliebe von den mirakeln der heiligen und mirakulösen vorgängen im kirchlichen bereich: der heylige herre sente Thomas in den richin hot gewurcht vil wundirwerk
md. Marco Polo 64, 19
Tscharner; der bapst, als ein statthalter gottes, keinen heiligen erhebt, dann welcher vor hin von got erhebt ist durch gnuogsamlich eüsserlich gezeügnisz des rechten glaubens, der heiligkeit, vnd nachfolgende wunderwerck Diettemberger
v. d. miszbrauch d. mesz (1526) A 4
b; Georgius, dessen heiligkeit genugsam an tag gaben die grossen wunderwerk, die gott durch ihn wirkte Abr. a
s. Clara
w. 1, 176
Strigl; die grossen wunderwerke, welche vor viel 1000 personen offt von den christen geschahen Arnold
kirchen- u. ketzerhist. (1699) 32
a; es habe gott gefallen, das grab des h. A. ... mit vielen wunderwerken zu verherrlichen
allg. dt. bibl. (1765) 103, 223. 22)
von übernatürlichem handeln und geschehen auszerhalb religiöser zusammenhänge, von zauberischen und magischen vorgängen: was wunderwercks ist disz, ich meynen nit das dasz ritter, sonder vil ehe teuffel seihen (
vier ritter, die alles um sich her niederschlagen)
hertzog Aymont (1535) n 5
a; dann da ain solchs wunderwerk (
dasz jemand sich unsichtbar machen kann) sollte under die gemain welt gepracht werden, was groszer bubenstuck ... würden fürgenommen
Zimmer. chron. 23, 4
Barack; Saleh thut ein wunderwerck, und machet, dasz aus einem groszen steine ein weiszes cameel hinaus gehet Olearius
persian. rosenthal (1696) 91
b; die wunderwerke der schamanen Peschel
völkerkde (1874) 280.
vereinzelt auch von magischen gegenständen: so hat dies wunderwerk (
den zaubersäckel) der strom verschlungen Bauernfeld
ges. schr. (1871) 3, 92. 33)
von den unbegreiflich vollkommenen gebilden der schöpferischen natur, vornehmlich im hinblick auf den menschen: und zwar so hat die natur inn ein solche kleine ründin desz angesichts wunderbarlichste eigenschafften gesteckt, also dasz lauter wunderwerck darinn erscheinen Wirsung
artzneyb. (1588) 61
b; aber es ist eines der höchsten wunderwerke der natur, dasz unser mund so mancherley tohne und aussprüche in sich so kürtzlich formen, und mit einem deutlichen stets-unterschiedenem geklange hervorzugeben vermag Schottel
haubtspr. (1663) 57; es ist ein wahres wunderwerk, wie die lebenskraft ... körper ... schützen kann Hufeland
kunst d. menschl. leben zu verl. (1797) 54.
hier mit vorliebe auf gegenständliches, konkretes bezogen, besonders jünger wohl auch unter dem einflusz des groszen anwendungsbereiches 5: das künstliche gehör und wunderwerck der ohren Opitz
opera geist- u. weltl. ged. (1690) 3, 213; wie uns die creatur den schöpfer ofenbahrt, wie manches wunderwerck meer, erd und luft verwahrt (1717) J. Chr. Günther
s. w. 3, 42
Krämer; welch ein wunderwerk ist der mensch! — und wie gehen wir mit diesem wunderwerke, wie gehen wir mit uns selbst um? Holtei
erz. schr. (1861) 36, 68; um ihn grünten, glänzten und schwirrten die wunderwerke der schöpfung G. Freytag
ges. w. (1886) 12, 205. 44)
für vorgänge, handlungen und tatbestände, die auszerordentlich sind, den rahmen und die masze des gewohnten, bekannten oder erwarteten überschreiten. 4@aa)
sehr selten nur in dem für wunderzeichen (
s. d. 3)
so charakteristischen sinne von '
vorzeichen',
für abergläubisch gedeutete ungewöhnliche naturvorgänge: (
es) ist naturlich und der natur von gotte gegeben, wen ettwas neues, unerhortts und seltzszam dingk geschehen sall, pflegen allegepott (
immer) zceichen und wunderwergk sich zcuvor erzceigen Egranus
ungedr. pred. 51
Buchwald; vgl. Zimmer. chron. 21, 299
B.; man sagt, dasz straks denselben tag ... alle wunderwärke und zeichen angefangen hätten ... als nähmlich, ein ungewöhnliches donnerwetter ausserhalb der zeit, den bluträgen Zesen
Sofonisbe (1647) 172; aus der erde thun sich wunderwerke hervor und brechen geheimiszvoll von unten herauf, wie das licht (
ein komet) schrecklich von oben herniederscheint Tieck
schr. (1828) 4, 181. 4@bb)
speziell das monstrum, das ungeheuer, das miszgebilde, kaum über 1600
hinaus: liesz Lucius Seruius senator jm senat ein brief verlösen, die ... grosz wunderwerck und mörwunder verkundten (
portenta atque prodigia) Dieterich v. Pleningen
Sallust (1515) D 5
a; sye (
die nachteule) ist in der wyldnüssz ... erschrocklich, vnd zuo der man nit kummen mag, ein wunderwerck der nacht (
noctis monstrum) Eppendorff
Plinius (1543) 145; weisz dem herrn den berg darin sich helt das wunderwerck (
ein riese) Ayrer
dramen 1702
Keller; vgl. 1033. 4@cc)
allgemein, in wechselnden beziehungen: hy hebin sich an di wundirwerk di man spricht von India (
z. b. witwenverbrennung)
md. Marco Polo 59, 19
Tscharner; demnach ... zwey vnd dreyssig jahr, das die astronomi etwas newes, zuvor ... vnvermeldetes wunderwerckh am himmel befunden, das nemlich ein newer sehr grosser heller gläntzender stern ... einkhommen Kepler
opera omnia (1858) 1, 473; ich solt ins läger reiten vnd sehen das wunderwerck grosz, den sig auff meiner seiten
lieder a. d. winterkönig 173
Wolkan. in gegenständlicher beziehung zum wunderwerk '
als kuriosum': einer schosz uff on vnde traff das zeichen, vnd der schossz prallete widder vnd schatte ome nicht, und zu eyme zeichen hing her das zeichen jn das monster, vnd das findet man dorjnne zu einem wunder wercke Stolle
thüring. chron. 79
lit. ver.; welches (
seeungeheuer) zum könige ist gebracht worden und hernach gedorret, auch zur rarität und sonderlichen wunderwerck verwahret behalten Prätorius
anthrop. pluton. (1666) 2, 48. 4@dd)
von vorgängen und handlungen in prägnant abschätzigem sinne, bis etwa 1800
möglich. für unsittliches, ungebührliches verhalten, auch für verhängnis, unglück: es ist ain wunderwerck nülich uff dynem acker beschenhen (
res longe monstruosa) (
ein knecht hat höchst ungebührlich geredet) Steinhöwel
Äsop 41
lit. ver.; da trib er (
ein incubus an einer hexe) wunderwerk im würtshaus mit seinem ungeheuren wesen
Zimmer. chron. 23, 2
Barack. unglück: ein anders wunderwerck darnach, und sehr betrübter fall geschach Spreng
Äneis (1610) 27
a.
grausame tat: komm mit mir aus der stadt, das landvolk zu verstärken, und zeige dich die nacht mit blutgen wunderwerken. erschrecke, morde, brenn, vertilge kind und haus, und lösch mit feur und schwerd Berns schimpf und knechtschaft aus Lessing 5, 107
L.-M. für unberechenbare wechselfälle: von verbesserung der zeit und denen wunderwercken des glückes aber hülffe und errettung erwarten, wäre ein traum der einfältigen Lohenstein
Arminius (1689) 1, 24
a. 4@ee)
besonders im 17.
u. 18.
jh. gern soviel wie '
wunderbare, auszerordentliche wirkung': o lieb wie grosz ist deine stärck? wie ist das doch ein wunderwerck? Gilhusius
gramm. (1597) 3, 7, 77; denn mich bedünckt, man schreibe frembden gewächsen mehr wunderwercke zu, als man an ihnen befindet Lohenstein
Arminius (1689) 1, 107
a; er stöszt, und stöszt den fusz mit voller leibesstärke dem bäre vor den kopf. doch grosze wunderwerke that dieses stöszchen nicht Lessing 1, 183
L.-M. sofern hier unpersönliche mächte als handelnde wesen gedacht sind, wird die grenze zu f
erreicht: doch könte er dieses rühmen, dasz eine meile von dar ein warmes bad sey (
eine heilquelle), da ... die natur viel vortreffliche wunderwercke zu erweisen pflege Chr. Weise
erznarren 10
ndr.; denn beide (
liebe und tod) sind von gleicher stärcke und spielen ihre wunderwercke mit allen, die auf erden gehn Chr. Günther
s. w. 1, 261
Krämer; und welches wunderwerk hat nicht die liebe im deutschen land an mir vollbracht Raupach
dram. w. ernster gattung (1835) 8, 323. 4@ff)
als persönliche leistung gesehen, ist wunderwerk,
bis in modernen gebrauch hinein, soviel wie '
grosztat, heldentat, auszerordentliche leistung': es ist hailsamer sein von den menschen (
sich zu entfernen) vnnd dich selbs wolbewarn, dann ob du grosse wunderwerck tätest vnd dein sel versomtest Keisersberg
granatapfel (1510) E 3
a; sein vnnd seines bruders leben ist nicht on grosse wunderwerck ..., dasz, meines erachtens man in der gantzen welt jres gleichen nit finden mag
Amadis 182
lit. ver.; Catumer und Sesitach thäten mit ihren jungen edelleuten wunderwercke von tapfferkeit Lohenstein
Arminius (1689) 1, 35
a; der alten Griechen bahn (
in bezug auf beredsamkeit), darauf ihr siegend wort manch wunderwerk gethan Gottsched
ged. (1751) 1, 451; dasz unter den obwaltenden verhältnissen das römische heer aus Armenien unversehrt nach Kleinasien zurückkam, ist ein militärisches wunderwerk Mommsen
röm. gesch. 3 (1866) 73; gedichte und sonstige wunderwerke des kleinen phänomens E. Mühsam
namen u. menschen (1949) 14. 4@gg)
nicht selten mit dem nebensinn des übertreibenden oder prahlerischen, und dann in stark ironisierendem gebrauch: der (
ein fahrender schüler und bauernbetrüger) sagt her grosse wunderwerck, wie er kem ausz dem Venusberck, wer ein meyster der schwartzen kunst. macht dem pawren ein plaben dunst Hans Sachs 9, 271
lit. ver.; und was du gesagt hast, da verwunderst du dich zu erst drüber, und bawest wunderwercke drauss Prätorius
glückstopf (1669) 22; was wird der praler doch für wunderwerke bringen Gottsched
versuch e. crit. dichtkunst (1751) 25; er musz ... ihre wunderwerke sehen, ihre stadtklatschereyen hören Kotzebue
s. dram. w. (1828) 18, 82. 55)
wie 4
in der vorstellung des auszerordentlichen wurzelnd, aber eigengeprägt dadurch, dasz das wort als wertende bezeichnung dingen oder personen in hoch auszeichnendem sinne zugesprochen wird und in seinem zweiten glied sich dabei entschieden auf die gegenständliche bedeutung '
geschaffenes, greifbares ergebnis einer handlung'
einschränkt. diese schon in älterem gebrauch durchaus mögliche verwendungsweise verdrängt mehr und mehr alle übrigen, dies seit der mitte des 19.
jhs. fast vollständig, wo wunderwerk
in diesem rahmen dann auch zumindest gleichberechtigt neben dem simplex wunder (
s. d. II E 6)
steht. 5@aa)
seit alters vorzüglich von werken der bildenden kunst. bei bauwerken tritt zur ästhetischen bewertung oft auch die nach grösze, pracht, technischem aufwand und dgl. (
s. auch b): du rechtes wunderwerck (
der turm des Straszburger münsters) bist zierlich zwar gehawen Opitz
teutsche poemata 75
ndr.; das königliche schloss ist mit einer mauer von der stadt abgesondert ... und ist wegen seiner pracht ein asiatisches wunderwerck zu nennen Ziegler
asiat. Banise (1689) 572; sie (
die Berliozsche musik) mahnt mich ... an die wunderwerke von Mizraim (
Ägyptens bauwerke) H. Heine
s. w. 6, 442
Elster; wunderwerke wie Maria-Laach werden entstehen, das Karolingische hat sie möglich gemacht Pinder
d. kunst d. dt. kaiserzeit (1935) 1, 65.
bei bildwerken und bildern nur im blick auf ihren künstlerischen rang: der pinsel und der meiszel bildeten wunderwerke J. G. Forster
s. schr. (1843) 5, 244; so werden die wunderwerke eines Huysum, einer Rachel Ruysch entstehen, welche künstler sich gleichsam über das mögliche hinüber gearbeitet haben Göthe I 47, 81
W.; der kreuzträger (
der Lorcher kreuztragung) ist ein wahres wunderwerk für sich Pinder
d. kunst d. ersten bürgerzeit (1937) 160.
in formelhaften verbindungen: dieser nicht so ängstlich, sondern im erhabenen style der bronze verfertigte kopf kann mit recht ein wunderwerk der kunst genennet werden Winckelmann
s. w. (1825) 2, 62;
vgl. 6, 70; 10, 611; Jakob selber hat jenes groszartige bild in den deckel geklebt ... ein wunderwerk naturgetreuer malerei Waggerl
mütter (1935) 188. 5@bb)
speziell die sieben wunderwerke der welt
für die sieben berühmtesten bauten der antike, vgl. wunder II E 6 a
β: (
der) tempel Diane zu Epheso, welcher wegen seiner überausz groszen schöne und köstlicheit under die sieben wunderwerck der welt gezelt ward Joh. Wetzel
reise d. söhne Giaffers 7, 20
lit. ver.; in Priconniso ist vor zeiten ein schön amphiteatrum, schawhausz oder spielhausz von lauter marmor gewesen, eines ausz den sieben wunderwercken der welt Schweigger
reyszbeschr. (1619) 238; die unter die sieben wunderwercke der welt gerechnete pyramides in Egypten Hohberg
georg. cur. (1682) 1, 592; wie sind die sieben wunderwerke der alten welt dahingerafft Rückert
ges. ged. (1834) 4, 248.
in hyperbolischer formel, auch über bauwerke hinaus, das achte wunderwerk: diesen herrlichen thurn, das achte wunderwerck desz irrdischen bezircks Zinkgref
auserl. ged. 30
ndr. hier dann auch unter verflüchtigung der vorstellung von einem geschaffenen werk: das (
dein fleisz) ist vernünftger weise ein achtes wunderwerk Th. Körner
w. 4, 68
Hempel. 5@cc)
von handwerklichen und technischen gebilden: ferners beschauet die mühsame spinn, deren geweb bey nahe ein wunderwerck ist Grimmelshausen
Simpl. 129
Scholte; das wunderwerk von orgel Herder 15, 163
S.; ein wunderwerk der kalligraphie ..., ein evangelienbuch auf purpurpergament mit gold und silber geschrieben G. Freytag
ges. w. (1886) 17, 326; kanal und strom wurden ... durch sperren und schleusen reguliert, die ... als technisches wunderwerk angestaunt wurden Feuchtwanger
d. falsche Nero (1947) 132.
hier auch mit dem ganz leicht ironisierenden tone wohlwollender übertreibung: wer es hört, wird meinen fleisz bewundern — dasz das wunderwerck ficks und fertig ... ist frau rat Göthe in:
schr. d. Goetheges. (1885) 4, 97; dieses wunderwerk (
eine selbstgebastelte puppenstube) zu beschreiben, sind worte zu schwach H. Seidel
Leberecht Hühnchen (1899) 93.
ein früher beleg vergleichbarer art scheint in einem für das wort ungewöhnlichen blosz elativen sinne gemeint zu sein, wobei die bedeutung von werk
als '
stoff'
vielleicht mitspielt: wenn sie (
die bienen) zusammen führen, ir süsses wunderwerck (
den honig) Ringwaldt
christl. warnung (1589) O 6
a. 5@dd)
von groszen literarischen oder musikalischen werken: ... deines griffels wunderwerke die haben mich dazu gebracht Gottsched
ged. (1751) 1, 190; die welt staunt Shakespeares wunderwerke an Börne
ges. schr. (1829) 2, 198; je mehr man sich den dramatischen aufrisz der Matthäuspassion vergegenwärtigt, desto mehr kommt man zur überzeugung, dasz er ein wunderwerk ist Schweitzer
Bach (1948) 590.
stark ironisch: ich erinnere mich, dasz man von einer missa eines berühmten contrapunctisten ein auszerordentliches miracul machet, weil darinnen ... der tenor dem soprano, und der bass dem contra alt durch und durch in canone folget. welch wunderwerck! Heinichen
generalbass (1728) 935. 5@ee)
von hier aus in anderen, ungeläufigen beziehungen, in denen dann die vorstellung des '
werkes'
im engeren sinne nicht mehr gegeben ist: o Teutschland, grosse königin, du schönstes wunderwerk der erden Rist
d. friedejauchz. Teutschland (1653) 53; drum himmel, gib, dasz diese königseh ein wunderwerck der welt ... mag werden Neukirch
anfangsgründe z. teutschen poesie (1724) 407; das wunderwercke neurer zeit, die alte teutsche redlichkeit Hagedorn
vers. einiger ged. 92
lit.-denkm.; (
Leibniz,) dessen universalität darum nicht minder ein wunderwerk ist, weil sie mit beruhte auf den verhältnissen seiner zeit Mommsen
reden u. aufs. (1905) 116. 5@ff)
entsprechende beziehung auf personen ist bezeichnenderweise älterem gebrauch geläufiger, in dem werk
noch nicht auf die vorstellung des geschaffenen, gegenständlichen eingeengt ist: durch manheit und durch stercke so was ein wunderwerk küng Antelan von Schotten: so hies ein cleines zwerk
Antelan in: zs. f. dt. altertum 15, 140; den Paulum hat man wegen seines predigens vor ein wunderwerck auszgeschrien Abr. a
s. Clara
Judas (1687) 1, 92; ... (
ein held,) den so manche schlacht, so manch erfochtner sieg zum wunderwerk gemacht Gottsched
ged. (1751) 1, 379.
gern mit abhängigem genitiv, zur bestimmung des kreises oder des gebietes, in dem jemand die krone, die blüte, das äuszerste von etwas darstellt: das wunderwerck der gelehrten, der grosse Scaliger Prätorius
anthrop. pluton. (1666) 2, 168; ihre töchter konten auch für halbe wunderwerke der schönheit gelten Lohenstein
Arminius (1689) 2, 43
a.
ähnlich: ... und ihn! — den herrlichen! diesz wunderwerk von mann (
miracle of men)! — verlieszet ihr
Shakespeare (1797) 6, 245 (
Heinrich IV., 2.
teil, 2, 3).
auch in der beziehung auf abschätzig gewertetes: unter welchen etliche, so noch Socrates vorhanden, sie würde sehen, heissen würde, eytel wunderwerck der geuch Lorichius
paedag. principum (1595) 250.
jüngerer gebrauch zieht hier einfaches wunder (
s. d. II E 6 b)
vor, es sei denn, dasz die person gleichsam als produkt einer handlung oder einer schaffenden macht erscheint: die groszmutter war berühmt und ihr rühmen machte, dasz man meinte, welche wunderwerke sie aus ihren töchtern erziehe Gotthelf
ges. schr. (1856) 1, 4; der ehemann, der solch ein wunderwerk der natur (
seine schöne frau) ... für sich allein beansprucht, ist ein egoist Kahlenberg
fam. Barchwitz (1902) 50. 66)
eine auf wunder I
weisende bedeutung '
verwunderung'
begegnet vereinzelt mundartlich, vgl. Unger-Khull
steir. 639
b.
vielleicht in diesem sinne: er (
gott) winckt, und Wilhelm (
Friedrich Wilhelm I. v. Preuszen) soll, zum wunderwerck der erden, die zuflucht und der schutz von seinem erbtheil werden Pietsch
geb. schr. (1740) 102. 77)
in wendungen und festen verbindungen. 7@aa)
verbales. es ist ein (kein) wunderwerk, dasz
oder wenn ...,
wie die gleichlautende formel bei wunder (
s. d. II F 2): aber ein grösser wunderwerck das das selbig darnach ein einiger man allein gethon het Pauli
Keisersbergs narrenschiff (1520) 15
a.
hier besonders in der modern kaum noch möglichen beziehung auf vorgänge, tatbestände und sachverhalte, und so bis ins frühe 19.
jh.: vnd ist auch wol ein wunderwerk dass ihr natur hat solche sterck W. Spangenberg
ausgew. dicht. 27
Martin-Sch.; sonsten ist kein wunderwerck, wenn man ein alt weib siehet, die viel hare üms maul hat, welches natürlich zugehet J. Döpler
theatrum poenarum (1693) 1109; er als ein reicher mensch kann weich werden, das ist bey unserer harten zeit ein wunderwerk Bäuerle
kom. theater (1820) 3, 25.
im ausruf elliptisch: o wunderwerk! ich fühle mich getrieben, den ärgsten feind aufs zärtlichste zu lieben
Shakespeare 1 (1797) 47 (
Romeo u. Julia 1, 5). 7@bb)
in einer reihe präpositionaler wendungen, die vielfach zu formelhaftem gebrauch sich abschwächen, wird vor allem das eingreifende handeln übernatürlicher mächte angesprochen. durch ein wunderwerk,
auch pluralisch: von sanct Michael saget die legenda, ... er ... habe durch ein wunderwerck ... die leute dahin beweget, dasz sie jhn angebetet Luther 34, 2, 227
W.; von einer gütigen gottheit gerettet, und durch ein wunderwerk hierher geführt Göthe I 39, 326
W. zur formel verblaszt, '
auf wunderbare weise',
vgl. miraculeusement Schwan
nouv. dict. (1783) 2, 1076
b: deine (
des tabaks) kraft und stärcke macht durch wunderwercke allen kummer zahm J. Chr. Günther
ged. 296
lit. ver.; in einer welt, in welcher sich alles durch ursache und wirkung verwandt ist, und wo nichts durch wunderwerke geschieht Lichtenberg
verm. schr. (1800) 3, 430.
seltener: habe ich, als Lelio, seine freundschaft, und sein ganzes vertrauen nicht weg? und dieses ohne wunderwerke Lessing 2, 12
L.-M. am häufigsten nicht ohne (ein) wunderwerk: denn gott hat uns dismal aus grosser sorg und fahr erlöset, nicht on sonderlich wunderwerck Luther 54, 393
W.; (
der ehestand) ist es, ohne welchen diese welt nicht ohne ein neues wunderwerck gottes könte erhalten werden Lindenborn
Diogenes (1742) 1, 90.
meist nur soviel wie '
nicht auf natürliche weise, gleichsam nur durch ein wunder': ich mich niemals vnterfangen, die blöden, welche ohne wunderwerck nicht geheilet werden können, zu verständigen leuten zu machen Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. (1641) 1, O 8
a; es ist ohne wunderwerk nicht möglich, dasz man als ein narr zu lesen anfangen und als ein weiser aufhören sollte Rabener
s. w. (1777) 1, 15.